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Leselupe.de > Science Fiction
Oh, Bruno
Eingestellt am 14. 11. 2001 21:23


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Carol Klopsch
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2001

Werke: 12
Kommentare: 5
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1.

Der Antrieb bockte wieder einmal.
Joe, der Commander und auf Nachtwache, wurde aus dem Pilotensessel geworfen.
"Shit!" Knurrte er, nachdem er seine ZÀhne aus der Polsterung des Co-Pilotensessels gelöst hatte.
"Shit! Da kommt`s mir hoch!" Er spuckte aus und torkelte zu seinem Sitz zurĂŒck.
Die Schlingerbewegungen des Raumschiffs hörten auf. Auf den Bildschirmen der Aussenortung zeigte sich weiterhin ewiges Schwarz, durchsetzt von leuchtenden Punkten: den Sternen des Alls.
"Hoffentlich sind wir bald da!" murmelte Joe und las die Kontrollen ab. Die meisten funktionierten nicht mehr, aber immerhin war es ihm noch möglich, das Schiff zu steuern und die Richtung anzugeben.
"Immer das gleiche," ertönte es vom Zentraleschott her, "nicht mal ne Sitzung kann man auf dem Pott abhalten. Die HĂ€lfte meines Schisses landete neben der SchĂŒssel!"

Willi Charodok, stellvertretender Commander des Unternehmens und einziges Mannschaftsmitglied, schniefte. Im Gegensatz zu Joe Panther war er eine stattliche Erscheinung von fast einem Meter neunzig. Joe hingegen wirkte wie ein dicker Fußball auf Beinen.
"Übung macht den Meister..."
"Ach - so kann es nicht weitergehen. Es wird Zeit, dass wir unser Flugziel erreichen. Fast sechs Monate sind wir unterwegs, ohne Feten und Frauen. Ich möchte wissen, wer die Schnapsidee hatte, dass wir den Unmöglichen Planeten wieder aufsuchen..."

Joe zuckte mit den Schultern und grinste Willi an. Er sagte: "Der Wissenschaftliche Rat fĂ€hrt auf diesen Planeten voll ab. Und wer ist fĂŒr so einen Planeten besser geeignet als das Sternenduo Willi und Joe, he!? Vom Unmöglichen Planeten geht es dann weiter nach
Trinidad - und das lassen wir die Sau raus!"
"Dein Wort in meinem Gehörgang!" Will rĂŒckte den Co-Pilotensitz gerade und ĂŒberprĂŒfte die Kontrollarmaturen.
"Jetzt ist die Kontrollautomatik fĂŒr Triebwerk vier ausgefallen!"
meldete er ruhig.
"Okay, ich ĂŒbernehme mit Triebwerk drei."

Leises Summen erfĂŒllte die Zentrale des kleine Kugelraumers.
Einige Bildschirme flackerten, vor dem Schott piepte die Akustik des Reinigungsroboters, der Willis FÀkalien ordentlich entsorgte - zumindest versuchte er es. Lautes Scheppern zeugte vom Aufeinanderprallen verschiedener Metallteile. Beim Robot waren einige Schrauben locker und so fuhr er stÀndig gegen die Schiffsinnenwandung.
"Wie wÀr's mit Bauernskat?" fragte Willi.
"Lieber wÀre mir Ausziehpoker..." meinte Joe.
"Aber nur mit der Reinigigungstante aus Blech. Ich find's geil, wenn sich beim Robot nacheinander die Verkleidungen lösen..."
"Okay. Bis wir da sind..."


2.


"Als Kakerlake hat man es schwer!" seufzte Esther und zielte mit ihren FĂŒhlern in Richtung Mathilde, ihrer Freundin.
"Wieso als Kakerlake...Wer lebt denn sonst noch in dieser Welt außer unserem Volk?" wunderte sich Mathilde.

Ester winkte mit einem ihrer Beine ab. "War nur so ein Spruch. Du musst ja nicht alles so ernst nehmen, was ich sage."
"Aber in letzter Zeit bist zu so sauer und verbittert. Was ist los. Ist es Karol, dein Begatter? Oder Heribert, dein Hausfreund? Oder Bogomil, der immer..."
"Schweig!" rief Esther "Lass diese AnzĂŒglichkeiten. Was kann ich denn dafĂŒr, dass ich so begehrt bin. Die MĂ€nner stehen halt auf mich."
NeiderfĂŒllt starrte Mathilde ihre Freundin an. Sie selbst war eine kleine, hĂ€ssliche Kakerlake, eben richtig schĂ€big. Und sie konnte natĂŒrlich nicht voller Stolz auf so eine tolle Behausung blicken wie Ester.
"Dass es immer noch Trottel gibt, die dir deine Unterkunft durch das Leben schleppen."

