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Leselupe.de > Ungereimtes
Osmose
Eingestellt am 19. 07. 2011 15:36


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Vera-Lena
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Osmose

Meinem Lieblingsschauspieler

Streichst du den Zweifel
wie eine lÀstige Locke
aus der Stirn,
nÀherst du dich dem Punkt,
wo Orphisches erblĂŒht.

KinderhĂ€nde mĂŒssen es sein,
die Fremdes ergreifen.
Das Ahnungslose
umfÀngt Neuerliches.

Ein Schluchzen in der Buchenrinde
wird zu deinem Ton.
Das GerÀusch der Engel,
himmelwÀrts auffahrend,
fÀchert sich in deine Stimme.

Jetzt – gibst du dir selbst
das Ja-Wort
und ich höre
den angehaltenen Atem
dieser Nacht.





__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

Version vom 19. 07. 2011 15:36
Version vom 21. 07. 2011 13:30

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wirena
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Liebe Vera-Lena

Dein Osmosegedicht gefĂ€llt mir sehr gut. Spontan wĂŒrde ich allerdings „deiner“ wandeln in „der“. FĂŒr mein Empfinden wĂŒrde dadurch „das Fliessen“ gewinnen, nicht gestört...
andererseits beziehst Du Dich ja auf Deinen Lieblingsschauspieler..... Dennoch hier mein spontaner Vorschlag:

- (ich wĂŒrde sogar fort wischt zusammen schreiben: siehe Duden z.B. Fortwerfen, Fortschreiten)-


Wenn du den Zweifel
wie eine lÀstige Locke
aus der Stirn
fortwischst,
nÀherst du dich dem Punkt,
wo Orphisches erblĂŒht.

......
__________________
Das Innere oder Innerliche ist um so wirklicher, als ich es mir immer wieder erobern muss.
"Was ich selbst erlebt habe, ist nur dann wahr, wenn es als verwandelter Vorgang wiederkehrt. Hans Bender, geb. 01.07.1919

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Vera-Lena
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Liebe Marie-Luise,

ich freue mich immer sehr, wenn Du nachfragst.

Das Schluchzen in der Buchenrinde wird nicht zum Ton des Zuhörers, sondern zum Ton in der Stimme des Schauspielers.

Ich mache das mal deutlicher, obgleich Du mich jetzt wahrscheinlich schon verstanden hast.

Der Schauspiler spricht ein Hörbuch auf. Es handelt sich dabei um einen 1000jĂ€hrigen Baum, der in der Ich-Form erzĂ€hlt, was alles er schon in seinem Leben gesehen hat. Er spricht auch von den GrĂ€ueln des 30jĂ€hrigen Krieges. Diese haben ihn nicht kalt gelassen. Wenn ich nun diese Stelle vorgelesen höre, dann höre ich in der Stimme des Schauspielers, das Schluchzen in der Rinde des Baumes ĂŒber die GrĂ€uel, die Menschen einander antun können.

Mit den himmelaufwĂ€rts fahrenden Engeln verhĂ€lt es sich Ă€hnlich. Auch sie weiß der Schauspieler, auf die ihm eigene Weise, in seine Stimme hineinzubekommen. (So etwas erfĂŒllt mich mit großer Ehrfurcht, denn der Schauspielberuf ist ein knallhartes GeschĂ€ft und sich seine SensibilitĂ€t dennoch zu bewahren, ist eigentlich immer ein Wunder.)

Die zweite Strophe ist, auch aus meiner Sicht, nicht leicht zu verstehen. Hier handelt es sich um die Voraussetzungen, welche der Schauspieler mitbringen muss, um in eine Rolle hineinzufinden. Er muss natĂŒrlich er selbst sein und er muss auch ein erwachsener Mensch sein, aber (wie soll ich das jetzt formulieren?) er muss sich selbst so weit zurĂŒcknehmen können, dass er fĂŒr diesen anderen Menschen, den er verkörpern möchte, in seinem Inneren so viel Platz schafft, wie es ihm ĂŒberhaupt möglich ist. Diesen Raum, den er dann mit dem Fremden erfĂŒllt hat, muss er aber anschließend mit seinem eigenen Sein, seiner IndividualitĂ€t verschmelzen.

