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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Oktoberfest
Eingestellt am 09. 11. 2002 17:26


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JennyP.
Hobbydichter
Registriert: Nov 2002

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Ein feiner Job im Oktober

Es hat schon jedes Mal etwas ganz Besonderes an sich. Ich arbeite auf Abruf. Im Höchstfall werde ich einen oder zwei Tage vor Beginn angerufen, sodass ich mich halbwegs mental dar-auf einstellen kann. Ich weiß nie, was mich erwartet, aber das ist kein Grund, davor Angst zu bekommen oder nervös zu sein. Ich lasse es einfach auf mich zukommen.
Ob nun auf einer JubilĂ€umsveranstaltung fĂŒr Professoren oder dem jĂ€hrlichen Bikertreffen fĂŒr jedermann, es verliert nie seinen Reiz. Die Leute sind einfach unglaublich. Man erwartet ver-snobte Lackaffen oder durchgeknallte Saufkumpanen, die einem die Stimmung vermiesen. NatĂŒrlich sind diese Leute keine Seltenheit, aber sie wissen, wie sie die Menge in Partylaune versetzen können.
Wo ich arbeite? Ein Tresen, ein Partyzelt, eine BĂŒhne, Holzgarnituren und vor allem Massen von Menschen mit ohrenbetĂ€ubender Stimmung.
Als kleine blonde SchĂŒlerin hat man am Anfang erhebliche Probleme mit der guten Laune anderer. Man ist froh, wenn man sein Tablett einigermaßen getragen bekommt, nichts ver-schĂŒttet und man sich nicht all zu oft bei den Rechnungen vertut. Das LĂ€cheln fĂ€llt einem dabei sichtlich schwer. Wenn sich dieses Unwohlsein nicht mit der Zeit legt, ist dies der fal-sche Job.
FĂŒr mich ist er es nicht. Die Bezahlung spielt nur eine mindere Rolle. NatĂŒrlich achte ich bei der Abrechnung auf die Korrektheit und Genauigkeit. Aber ich zĂ€hle wĂ€hrend der Arbeit nicht, wie viel Geld ich jetzt nun wieder verdient habe. Ich lasse mich nicht ĂŒber den Tisch ziehen. Schließlich kann einem das im Leben noch so oft passieren, darĂŒber muss man sich als SchĂŒlerin schon im Klaren sein. Abzocken liegt in der Natur des Menschen, auch bei mei-nen GĂ€sten passiert mir das ab und an, natĂŒrlich ganz unbewusst.
Die Belegschaft weist nicht unbedingt die perfekte ProfessionalitĂ€t auf, die sie sollte, aber das macht sie gerade perfekt. Immer gut gelaunt, mit SpĂ€ĂŸen auf des SchĂŒlers Kosten und meis-tens unter der GĂŒrtellinie, machen wir uns bereit fĂŒr die anstehende Party. Gegenseitiges An-grapschen oder Umrennen gehört dazu und wird gern mit einem ironischen Spruch oder einer bestimmten Handbewegung erwidert. Solche Sachen verleiten zu Hochstimmung.
GĂ€ste Bedienen ist schon ein feiner Job, wenn man nicht seinen Chef im Nacken sitzen hat. Es ist schon ziemlich hart. Die Anstrengung zehrt an der körperlichen Verfassung, aber es trainiert. Man bekommt mit der Zeit das GefĂŒhl dafĂŒr und den entsprechenden Bizeps.
AnfĂ€nglich macht man dabei eine eher jĂ€mmerliche Figur. Man ist klein, nicht ĂŒbermĂ€ĂŸig krĂ€ftig gebaut und wird von den GĂ€sten ĂŒbersehen. Das stylische dunkelblaue T-Shirt mit dem Firmennamen bewirkt dann auch nicht das, was es soll. Aber wenn man den Dreh raus hat, ist es ganz einfach, die Aufmerksamkeit der GĂ€ste auf sich zu ziehen. Man kann sozusa-gen seine „Macht“ ausĂŒben. Man muss das von einer ganz einfachen Seite betrachten. Die GĂ€ste haben Hunger und die GĂ€ste haben Durst. Die einzige Person, von der sie diese Dinge bekommen und ihre BedĂŒrfnisse befriedigen können, bin ich.
Stellen sich die GĂ€ste gut mit mir, geht alles ganz schnell. Von der Anfrage bis zum Servieren dauert es wenige Augenblicke. Schnauzen mich die GĂ€ste an oder versuchen sie mir an die WĂ€sche zu gehen, brauche ich schon mal so zwanzig Minuten um ein einfaches Bier zu zap-fen. Das kann schon mal passieren, wenn das Fass gerade leer ist, der Druck zu hoch ist oder einfach zu viel Betrieb ist. Im ĂŒbrigen verrechnet man sich viel leichter, wenn man von seinen muffligen GĂ€sten unter Druck gesetzt wird.
