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Leselupe.de > Kurzprosa
Opfer der Werbung
Eingestellt am 13. 06. 2001 13:43


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hera
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Tage wie dieser kann man voll vergessen.
Der Zahnarzttermin stand an.
Ich sah in den Spiegel und stellte fest, dass ich mein Haar wieder nicht voll unter Kontrolle hatte. Das hat man davon, wenn man sein Haar nur coloriert, anstatt es zu colorieren und zu pflegen.
Aber mein Zahnarzt wird sich wohl kaum um meine Haare k├╝mmern. Er will in meinen Mund sehen.
Eilig kramte ich im Badschrank herum, wo ich alles an Pflegeartikeln gesammelt hatte, was unter die Rubrik: Blitzschnell-zugreifen-und profitieren fiel.
Hach, da war ja noch eine Zahncreme, die gegen Zahnstein, normale Karies, Zahnhalskaries und Zahnfleischschwund half. Allerdings war mir nicht ganz klar, wohin mein Zahnfleisch verschwinden sollte. Na egal, ich putzte ganze zehn Minuten. Hoffentlich h├Ąlt der Zahnschmelz das aus.
Bevor ich ging, nahm ich noch eine Baldrianpillchen, die machen alles ganz leicht. Trotzdem, mir war mulmig zumute. Jetzt einfach wegfliegen und am Strand aufwachen, w├╝nschte ich.
Die nette Arzthelferin begr├╝├čte mich mit einem strahlenden L├Ąchel und ich durfte ins Wartezimmer. Ich setzte mich ans Fenster, neben einen sch├Ânen Blumentopf. So viel Extra muss sein.
Es dauerte und dauerte und dauerte. Die werden doch hier nicht die Welt anhalten?
Was soll man tun, wenn's mal wieder l├Ąnger dauert? Richtig! Ich a├č einen Riegel. Diese Sorte gibt es auf Wunsch jetzt sogar eine Nummer gr├Â├čer.
Aber was tat ich da? Auch wennn hier eine extra gro├če Portion Milch drin ist, dass war keine Entschuldigung f├╝r mich, beim Zahnarzt mit schokoladenverschmierten Z├Ąhnen aufzutauchen. Na ja, wenn's sch├Ân macht.
Mein Handy piepte. Eine SMS: "Komm und lass dich verzaubern." Ohne Unterschrift. Von wem kam das? Ach, ich will es gar nicht wissen. Das juckt mich Null.
Eine andere Patientin starrte interessiert auf mein Handy.
"Entweder man hat es oder man braucht es", sagte ich und nickte ihr freundlich zu. "Mit dem Ding ist verdammt viel m├Âglich."
Ich steckte mein Handy wieder ein, nahm eine kleine Flasche Wasser aus der Tasche und trank einen Schluck. Es war total langweilig hier und so konnte wenigstens mein Durst was erleben. Meine Z├Ąhne f├╝hlten sich gleich viel glatter an. So muss es gl├Ąnzen.
"Und was ist mit Tee?", fragte die andere Patientin.
"Nee", sagte ich. "Da sind doch immer diese Metallklammern am Teebeutel. Wasser ist da besser. Da kann man Geld sparen und gleichzeitig die Umwelt schonen. Und dann, was ich besonders gut finde, kann man der Verpackung ein neues Leben schenken, als Bagger oder Feuerwehrauto.
Das Ger├Ąusch eines quietschenden Bohrers drang aus dem Behandlungszimmer. In Dolby Surround!! Das Herz rast, der Puls auf 180...
Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Was wollte ich eigentlich hier? Ich hatte doch mit Zahncreme gegen alle Zahnprobleme, auf die ich mich mit ├╝ber 40 gefasst machen sollte, geputzt. Und ich war noch nicht mal 40. Noch lange nicht. Mein Zahnklempner w├╝rde gar nichts f├╝r mich tun k├Ânnen.
Ich beschloss zu gehen. Da gab es schlie├člich jemanden, der hatte schon Kaffee gekocht und wartete nur darauf, mich zu beraten. Da kriegt jeder, was er will.

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Frank Zimmermann
Junior Mitglied
Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 1999

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Eine sch├Âne Idee, das Thema auf Werbung umzum├╝nzen, ziehen sich Werbeslogans doch wie ein roter Faden durch unsere Sprache. Allerdings mu├čte ich feststellen, da├č ich wohl einige Zitate nicht mehr entdecke, weil ich seit einem halben Jahr keinen Fernsehanschlu├č mehr habe...
Danke, da├č Du die erste bist, die im Juni mit von der Partie ist.
__________________
fz

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willow
Guest
Registriert: Not Yet

Da weiss man, was man hat...

Hallo hera,

als alter Fernsehjunkie muss ich sagen, dass ich echt BEGEISTERT bin, von deiner Schreibaufgabe.Das war wirklich klasse. Hab gelacht, dass mir fast die Plomben rausgefallen sind.

Echt toll!!!


Lieber Gru├č,

Willow

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jon
Foren-Redakteur
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Lektor
Registriert: Nov 2000

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Wie wahr!

Danke, hera,

f├╝r diese Gesellschaftstudie. Sie ist so wahr, dass mir das Schmunzeln nicht recht geriet, obwohl es oft, wirklich oft in mir aufstieg.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dal├Ąsst (Klaus Klages)

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hera
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Registriert: May 2001

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Hallo!

Vielen Dank f├╝r eure Nachrichten.
Ich bin ├╝brigens auf das Thema gekommen, weil meine Tochter in der Schule einen ernsthaften Aufsatz zum Thema "Sind wir Opfer der Werbung?" schreiben sollte. Das war f├╝r die ganze Klasse nicht einfach und viel zu ernst. Deswegen habe ich gedacht, ich mache mich mal richtig lustig ├╝ber die Werbung. Und jetzt hat es gerade hier her gepasst.

hera

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