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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ohne dich könnte ich nicht mehr leben …
Eingestellt am 14. 06. 2013 19:50


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Honeymakers
Hobbydichter
Registriert: Jun 2013

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Jetzt sitze ich wieder hier auf meinem Bett. Wie vor einem Jahr auch. Meine Tränen flüchten vor mir. Ich habe mich wieder etwas beruhigt. Vorsichtig schaue ich auf meinen Arm. Unzählige Narben zieren ihn. Ich schaue jetzt direkt auf meine neue Wunde. Das Blut sucht sich den Weg aus meinem Arm. Vorsichtig tupfe ich die rote Flüssigkeit von meinem Arm. Erneut bilden sich rote Tropfen auf meinem linken Unterarm. Ich habe immer noch diesen Drang. Ich brauche diesen Schmerz. Noch einmal gehe ich tief in mich. Ich darf es eigentlich nicht. Ich habe doch das Versprechen gegeben. Ich habe Maggy, meiner besten Freundin, versprochen, dass ich mich nicht mehr ritzte. Ach egal. Mein Leben macht doch eh keinen Sinn mehr. Ich schaue auf den Kalender… 14. Oktober … Wieder spüre ich meine Tränen, wie sie meine Wange hinunter laufen. Ich setzte die Klinge langsam und vorsichtig auf meine Haut. Noch einmal dachte ich an die schöne Zeit zurück…

Alles fing im Frühjahr 2007 an. Meine Mutter verkündete mir und meinem Bruder, dass wir in den Sommerferien umziehen werden. Zuerst freute ich mich. Eine Art von Abenteuer. Ich mag mein Zuhause, auf dem Dorf. Jeder kannte jeden. Aber ich dachte mir, in der Stadt zu wohnen, wird bestimmt cool. Dann würde ich näher an der Realschule wohnen, auf die ich nach den Sommerferien zur Schule gehen werde. Ich könnte meine Freunde nach der Schule mit nach Hause einladen. Aber ich sah, dass irgendwas mit meiner Mum nicht stimmte. Verunsichert fragte ich, was denn los sei. Sie meinte, wir würden nach Baden-Württemberg ziehen. Zum neuen Freund von ihr. Klar, toll, ich mag ihn, aber ich will hier am Niederrhein wohnen bleiben. Meine Freunde, meine Familie … Alle musste ich verlassen…
Das halbe Jahr ging schneller rum als ich dachte. Bevor es losging, hatte ich eine kleine Abschiedsfeier veranstaltet. Doch auch dieser letzte Tag ging schneller rum als ich dachte. Als ich mich von meinen Freundinnen verabschiedet habe, kamen mir ein paar Tränen. Aber ich wollte stark sein. Als nun alle Mädels weg waren, war nur noch mein Kumpel Basti da, der Sohn von der besten Freundin meiner Mum. Ich konnte mit ihm über alles reden. Über einfach alles. Ich kannte ihn seit dem Kindergarten, wenn nicht, sogar noch länger. Aber seitdem er ein Jahr früher eingeschult wurde als ich, ging unser Kontakt immer weiter auseinander. Trotzdem ging es mir sehr schlecht, als ich wusste, dass dieser Moment des Abschieds immer näher rückte. Dann umarmte ich ihn ein letztes Mal. Ich brach in Tränen zusammen.
In Baden-Württemberg lebte ich mich gut ein. Die Realschule war nicht allzu groß. Meine Klassenkameraden waren nett, und die Lehrer mochte ich zum Teil auch sehr. Trotzdem vermisste ich meine Familie, meine Freunde und vor allen Basti sehr. In der 8. Klasse hatte ich einmal ziemlich Stress mit meinen vier engsten Freundinnen. Ich ritzte mich das erste Mal, aber nur oberflächlich. Es hat nicht geblutet, trotzdem hinterließen die Schnitte Narben. Die allerdings verblassten zum Glück sehr schnell. Zu dieser Zeit ging es mir sehr schlecht. Niemand bemerkte es, was ich eigentlich ganz okay fand. Nur eine Lehrerin. Sie war nur Referendarin, aber ich mochte sie sehr. Sie sah meine Wunden, sprach mich daraufhin an. Wir haben nach dem Nachmittagsunterricht noch zwei Stunden geredet. Es half mir sehr. Somit blieb es vorerst das erste und das letzte Mal, dass ich mich ritzte.
