Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92200
Momentan online:
332 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Omas haben einen
Eingestellt am 25. 06. 2003 20:03


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Wendy
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2003

Werke: 13
Kommentare: 46
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

In der Warteschlange vor mir an der Kasse steht eine sehr gepflegte Frau mittleren Alters. Offensichtlich kennt sie die Kassiererin; beide Frauen unterhalten sich: >Guten Morgen Frau Sch├╝tz! Ich sehe, Sie haben wieder viele leckere Sachen f├╝r ihre Enkelchen eingekauft. Wie f├╝hlt man sich als Oma?<
Die Kundin sieht zufrieden aus: >Danke der Nachfrage Frau Bayer ÔÇô einfach super! Eigentlich schade, dass die Natur es so verdreht eingerichtet hat.<
>Was eingerichtet hat?< hakt die Kassiererin interessiert nach.
>Na - dass man zuerst Mutter und dann Oma wird.<
Erstaunt blickt die Kassiererin die Kundin an. >Wie kommen sie darauf?<
>Das ist ganz einfach<, erkl├Ąrt die K├Ąuferin weiter: >Als ich jung war, brachte ich drei Kinder zur Welt und musste nebenher noch arbeiten gehen. Das Geld langte weder vorne noch hinten. Ich hatte viel zu wenig Zeit f├╝r meine Familie - es war Stress hoch f├╝nf!<
>Das war bei uns allen so Frau Sch├╝tz, damals gab es nur ein viertel Jahr Entbindungsurlaub und das war es!< seuftzt Frau Bayer.
Gl├╝cklich erz├Ąhlt die Kundin weiter: >Meine Kinder sind erwachsen und au├čer Haus ÔÇô alle haben ihre eigene Familie. Ich merke, dass ich mit meinen Enkelkindern viel toleranter und gro├čz├╝giger umgehe. Vieles d├╝rfen sie, was ich damals meinen eigenen Kindern verboten habe. Auch wenn es einmal hektisch wird, dann wei├č ich, in ein paar Stunden holt meine Tochter die Kleinen wieder ab.<
>Komisch<, sagt die Kassiererin nachdenklich, >bei mir ist es genau so. Ich gehe auch viel lockerer mit meinen Enkelchen um. Schade, dass ich mit meinen eigenen Kindern nicht so nachsichtig war.<
Alle Artikel sind ├╝ber den Scanner gezogen: >Das macht neunzehn dreiundsiebzig! Viel Spa├č mit den Kleinen!<
Ich muss ├╝ber beide Frauen schmunzeln, sie haben Recht - als Oma hat man einen ÔÇ×D├╝rfscheinÔÇť.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Klabautermann
???
Registriert: Feb 2003

Werke: 4
Kommentare: 177
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Klabautermann eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Wendy,

eine ausgesprochen liebenswerte und abgerundete Geschichte. Hab Dir noch ein paar kleine Anmerkungen gemacht...


In der Warteschlange vor mir an der Kasse steht eine sehr gepflegte Frau mittleren Alters. Offensichtlich kennt sie die Kassiererin; beide Frauen unterhalten sich diese Information ist eigentlich ├╝berfl├╝ssig, zudem w├╝rde "unterhalten" bedeuten, dass sie vorher schon gesprochen hat, aber sie scheinen ja gerade zu beginnen. W├╝rde den Satz einfach weglassn: >Guten Morgen Frau Sch├╝tz! Ich sehe, Sie haben wieder viele leckere Sachen f├╝r ihre Enkelchen eingekauft. Wie f├╝hlt man sich denn so als Oma?<
Die Kundin sieht zufrieden aus: vielleicht l├Ąsst Du sie l├Ącheln, ein paar lustige Falten ziehen sich durch ihr Gesicht...Das w├╝rde das zufriedene noch ein wenig unterstreichen. (du k├Ânntest dann dieses "zufrieden" auch weglassen. Man soll ja nicht sagen " es ist sch├Ân", sondern versuchen, dieses Gef├╝hl beim Leser durch andere Worte auszudr├╝cken. >Danke der Nachfrage Frau Bayer – einfach super! Eigentlich schade, dass die Natur es so verdreht eingerichtet hat.<
>Was eingerichtet hat?< hakt die Kassiererin ├╝berrascht/interessiertnach. hier k├Ânntest Du auch den eigentlichen Ich-Erz├Ąhler einbauen. Er/sie k├Ânnte sich ja neugierig vorbeugen, um mehr von dieser klugen Dame zu erfahren
>Na - dass man zuerst Mutter und dann Oma wird.<
Erstaunt blickt --> schauen klingt oft ein wenig "umgangssprachlicher" die Kassiererin die Kundin an. >Wie kommen Sie darauf?<
>Das ist ganz einfach<, erkl├Ąrt die K├Ąuferin weiter: >Als ich jung war, brachte ich drei Kinder zur Welt und musste nebenher noch arbeiten gehen. Das Geld langte weder vorne noch hinten. Ich hatte viel zu wenig Zeit f├╝r meine Familie - es war Stress hoch f├╝nf!<
>Das war bei uns allen so Frau Sch├╝tz, damals gab es nur ein viertel Jahr Entbindungsurlaub und das war es!< w├╝rde die Kassiererin eher seufzen lassen, sie erinnert sich ja an alte Zeiten... Frau Bayer.
Gl├╝cklich erz├Ąhlt die Kundin weiter: >Meine Kinder sind erwachsen und au├čer Haus – alle haben ihre eigene Familie. Ich merke, dass ich mit meinen Enkelkindern viel toleranter und gro├čz├╝giger umgehe. Vieles d├╝rfen sie, was ich damals meinen eigenen Kindern verboten habe. Auch wenn es einmal hektisch wird, dann wei├č ich, in ein paar Stunden holt meine Tochter die Kleinen wieder ab.<
>Komisch<, sagt die Kassiererin nachdenklich, >bei mir ist es genau so. Ich gehe auch viel lockerer mit meinen Enkelchen um. Schade, dass ich mit meinen eigenen Kindern nicht so nachsichtig war.<
Alle Artikel sind ├╝ber den Scanner gezogen: >Das macht neunundachtzig dreiundsiebzig! Viel Spa├č mit den Kleinen!<
Ich muss ├╝ber beide Frauen schmunzeln, sie haben Recht - als Oma hat man einen „D├╝rfschein“.
die Aussage Deiner Geschichte ist wirklich wundersch├Ân. Meine Anmerkungen sollen Dir lediglich eine Hilfestellung sein, und nat├╝rlich nur meine eigene Meinung.

