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Leselupe.de > Humor und Satire
Oma erlebt Ungarn
Eingestellt am 26. 05. 2003 19:10


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flammarion
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Oma erlebt Ungarn

In Omas Seniorentreff fand ein ungarischer Nachmittag statt. Eine der Angestellten war n├Ąmlich geb├╝rtige Ungarin, so kam die „Herbstlaube“ zu einer kostenlosen Attraktion.
Oma bereitete sich geistig auf den Genuss vor. Sie dachte an das Kinderbuch „Das franz├Âsische M├Ądchen“, aus welchem sie die Koseworte „Edvesem“ und „Kedvesem“ einst lernte und an Kaiserin Sissi, die ja recht gern in Ungarn weilte, nachdem sie dort zur K├Ânigin gekr├Ânt wurde. Und ihr kamen die Operette „Die Csardasf├╝rstin“ in den Sinn und der Spielfilm „Ich denke oft an Piroschka“. Nat├╝rlich wurde all das nicht erw├Ąhnt.
Die gute Frau redete von Budapest, ihrer Heimatstadt, und vom Balaton. Einige der Senioren waren an diesen Orten schon gewesen, so war es ihnen eine vergn├╝gliche Auffrischung ihrer Erinnerungen. Oma war nie so reich, um sich eine Auslandsreise leisten zu k├Ânnen. Sie begn├╝gte sich mit den Bildern aus dem Fernsehen und wurde auch jetzt nicht neidisch. Schlie├člich kannte sie Eger zum Beispiel aus Kreuzwortr├Ątseln und wusste, dass Buda und Pest lange Zeit selbst├Ąndige St├Ądte waren, bis sie durch eine Br├╝cke ├╝ber die Donau miteinander verbunden wurden.
Die Vortragende erw├Ąhnte den Trubel und das bombastische Feuerwerk am Staatsfeiertag zu Ehren des ersten Ungark├Ânigs Stefan, zeigte Bildb├Ąnde herum und einige Handarbeiten im landes├╝blichen Stil, von ihr selbst gefertigt. Selten so saubere Arbeiten gesehen! Zwischendurch wurde ungarischer Rotwein gereicht, der nicht, wie von Oma bef├╝rchtet, seinen Geruch verstr├Âmte.
Die Kaffeetafel war in den Farben Ungarns ausgestaltet und sah pr├Ąchtig aus. Unter anderem prunkte ein Beh├Ąltnis aus Stoff f├╝r Br├Âtchen oder Eier auf dem Tisch, genaugenommen eine kunstvolle Rosette. Dann gab es Kaffee und ein leckeres Dessert. Es sah aus wie ein Schokoladeneisbecher, bestand aber aus Keksen, Schokomus, gehackten N├╝ssen, einem Schuss Rum und einer dicken Haube Schlagsahne. Vielleicht war auch noch dies oder das anderes darin, aber Oma schmeckte nur Genanntes heraus.
W├Ąhrend all der Zeit dudelte das Radio ungarische Zigeunermusik. Oma hoffte, dass irgendwann auch „Dselem“, die Hymne der Sinti und Roma, erklingen w├╝rde, aber Pustekuchen. Na ja, die konnte sie sich ja jederzeit zu Hause von Kassette anh├Âren. Ebenso das „La Paloma“ eines ungarischen Buffo, der das alte Liebeslied mit seiner schmachtenden Stimme zu einem glanzvollen Erlebnis werden lie├č. Schon allein die ungew├Âhnlichen Buchstabenkombinationen, aus denen die ungarische Sprache besteht! Dar├╝ber konnte Oma sich schon vor zehn Jahren wundern, als sie im Hackeschen Hof-Theater die Gruppe „The Transsylvanians“ spielen und singen h├Ârte. Ihre mitrei├čenden Weisen lassen noch heute Omas Elefantenbeine zucken und zappeln.
Als H├Âhepunkt des Tages konnte der Csardas bezeichnet werden, den die Veranstalterin vorzeigte und dann auch noch der dreiundneunzigj├Ąhrigen Alterspr├Ąsidentin beibrachte. Welche Anmut, welche Grazie! Sowohl von der vollbusigen B├╝roangestellten als auch von der spindeld├╝rren Greisin.
An der Stelle fiel Oma die Szene aus „Heute Abend: Lola Blau“ ein, wo die Protagonistin einem Theaterdirektor ihre F├Ąhigkeiten zeigt, alle Register zieht und dann doch abgewiesen wird. Sie versucht es n├Ąmlich sehr gekonnt auch auf ungarisch: „Ich hab ein – joi, Mama – in meinem Taschinkam, das ist mein Trick, Mama, und meine Maschinkam! Ich geb dir Bussi in der Nacht, wenn du Zigeunerlieder spielst auf deiner Geige. Ich hab ein – joi, Mama – in meinem Taschinkam, das ist mein Trick, Mama, und meine Maschinkam. Ich geb dir Bussi bis es kracht! Denk ich an Goulasch in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht! Joi, joi, ischdilem!“
Tja, wer regelm├Ą├čig ins Theater geht, lernt die ganze Welt kennen. Auch Ungarn. Und wenn es nur seine Lieder sind oder solche, die ungarisch tun.

Mai 2003

__________________
Old Icke

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borax
Guest
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Na, ja

is schon lustig die Geschichte. Aber irgendwie w├╝rde ich es nicht so richtig unter Humor einordnen, hab ich so das Gef├╝hl. Lustig ist auf jedenfall der runnning gag mit Oma erlebt, sieht, macht, tut...
Immer sch├Ân weiter machen.
Ganz lieb gr├╝├čt borax

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flammarion
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nu ja,

lieber borax, so ernst ist es mir mit den oma-geschichten jedenfalls nicht. danke f├╝rs lesen und antworten. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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LuMen
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Hallo flammarion,

Deine Geschichte enth├Ąlt gelungene satirische Passagen. Ein bi├čchen st├Ârt mich nur das ungarische "Lied-Zitat"(?) am Ende. Ich glaube, das setzt zuviel Vorkenntnisse voraus, die ich nicht habe. Vielleicht kannst Du das allgemein oder jedenfalls mir Unwissendem noch etwas verdeutlichen.

Sch├Âne Feiertage w├╝nscht
LuMen

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flammarion
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danke

f├╝r die aufmerksamkeit, lumen. an dem "ungarischen" text am ende ist bemerkenswert, dass viele leute meinen, wenn man "joi, Mama" sagt und "kam" an ein wort h├Ąngt, dann klingt es ungarisch. also ein joke.
ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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