Dann am Anfang der 9. Klasse, an einem Dienstag, habe ich durch einen Sportunfall einen guten Freund verloren. Ich war am Boden zerstört. Zuhause setzte ich mich ans Handy und schrieb Basti eine Sms, was passiert war. Wie fast täglich seit dem Umzug schrieben wir den Rest des Tages. Er meinte am Ende nur, er würde mich nächste Woche besuchen kommen. Ich war etwas aufgeheitert.
In der folgenden Woche ging es mir, dank Basti, wieder gut. Besser. Eigentlich so gut, wie noch nie. Dass er da war, tat mir echt gut. Es war circa eine Woche nach dem Todesfall. Ich lag alleine im Bett, musste an meinen verstorbenen Freund denken, und mir kamen wieder die Tränen. Plötzlich kam Basti zur Tür rein. Schnell wischte ich mir die Tränen aus dem Gesicht. Aber zu spät. Natürlich sah er mich weinen, kam sofort zu mir und nahm mich in den Arm. Er schaffte es mal wieder, mich glücklich zu stimmen, auch wenn es nicht der Anlass danach war. Ich fühlte mich gut. Ich schaute ihn an, wollte mich bedanken. Unsere Blicke trafen sich. Ich öffnete den Mund, aber er legte nur den Finger drauf. Eine seltsam schöne Stimmung lag in der Luft. Er nahm mein Gesicht in seine Hände und dann küsste er mich. Ich erwiderte seinen Kuss. Mein ganzer Körper kribbelte. Es war ein schönes Gefühl. Wir saßen eine ganze Weile auf dem Bett und küssten uns. Es war der schönste Tag in meinem Leben. Aber die Woche ging leider viel zu schnell rum. Am Bahnhof angekommen, war ich am Boden zerstört. Doch er nahm meine Hand und wir gingen gemeinsam zu Gleis. Noch einmal küssten wir uns. Basti kam auf die Idee, ein Bild von uns zu machen, als wir uns küssten. Eine gute Idee, so hatte ich eine sehr schöne Erinnerung an ihn, wenn, er wie so oft, 500 Kilometer von mir entfernt war. Dann rollte auch schon der ICE ein. Noch ein allerletztes Mal küssten wir uns, bis er daraufhin in den Zug stieg. Er meinte nur noch, dass wir uns in zwei Wochen doch wieder sehen würden. Stimmt, ich hatte ja auch bald Herbstferien. Ab dieser Woche kam Basti immer, wenn er Ferien hatte. Und ich kam ja eh schon immer in den Ferien. Wir telefonieren jeden Tag, schrieben unzählige Sms. Ich musste immer an ihn denken. In jeder freien Minute musste ich an ihn denken. Basti, mein Schatz. Er ist der Beste, das Beste, was mir je passiert ist. Ich war so glücklich mit ihm. Wann immer ich konnte, hockte ich am Handy und schrieb ihm SMS. Alle paar Minuten. Ich liebe dich. Ich vermiss dich Schatz. Ohne dich könnte ich nicht mehr leben. Ich ahnte nicht, wie wichtig dieser eine Satz mal für mich werden könnte. Wie unzählig oft habe ich ihm genau diesen Satz geschickt??
Doch in den Sommerferien meldete sich Basti immer seltener. Es wunderte mich. Ich ergriff die Initiative und rief ihn an. Er meinte, unsere Fernbeziehung bringt doch nix mehr. Es würde keinen Sinn mehr ergeben für ihn. Dann legte er auf. Er hat Schluss gemacht. Meine Welt war zusammengebrochen. Diese perfekte Welt mit Basti. Ich wollte mit ihm ans Ende der Welt gehen. Und jetzt? Jetzt soll alles aus sein? Ich schmiss das Handy gegen die Wand. Ich ging zum Schreibtisch, ich ging genau auf das Bild von mir und Basti zu. Das Bild, wo wir glücklich waren. Wir küssten uns auf dem Bild. Es war immer mein Lieblingsbild. Das Bild vom Bahnhof. Daneben hing der Anhänger, den ich von ihm zum Geburtstag bekommen habe. Mein kleiner Sonnenschein stand drauf. Ich musste schrecklich weinen. Warum ist die wunderschöne Zeit vorbei? Warum hat er Schluss gemacht? Etwas beruhigt, ging ich zu meiner Musikanlage. Wie so oft, war meine Mum arbeiten. Ich war allein. Also stellte ich meine Anlage auf volle Lautstärke und schaltete sie an. Es dröhnte ein Lied von Adele. Turning Tables. Mein absolutes Lieblingslied zurzeit. Es wirkt sehr traurig auf mich. Zielstrebig lief ich zu meinem Schrank. Ich wusste genau, was ich wollte und suchte mein Bastelmesser aus der Schublade und machte einen Schnitt nach dem anderen. Nach circa zehn Schnitten fühlte ich mich erleichtert. Seit diesem Tag hatte ich keine Lust mehr auf mein Leben.
