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Leselupe.de > Humor und Satire
Pantragica Lofotae
Eingestellt am 11. 04. 2005 10:28


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Kautokaino
Wird mal Schriftsteller
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PANTRAGICA LOFOTAE

Svolv├Žr. Die F├Ąhre hat mich gerade aus ihrem rostigen Bauch ausgespuckt und ich stehe etwas hilflos am Hafen herum. Die Jugendgerberge... Wo ist hier die Jugendherberge? Ich lasse meine m├╝den Augen die Gegend abtasten. Vielleicht steht hier irgendwo ein Schild oder so...
Berge! O Gott, gibt es hier viele Berge! Und was f├╝r welche! Die seh`n doch schon sowas von schwei├čtreibend fies aus... Der eine da zum Beispiel... der grinst auch schon so hinterh├Ąltig und ich kann ihn f├Ârmlich rufen h├Âren: Komm, putt, putt... Besteig mich! Neee, neee, also das mit dem Wandern mu├č ich mir aber nochmal gr├╝ndlich ├╝berlegen. Da wird man ja beim Hinsehen schon kurzatmig... Also, die steh`n schon mal nicht auf meinem Programm. So, aber wo ist jetzt diese Jugendherberge?
Da entdecke ich ein Zeichen mit einem "i" drauf.
Die Touri-Info! Die m├╝ssen das doch wissen. Ich stapfe also mit meinem schweren Rucksack auf dem R├╝cken zu dem Geb├Ąude mit dem "i", rei├če voller Elan die Schwingt├╝r auf und rase ersteinmal in den Hintermann einer riesigen Warteschlange.
Uuups! ┬┤Tschuldigung! Na, macht ja nichts...
Ich bin doch nicht bl├Âd und stell mich da an. Vielleicht gibt`s ja irgendwo eine wahnsinnig tolle Brosch├╝re, in der drinsteht, was ich wissen will. Und siehe da, neben dem Informationstresen, hinter dem eine fesche Norwegerin gerade einem deutschen Touristenp├Ąrchen mit goldigem Akzent einen Wanderweg auf einen dieser gr├Ą├člich spitzen Berge erkl├Ąrt (das m├╝ssen doch Masochisten sein. Die haben auch irgendsoetwas finsteres an sich), finde ich, was ich suche. Ein kleines Faltblatt verk├╝ndet mir die grauenhafte Tatsache, da├č die Jugendherberge gigaweit drau├čen liegt und ich noch eineinviertel Stunden auf den Bus dorthin warten mu├č. Na prima.
Die Zeit mu├č vertrieben werden. Ich stelle meinen Rucksack zu zig anderen in einer Ecke der Touri-Info und stiefle wieder hinaus. Was gibt es wohl tolles in Svolv├Žr zu tun? Der Ort ist doch so popelig, klein und tot, da├č man es kaum aushalten kann.
Eineinviertel Stunden! Eineinviertel! Na, das kann ja heiter werden...
Ich stelle mich gerade auf eine sinnlose Sightseeingtour durch Svolv├Žr ein und versuche krampfhaft, Interesse f├╝r diesen Ort aufzubauen, da sehe ich meine Rettung. Ein Kiosk mit internationalen Zeitungen! Heureka! Das ist doch genau das richtige. Seit zwei Wochen schon bin ich nun unterwegs und es scheint Ewigkeiten her, da├č ich mal einen Blick in eine Tageszeitung geworfen habe. Ich sp├╝re, wie mich die Buchstaben magisch anziehen und finde mich im Nu zeitungslesend auf einer Bank wieder, die einladend wei├č recht nah am Hafenbecken steht.
Katastrophe hier... Politikkrise da... das ├ťbliche halt.
Und dann passiert`s. Ich belaste mich gerade mit einem Artikel ├╝ber die Wei├čkohlernte in Lothringen, da l├Ąuft ER an mir vorbei, w├╝rdigt mich eines kurzen, aber intensiven Blickes und ist im n├Ąchsten Augenblick in der Touristeninformation verschwunden.
Was, frage ich mich,um alles in der Welt, war DAS?
Ich habe gerade GOTT gesehen! ER ist offensichtlich Norweger, hat eine hellblaue Jacke an und ist einfach umwerfend!!!!!
Gro├č, breit, blond - alles, was man(n) braucht.
Ich glaub, ich mu├č mal eben abtillen...
