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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Paranoia, Eifersucht, Misstrauen, Betrug
Eingestellt am 23. 06. 2013 14:53


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SiggiH
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2013

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Paranoia

Wenn ihr wissen wollt, wie es sich anfĂŒhlt, auf der Flucht zu sein und stĂ€ndig Angst zu haben, was als nĂ€chstes kommt, dann fragt mich. Ich kann es euch erzĂ€hlen, denn ich war drei Jahre auf der Flucht. Auf der Flucht vor meinen eigenen DĂ€monen. Sie lauerten hinter jeder Ecke auf mich. Ununterbrochen versuchten sie mich zu fassen, meinen letzten Rest gesunden Menschenverstand zu eliminieren, damit der Wahnsinn, dessen Keim sich tief in meiner Seele eingenistet hatte, am Ende triumphieren könne.

Ich habe mich selbst immer als einen normalen psychisch stabilen Menschen gehalten. War nie auffĂ€llig, habe mich von jeglichen Exzessen fern gehalten, habe zum grĂ¶ĂŸten Teil auf Alkohol- Drogen- und Zigarettenkonsum verzichtet und hatte es auch nicht eilig, meine JungfrĂ€ulichkeit zu verlieren. Es dĂŒrfte also auch niemanden verwundern, dass ich auf eine ganz normale Zukunft hin gearbeitet habe. Einen guten Schulabschluss schaffte ich mit Leichtigkeit und eine Ausbildungsstelle im kaufmĂ€nnischen Bereich flog mir förmlich zu.
Nach ein paar Jahren war ich dann der Meinung, dass es an der Zeit wurde, eine Familie zu grĂŒnden. Mann und Kind ließen auch nicht lange auf sich warten, und mit einem kleinen zotteligen Hund wurde mein kleinbĂŒrgerliches Spießerleben komplementiert. Ich war zufrieden mit meiner Rolle als Mutter und Hausfrau und bildete mir tatsĂ€chlich ein, meine Ziele erreicht zu haben.