Bei jeder Kleinigkeit griff ich zum Messer. Ab dem Tag, an dem vor einem Jahr mein Kumpel gestorben war, reichte mir das Messer nicht mehr. Ich kaufte mir Rasierklingen und ab dem Punkt war alles nochmal viel erleichternder für mich. Es reichte ein Schnitt, es blutete und ich fühlte mich besser. In der Schule merkte niemand, wie es mir ging. Nur meine beste Freundin Maggy kannte mein Geheimnis. Ich hatte eine Maske auf. Ich lachte und hatte Spaß in der Schule. Niemand ahnte von meinem großen Geheimnis. Aber im Inneren ging es mir so schlecht. Nur Maggy gab mir Halt. Nur sie war der Grund, warum ich nie aufgegeben habe.
In der Schule war es ziemlich stressig. Von meinem Klassenlehrer bekam ich gleich am Anfang schon einen Brief nach Hause geschickt, wegen dreimal nicht gemachter Hausaufgaben. Gleich den ersten Französischtest verhaute ich mit der Note 6. In Deutsch sollten wir eine Gedichtbeschreibung als Aufsatz liefern. Ich habe mich gefreut, dass kann ich eigentlich sehr gut. Als ich das Gedicht gelesen habe, wollte ich einfach nur nach Hause. Im Gedicht ging es darum, die Hoffnung am Leben nicht zu verlieren. Immer weiter zu kämpfen und nie aufzugeben. Mir wurde alles zu viel. Ich sah mich selber im Gedicht. Die Botschaft ging an mich. Ich versuchte krampfhaft, diese Beschreibung anzufertigen.
Dann gestern, der 13.10., ich klappte meinem Laptop auf, öffnete Facebook. Ich war geschockt. Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Da, als erste Meldung stand da: Basti ist in einer Beziehung … Weiter konnte und wollte ich nicht lesen. Hatte er wegen einer anderen mit mir Schluss gemacht? Wie lange war er mit einer anderen zusammen? Auch schon, als wir noch zusammen waren? Ich nahm allen Mut zusammen. Wer war die neue an Bastis Seite? Basti ist in einer Beziehung mit Jaqueline… Er hat mich verlassen wegen seiner alten Klassenkameradin Jaqueline? Das Spargelmädchen? Das dünne Mädchen mit den blauen Augen? Ich konnte es nicht fassen. Basti und Jaqueline? Ich bekam die Bilder nicht mehr aus meinem Kopf. Er und ne andere. Hätte er nicht ehrlich sein können und mir gleich sagen können, dass er eine andere hat? Es machte mich wütend und traurig zugleich. Wir hatten unsere Zukunft geplant. Wir wollten irgendwann gemeinsam nach Amerika auswandern. Wir beide, bis ans Ende der Welt. Basti gehört zu mir. Nicht zu dieser dummen Kuh. Ich hasse sie. Ich hasse ihn. Warum konnte er mir sowas antun? Ich habe den Laptop zugeknallt, mich ins Bett gelegt und geweint. Die ganze Nacht durch. Vor 10 Minuten stand ich auf, habe ein Stück von meiner Lieblingsschokolade gegessen. Ich genoss es ein letztes Mal. Ich holte mir meine Klinge aus der Schachtel und ritzte mich …

