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Leselupe.de > Science Fiction
Oliver - Eine kleine Utopie
Eingestellt am 20. 01. 2002 23:38


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Criss Jordan
???
Registriert: May 2001

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Oliver

Es war vor zwei Wochen. Ich hatte den letzten Arbeitstag hinter mir und zwei Wochen Urlaub vor mir. Den Kopf voller Ferienpl├Ąne, stieg ich die steile Treppe zu meiner Mansardenwohnung hinauf.
Auf dem letzten Absatz jedoch stockte ich. Das durfte doch nicht wahr sein! Auf der obersten Stufe stand ein etwa zehn Zentimeter gro├čes M├Ąnnchen. Es war emsig damit besch├Ąftigt, eine Leiter von der vorletzten Stufe zu sich heraufzuziehen. Neben ihm stand ein Rucksack, der mich stark an eine miniaturisierte Bergsteigerkraxe erinnerte.
Dann hatte das M├Ąnnchen die Leiter oben. Es faltete sie zusammen und befestigte sie auf seinem Rucksack. Dann drehte es sich zu mir, hob eine Hand, wie um zu gr├╝├čen und sagte mit leiser, doch gut vernehmbarer Stimme: "He! Darf ich bei dir campen? Ich bin Oliver!"
Nun erst reagierte ich: "Michael? La├č den Quatsch! Was soll┬┤n die Puppe?" Suchend sah ich mich um. Wo hatte sich Michael versteckt?
"He! Hier unten!" Das M├Ąnnchen h├╝pfte und wedelte mit den Armen: "Hier bin ich! Ich bin Oliver! O - LI - VER!" Ich hockte mich nieder: "Und du bist keine Puppe?" "Ich doch nicht!" Der Kleine stemmte entr├╝stet die Arme in die Seite. "Darf ich nun bei dir campen?" "Na, wenn Du unbedingt willst, meinetwegen!" Ich hielt ihm meine Hand hin: "Steig auf!" Flink packte der Kleine seinen Rucksack und kletterte auf meine Handfl├Ąche.
In der Stube setzte ich ihn auf dem Sofa ab. Sofort begann er, sein Zelt aufzubauen. Unger├╝hrt schlug er die Heringe in meine Sofadecke. "Was┬┤n das f├╝r┬┤n L├Ąrm?" fragte er und meinte das Telefon, das zu klingeln begonnen hatte. "Telefon!" sagte ich und nahm den H├Âhrer ab. Michael. "Ich kann heute abend nicht kommen. Mu├č ┬┤ne Sonderschicht machen!" "Schade" sagte ich, dann f├╝gte ich wie beil├Ąufig hinzu: "Interessiert es dich gar nicht, ob Oliver angekommen ist?" "Oliver? Wer ist┬┤n das?" Ich lauschte auf Michaels Stimme. Wenn er jemanden veralberte, gluckste seine Stimme vor Lachen, als k├Ąme sie vom Grunde des Pazifiks. Doch nichts. Michael war wirklich erstaunt. Deshalb sagte ich nur "┬┤ne Puppe!" Ich legte den H├Ârer auf und sah zu Oliver.
Der hatte gerade begonnen, eine Miniluftmatratze aufzublasen. Ich sch├╝ttelte den Kopf: "So┬┤n M├Ąnnel!" "Ich bin ein Mann!" sagte Oliver und stellte sich in Muskelprotzpositur. "Da kann ich nur lachen!" sagte ich und lachte wirklich. Oliver verzog sein Gesicht in beleidigte Falten und verkroch sich ins Zelt.
Ich wartete ein Weilchen. Dann stuppte ich vorsichtig mit dem Finger gegen das Zelt: "Willst du dich nicht waschen?" "Wozu? Es hat vorhin geregnet!" "Na so ein Ferkel!" "Altes Plundi!" kam es ver├Ąchtlich zur├╝ck. "Werd nicht frech!" Ich zupfte sachte an den Zeltverspannungen. Das kleine Stoffhaus zitterte und bebte.
Oliver kam herausgest├╝rzt, stampfte mit dem Fu├č auf und schrie: "Plundi! Plundi!" Das reichte! Noch bevor er wieder im Zelt verschwinden konnte, hatte ich ihn mit einer Hand gepackt. Er schlug um sich wie ein Wilder, doch ich lie├č ihn nicht los. Ich trug ihn ins Bad und lie├č etwas Wasser ins Waschbecken. Dann sagte ich: "Wenn man irgendwo zu Besuch ist, benimmt man sich anst├Ąndig!" Oliver machte blo├č "Ph". Da setzte ich ihn mitsamt seinen Sachen ins Waschbecken. Er schrie auf und versuchte, dem Wasser zu entkommen. Doch die Waschbeckenw├Ąnde waren zu steil und zu glatt.
"So was Grobes!" knurrte Oliver w├╝tend, "macht ihr das mit euren M├Ąnner auch so?" "Ne!" lachte ich, "die waschen sich von allein!" "Ehrlich? Ist ja interessant!" Oliver verga├č, da├č er mir eigentlich b├Âse war. "Und ihr wascht euch wirklich nicht?" wollte ich wissen. "Es regnetr," sagte Oliver "das reicht!"
Er begann, an der St├Âpselkette zu zerren. Der St├Âpsel gab nach und das Wasser flo├č gurgelnd ab. Oliver stand im leeren Becken und sagte: "Ich friere!"

