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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Orgie
Eingestellt am 13. 02. 2003 21:01


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Cora Horn
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Sie stehen sich gegen├╝ber. Stumm. Der warme Atem aus ihren M├╝ndern vermischt sich sto├čweise mit der schneidigkalten Luft. Und trotzdem grinsen sie. Alle. Ein schiefes, zufriedenes und zugleich angespanntes Grinsen. Ihre Schultern sind verkrampft und hochgezogen, als sie sich in langsamen, lasziven Schrittenaufeinander zubewegen. Als sie stehen, sind ihre K├Ârper starr und ihre Muskeln angespannt - doch trotzdem geht eine tiefe Ruhe von ihnen aus.Ein letztes Aufflackern ihrer Augen verr├Ąt sogenannte Menschlichkeit, und dann werden die Augen wild. Und starr. Und kalt wie die Abendluft.
Der erste Schlag geht in den Magen - tief! Der zweite auf den Nacken - aber dazu kommt es nicht. Ein Aufw├Ąrtshaken kommt von unten, und der Angreifer taumelt zur├╝ck.
Der Spa├č beginnt.
Aufgestaute Gef├╝hle str├Âmen durch die Schl├Ąge aus den K├Ârpern und machen der kribbelnden Ekstase der Gewalt Platz. Schl├Ąge werden zu Energiegeschossen; wie ein Samenerguss schie├čt die Kraft aus ihren Muskeln. Jaaaa! Ihre Gesichter brennen. S├╝├čer Schmerz. So stark, so schwach, so wirklich, so abstrakt! Das Blut so warm! Die Kraft so stark!
Einer von ihnen liegt am Boden. Tritt zu, Stiefel! Ja, noch einmal und noch einmal - der Tritt geht weit ├╝ber sein Ziel hinaus, die Kraft st├Â├čt durch die Eingeweide, durch das R├╝ckenmark hindurch und sammelt sich unter der Haut des anderen. Schmerz durchflutet diesen. Jaaaa! - Aber der Fu├č ging doch nur in den Bauch. Egal!
Mit jedem Tritt der nachfolgt, wird der Widerstand der Muskeln schw├Ącher; irgendwann erschlafft der K├Ârper ganz....
"Stop!"
Weiter, zum N├Ąchsten! DER ist jetzt tabu,.
Bei anderen trommeln f├Ąuste auf die Nasen. Blut spritzt auf die T-Shirts - so real! Das Grinsen auf ihren Gesichtern ist zu einem breiten L├Ącheln angeschwollen. Schmerz. Noch weiter, weiter! Noch mehr Schl├Ąge gehen nieder auf das Gesicht des jeweils anderen. beiden rauscht es in den Ohren - und im Kopf und in den Beinen, in den steifen Oberarmen. Mit dem Blut vibriert der Rausch bald durch den ganzen K├Ârper. Ecstasy.
Da blitzen Messer auf. Nur schwache Streiche. - Und die Klingen schneiden elegant durch Haut und Hemden - nur oberfl├Ąchlich - oh, wie sch├Ân!
Der Schmerz pulsiert bei diesen, puckert durch die Wunden, breitet sich kreisf├Ârmig aus und verschmilzt mit den anderen. Blut ist so warm, so echt! Schmerz ist so echt!
Schmerz ist real. Schmerz ist real! Der Schmerz ist DA.
Nach einem Tritt in den Bauch entweicht einem die Luft. Verkrampfte Lunge, Atemnot. Filigran! Am Rande beider Welten - das Verschwimmen kommt durch den Sauerstoffmangel. Getr├╝bter Blick. Angst, Adrenalin - oh s├╝├če Angst! Adrenalin und Endorphine. Noch ein Tritt in den Oberbauch. Die Rippe bricht, der Schmerz ist da und intensiviert das krampfhafte, sto├čweise Luftholen. Das Gleichgewicht ist jetzt v├Âllig verschwunden - guter, schwerer fall! Ab in den Abgrund.
"Stop!"
Dieser ist drau├čen.
Ganz in der gehetzten Zeitlupe dieser daseinssph├Ąre gefangen, drehen sich die K├Ârper suchend um sich selbst. Alles geht schnell. Alles geht langsam. Die Wunden pulsieren und die Muskeln brennen. Blaue Flecken schwillen an mit einem fordernden, pochenden Gef├╝hl, das beharrlich dem Schmerz gleichkommen will.
Im Rausch verschwimmen alle Bilder. Reaktionen sind das einzige Reale. Und der Schmerz. Der Schmerz - die Essenz dieses unseres Lebens. Wir sind der Schmerz. Wir sind der SCHMERZ.
"Aus! Time is over!"
Aus. Gem├╝ter senken sich wieder, w├Ąhrend die Pulse weiter rasen. Die Erregung ist noch nicht verklungen und schwebt weiterhin ├╝ber dem Platz wie eine s├╝├č duftende Wolke aus Schmerz, Angst, Gl├╝cksgef├╝hl und k├╝nstlich heraufbeschworenem Hass. Die Wolke ist erf├╝llt von Leben. LEBEN. Und von Schmerz - unserem Gl├╝ck.
Die, die noch stehen k├Ânnen, stehen. Grinsend oder ganz einfach nur gl├╝cklich heben sich ihre Gesichter in die Nacht empor, das Blut darauf glitzert im Mondschein und im schwachen Abglanz der Stra├čenlaterne.
Der Kampf ist aus, aber das leben geht noch weiter - so lange, wie der Schmerz anh├Ąlt. Und das ist nicht mehr lange.
Der Kampfrichter: "Vier stehen noch. Hoffe, es hat allen Spa├č gemacht. bis n├Ąchste Woche!"
Der Kampfplatz leert sich nach und nach. Gesch├Ąftsleute und Arbeitslose steigen in ihre Mercedesse oder laufen ihrer Wege - heim zu Frau und Kind. Sanit├Ąter helfen den (nur leicht Verletzten) auf die Beine. Alle grinsen mit glasigen Augen. Das war eine GUTE Nacht.