Allgemein gĂŒltig ist die Formel fĂŒr die Stimmung. Je schneller der Alkoholpegel steigt, um so besser wird die Laune. Ausnahmen bestĂ€tigen die Regel. Da geht dann auch schon mal der eine oder andere Tisch in die BrĂŒche. Zehn Mal etwa sechzig Kilo kann er nur schwer tragen. Um es kurz anzuschneiden. MinderjĂ€hrigkeitsgesetze und -verbote gelten nicht ĂŒber einem Wert von 1,0 Promille.
Wenn dann der Bedienung absichtlich an den schönsten Teil ihres Körpers gegriffen wird, so dass diese stolpert und womöglich fĂ€llt und etwas verschĂŒttet, haben wenigstens alle etwas zu lachen.
Der DJ verscherbelt fĂŒr billige Spielchen T-Shirt, Kulis etc. Die Belegschaft bekommt es auch ohne einen Nagel in ein StĂŒck Holz zu schlagen, dass lose auf zwei FĂ€ssern liegt und nicht hinunter fallen darf.
Drei-Liter-Saufen. Eine SpezialitĂ€t. ÜbermĂŒtige Jungschausteller wagen es, mit dem Ziel, die Belegschaft zu Ă€rgern. Denn diese ist dazu gebrandmarkt, tĂ€gliche Mahlzeiten von der Tanz-flĂ€che zu kehren. Nicht, dass deshalb nicht getanzt wird. Das trocknet schon.
Peinlich werden nur MĂ€nner ĂŒber vierzig nach drei Maßbier. Mit Visitenkarten und Telefon-nummern schmeißen sie dann nur so um sich, bevorzugt in Richtung der Bedienung. Mit der Zeit kenne ich dann auch meine Pappenheimer. Ob sympathisch oder abartig, jeder bekommt seine spezielle persönliche Behandlung. Die rechtsradikalen Teenies mit ihren Bomberjacken, Springerstiefeln und ihren angeleinten “Tussis“ bekommen alle zwei Stunden die Möglichkeit bei mir eine Bestellung aufzunehmen. Eine falsche Bewegung oder ein dummer Spruch zuviel und es sind sofort mindestens fĂŒnf starke MĂ€nner zu meinem Schutz zur Stelle. Die Teenies vertragen halt nicht so viel und lassen dann ihr FrĂŒhstĂŒck oder Mittag in unserem Zelt zurĂŒck oder fangen mit Unbeteiligten sinnlose SchlĂ€gereien an. Eins wie’s andere ist typisch und nicht gerade selten. Noch weniger erfreulich ist das stĂ€ndige Herannahen der Polizei und des Krankenwagens. Irgendeiner muss doch immer ĂŒber die StrĂ€nge schlagen.
Die lieben netten Opis, die mit dem Trinkgeld nicht geizen und alte Storys vom Krieg erzĂ€h-len, dĂŒrfen mich auch beim Namen rufen.
FamilienvĂ€ter mit anwesender Familie versuchen offensichtlich in aller Öffentlichkeit ihre Frauen zu hintergehen. Da habe ich meine Grenzen. Alkohol gibt es da nicht von mir.
Anstrengend wird es eigentlich erst, wenn die einzigen NĂŒchternen die Bedienungen und die Barkeeper sind. Selbst der DJ hat Probleme sich aufrecht zu halten. Das ist aber auch ein Zei-chen, dass es bald dem Ende zugeht. Wenn ich nach Kleingeld frage, öffnet mein Gast das Portemonnaie mit lauter Zwei- und EineurostĂŒcken und entgegnet mir, „Ich hab kein Klein-geld mehr“. Am besten wird es, wenn die GĂ€ste zu wenig fĂŒr die Rechnung bezahlen und sa-gen, „stimmt so“, oder passend zahlen und sagen, „stimmt so“.
Mit dem Leiserwerden der Musik wird es auch Zeit, die letzten GĂ€ste, die es noch nicht er-wischt hat, zu vergraulen. Allein das Wort „Schankschluss“ erweckt in einigen von ihnen Horrorvisionen und veranlasst diese zu heftigen Endlosdiskussionen.
FĂŒr mich aber ist es eher ein Segen. Nun können wir uns endlich daran machen die Aschenbe-cher zu entleeren oder besser gesagt zu desinfizieren, die MagenausschĂŒttungen wegzukehren und die Alkoholleichen mit abgenutzten Bundeswehrdecken zuzudecken.
Mit aufgerissenen HĂ€nden, nach Qualm und Alkohol stinkendem Haar und spröden Lippen, mache ich mich auf den Weg, meinen Chef mit den leicht geröteten glasigen Augen nach Hause zu fahren, um mich fit fĂŒr den nĂ€chsten Tag zu schlafen, aber auf jeden Fall erst einmal ausgiebig zu duschen.