"Das Ahnungslose umfĂ€ngt Neuerliches".Hier steckt das drin, diese gewisse geistige Keuschheit der Rollenfigur gegenĂŒber aber dann doch das in sie eindringen und mit ihr verschmelzen.

"Neuerliches" habe ich statt Neues geschrieben, weil ein Schauspieler im Laufe seines Lebens eine Rolle ja auch mehrmals verkörpert, so dass sie jetzt nicht mehr neu sondern etwas Neuerliches fĂŒr ihn ist. Denn, da er selbst sich inzwischen verĂ€ndert hat, muss er den ganzen Prozess der Rollenfindung wieder von vorne durchlaufen.

Die letzte Strophe war Dir ja nicht so fremd vorgekommen. Gerne wĂŒrde ich mich trotzdem auch dazu Ă€ußern. (Ach, ja, wie peinlich der Autor ist verliebt in seine Zeilen, ich gebe es zu. *schĂ€m*)

Jetzt- gibst du dir selbst
das Ja-Wort
und ich höre
den angehaltenen Atem
dieser Nacht.

Hier wird der Augenblick beschrieben, (ach, naja angedeutet, beschreiben kann ich so etwas nicht) wie es klick macht und der Schauspieler spĂŒrt:"Jetzt habe ich es, in dieser Sekunde habe ich mich in die Rollenfigr verwandelt." Das passiert tatsĂ€chlich innerhalb eines einzigen Augenblicks und man weiß nur, dass es zu 80% aus Arbeit besteht und zu 20% ein Geheimnis bleibt. Der Schauspieler gibt sich also selbst das Ja-Wort zu der Art und Weise, wie er die Person darstellen will.

Das ist ein großer Moment und das Lyri durfte das dieses eine Mal mit diesem Schauspieler miterleben und ihm, dem Lyri, blieb der Atem weg und es erlebte diesen Augenblick, als hielte die ganze Schöpfung den Atem an. So ĂŒbertrieben kann ich das ja hier jetzt mal schreiben. (Peinlich,peinlich).

Liebe Marie-Luise, jetzt habe ich Dich zugetextet. Nimm es mir bitte nicht ĂŒbel.

Ganz liebe GrĂŒĂŸe
Vera-Lena


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Vera-Lena
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Liebe wirena,

nun hast Du die Punkte angesprochen, bei denen auch ich lĂ€nger ĂŒberlegt habe.

Vorab möchte ich zum Rhythmus sagen, dass ich diesen lĂ€ngeren klanglichen Anlauf brauchte und brauche, um dann am Ende kĂŒrzer und prĂ€gnanter sein zu können. Mir ist es wichtig, in dieses Geidicht hineinzugehen, um dann an diesen Punkt zu kommen, wo dem Lyri sozusagen "die Luft weg bleibt".

Mit dem "Fortwischen" hast Du aber Recht. Zwar gibt es eine dichterische Freiheit, die muss ich aber an dieser Stelle nicht fĂŒr mich beanspruchen und so will ich gerne der deutschen Rechtschreibung genĂŒgen.

Ich werde, um 2 Wörter behalten zu zu können, "hinweg streichst" schreiben.

Danke fĂŒr Deinen Kommentar und Deinen freundlichen Vorschlag!

Liebe GrĂŒĂŸe
Vera-Lena



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Vera-Lena
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Liebe wirena,

manchmal braucht man etwas lĂ€nger und auch ein wenig Abstand, um eine Änderungsvorschlag richtig einschĂ€tzen zu können.

Jetzt habe ich das Verb ganz an den Anfang der ersten Strophe gesetzt und mir dadurch eine ganze Zeile erspart. Außerdem passt nun auch klanglich "der Stirn", wie Du es mir geraten hattest besser dort hin.

"Ein" Schluchzen ist auch gĂŒnstiger, einmal weil es gĂŒnstiger ist, bei so einem außergewöhnlichen Ton im Unbestimmten zu verbleiben und zum anderen, weil ich dadurch den bestimmten Artikel nicht so dicht aufeinander folgen lasse.

Dieser Text ist mir wichtig und ich bin dankbar, dass ich ihn ein wenig verbessern konnte.

Liebe GrĂŒĂŸe
Vera-Lena


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