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hoover
Guest
Registriert: Not Yet

hi cora,
das ist dreckig, das ist ... grauenvoll in einer weise ... f├╝r mich war es ein geiler text, f├╝r andere vielleicht eher krank ... verst├Ârend? nein. das nicht, aber es erinnert mich an fight club, an die lust, sich die wut aus dem leib zu wichsen. shit *gg* das ist echt fetzig.
yeah *gg*
hast du noch mehr solcher texte?

hoover

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Cora Horn
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Hi, Hoover

sch├Ân, dass du doch noch gekommen bist, vorhin warst du nicht da. Ich danke dir dass du meinen Text als dreckig und krank bezeichnet hast - das sind so ziemlich meine beiden Lieblingsworte, um mich selber zu beschreiben, obwohl pervers und durchgeknallt noch mit dazugeh├Âren.
Noch habe ich nur einen solchen Text, aber der ist zu lang f├╝r die Leselupe, und ansonsten nur einen halbfertigen Roman, in dem ein paar solcher Krankheiten vorkommen.

Jedenfalls danke f├╝r dein Lob - Fight Club war tats├Ąchlich die Intention, ich LIEBE diesen Film - aber ich bin ein bisschen verlegen jetzt, weil ich dir grade eine reingew├╝rgt habe; guck mal zu "Das Novembertag" r├╝ber. Das ist grade ne schei├č Situation. Aber trotzdem danke, ├Ąndert nichts dran, dass ich f├╝r deine Meinung dankbar bin.

ne sch├Âne Nacht noch,
Cora.

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hoover
Guest
Registriert: Not Yet

na cora,
pervers und durchgeknallt ist der text auch ... *ggg* nein, mit dem novembertag hattest du vielleicht recht? ich muss mir das ding nochmal anschauen, so richtig gl├╝cklich bin ich damit ja selber noch nicht ... aber ich wusste nicht so recht, was jetzt wirklich damit nicht stimmt. deshalb bin ich dir ja schon dankbar, dass du was dazu gesagt hast ... und ich dazu noch so viel kopfnicken musste, dass ich jetzt nen steifen hals hab ... danke, deswegen ├╝brigens, gell. *gg*
ja, fight club ist geil, der vidiothekarin hab ich damals den film in die hand gedr├╝ckt und sie schaute ihn gedr├╝ckt an. dann nach einer weile guckte sie mich an, gab mir den film zur├╝ck und meinte: wenn du den magst, w├Ąrst du der erste, also stell ihn zur├╝ck. sie meinte, alle w├Ąren m├Ąchtig davon entt├Ąuscht gewesen und einige h├Ątten sogar ihr geld zur├╝ckverlangt ... nicht zu fassen ... aber ich hab ihn ausgeliehen, WEIL, ich bin ja hartn├Ąckig und der streifen war absolut genial. *gg* besonders die schlussszene.

um jetzt mal ganz vorsichtig auf deinen text zur├╝ckzustreifen, WEIL: ich will das ganze ja nicht als plauderei enden lassen: ich muss deinen text nochmal lesen. *gggg*

gutenacht gr├╝├čle
hoover

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Cora Horn
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Icke nochmal

Ja, Fight Club, Natural Born Killers.... das sind Erinnerungen!

Ja, mach das mal ruhig, ich habe ihn mir ausgedruckt und gucke ihn mir auch nochmal an. Aber ich muss jetzt abhauen, meine Mama meckert, dass sie ins Bettchen will.
Ne gute Nacht dann noch!

Cora.

P.S. Das mit deinem Hals tut mir echt leid.

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