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Leselupe.de > Erotische Geschichten
One of These Mornings
Eingestellt am 07. 01. 2005 17:18


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Annabeth
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Oct 2004

Werke: 11
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Er sieht ihn an.
Es ist wie eine Luftspiegelung; ein Sturm bricht los, aber eigentlich f├╝hlt er gar nichts. Er ist ganz still. Diese Augen ruhen schwer auf ihm, so schwer, seine Schultern schmerzen von der Last und er senkt seinen Blick, weil er f├╝rchtet, seine Knochen k├Ânnten darunter brechen.
Sein Herz schl├Ągt langsam, mit Bedacht, er sp├╝rt es im ganzen K├Ârper. Ohne sich zu wehren schmilzt er in das Kissen, das seinen R├╝cken st├╝tzt, bis er sich verschwindend klein vorkommt in seinem Bett, er muss vertr├Ąumt aussehen, doch er kann sich nicht aufraffen, denn er sp├╝rt noch dem wortlosen, trotzdem alles sagenden Blick nach.
Dieser ist zur├╝ck zu dem Blatt auf dem Tisch gekehrt und der F├╝llhalter setzt seinen Weg fort, Zeile f├╝r Zeile, Gedanken flie├čen, er, auf dem Bett, w├╝rde zu gerne wissen, ob sich noch andere in dem Kopf ├╝ber dem Blatt versteckt haben, andere, die Er nicht herausl├Ąsst. Geheime Gedanken. Alles von Ihm zu wissen, das w├╝rde ihm gefallen.
Er sitzt am Tisch neben dem Fenster, viel zu weit weg. Mit der einen Hand schreibt Er, die andere st├╝tzt Sein schmales Kinn, der schneewei├če Zahnansatz bohrt sich von Zeit zu Zeit in Seine Unterlippe, oh, er w├╝nscht sich so sehr, dies einmal selbst zu tun, nur einmal und dann sterben.
Oder noch weiter gehen.
Den ├ärmel, den Er immer ├╝ber die Hand zieht, zur├╝ckzuschieben und die weiche Haut darunter zu ber├╝hren, das stellt er sich vor, Ihn mit den Knien irgendwohin zu schieben, egal wohin, er m├Âchte nur die Kontrolle haben und Ihn gegen die Wand dr├╝cken oder tief in die Matratze. Bis sie beide nichts anderes mehr sind als formlose Gedanken, als Bewegung, als atmen und voneinander trinken so dass nichts verloren geht und am Ende alles ausgetauscht wurde und jeder ein anderer ist.




Er, auf seinem Bett, so verschluckt von seiner Vorstellung, die ihn mit schwarzem Samt einwickelt, ohne Platz zum Schnaufen zu lassen, schlie├čt die unn├╝tz gewordenen Augen. Er gibt sich hin. Seine Wangen brennen vor Scham, aber jetzt kann er es nicht mehr aufhalten, er will in sich zusammensinken und ertrinken in der Wahrheit, oder davon rennen, in den Wald vorm Internat. Er w├╝rde sich fressen lassen von Tieren, um hier wegzukommen. Die Welt ist blo├č noch der Abdruck dieses einen Blicks auf seiner Seele. Er will der Erste sein, der Ihn bricht, wenn Er schon gebrochen werden muss; er will der Einzige sein, der es je tut. Nur ihm soll Er geh├Âren. Sein K├Ârper l├Âst sich auf in seine Fasern vor Begehren, vor Lust, vor... er wei├č nicht, was noch. Es ist ├╝berw├Ąltigend, brutal, seine Welt bebt und steht pl├Âtzlich auf t├Ânernen F├╝├čen.
Ab und zu wiegt sie sich wieder so sanft, dass er nichts lieber tun w├╝rde, als sich ins Gras zu legen und einzuschlafen. Er versteht nicht, wie ihn ein Mensch so beeinflussen kann, wie Er die Wellen steuert, die ihn mal unter Wasser dr├╝cken, mal an den Strand sp├╝len.
Er wei├č nur, dass er Ihn nie haben wird.
Bis in den Tod hinein wird Er ihn nicht lieben, Er, der noch immer auf Seiner Unterlippe herum kaut und Hausaufgaben macht; es w├╝rde ihn nicht einmal wundern, wenn das auf Seinem Grabstein st├╝nde.
Irgendwann wird es vergehen. Auch wenn es so verdammt hart ist. Er hat das Gef├╝hl, dass er stolpert und wieder stolpert, sobald er sich gefangen hat, dass er es nicht gut macht, aber es geht schon. Keiner wei├č, dass die M├Ądchengeschichten, die er abends erz├Ąhlt, unwahr sind. Keiner wei├č, wohin er geht, keiner sieht ihn stolpern und fallen, immer wieder, jede Nacht.
Wie von alleine seufzt er und steht auf.
Sein Sweatshirt verdeckt seine neue Niederlage. Die anderen Jungen schauen ihn kurz an, die Zeit bleibt abrupt und heftig stehen, bis in den Magen sp├╝rt er den gnadenlosen Ruck, gleich darauf l├Ąuft sie wieder an und keinen k├╝mmert es mehr, dass er geht. Auch Ihn nicht.
Ja, sie wissen, wen er trifft.
Das Schloss birgt sein Geheimnis in den Armen wie ein Kind, w├Ąhrend er die verlassenen Treppen hinab steigt. Grau verschachtelt entbl├Â├čt sich jeder ├╝ber die Jahre verinnerlichte Gang vor ihm, schlie├člich steht er drau├čen im Wind, er ist nicht stark und auch nicht kalt oder warm, er f├Ąhrt ihm unter die Haut wie ein Blasebalg und stachelt den Schmerz an, sich ├╝ber die Apathie zu erheben, die ihn befallen hat. Das Weinen kommt erst sp├Ąter, wenn er allein ist. Dann wird er Rotz und Wasser heulen, f├╝r jetzt jedoch muss er sich gedanklich das Hirn weg schie├čen, damit er eine Stunde lang vergisst, was ihn so qu├Ąlt.
Rohen Schrittes geht er auf den Waldrand zu, die schwarzen B├Ąume weichen ihm aus, schlie├člich steht er zwischen zwei dicken St├Ąmmen, die den blau bew├Âlkten Himmel zu st├╝tzen scheinen. Hier, neben ihr, wird er wieder gr├Â├čer, obwohl alles mit ihm w├Ąchst. Er ber├╝hrt sie und l├Ąchelt und es ist ein L├Ącheln, das dem eines Tieres gleicht, denn es bedeutet NICHTS.

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Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

An Annabeth

"Auf leisen Sohlen" hast du ein Vesprechen gegeben, das du hier einl├Âst.

Die Geschichte der erwachenden Triebe und Gef├╝hle eines Jungen f├╝r einen anderen hast du einf├╝hlsam und sprachlich sch├Ân beschrieben. Da habe ich es gern hingenommen, zweimal ansetzen zu m├╝ssen beim Lesen, um die beiden ER gedanklich zu trennen.

Bis sie beide nichts anderes mehr sind als formlose Gedanken, als Bewegung, als atmen und voneinander trinken so dass nichts verloren geht und am Ende alles ausgetauscht wurde und jeder ein anderer ist.

Mit S├Ątzen, wie oben zitiert, kannst du den Leser bannen.

Wie bei jeder erotischen Geschichte, k├Ânnen vermutlich nicht alle Leser gefesselt werden.

Ich aber habe mich fangen lassen.

Lotte Werther

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