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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Old Icke geht in den Kindergarten
Eingestellt am 21. 07. 2003 18:27


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flammarion
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Old Icke geht in den Kindergarten

„Oma, du musst die Christa in n Kindajaatn schickn“, sagte in bestimmendem Ton die Nachbarin zu meiner erziehungsberechtigten Tante Ida. „So, warum det denn? Wird se da jejossn, damit se schnella w├Ąkst?“ fragte die humorige Alte zur├╝ck.
„Nee, det nich. Aba die Kleene kennt doch keene Kinda! Dadrum muss se dahin.“
„Ach, sind Waltraud, Doris und M├Ącki schon awacksn?“ grinste Ida breit.
„Mensch, nu vaschteh mir doch ma richtich, Mensch. Ick meine nat├╝rlich jleichaltrije Kinda.“
„Ach, det is woll heute for die neue Zeit wichtich, wat?“ konterte Ida bissig.
„Nee“, Grete L. sch├╝ttelte den Kopf, „det wa schon imma wichtich. Wenn die J├Âre neechstet Jah in ne Schuhle kommt, denn muss se mit die andern Kinda auskomm k├Ânn, dadrum muss se jetze in n Kindajaatn jehn. Au├čadem lernt se da ooch schon n bisschen wat for de Schuhle. Oda willst du dir villeicht hinsetzen und jedn Tach mit ihr bis zwanzich zeehln un wat wee├č ick nich noch allet?“
Die M├╝he wollte Ida sich nicht machen und ich wurde im Kindergarten angemeldet. Ich stiefelte auch recht brav neben Tante Irma her – Ida war der Weg zu beschwerlich. Und Tante Irma erz├Ąhlte mir so viel Vergn├╝gliches unterwegs, dass ich mir vor Begeisterung den Weg nicht merkte.
Die Kinderg├Ąrtnerin war eine h├╝bsche junge Frau. Sie begr├╝├čte mich sehr freundlich und brachte auch die Kinder dazu, mich freundlich willkommen zu hei├čen. Ich freute mich sehr, mich in einem riesigen Spielzimmer zu befinden, wo alles so bunt und neu war.
Nachdem ein paar Lieder gesungen wurden, von denen ich fast alle kannte, durften wir spielen, was wir wollten. Die M├Ądchen zogen sich in die „Puppenecke“ zur├╝ck, die Jungen bildeten kleinere Gr├╝ppchen um mehrere Bausteinhaufen und einen Kaufmannsladen.
Ich war unschl├╝ssig, wohin ich mich wenden k├Ânnte. Das Angebot war so gro├č! Wie in einem Spielzeugladen! Ich vergewisserte mich bei der Erzieherin, ob ich wirklich mit allem spielen k├Ânne, was an Spielzeug im Raum ist, denn es gab auch viel Jungsspielzeug, und die Puppenecke sah mir mit den vielen M├Ądchen darin sehr eng aus. Sie bejahte l├Ąchelnd und ich lief schnurstracks zu einem gro├čen roten Auto und bewegte es auf dem Fu├čboden.
Leider geh├Ârte dieses Auto einem Jungen, es war Privatbesitz. Er schoss auf mich zu und entwand mir das Gef├Ąhrt. Ich br├╝llte auf und wies auf die Erlaubnis der Erzieherin hin. Sie stand mir bei und ich durfte weiter mit dem sch├Ânen Auto spielen.
Ich fuhr auf einen Bausteinhaufen zu. Die Jungen riefen: „Hier kannste nich lang, hier is Baustelle!“ und rasch wendete ich. Leider zu rasch, die Reifen stellten sich quer. Der Besitzer f├╝rchtete um seinen Flitzer und nahm mir das Auto noch einmal weg. Die Erzieherin brachte die R├Ąder wieder in Ordnung und stellte das Auto auf ein Regal, sodass es keiner von uns erreichen konnte. „So“, sagte sie. „Wenn du nach Hause gehst, dann bekommst du es wieder. Und ich m├Âchte dich bitten, es in Zukunft zu Hause zu lassen. Es gibt hier genug Spielzeug.“
Mich aber f├╝hrte sie in die Puppenecke zu den M├Ądchen. Da waren alle Puppen und Teddys schon in fester Hand einer Puppenmutti. Nur ein d├╝nnes Stoffp├╝ppchen war noch ├╝brig, eine Figur aus dem Kaspertheater. Das sollte die Mutter sein und ich sollte ihre Rolle spielen. Ein Kind sagte: „Die Mutti muss jetzt zur Arbeit gehen. Die Fabrik ist da dr├╝ben bei den Jungs.“
Diese goldene Br├╝cke betrat ich kleiner Idiot leider nicht. Meine Wahrheitsliebe schlug mir ein Schnippchen. Ich verk├╝ndete lauthals: „Nee, die Mutter sitzt!“ und setzte die Kasperfigur rigoros auf einen Stuhl in der Puppenstube.
Ja, meine Mutter „sa├č“. Das war alles, was ich von ihr wusste. Und meine erziehungsberechtigte Tante sa├č auch immer gern irgendwo auf einem Stuhl. Diese Erkl├Ąrungen sprudelte ich hervor und bekam gar nicht mit, dass die Muttis aller hier anwesenden Kinder arbeiten gingen.
Wieder einmal hatte ich mich gr├╝ndlich daneben benommen, keiner wollte jetzt noch mit mir spielen. Es wurde mir ein Bilderbuch in die Hand gedr├╝ckt und ich sa├č ganz allein am Tisch, bis ich endlich von Grete L. abgeholt wurde.
Bevor ich mit ihr gehen durfte, f├╝hrte die Erzieherin ein l├Ąngeres Gespr├Ąch mit ihr ├╝ber mich und mein Benehmen. Ich sch├Ąmte mich in Grund und Boden. Das hielt Grete L. nat├╝rlich nicht davon ab, bei Ida Bericht zu erstatten. „Aba vahaun musste die J├Âre nu nich jleich dafor, die wee├č et doch man blo├č nich bessa.“, sagte sie am Schluss, so kam ich glimpflich davon.
Ich f├╝rchtete, dass ich am n├Ąchsten Tag von vornherein mit einem Bilderbuch an den Tisch gesetzt werde. Das wollte ich nicht. Ich wollte mich auch nicht mit den anderen Kindern, deren Welt mir so v├Âllig fremd war, streiten. ├ťberhaupt wollte ich niiiiie wieder in den Kindergarten gehen. Am anderen Tag bettelte ich erst einmal, damit ich nicht dahin muss. Da es nicht half, warf ich mich zu Boden, strampelte und schrie und setzte so meinen Willen durch.
Heute ├╝berlege ich, ob es mir in der Schule gen├╝tzt h├Ątte, wenn ich weiterhin in den Kindergarten gegangen w├Ąre. Und wenn ja, auf welche Weise.

