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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Pals
Eingestellt am 22. 08. 2002 13:43


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micl
Hobbydichter
Registriert: Sep 2000

Werke: 5
Kommentare: 22
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Pals


__Immer wenn ich uns abgrenze, bin ich Pals, die mittelalterliche Felsenstadt, deren mörtellose Mauern seit Urzeiten die Welt haben vorbei fließen sehen, als existiere weder Zeit noch Wind noch Wetter. Du aber bist das karge katalanische Land, die Straßen umarmen und die wenigen FlĂŒsse umspielen Dich, Du Muttererde, die Du das Volk und deren Felder von Anbeginn gesegnet und getragen hast.
__Auf meinen Zinnen kann ich die Wolken vom Meer herauf ziehen sehen, die am zeitlosen PyrenĂ€enhang mit dĂŒsterem Donner hernieder gehen, um, durch Deine Adern dienend, sanft ihre Gewalt in den wogenden SchĂ€ften der Sonnenblumenmeere zu zerstreuen. Dich durchwalkt und durchwirkt der Gezeiten Fluss, dass, von Zeit zu Zeit, wenn die Wasser, die Dich vor Menschenaltern nĂ€hrten, in Deine FlusslĂ€ufe wiederkehren, in dir die Ewigkeit ein Muster ihres Segens bietet.
__Der seltene Regen, der sich zu meinen HĂŒgeln verirrt, um an meinen HĂ€ngen zu fallen, rinnt durch meine steinernen Gassen und lĂ€sst mir wenig mehr zurĂŒck als das sichtbare Fehlen meines Schmutzes und meines Unrats. Es bleibt nur die schmale Schneise im Gestein, die das schwindende Wasser geschlagen hat, um mich auf ewig zu vernarben, mir Wunden zuzufĂŒgen, die auch in Tausend Jahren kaum tiefer werden.
__Niemand sieht sie, und doch machen mich mehr diese Risse aus als alle meine WĂ€lle, denn in den Spalten sehe ich, wenn auch nur ich allein, die Moose wachsen, die, vielleicht in undenkbar ferner Zeit, aber doch sicher irgendwann, meine Mauern sprengen. Vor meinem Geist steht immer dieses Wachsen, und in meinen Augen ist schon alles was mich ausmacht, jede Strasse, jeder Schutzwall, vom Zerren der Zeit geschliffen und schlussendlich in Scherben geschlagen.
__Der Prunk Pals, mein Stolz, liegt fĂŒr die Wissenden, denen die Zeit keine Rolle spielt, lĂ€ngst im Staub jener Ewigkeit, der er trotzen wollte. Diesen Staub aber trĂ€gt der Wind in die Winkel aller Weiten, und, letztendlich, ich kann mich gegen den Strom stellen, so lange ich vermag, aber am Ende bin ich doch Teil Deiner Erde, durchdrĂ€nge Dich und Deinen Körper fĂŒr alle Ewigkeiten ; Du aber durchströmst mich zu gleichen Teilen.
__Wenn ich die Tore meiner Wehre öffnete, was könnte mir mehr entgehen als ein paar Tage Sturm. Der Wind wĂŒrde lindernd samtene Sonnenblumen-BlĂŒtenblĂ€tter durch meine Strassen treiben, und mich mit jedem Hauch tiefer im Sein versenken. Doch dieses Sein wĂ€re namenlos, mein Name, Pals, dann erodiert, und auf, davon mit allen Winden, und nur sein leises SĂ€useln singt von meinem letzten SterbestĂŒndchen.
__Die Lösung ist sich zu entschließen aufzubrechen, um mich zu öffnen, und ewig minus einen Tag zu den Toren hin zu trödeln, immer maßvoller im Schreiten, dass jeden Tag der Weg ein bisschen weiter wird, das Ziel ein bisschen ferner rĂŒckt. Das aber ist unmenschlich und von niemandem zu verlangen.

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