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Parsifal
Guest
Registriert: Not Yet

Oktoberfest

Hallo Jenny,

mit Interesse und einigen VergnĂŒgen habe ich Deine Betrachtungen ĂŒber das Oktoberfest gelesen, obwohl sie keine eigentliche Geschichte sind. Vielleicht könntest Du eine besonders amĂŒsante oder auch Ă€rgerliche Erfahrung aus Deiner Erinnerung herausgreifen und sie mit Hilfe von Dialogen, die einer Geschichte erst Lebendigkeit verleihen, zu einer Kurzgeschichte ausbauen.

Weiterhin viel Freude am Schreiben!
Parsifal

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damaskus
Guest
Registriert: Not Yet

Hmmmm ... also Parsifal: Ob ein Dialog drin ist oder nicht, ist eigentlich schnurzegal (außer es handelt sich um eine Krimi-Story, dann ist es eine wirklich SĂŒnde).

Und wegen dir, Jenny: Du hast Talent, das spĂŒrt man. Alles ist ganz nett geschrieben, ein nettes PlaudergesprĂ€ch. Alles im bla-bla Stil. Aber dĂ­r geht oft genug der Faden aus der Hand. Du "laberst" (ich entschuldige mich fĂŒr den Ausdruck, muss aber sein) eigentlich mehr, als dass du eine Geschichte erzĂ€hlst. Der Text sollte massiv gekĂŒrzt werden. Überleg mal, was wirklich wichtig ist und notwendig fĂŒr die Geschichte an sich. Z. B. kannst du gleich den ersten Satz rausstreichen. Am Anfang weiß man auch nicht, von was du redest.
Aber insgesamt ist es niedlich geschrieben, von einem netten MĂ€dchen, dem man gerne zuhört, auch wenn's mehr ÂŽne Plaudertasche als ÂŽne GeschichtenerzĂ€hlerin ist. Das heißt nicht, dass du nicht schreiben kannst, im Gegenteil. Du kannst was. Aber du solltest dir besser ĂŒberlegen "was" du eigentlich wirklich erzĂ€hlen willst.

Liebe GrĂŒĂŸe
Damaskus

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