Doch das Schicksal hat seinen Ruf als unberechenbar nicht zu Unrecht. Und so begann die Fassade meines Bilderbuchlebens so nach und nach zu bröckeln.
Wie man eine Ehe richtig zu fĂŒhren hat lernt man in keinem Schulfach. Zwar zeigen einem die Medien ĂŒberaus fĂŒrsorglich permanent Beispiele, wie man es nicht machen sollte, aber man selbst ist natĂŒrlich felsenfest in dem Irrglauben verankert, dass man fĂŒr solche Fehler viel zu intelligent sei. Und doch ist der schlimmste Fehler, den man begehen kann, der, Nichts zu tun. Und das tat ich: Nichts! Wieso sollte ich auch? Ich tat nie etwas Falsches, war immer treu, fĂŒhrte den Haushalt zum grĂ¶ĂŸten Teil vorbildlich, bemĂŒhte mich, Abwechslung auf den Tisch zu bringen, und kĂŒmmerte mich um die Entwicklung unseres Sohnes. Vielleicht hĂ€tte ich die spitzen Bemerkungen meines Mannes ernst nehmen sollen, der mir Vorwarf, nicht mehr wirklich auf mein Äußeres zu achten. NatĂŒrlich waren mir die 15 kg nicht entgangen, die sich seit unserer Hochzeit zu mir gesellt hatten, aber ich fĂŒhlte mich gut, so wie ich war. Einzig was mich etwas traurig stimmte war, dass mein Mann und ich nicht wirklich viele gemeinsame Interessen hatten. Aber es heißt doch immer: GegensĂ€tze ziehen sich an.
Dann begann mein Mann sich schlagartig zu verĂ€ndern. Er nahm innerhalb kĂŒrzester Zeit enorm ab und begann plötzlich diverse Sportarten zu betreiben. Ich dachte mir, dass dies vielleicht die Chance sei, neue Gemeinsamkeiten zu entdecken und bat ihn, mich doch mit einzubeziehen. Darauf reagierte er sehr abweisend. Das habe keinen Zweck, von mir könne er ja nichts lernen. Er habe bereits eine Inline-Lehrerin und Schwimmpartnerin: Die Tochter eines Kegelkameraden. Ich fragte ihn, was das solle, das MĂ€dchen könnte seine Tochter sein, worauf er nur lachte, und meinte, das spiele doch keine Rolle, sie sei ein toller Kumpel.
Ab da beschwor ich ungewollt meine eigenen DĂ€monen herauf. Sie hießen Eifersucht, Misstrauen und Paranoia.
Eifersucht war relativ leicht zu bĂ€ndigen. Ich bezwang sie immer wieder mit meiner Logik. Ich sagte: "Klar braucht er jemand JĂŒngeres um ihm neue Sportarten zu lehren." und "Das MĂ€dchen sieht so toll aus, die hat zig Verehrer. Was will sie mit nem Mann, der 27 Jahre Ă€lter ist?" Dann lachte ich Eifersucht aus, und sie verkroch sich schmollend in einen dunklen Winkel meines Verstandes.
Misstrauen war da schon gewiefter. StĂ€ndig flĂŒsterte es mir Dinge zu, wie: "Wem schreibt er gerade eine sms?" oder "Wieso kommt er erst spĂ€t nachts nach Hause? Kein Schwimmbad hat so lange auf..." Aber selbst mit Misstrauen kam ich zurecht, indem ich meinen Mann einfach direkt um Antworten bat, die er mir bereitwillig gab. Klar war er mit dem MĂ€del noch was trinken, sie kommt ja schließlich nicht oft raus, und die paar kleinen GefĂ€lligkeiten sei er ihr schließlich schuldig.
Ich wollte meinem Mann glauben. Wollte meine kleine heile Welt am Leben erhalten. Aber dann kam sie - die Paranoia.
Sie besuchte mich meist abends, wenn ich allein war und verhöhnte mich:
"Er ist bei ihr."
"Was denkst du wie er seine Schuld begleicht?"
"Wann hat dein Mann DIR zuletzt eine sms geschrieben?"
Ich wollte diese Stimme nicht hören, aber sie war in meinem Kopf fest verankert.
Ich lag mit Herzrasen im Bett. Lautlos schrie ich Paranoia an, sie solle ihr LĂ€stermaul halten, aber sie lachte mich nur aus.
Ich versuchte, vor dieser mitleidlosen Kreatur davon zu laufen. Nachts schnappte ich mir unseren Hund und eilte ziellos durch die verlassenen Straßen. Ich begrĂŒĂŸte es, wenn es regnete, denn so konnte niemand die TrĂ€nen erkennen, die nie zu versiegen schienen. Panisch erwartete ich jeden unwillkommenen Besuch von Paranoia. Und sie besuchte mich in immer kĂŒrzeren Intervallen, bis sie zu meiner permanenten Verfolgerin wurde. Ich konnte ihre Gegenwart stĂ€ndig spĂŒren. Ich war nur noch zu zwei Gedanken fĂ€hig: "Er verlĂ€sst mich wegen einem jungen MĂ€dchen." und "Ich kann und will ohne ihn nicht leben."
Nach einem dilettantischen Selbstmordversuch - wer schneidet sich die Pulsadern auch quer auf? - wurde mir klar, dass ich so schnell doch nicht aufgeben wollte. Ich startete den klĂ€glichen Versuch, meine DĂ€monen zu vertreiben. Ich sprach mit meinem Hausarzt ĂŒber meine Schlafstörungen und mein stĂ€ndiges Herzrasen und erzĂ€hlte ihm, dass ich völlig grundlos stĂ€ndig depressiv sei. Er verschrieb mir Schlaftabletten und beruhigende Antidepressiva. Schnell fand ich heraus, dass diese Wunderpillen bei vierfacher Dosierung mit etwas Alkohol tatsĂ€chlich in der Lage waren, meine DĂ€monen vorĂŒbergehend zum Schweigen zu bringen. So konnte ich mir selbst wieder die schöne heile Welt vorgaukeln, und alles war gut.