Abends, ich lag im Bett und Oliver hatte seine Luftmatratze erst aus dem Zelt geholt, nachdem ich auch die letzte Fliege aus dem Zimmer gejagt hatte, begann ich, ihn ein bi├čchen auszufragen: "Rot ist wohl deine Lieblingsfarbe?" Sowohl Rucksack und Zelt als auch die Luftmatratze waren rot gemustert. "Es leuchtet so!" "Und was i├čt du am liebsten?" "Erdbeeren!" Oliver schmatzte gen├╝├člich.
"Gibt es noch mehr solche Winzlinge wie dich?" "Nur noch Vater!" Olivers Stimme bekam einen schw├Ąrmerischen Klang. "Er hat mich auf Wanderschaft geschickt. Ich wollte unbedingt gr├Â├čer werden. Da hat er gesagt: 'Geh in die Welt der Gro├čen! Sie sie dir an! Und wenn du dann immer noch gro├č werden willst, hab ich nichts dagegen!'" "Und, willst du noch?" "Klar, nun gerade!" "Und wie macht das dein Vater? Das mit dem Gr├Â├čerwerden, meine ich?" "Er hat da so┬┤n Mittel!" sagte Oliver begeistert. "Und warum seid ihr so klein?" "Vater hat da so┬┤n Mittel!" diesmal klang Olivers Stimme weniger begeistert.
"Warum hast du dich eigentlich bei mir einquartiert?" Es dauerte ein Weilchen, ehe Oliver antwortete: "Ich hab dich auf der Stra├če gesehen und ich hab ausgekundschaftet, wo du wohnst." "Aha," sagte ich, obwohl mir das nicht Antwort genug war. Doch Oliver schien nichts weiter sagen zu wollen.
Da h├Ârte ich ein Ger├Ąusch. Ich guckte zum Sofa und sah, wie Oliver auf den Fu├čboden kletterte. Er lief duch die Stube, hatte einige M├╝he, ├╝ber die Schwelle zum Schlafzimmer zu kommen. Dann stand er an meinem Bett.
"Hilfst du mir hoch?" er reckte mir die Arme entgegen. Ich setzte ihn neben mich auf das Kopfkisen. Er kroch ├╝ber den weichen Untergrund bis zu meinem Kopf und malte mir mit dem Finger irgendwelche Zeichen auf die Wange. Es kribbelte.
"Ich liebe dich!" sagte Oliver. Ich wu├čte nicht, was ich antworten sollte. "Liebst du mich auch?" Oliver hatte begonnen, an meinem Ohrl├Ąppchen zu zupfen. "Du bist mir zu klein!" sagte ich und ├Ąrgerte mich im gleichen Augenblick ├╝ber meine Worte. "Und wenn ich gr├Â├čer w├Ąre?" "Dann ja!" Oliver schniefte zufrieden: "Wie gro├č?" "Einsachtzig. Mindesten!" Oliver stiefelte zum Bettrand, sprang auf den Bettvorleger und rannte zu Sofa zur├╝ck.