Ich versuche gerade, mich wieder zu beruhigen, da geht die T├╝r von der Touristeninfo - und ES schiebt sich abermals an mir vorbei. Diesmal schauen wir uns so tief in die Augen, da├č ich schier das Herzflimmern kriege. Das mu├č der doch sehen, wie mir der Infarkt tobt, denk ich so und merke, da├č sich meine Beine selbst├Ąndig machen wollen.
Contenance, R├Âhrig, Contenace!
ER ist an mir vorbei. Ich wage noch mal, so ganz unverbindlich, einen Blick ├╝ber die Schulter... ER auch!
So, jetzt sp├Ątestens bin ich f├Ąllig...
Is` das denn die Possibil? Ich meine, da habe ich es gerade mal wieder mit Bravour geschafft, hormongeschw├Ąngert durch Stockholm zu laufen und nichts geschehen zu lassen (ich sag nur... der Garten Schweden... seufz!) und dann das hier. Ich blicke mal schnell nach oben und denke: "wenn das jetzt wieder einer deiner kleinen Scherze ist....." Er da oben und ich haben da n├Ąmlich so ┬┤n paar kleinere Differenzen und mich beschleicht hin und wieder das ungute Gef├╝hl, da├č ich auf der Welt bin, damit er da oben was zu lachen hat. Manchmal stelle ich mir richtig vor, wie er da oben mit dem Finger auf mich zeigt und ruft "Eh, Jesus (den Namen sagt er in einem vorz├╝glichen Englisch), komm mal, das mu├čt`e dir unbedingt angucken!" Ja, und dann kommt "Dsch├»ses", guckt, und dann am├╝sieren sich die zwei...
Gack! Gack! Kreiiisch!
Also bitte, keine Scherze diesmal, o.k.!?
Aber, ach Gott, wieso halte ich mich eigentlich mit sinnlosen Gedanken ├╝ber meinen kleinen Disput mit dem da oben auf? Hier unten tobt der Krieg der Testikel! Mensch, R├Âhrig, komm zu dir. Sonst war`s das...
Gut, ich rei├č mich also zusammen und packe ersteinmal die Zeitung weg. (Die Wei├čkohlernte in Lothringen huscht mir ja schlie├člich nicht vom Papier - und spielt in diesem Zusammenhang ohnedies ├╝-ber-haupt keine Rolle...)
Ich stehe auf und schaue mich um. Hm, tja. Schade eigentlich. Weg isser. Aber nun bin ich, ehrlich gesagt, ganz froh dar├╝ber, da├č Svolv├Žr so ein kleines Nest ist. Weit kann ER n├Ąmlich noch nicht sein - und ich trotte los - gaaanz unauff├Ąllig, nat├╝rlich. Ich schaue mal hier, stehe mal da und habe meine Augen zu hochsensiblen Sensoren gemacht, die die Umgebung nach IHM abscannen.
Ha! Und da ist ER schlie├člich. ER kommt gerade aus der hochmodernsten ├Âffentlichen Toilette herausgedackelt, die Svolv├Žr zu bieten hat.
Ich schmelze dahin.
Schluck!
Wie kann man(n) nur sooo geil sein?
Damit mir das nicht ewig ein R├Ątsel bleibt beschlie├če ich, dieses Mal am Ball zu bleiben. Auch ER hat mich offensichtlich gesehen, denn ER blickt unverhohlen zu mir her├╝ber.
War da eben ein L├Ącheln auf SEINEM Gesicht? Seufz!
Der Typ ist Dynamit.
Porno auf zwei Beinen.
HALT! STOP! R├Âhrig, die Hormone gehen mit dir durch. Jetzt mach mal halblang... Aber schlie├člich ist man(n) ja auch nur Mensch...
Ich beobachte, wie ER um eine Ecke biegt.
Schwupps! ist auch der letzte Zentimeter SEINES K├Ârpers verschwunden.
Blitzschnell gilt es nun zu entscheiden. Nat├╝rlich mu├č ich hinterher. Keine Frage. Aber... nicht zu schnell. Ich mu├č den richtigen Zeitpunkt erwischen. Sonst sieht es allzu sehr danach aus, als w├╝rde ich hinter IHM wie hinter einer l├Ąufigen H├╝ndin herrennen. Und das will ich nat├╝rlich auch nicht. Schlie├člich hat man(n) seinen Stolz.