Dann kam der Tag, an dem meine DĂ€monen mich stellten und umzingelten. Jeglicher Fluchtweg war abgeschnitten. Meine ewige Flucht war nutzlos gewesen. Und tief in meinem Inneren hatte ich das die ganze Zeit ĂŒber gewusst. Es war der Tag an dem mir mein Mann mitteilte, dass er Vater wĂŒrde.
Eifersucht und Misstrauen triumphierten und schrien: "Haben wir es nicht die ganze Zeit ĂŒber gesagt? Wir wussten es von Anfang an! Er hat dich betrogen und belogen!" Aber diese beiden niederen Kreaturen interessierten mich in diesem Moment nicht im Geringsten. Sollten sie doch ihren Spaß haben, sich an den HĂ€nden halten und wild hĂŒpfend einen kindischen Kreistanz auffĂŒhren. Mein ganzes Interesse galt meiner alten Erzfeindin Paranoia, die nur stumm dastand und mich musterte. Ich fragte sie stumm: "Was nun? Du hast gewonnen, warum nimmst du dir dann nicht, was du die ganze Zeit ĂŒber wolltest?"
"Und was wollte ich die ganze Zeit von dir?"
"Meinen Verstand natĂŒrlich! Was sonst? Dein einziges Ziel ist es doch, mich in den Wahnsinn zu treiben!"
Paranoia blickte mich mitleidig an. "Das denkst du also von mir? Das einzige was ich von dir will ist Akzeptanz. Akzeptiere endlich die RealitÀt, vor der du die ganzen Jahre geflohen bist! Ich war es nicht, die dich verfolgt hat. Ich habe lediglich deine Flucht vor der Wahrheit begleitet."
Diese Worte trafen mich mitten ins Herz, und ich wusste, dass sie wahr waren. Also tat ich das, was ich schon lĂ€ngst hĂ€tte tun sollen. Ich ging - und ließ Paranoia und meinen Mann stehen. Lediglich Misstrauen und Eifersucht durften mich begleiten, da sie ja immer nur mein Bestes wollten.

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Val Sidal
???
Registriert: Jan 2013

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SiggiH,

die Geschichte gefÀllt mir bis zu dem Punkt, wo ...

Aber der Reihe nach: Obwohl ich kein Guru der Rechtschreibung bin, möchte ich -- ohne Anspruch auf VollstÀndigkeit -- Deine Aufmerksamkeit auf einige Stellen im Text lenken, die mich irritiert haben:

quote:
Wenn ihr wissen wollt, wie es sich anfĂŒhlt, auf der Flucht zu sein und stĂ€ndig Angst zu haben, was als nĂ€chstes kommt, dann fragt mich.

so formuliert ist das nicht korrekt.
quote:
Ich habe mich selbst immer als einen normalenKomma psychisch stabilen Menschen gehalten. War nie auffĂ€llig, habe mich von jeglichen Exzessen fern gehalten, habe zum grĂ¶ĂŸten Teil auf Alkohol-Komma Drogen- und Zigarettenkonsum

quote:
Doch das Schicksal hat seinen Ruf als unberechenbar nicht zu Unrecht. Und so begann die Fassade meines Bilderbuchlebens so nach und nach zu bröckeln.
quote:
man selbst ist natĂŒrlich felsenfest in dem IrrgGlauben verankert, dass man fĂŒr solche Fehler viel zu intelligent sei -- ein Irrtum.