Mitleidig schaute sie auf die acht Kakerlaken, die sich mit Esters Haus abmĂŒhten. An gesponnenen F„den gekettet, zerrten sie das majestĂ€tische Bauwerk hinter ihnen her.
"Sie sind mir hörig," meinte Ester nur und liebkoste mit den FĂŒhlern Bruno, der den Antreiber ihrer Lebensdiener mimte. Augenblicklich trieb dieser seine Leidensgenossen zu noch mehr Leistung an.
"Lass gut sein Bruno. FĂŒr heute ist genug. Wir bleiben hier. Ich möchte ruhen."
Die Sklavenkakerlaken streckten alle Glieder von sich und nahmen Ruhestellung ein. Nichts ging mehr.
"Komm Mathilde, ich lade dich in meine Behausung ein."

Sie krabbelten durch eine ovale Öffnung hinein. Kleine Löcher in den WĂ€nden spendeten dĂŒsteres Licht. Die Behausung glich einem geschlossenen Zylinder. So hatte man nur auf dem tiefsten Punkt der Rundung Platz, sich niederzulegen. Eine falsche Bewegung und das Haus rollte nach rechts oder links. Meistens stĂŒtzten des die Zugkakerlaken mit ihren ruhenden Körpern ab.
"Herrlich, nicht wahr!" meinte Ester und bot ihrer Freundin etwas zu knabbern an.
"Tja - nicht jeder erbt so etwas Tolles."

Seit Generationen war dieses Haus in Besitz von Esters Familie. Hier wurden die Kinder geboren und die Greise verabschiedeten sich in die Anderwelt.
"Es könnte wieder einmal etwas Farbe gebrauchen. Ich werde mir die nötige Erde in den nÀchsten Tagen mischen."
Behaglich lehnte ließ sie ihre FĂŒhler baumeln.
Mathilde wurde schlÀfrig und so beschlossen die beiden Freundinnen wieder einen Tag in ihrem Leben.


3.


"Es ist bald soweit. Wir schwenken in die Umlaufbahn von IMPOSSIBLE ein."
Willis Stimme klang ruhig und sachlich. Er war voll konzentriert. Es blieb ihm auch nichts anderes ĂŒbrig, denn der Autopilot des Raumers hatte vor Stunden seinen Geist aufgegeben. Nun war Handarbeit gefragt.
"Oh, Joe, der Computer wirft sogar richtige Daten aus.!"
"Echte Wertarbeit. IBM - schÀtze ich!"

Auf dem Hauptbildschirm erschienen lange Zahlenkolonnen, im Hintergrund zeigte der Computer das System des Unmöglichen Planeten.
Als einziger, riesiger, atmosphĂ€reloser Satellit umkreiste er einen rotgrĂŒnen Doppelstern. Auf dem Planeten herrschten WirbelstĂŒrme bis WindstĂ€rke 80, elektrische Ladungen im Gigawattbereich waren an der Tagesordnung. Es gab keine Erhebung ĂŒber 50 m ĂŒber Normalnull. Die StĂŒrme plĂ€tteten regelrecht
die OberflĂ€che. Aber das Innere des Planeten barg gewaltige Geheimnisse. Ausgedehnte Höhlensysteme, gefĂŒllt mit Maschinen einer lĂ€ngst ausgestorbenen Rasse, brachten die Phantasie der letzten terranischen Expeditionen in Wallung. Diese gewaltigen Maschinen sorgten dafĂŒr, dass der völlig instabile Planetenkörper innerhalb seiner exzentrischen Umlaufbahn zwischen den beiden Sonnen hindurch nicht zerbröselt wurde. Sie machten eine Schwerkraft von 0,8 g und atembare Luft möglich.

Joe und Willis Aufgabe war es, auf diesem Planeten nach dem Rechten zu sehen. Es gab keine Lebewesen auf IMPOSSIBLE und so sollte es bleiben. Das Sternenduo musste sich dessen vergewissern, denn die nÀchste Expedition von Wissenschaftlern sollte in einigen Monaten starten.
"Wir sind im Landeanflug auf Checkpoint Charlie." meldete Joe. "Wir ziehen die SchutzanzĂŒge an und dann geht's ab in die Station."

Willi veranlasste in der Zwischenzeit den Start von einigen Dutzend Sonden, die den Planeten vermessen und ĂŒberprĂŒfen sollten.
Ein Reihe von Sonden zerschellte schon beim Start.
"Wo soll das nur hinfĂŒhren!?" schimpfte Willi und gab der Konsolenverkleidung einen krĂ€ftigen Tritt. Aus dem Lautsprecher des Computers erklang ein Wehklagen.
"Jetzt quÀl IBM nicht so!" forderte Joe seinen Partner auf. "
Es geht los!"
Das Raumschiff lag im sicheren, unterirdischen Dock.
"Mal sehen, ob es immer noch so sauber wie beim letzten Mal ist!"
Willi verließ als erster die Schleuse.
"Höchstens ein bisschen Staub..."


