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Leselupe.de > Kurzgeschichten
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Eingestellt am 24. 08. 2001 18:13


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Kyra
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Mar 2001

Werke: 64
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Die Finsternis ist so dicht, ich kann sie beinahe riechen – der Geruch von feuchtem Stein und Trauer, vermischt mit dem meines Schweißes. Meine Füße ruhen auf abschüssigem Grund, ich taste mit beiden Händen durch die Dunkelheit, ich bewege mich so wenig wie möglich, tauche vorsichtig meine Arme in die Schwärze. Die Angst lässt mich kaum atmen, trotzdem scheint jeder meiner Atemzüge vielfach verstärkt, aus dem Dunkel zu mir zurückzufinden, mich zu verspotten, mein Grauen zu verhöhnen. Meine Augen sind schmerzhaft weit geöffnet, doch kein Lichtstrahl berührt sie, die Nacht um mich kennt keinen Schatten. Ich weiß weder wo ich bin, noch wie ich hierher kam; als ich erwachte fand ich mich an diesem Ort, von dem ich nicht mehr kenne, als den Boden unter mir. Aber nicht einmal der scheint sicher zu sein, denn ich bemerke wie er sich kaum merkbar hebt und senkt, als stünde ich auf langsam pulsierendem Leben. Kaum wage ich es mich zu bücken, um mit flacher Hand neben meine Schuhe zu fassen – ich greife ins Leere. Worauf ich mich auch immer befinde, es ist nicht größer als der Platz auf dem ich stehe. Ich schlage meine Hände vor das Gesicht und versuche zu verstehen, allein ich kann mich nicht konzentrieren, meine Gedanken versuchen halt zu finden, schwärmen aus, suchen und kommen schließlich wie müde Tauben zu mir zurück. Unvorstellbar ist dieses Nichts, mein Verstand stemmt sich verzweifelt gegen diese Einsicht, versucht einzugrenzen wo keine Grenzen sind, bemüht sich zu vergleichen wo kein Vergleich möglich ist. Ich schluchze, ein schwaches Geräusch auf dem meine Gefühle in die Unendlichkeit zu entfliehen suchen. Ob ich hier ganz alleine bin? Vielleicht stehen hier, ganz in meiner Nähe, andere so wie ich auf ihren kleinen atmenden Parzellen und warten auf einen befreienden Laut – einen Schrei in den sie einstimmen können, der zu einem hellen, alles durchdringenden Ruf wird. Nur hätten sie sicher mein Weinen gehört, oder ist die Düsternis so hungrig, dass sie selbst die Geräusche in ihre Schwärze saugt? Plötzlich wird das Rauschen in meinen Ohren durch ein leises Wimmern unterbrochen, ich drehe mich vorsichtig, versuche die Richtung zu bestimmen, will schon antworten – da ist es wieder still um mich.
Ich sollte rufen, aber ich weiß genau, wenn ich riefe und keine Antwort erhielte, wäre dies mein Tod. So werde ich keinen Laut von mir geben, hier bis zu meinem Ende ruhig stehen bleiben, weil ich die Gewissheit vielleicht nicht ertragen könnte.

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Breimann
???
Registriert: Dec 2000

Werke: 38
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Albträume können töten,

und so beängstigend, weil so dicht, so schmerzhaft beschrieben, habe ich diese Geschichte erlebt. Ich habe sie zwei Mal nacheinander gelesen und jedes mal waren die Eindrücke gleich. So ein Grausen - ohne Ende - zwingt den Leser, weiter zu denken, sich eine rationale Lösung auszudenken. Ich suche mir ein, wenn es keine ander von dir gibt.
eduard
__________________
Ich schreibe - also bin ich.

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slyfly
Hobbydichter
Registriert: Aug 2001

Werke: 18
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Prosa statt Kurzgeschichte?

Hallo Kyra,

ungewohnt, von Dir diese Form zu lesen. Aber gefällt mir fast noch besser als Deine "klassischen" Kurzgeschichten. Noch dichter, noch eingängiger geschrieben als das, was ich bisher von Dir gelesen habe. Das Einzige, was mich ein wenig stört ist der Satz, bzw. die Frage:
"Ob ich hier ganz alleine bin?"
Meinem Empfinden nach ensteht diese Frage schon beim Lesen, auch ohne dass Du es explizit ausdrĂĽckst.

Liebe GrĂĽĂźe

slyfly

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ElsaLaska
Guest
Registriert: Not Yet

liebe kyra,

dichter als alles, was ich von dir bisher gelesen habe, hier steht ein einziger gedanke, eine einzige empfindung im vordergrund....
einzig die "müden" tauben haben mich ein wenig gestört...
vielleicht, weil man tauben dies nie unterstellen mag? sie kehren zurĂĽck, wie auch immer, in ihren taubenschlag.
könnte mir das gut ohne "müde" vorstellen...
liebe grĂĽsse
elsa

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eufemiapursche
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Aug 2001

Werke: 111
Kommentare: 397
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Kunstwerk

Hallo Kyra,

mit deinem "Ort" ist dir wirklich ein erzählerisches Meisterwerk gelungen! Beim Lesen tauchte vor meinen Augen unwillkürlich eine Leinwand auf, auf der du als Malerin deiner Worte ein Bild nahezu apokalyptischer Ängste in dem surrealistischen Szenario eines Ortes hinter den Orten geschaffen hast.

Danke!

Ich freue mich auf mehr!

Eufemia

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
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hu,

da bekommt man ja direkt ne gänsehaut beim lesen! diese trefflich erzählte geschichte kommt in meine sammlung. ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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