Am n├Ąchsten Morgen war Oliver verschwunden. Ich rief nach ihm und suchte die ganze Wohnung ab. Nichts. Das kleine rote Zelt blieb leer.
Am Abend kam Bea, meine Freundin. Ihr erz├Ąhlte ich die Geschichte vom kleine Oliver und zeigte ihr das Zelt.
Bea sch├╝telte nur den Kopf: "Du hast eine Phantasie, mein je! - Aber das Zelt ist wirklich s├╝├č! Diese Fummelarbeit, mein je! Das w├Ąr was f├╝r meine Tochter. Da k├Ânnte sie mir ihren Puppen Camping spielen ..."
Sie redete und redete. Den ganzen Abend. Bis ich schlie├člich selber glaubte, nur getr├Ąumt zu haben. Das Zelt nahm Bea f├╝r ihre Tochter mit.

Am n├Ąchsten Morgen war ich ├╝berzeugt, da├č Oliver nur in meinen Gedanken lebte, bis - ja, bis gestern Abend. Es klingelte an der T├╝r. Ich ├Âffnete und stand einem Zwei-Meter-Mann in einem leuchtendroten Anzug gegen├╝ber. Er lehnte l├Ąssig im T├╝rrahmen, l├Ąchelte und sagte mit einem abgrundtiefen Ba├č: "He! Darf ich bei dir campen? Ich bin Oliver ..."


__________________
Ensign Criss Jordan
Protection Highlander NCC 2404-A
K├╝chenchef bei Das Kochbuch

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Willi Corsten
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

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Liebe Criss,
was f├╝r eine Geschichte! Gro├čes Kompliment!
Ich wollte ein wenig ÔÇ×meckernÔÇť, weil wir in der LL ja nicht auf einem Kaffeekr├Ąnzchen sind, sondern in einem Autoren-Arbeitsforum, aber du hast mir den Spa├č verdorben. Es gibt einfach nichts zu meckern, so'n Mist - bis auf einen kleinen Tippfehler. Doch weil heute Samstag ist, sehen wir dar├╝ber hinweg.
Super geschrieben, ehrlich.
Es gr├╝├čt dich ganz lieb
Willi

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

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Hallo Chris,

ehrlich - ich bin platt, total verschmunzelt und ein wenig ger├╝hrt. Eine richtig tolle Geschichte. Du siehst, mir geht es wie Willi. Zwei Fragen h├Ątte ich allerdings.
Wo baut der gro├če Olli nun sein Zelt auf und wie bekommt sie ihn jetzt ins Waschbecken?

Gru├č Ralph
__________________
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Criss Jordan
???
Registriert: May 2001

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*rot werd und grins*

Hallo Willi, hallo Ralph,

Danke f├╝r Eure netten worte, hab mich doll dr├╝ber gefreut. Und zu Deinen Fragen, Ralph: Wer sagt denn, dass der grosse Olli im Zelt schlafen muss? Und f├╝r grosse Jungs gibt es die Badewanne oder die Dusche, da passt der Olli bestimmt rein... Sonst noch Fragen (*grins*) ?

Ein wundervolles Wochenende Euch beiden, von mir und Olli


Criss
__________________
Ensign Criss Jordan
Protection Highlander NCC 2404-A
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beisswenger
???
Registriert: Jan 2001

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Werter Kollege,

Ihre story gef├Ąllt mir sehr gut. Sie ist rund, gef├Ąllig und abgeschlossen. Der Kollege Corsten hat allerdings ein paar Rechtschreib-/Tippfehler ├╝bersehen. In dem folgenden Satz habe ich gleich zwei gefunden:

"Mindesten!" Oliver stiefelte zum Bettrand, sprang auf den Bettvorleger und rannte zu Sofa zur├╝ck."

Muss hei├čen: "Mindestens!" und "...zum Sofa..."

Um in diesem Zusammenhang noch einmal auf Ihre "Geklaut - Diskussion" zur├╝ckzukommen:

Ihre Idee ist nat├╝rlich nicht neu: "Die Borgers, Gulliver, die Hobbits..." gr├╝nden auf der gleichen Idee. Aber das schm├Ąlert die Qualit├Ąt Ihres Werkes in keinster Weise.
Aber auch Sie, werter Freund, klauen Ideen aus der Weltchronik- so, wie wir alle es tun. Und das ist gut so!

Sch├Ânes Wochenende!


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hera
Foren-Redakteur
H├Ąufig gelesener Autor

Registriert: May 2001

Werke: 20
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Hallo Criss!

Die Geschichte ist toll. Spannend bis zum Schluss. Bei dem Regenwetter heute genau das Richtige, um mich aufzumuntern.

Tsch├╝ssie, hera

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