4.


Der Morgen brach an. Nicht, dass man dies sehen konnte, aber die Kakerlaken spĂŒrten so etwas. Sie kannten es auch nicht anders.

Wohlig rÀkelten sich Esther und Mathilde auf dem Boden der Behausung.
"Auf, wir mĂŒssen weiter, Mathilde. Heute möchte ich meinem Cousin
Bertram die Aufwartung machen. Er hat meine Behausung noch nicht gesehen."
Mathilde krabbelte aus der Öffnung und Esther folgte ihr.
Bruno und seine Gesellen standen schon bereit. Ein Wink Esthers - und sie wĂŒrden das Haus bis an das Ende der Welt schleppen.
"Bruno !" Der Antreiber spitzte seine FĂŒhler "Auf, marsch, marsch."

Aber bevor Bruno das Kommando weitergeben konnte, fiel eine gewaltige SchwĂ€rze ĂŒber den Trupp der Kakerlaken. Eine SchwĂ€rze, wie sie sie nur im Schatten gewaltiger Erhebungen kannten.

Einige Sklavenkakerlaken erlagen dem Schock. Mathilde streckte ihre Gebeine von sich und fiel in Ohnmacht.
Bruno aber warf sich vor Esther, um sie zu schĂŒtzen.
Ein gewaltiger Brocken stĂŒrzte vom Himmel und walzte Esthers Behausung nieder.
Es war der Weltuntergang...


5.

"Sieh dir das einmal an, Willi," rief Joe Panther und rempelte seinen Freund, der sich im Gang zur terranischen Expeditionszentrale neugierig die Fotos vergangener Expeditionsteilnehmer betrachtete.
"Was..."
"Schau doch mal..."

Willi starrte verblĂŒfft auf den Boden und trat dann zu. Es knackte vernehmlich.
"Ich dachte, das Reinigungskommando hĂ€tte hier alles entseucht und aufgerĂ€umt," schimpfte Joe, "das hier ist eine Riesensauerei. Wir werden das melden mĂŒssen: Eine leere Coca-Cola-Dose und ein Haufen Kakerlaken. Igitt."
Willi orderte augenblicklich ihren Reinigungsrobot, dem zwar nach dem Strippoker einige Blechteile fehlten. Aber seine Arbeit konnte er noch leidlich verrichten.
In Sekundenschnelle waren die zerquetschte Coladose und die Kakerlaken im Konverter des Robot verschwunden.


Epilog

Esther zitterte am ganzen Leib. Bruno lag auf ihr und gab ihr Schutz. Sie hatten sich in eine kleine Nische retten können. Alle anderen waren ins Anderland gegangen, aufgesogen von einem gewaltigen Monstrum - samt der Behausung.
Sie genoss die WĂ€rme von Brunos Körper. Leichte Erregung ĂŒberkam sie. Das Monstrum hatte sie enterbt - wahrhaftig. Aber andererseits - diese ewige Schlepperei, diese vielen, widerlichen Schleimer, die ihr wegen der Behausung den Hof gemacht hatten. Dies gab es jetzt nicht mehr. Geblieben war nur Bruno.
"Ohhh, Brunooo...."


ENDE

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
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die

geschichte gefĂ€llt mir ausgezeichnet und hat mich zum schmunzeln gebracht. kommt in meine sammlung. ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
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Hab geschmunzelt. Danke!

Einige Details stimmen nicht. AusfĂŒhrlichere Bemerkungen erwĂŒnscht?

Große Frage:
„Als einziger, riesiger, atmosphĂ€reloser Satellit umkreiste er einen rotgrĂŒnen Doppelstern. Auf dem Planeten herrschten WirbelstĂŒrme bis WindstĂ€rke 80, ..." WIND auf einem ATMOSPHÄRELOSEN Planeten??
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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Carol Klopsch
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2001

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Das mit dem Planeten hat so seine Bewandnis. Mehrere Leute mußte kurze Beschreibungen geben: einen Planeten oder Storyhintergrund und eine Personenbeschreiben. Alles wurde gemischt und jeder bekam dann eine Hintergrund- und eine Personenbeschreiben willkĂŒrlich zugewiesen. Daraus sollte eine Story gemacht werden. Und deshalb ist z.B. der Planet etwas ungewöhnlich. Aber ehrlich, im Nachhinein betrachtet, hĂ€tte ich das aus korrigieren können. Habe aber darauf nicht geachtet, da die ganze Sache ein Joke war. Ansonsten mußt der Hintegrund schon stimmen. Das ist korrekt.

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