__________________
Old Icke

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paedag
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danke

au├čerordentlich lieb und erfrischend.
sch├Ân erz├Ąhlt.
danke!

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flammarion
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oh,

ich danke dir, lieber paedag!
ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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Stoffel
gesperrt
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Hi,

ich wollte es nicht anonym negativ bewerten.

Mir zu umst├Ąndlich geschrieben, ich sehe da nichts "erfrischendes".Hab ja auch mal in Berlin jelebt...aber ich finds ..so..geschrieben grauselig

Is nur mein Jeschmack was..muss ja nich uff alle zutreffn

lG
Susanne

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flammarion
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ja,

liebe stoffel, da hast du den nagel auf den kopf getroffen. es ist und war grauselig. es plagt mich noch immer, wie du siehst . . .
ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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vicell
Guest
Registriert: Not Yet

meine liebe flammi!

Leider habe ich dein Werk erst jetzt gelesen, aber ich bin froh, dass ich es gelesen habe!
Es ist weder lieb und erfrischend, aber wunderbar geschrieben (aber in der Regel doch wie immer typisch oldicke!! *lach*) und vor allem: so verdammt nachvollziehbar..
Zwar kenne ich deine Kindheit nicht, aber das macht nichts, ich h├Âre hier eine unendliche Traurigkeit und vielleicht auch Bitterkeit? heraus, und das macht mich ziemlich nachdenklich.
Ich hatte ebenfalls "schreckliche" Erfahrungen im ach so lieben Kindergarten machen m├╝ssen, die sich allerdings schnell ins wohltuende Nichts aufl├Âsten und m├Âchte diese Zeit nicht missen...aber ich musste oft da "draussen" stehenbleiben und zugucken..ich denke nicht gern daran zur├╝ck..

So! Weiter oute ich mich hier nicht, aber ich musste einfach etwas schreiben..

Freu mich auf Samstag!!

Lieben Gru├č,
deine schlaflose vicell ***

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