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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Old Icke hatte einen Muff
Eingestellt am 26. 07. 2003 06:37


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flammarion
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Old Icke hatte einen Muff

1947 bekam die zehnj├Ąhrige Waltraut zu Weihnachten von ihrer Mutter einen wei├čen Pelzmantel und dazu passend M├╝tze und Muff. Sie sah entz├╝ckend darin aus und ihre Freude war riesengro├č. Sie wollte den Mantel am liebsten gar nicht wieder ausziehen nach dem Anprobieren. An jenem Tag glaubte sie, das gl├╝cklichste und reichste M├Ądchen der Stadt zu sein.
Am Morgen des 25. Dezember nahm sie ihren tollen Mantel gleich unter dem Tannenbaum weg und legte ihn um ihre Schultern. Dann forderte sie mich auf, den Pelz zu streicheln. Ich tat es und rief verz├╝ckt: „Ooh, is det weich!“
Waltraud nahm die M├╝tze und wedelte damit in meinem Gesicht herum. Das fand ich nicht so toll, denn es kitzelte unangenehm in der Nase. Sie kicherte: „So wat Sch├Ânet haste nich, wirste ooch nie haben!“ Ich nahm Rei├čaus in die K├╝che.
Damit ich auf unseren Spazierg├Ąngen ebenso reich aussehe wie Waltraud, bekam ich zu meinem vierten Geburtstag im Januar 1948 eine M├╝tze und einen Muff aus grauem Kaninchenfell. Was Waltraud trug, war vom Fachmann gefertigt, das meine von Tante Gerda. Waltrauds Sachen waren gef├╝ttert, die meinen nicht.
Man konnte es ├╝berhaupt nicht begreifen, dass ich die M├╝tze und „die Muff“ nicht gern trug. Wo Tante Gerda sich doch so viel M├╝he gegeben hatte, etliche Nadeln dabei zerbrach und ihre Finger wund gestochen waren. Ich wurde ein sehr undankbares Kind genannt.
Waltraud merkte, dass ich von meiner M├╝tze und dem Muff nicht so begeistert war, glaubte aber, ich sei neidisch, weil meine Sachen nicht wei├č waren wie ihre. Um mir diese Tods├╝nde auszutreiben, zwang sie mich, die M├╝tze und den Muff t├Ąglich zu tragen. Die M├╝tze war ja soweit in Ordnung; man konnte sie unter dem Kinn zusammenbinden. Dann hielt sie warm. Aber der Muff schob mir die Mantel├Ąrmel hoch, der Wind konnte bis an die Ellbogen streichen. Warme H├Ąnde bekam ich auf diese Weise nicht und obendrein kalte Arme. Ich schrie und tobte, es half alles nichts. Ich gab das Toben auf und dachte nur noch: „Na, Waltraud, du wirst schon sehen, was du davon hast! Wenn ich erk├Ąltet bin, wird Oma dich m├Ąchtig ausschimpfen!“ Leider oder zum Gl├╝ck erk├Ąltete ich mich nicht.
Einmal begegneten wir Doris mit ihrem kleinen Bruder M├Ącky. Die beiden ├Ąrmlich gekleideten Nachbarskinder starrten uns neidvoll an. Aber Waltraud mochte die Doris und M├Ącky war ein recht niedlicher kleiner Bengel. Waltraud lie├č Doris den wei├čen Pelzmantel anprobieren und M├Ącky bekam meine M├╝tze auf. Sie war ihm zu gro├č und er schleuderte sie von sich. Schnell setzte ich sie mir wieder auf, denn ich war sehr empfindlich an den Ohren.
Doris passte der Mantel und sie h├Ątte gern auch M├╝tze und Muff probiert, aber die gab Waltraud nicht her. Die M├╝tze deshalb nicht, weil Doris k├╝rzlich L├Ąuse hatte und den Muff aus daffke. So bekam Doris meinen Muff, musste aber unter ihrem sch├Ąbigen Kopftuch bleiben. Dennoch f├╝hlte sie sich wie eine Prinzessin und benahm sich auch so.
Ich war froh, den Muff los zu sein, denn jetzt konnte ich meine ├ärmel zusammenziehen und endlich warme H├Ąnde bekommen. Kurz vor der Haust├╝r wurden die Sachen wieder zur├╝ck getauscht.
Waltraud und Doris spielten oft und gern „feine Dame“. Daf├╝r entliehen sie von mir alles, was dienlich schien. Haarschleifen, die Pelzm├╝tze und nat├╝rlich auch den Muff. Bald bemerkte Doris den Unterschied zwischen meinen und Waltrauds Sachen und tat ihn kund. „Na und?“, t├Ânte Waltraud. „Det schteht mir ja woll ooch zu, oda?“
Jedenfalls brauchte ich den Muff nun nicht mehr zu tragen. Und neidisch war ich auch nicht. Ich habe den wei├čen Pelzmantel lediglich bewundert, aber nicht begehrt. Er war ja sowieso viel zu fein f├╝r mich . . .


__________________
Old Icke

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kaffeehausintellektuelle
Guest
Registriert: Not Yet

liebe flammarion

was bedeutet bitte folgender satz?
Die M├╝tze deshalb nicht, weil Doris k├╝rzlich L├Ąuse hatte und den Muff aus daffke.
also das mit den l├Ąusen, das versteh ich ja, aber aus daffke?

ansonsten find ich die geschichte lieb, aber auch ein bisschen unaufregend. und die vielen namen, die verwirren mich ein bisschen. muss das sein, so viele namen in einer so kurzen geschichte? bei der tante ist zum beispiel v├Âllig unwichtig, ob die gerda hei├čt oder einfach nur die tante ist?
daf├╝r h├Ątte ich aber gern gewusst, in welcher beziehung die waltraud (du schreibst sie am anfang ├╝brigens mit t am ende) zu der protagonistin steht. freundin? kusine? nachbarin?

die k.

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flammarion
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hm,

als ich die geschichte schrieb, hatte ich schon selbst einige bedenken. sie ist ein st├╝ckchen aus meinen memoiren. ich h├Ątte mir die m├╝he machen sollen, die figuren noch mal vorzustellen, aber das w├╝rde bedeuten, fast meine ganze lebensgeschichte noch mal aufzurollen.
"daffke" bedeutet so viel wie gemeinheit.
vielen dank f├╝rs lesen und kommentieren.
ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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