… Mein Leben kann nicht so weiter gehen. Ich sitze noch immer auf dem Bett. Immer noch spüre ich die kalte Klinge auf meiner Haut. Soll ich? Soll ich nicht? Doch langsam ziehe ich meine Hand zurück. Lege die Klinge erstmal neben mir auf mein Kissen. Jetzt stehe ich auf, ziehe mir schnell eine Jacke an, um für kurze Zeit meine Wunden nicht sehen zu müssen und gehe zur Wand, die gegenüber von mir liegt. Ich schaue mir die Fotos noch einmal an. Schöne Erinnerungen. Viele Urlaubsbilder. Der letzte Urlaub auf Mallorca mit meiner Mum und meiner Tante. Gleich daneben Bilder vom ersten Mal Amerika. Ich muss grinsen. Die Zeit war wunderschön. Die, als mein Dad noch bei uns war. Neben den Bildern aus Miami hangen welche aus dem Kindergarten. Basti … Meine Mimik wurde wieder ernst. Dann sehe ich die vielen Bilder von Maggy und mir. Mir wird kalt und warm gleichzeitig. Mir zerreißt es das Herz, wenn ich überlege, was ich ihr antun werde. Für all das, was sie für mich gemacht hat? Erneut kommen mir die Tränen. Meine Augen wandern weiter, Bild für Bild. Mein Blick stoppt bei den Bildern von Basti und mir. Ich habe diese Bilder nicht abgehangen. Es sind Erinnerungen von einer wunderschönen Zeit. Mein Blick wandert jetzt gezielt auf ein Bild. Das Bild kurz nach unserem ersten Kuss. Es holt mich zurück in die Realität.
Zurück auf dem Bett zieh ich mir meine Jacke wieder aus. Ich schaue zuerst auf meinen linken Arm. Die frische Wunde nässt nicht mehr. Zum Beweis fühle ich nochmal. Bestätigung. Mein rechter Arm. Seit Tagen stehen an meinem Handgelenk die Worte: “ To exit … open here“. Zum verlassen die Pulsadern öffnen… Ich lege meine Finger genau auf die Linie. Auf die Linie mit der Schere. Ja, ich spüre meinen Puls. Ich spüre wie das Blut unter meinen Fingern seine Bahnen zieht. Durch den Körper. Vom Herz, in die Arme, Beine, in den Kopf und wieder zum Herz. Ein ständiger Kreislauf. Doch ich werde diesem Kreislauf gleich ein Ende setzen. Ein paar letzte Minuten fließt das Blut ungestört seine Bahnen. Ich atme ein. Ich atme aus. Noch ein Atemzug. Langsam nähert sich meine Hand der Rasierklinge. Mein Blick wandert ein letztes Mal durch mein Zimmer. Ich schau in den Spiegel, in meine blauen Augen. Sie sehen müde und erschöpft aus. Mein blondes, schulterlanges Haar ist zu einem unordentlichen Zopf zusammen gebunden. Einmal schaue ich noch auf das Bild von mir und Maggy. Es ist, als ob mir ein Messer in mein Herz sticht. Meine Hand zittert. Langsam nähert sich die Klinge der Linie, genau auf meiner Pulsader. Mit Druck setze ich die Klinge genau auf die Linie. Ich spüre das kalte Eisen auf meiner Haut. Mein ganzer Körper zittert. Mein Atem zittert. Die Klinge zittert… Ich schließe meine Augen drückte mit der Klinge auf meine Haut und ziehe die klinge in Richtung meines Körpers. Ich spüre diesen Schmerz. Und noch ein Mal setzte ich die Klinge an und ziehe eine Linie parallel zur ersten. Dieser Schmerz tut so gut. Ich öffne meine Augen und schaue auf meinen Arm. Warmes Blut fließt aus meinem Arm. Ich lasse die Klinge aus meiner Hand fallen. Ich fühle mich so erlöst. Noch einmal schaue ich meinen Arm an. Man sieht keine Narben mehr, nur Blut. Immer mehr roter Lebensaft tropft von meinem Arm. Ich merke, wie Leben aus meinem Körper fließt. Er wird immer verschwommener, mein Arm. Ich spüre, wie ich langsam zusammensacke. Mir wird klar, mein Leben ist in ein paar Sekunden vorbei. Das Leben von mir ist Geschichte ….

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