Also platziere ich mich strategisch g├╝nstig direkt vor einem Schaufenster an der Ecke, um die ER eben gerade verschwunden ist, und bestaune megainteressiert all jene topmodischen Haushaltsger├Ąte die dort ausliegen.
Gleich werde auch ich um diese Ecke biegen...
Gleich, gleich....
Gleich....
Gl...
"Kennen wir uns nicht?", s├Ąuselt da pl├Âtzlich eine Stimme in perfektem S├╝ddeutsch hinter mir...
Mir bleibt die Spucke im Halse stecken.
Der Typ hat mich ausgetrickst!? Diese fiese Ratte!
Der Typ ist Deutscher!?
Ich habe das Gef├╝hl, Millionen kleiner Stecknadeln rieseln auf mich herab...
Ich fahre erschrocken herum...
und blicke in das faltige Gesicht meiner Tante aus Stuttgart, die ich seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen habe. Sie grinst mich breit an. Mir br├Âckelt just in diesem Augenblick der Unterkiefer auseinander.
I don`t believe it! I just DON`T!!!!!
Ich m├Âchte nur eines wissen: Warum?
WA-RUM??
(Sp├Ąter ├╝berrascht es mich ├╝brigens nicht, da├č ich in diesem Augenblick wirklich an die g├Âttliche Theorie meiner Existenz glaube und da├č der da oben sich gerade k├Âniglich mit Dsch├»ses ├╝ber mich am├╝siert..)
Ich erlebe soeben mein pers├Ânliches Waterloo... Ist das der Welt eigentlich klar? Hach, wahrscheinlich interessiert es sie nicht einmal...geschweige denn, da├č ir-gend-jemand auch nur Notiz davon nimmt...
Schn├Âde Welt!
Die Lippen meiner Tante bewegen sich weiter und lassen eine Menge uns├Ąglicher W├Ârter heraus. Jedes einzelne ist die schiere Qual. Sie faselt irgendwas von irgendwelchen anderen Verwandten, mit denen sie hier oben auf den Lofoten Urlaub macht... und ach, ist es nicht eine ├ťberraschung und ein Zufall, da├č wir uns ausgerechnet hier mal wieder treffen...
Allerdings, denke ich mir und all meine netten Fantasien um IHN flie├čen gerade traurig dahin...
Ausgerechnet hier auf den Lofoten, denke ich, auf der letzten europ├Ąischen Bastion vor dem gro├čen eisigen Nichts, mu├č ich dich treffen... ausgerechnet hier treff` ich dich. Warum tust du mir das an???
Schicksalsergeben f├╝ge ich mich und trotte mit ihr Richtung Caf├ę, wo die andere Verwandtschaft sitzt. Ein letzter Blick zu der aufregendsten Ecke, die ich je in meinem Leben getroffen habe. Dann ├╝bergebe ich mich dem Lauf der Dinge.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer versucht noch zaghaft, sich bemerkbar zu machen... vielleicht wird ER ja sp├Ąter auch bei der Jugendherberge sein?!
Ein Blick nach oben, und ich wei├č Bescheid...
Letztendlich mache ich mit der Verwandtschaft einige Zeit v├Âllig unbedeutenden Smaltalk ├╝ber Sachen, die keiner so recht wissen m├Âchte und schaue ungeduldig immer wieder auf die Uhr. Als es soweit ist, hole ich meinen Rucksack ab und hoffe, da├č man mir zumindest den Bus ersparen m├Âge und mich geschwind zur Jugendherberge bringt.
Aber ach. Dinge gescheh`n..
Mit einer fast frechen Nat├╝rlichkeit bringt mich die reizende Verwandtschaft zum Bus, verabschiedet sich lieb, und rast kurze Zeit sp├Ąter mit ihrem fetten Audi weiter den Urlaubsfreuden entgegen.
Ich komme endlich bei der Jugendherberge an - einem Schulhaus, das im Sommer als Herberge genutzt wird. Ich unterhalte mich sp├Ąter noch mit zwei wirklich netten Typen aus Mannheim bis sp├Ąt in die Nacht. Aber, ER ist nicht da.
Schade eigentlich.
Ich ├╝berlege kurz, ob ich mich nun klein, ungeliebt und bedeutungslos f├╝hlen soll.
Ein Blick nach oben - und alles ist klar.
L \ N










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flammarion
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