... in der ErzÀhlzeit: "Irrglauben", zum Zeitpunkt, als man verankert war: "Glauben".
quote:
Und doch ist der schlimmste Fehler, den man begehen kann, der, Nnichts zu tun.
quote:
EinzigWwas mich etwas traurig stimmteKomma war,

quote:
Ab da beschwor ich ungewollt meine eigenen DĂ€monen herauf.
... ĂŒberflĂŒssig ...
quote:
Misstrauen war da schon gewiefter. StĂ€ndig flĂŒsterte es mir Dinge zu, wie: "Wem schreibt er gerade eine sms?"Komma oder "Wieso kommt er erst spĂ€t nachts nach Hause? Kein Schwimmbad hat so lange auf..."

quote:
"Was denkst duKomma wie er seine Schuld begleicht?"
quote:
"Er verlÀsst mich wegen einesm jungen MÀdchens."
Nach einem dilettantischen Selbstmordversuch - wer schneidet sich die Pulsadern auch quer auf? - wurde mir klar,
... umgangssprachlich okay, aber geschrieben?
quote:
Mein ganzes Interesse galt meiner alten Erzfeindin Paranoia, die nur stumm da stand und mich musterte.

quote:
Ich fragte sie stumm: "Was nun? Du hast gewonnen, warum nimmst du dir dann nicht, was du die ganze Zeit ĂŒber wolltest?"
"Und was wollte ich die ganze Zeit von dir?"
"Meinen Verstand natĂŒrlich! Was sonst? Dein einziges Ziel ist es doch, mich in den Wahnsinn zu treiben!"
Paranoia blickte mich mitleidig an. "Das denkst du also von mir? Das einzige was ich von dir will ist Akzeptanz. Akzeptiere endlich die RealitÀt, vor der du die ganzen Jahre geflohen bist! Ich war es nicht, die dich verfolgt hat. Ich habe lediglich deine Flucht vor der Wahrheit begleitet."
Wir sind hier beim Höhe- und Wendepunkt der Geschichte angelangt. Hier spitzt sich doch der zentrale Konflikt der Protagonistin zu: Der Verlustschmerz multipliziert sich mit der Angst vor der Zukunft und wird im inneren Kampf potenziert. Sie wird bald wahnsinnig! Doch die Niederlage wird zum Sieg -- aber wodurch? Die von Dir gewĂ€hlte Lösung (ZwiegesprĂ€ch) scheint mir nicht optimal zu sein: so spricht Paranoia nicht, ich höre ihre Stimme nicht, ich fĂŒhle ihre Energie nicht. Die Botschaften sind zu (ge)wichtig, als dass man sie so platt abfrĂŒhstĂŒcken sollte. Spannender wĂ€re es zu sehen, wie Paranoia die Protagonistin verĂ€ndert hat, was Ă€ndert die Protagonistin ihrerseits, um ihren Verstand zu verteidigen, was ist, was Paranoias Schicksal besiegelt.
quote:
Ich ging - und ließ Paranoia und meinen Mann stehen. Lediglich Misstrauen und Eifersucht durften mich begleiten, da sie ja immer nur mein Bestes wollten.
-- wenn das so einfach wÀre! Das Ende wird knifflig, denn Paranoia wohlte ja auch immer nur ihr Bestes. Ihr verdankt die Protagonistin sogar die Wende.
Hier wĂŒrde ich lieber die Wandlung von Paranoia zu ... erwarten.

Sollten meine Anmerkungen nicht hilfreich sein, dann -- Pardon!
__________________
valS
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© Meine Werke und Kommentare sind mein Eigentum. Diebe werden verflucht.

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo SiggiH,
eine betroffen machende Geschichte aus dem Leben gegriffen.
Ein Änderungsvorschlag:
[quote..]und mit einem kleinen zotteligen Hund wurde mein kleinbĂŒrgerliches Spießerleben komplementiert.


Es mĂŒĂŸte wohl besser komplettiert heissen.

Zu den etwas vielen Rechtschreibfehlern hat Val ja schon Einiges gesagt. Die solltest du korrigieren.
LG und weiterhin frohes Schaffen in der LL
USch

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