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Leselupe.de > Kurzprosa
Panthera und Lalupa
Eingestellt am 01. 06. 2004 12:32


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Rhea_Gift
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Panthera und Lalupa

Panthera stieg mit traumwandelnd verschleiertem Blick immer tiefer und tiefer in die Dunkelheit hinab. Nach der letzten Stufe erschien vor ihr eine Felswand, sie streckte die H├Ąnde vor und legte sie auf deren Mitte. Sie murmelte ein paar Worte, die Wand teilte sich mit schleifendem Ger├Ąusch, ein Zucken lief durch Pantheras K├Ârper und ihre Augen wurden wieder klar. In warmgl├╝hendem roten Schein er├Âffnete sich ihr eine gro├če H├Âhle, im Augenwinkel nahm sie noch die sich teilende Sonne wahr, die fein ziseliert aber tief und deutlich in die Felswand eingegraben war, bevor die Wandh├Ąlften schlie├člich komplett in den Felsen zur├╝ckgewichen waren. Verwirrt starrte sie in die H├Âhle, eine leichte G├Ąnsehaut ├╝berlief sie. Wo war sie?! Und wie war sie blo├č hierher gekommen?!

Tritt n├Ąher, ich will dich ansehen!

Erschrocken blickte sie sich um. Woher kam diese Stimme, die ihr fremd und vertraut zugleich erschien? Sie trat z├Âgerlich in die H├Âhle, die bis auf ein gro├čes steinernes Becken mit Wasser, das leicht erh├Âht in der Mitte stand, leer erschien. Die Felsw├Ąnde schimmerten gl├Ąnzend schwarz, schienen vor Hitze pulsierend zu gl├╝hen, doch in der H├Âhle war es nicht hei├č, nur angenehm warm. Allerdings stieg leichter Dampf vom Wasserbecken auf.

Komm ans Becken!

Sie fuhr herum. Niemand. Woher..?

F├╝rchte dich nicht, trete heran, bald wirst du verstehen...

Langsam ging sie auf das Becken zu, das Wasser brodelte leicht. Der Beckenrand war mit verschiedenen Tierskulpturen verziert, ihr Blick fiel direkt auf einen Panther, daneben ein Wolf. Pl├Âtzlich f├╝hlte sie ein Ziehen in sich, wie von selbst hoben sich ihre H├Ąnde, sie tauchte sie leicht ins Wasser ein, zog sie wieder heraus und legte die linke Hand auf den Panther, die rechte auf den Wolf. Der Wasserdampf verschwand pl├Âtzlich, das Wasser brodelte in der Mitte erst st├Ąrker, dann lag das Wasser auf einmal glatt wie ein Spiegel da, in dessen Mitte langsam eine noch schwach strahlende Sonne erschien.

Willkommen in Deinem Reich, Panthera!

Die Sonne blitzte pl├Âtzlich hellglei├čend auf, die Strahlen fuhren ihr blendend in die Augen, sie zuckte zur├╝ck, doch ihre H├Ąnde waren wie an die Felstiere festgeklebt, das blendende Wei├č wandelte sich hinter ihren geschlossenen Augen in silbrigblau-schimmernde Punkte, die sich verdichteten und ineinander flossen, ihr Kopf flog nach hinten, nur die an die Tiere gebannten H├Ąnde hielten ihren r├╝ckw├Ąrts gebogenen K├Ârper vom Fall ab - und pl├Âtzlich sah sie.
Die Bilder wechselten rasend schnell, sie sah Sonnen und Monde auf- und untergehen, Sterne aufgl├╝hen und vergehen, Meer steigen und fallen, speiende Vulkane, Erdbeben, St├╝rme, sich verschiebende Ger├Âllmassen, trockene W├╝sten, vereiste K├╝sten, B├Ąume gedeihen und verschrumpeln, Tiere geb├Ąren, sich jagen, sterben, Menschen - Menschen, nackt, in Felle, in T├╝cher und Leder geh├╝llt, umherziehen, sich niederlassen, besiedeln, bebauen, Felsbrocken behauen, in der Erde graben, sich an Fr├╝chten laben, die Ernten nach Hause bringen, miteinander in Kriegen ringen, an Feuern tanzen und singen, sich inszenieren, imponieren, nacheinander gieren, lachen, schreien, weinen, gr├╝beln und verf├╝hren, sich zu Tode ├Ąngstigen und andere bes├Ąnftigen, wild und mutig, tr├╝b und blutig, gl├╝cklich und auch wieder nicht - erschaffen und verderben, geb├Ąren, jagen, sterben.
Dann sah sie - Lalupa! Als kleines M├Ądchen, als junge Frau, als altes M├╝tterchen, schlafend, wachend, jagend, lachend, tanzend, singend, mit einem Wolfe und einem Panther ringend, weinend, sich f├╝rchtend, sich freuend und im Zorne von dannen st├╝rmend, in verschiedenen Kleidern und sich nackt zu ihr bekennend, entspannt ruhend und wild durch die Gegend rennend, aus dem See empor steigend, sich ihr im Mondlicht zeigend, in Liebe zu ihr entbrennend - dann in ihrem blauschimmernden Kleid, Silberf├Ąden durchzogen es, sie stand am gleichen Wasserbecken, in der gleichen Haltung, nur ihr gegen├╝ber, bei ihr der Wolf links, der Panther rechts - dann ging sie auf sie zu, pl├Âtzlich einen bordeauxroten G├╝rtel um die H├╝ften geschlungen und reichte ihr einen blauschimmernden - ,f├╝r immer und immer’, fl├╝sterte sie rauh, ihr Gesicht n├Ąherte sich dem ihren, pl├Âtzlich nur noch ihre Augen, ganz gro├č, magisch gr├╝n, Liebe und Begehren sich wild wechselnd, hypnotisierend - pl├Âtzlich schlugen schwarze Wogen ├╝ber ihr zusammen, ihre H├Ąnde l├Âsten sich, sie fiel hinten ├╝ber und schlug hart und verdreht auf dem Boden auf -
das letzte, was sie sah, dabei den Hals zum Becken hin verrenkend, war ein sich spiegelnder, voller Mond.
__________________
...Seele, bist du nun erwacht?...Und sie zittert, und sie lacht allen Himmelssternen zu... (Hesse)

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Schakim

Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 2002

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Hallo, Rhea!

Das gef├Ąllt mir! Dein Erz├Ąhlstil ist ein Strudel, der einen mitreisst bis zum spiegelnden Mond!

LG
Schakim
__________________
┬ž┬ž┬ž> In jeder Knospe zeigt sich ein kleines Wunder beim Aufbl├╝hen <┬ž┬ž┬ž

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