viele Gr├╝├če
vom
Klabautermann

Bearbeiten/Löschen    


blaustrumpf
???
Registriert: Mar 2003

Werke: 20
Kommentare: 735
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um blaustrumpf eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo, Wendy

Die Idee, auf die du deine kleine Szene aufbaust, finde ich wirklich klasse.

Allerdings finde ich die ganze Sache noch nicht so rund wie Klabautermann. Es sind ein paar Details, die mich st├Âren.

Zum einen wirkt die Szenerie f├╝r mich wie eine Fernsehkulisse. Wieviele Frauen kennst du, die beim Warten in der Schlange an der Kasse geduldig einem solchen Austausch zuh├Âren und weder grantig werden noch sich mit einem eigenen Beitrag (und sei er zustimmend) einmischen?

Wenn du deine Erz├Ąhlerin da irgendetwas tun l├Ąsst - Klabautermanns Idee mit dem "aktiven" Zuh├Âren hat was -, ist die Umgebung ganz von allein nicht mehr beliebig. Die Szene h├Ątte ja auch im realen Leben auch Auswirkungen, irgendwelche Reaktionen zur Folge, irgendeine Form von Interaktion, die Darsteller und B├╝hne zusammenbringen.

Ich glaube auch, dass das konzentrierte "Schriftdeutsch" in der direkten Rede nicht ganz in die Szene passt. Du musst ja nicht gleich das Klischee einer Dialekt sprechenden Kassiererin bem├╝hen, aber ein kleines bisschen mehr Umgangssprache w├╝rde den Dialog "echter" klingen lassen, vielleicht sogar lebendiger. "Enkelchen" allein reicht mir da einfach nicht.

Ach, noch etwas. Was kauft die Dame da um Himmelswillen eigentlich f├╝r ihre Enkel ein, dass es 89.73 kostet? Ich nehme mal an, dass es sich um Euro als W├Ąhrung handelt. Was kostet so viel und ist doch so klein, dass das F├Ârderband an der Kasse nicht ├╝berquillt? Die Verk├Ąuferin spricht ja nicht von Spielzeug, sondern von "viele leckere Sachen". Was mag das sein? Babynahrung mit echtem Lachsfilet? Kaviarbrei?

Bitte, versteh mich nicht falsch, ich will mich weder ├╝ber dich noch ├╝ber deine Geschichte lustig machen. Aber wenn du eine kleine Angleichung an realistischere Szenarien vornimmst, dann kommt die "Botschaft" einfach eindr├╝cklicher durch.

Und das w├Ąre sehr sch├Ân.

Herzliche Gr├╝├če von blaustrumpf


__________________
Daf├╝r bin ich nicht aus dem Schrank gekommen, um mich in eine Schublade stecken zu lassen.

Bearbeiten/Löschen    


Wendy
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2003

Werke: 13
Kommentare: 46
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo Klabautermann und Blaustrumpf,
vielen Dank f├╝r Eure Anregungen. Einiges habe ich ├╝bernommen. Wenn man in einer Kleinstadt wohnt, dann gew├Âhnt man sich daran, dass die Kassiererin erst einmal ein Pl├Ąuschchen h├Ąlt - sehr zu meinem Leidwesen.
Liebe Gr├╝sse
Wendy

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!