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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Parkhaus
Eingestellt am 09. 02. 2017 18:11


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Eisfuchs
Hobbydichter
Registriert: Feb 2017

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I
Lukas lag auf dem Dach des Gasometers und beobachtete die Umgebung. Er sah die kahlen BĂ€ume im winterlichen Park. Es nieselte und es war kalt. Er fror trotz dick wattierter Jacke. Bereits seit Stunden lag er dort und beobachtete die Umgebung. Man hatte von hier oben einen hervorragenden Überblick. Es entging ihm keine noch so winzige Kleinigkeit, wie die Baustelle auf der Zufahrtsstraße zur A 42 die parallel neben dem Rhein-Herne Kanal verlief. Er machte noch einige Fotos mit seiner Kamera, deren Teleobjektiv ihm selbst die kleinsten Details zeigte.
Schließlich hatte er genug gesehen. Mit langen Schritten ging er ĂŒber das Dach des riesigen GichtgasbehĂ€lters auf den maroden Außen-Aufzug zu, an dem schon deutlich sichtbar der Anstrich abblĂ€tterte.
Langsam und gerÀuschvoll bewegte sich der Aufzug nach unten.
Als der Aufzug unten angekommen war, verließ er schnell das GebĂ€ude in Richtung Parkplatz. Er setzte den Helm auf, startete sein Motorrad und raste mit hoher Geschwindigkeit Richtung Autobahn. Mit hohem Tempo, jonglierte er mit seiner BMW zwischen LKW und Kuriertransportern hindurch seiner Wohnung entgegen.
Die Maschine war alt, aber zuverlÀssig (und die einzige Hinterlassenschaft seines Vaters, nachdem er sich zu Tode getrunken hatte). Die Gegend, die er durchfuhr, war trostlos. BaufÀllige und verlassene HÀuser, wo man hinsah. Das alles erinnerte ihn an seine derzeitige Lebenssituation.
Die meisten Bewohner verließen die Region. Die die blieben waren meist arbeitslos, so wie er. Als er endlich zu Hause angekommen war, schlurfte er die Treppe herauf und schloss die TĂŒr zu seiner Wohnung auf. Die Wohnung war mit billigen, verschlissenen Möbeln und abgewetzten Teppichen ausgestattet. Nur sein Computer und die teure Stereoanlage kĂŒndeten davon, dass es bei ihm auch schon bessere Tage gegeben hatte.
Er schob sich eine Pizza in den Ofen. Es klingelte. Er erschrak so, dass er beinah seinen Teller fallen gelassen hĂ€tte. Christine stand vor der TĂŒr. Ihre Besuche bei ihm waren sehr selten geworden, seit es ihm nicht mehr so gut wie frĂŒher ging.

„Freust Du dich gar nicht mich zu sehen?“, Sie schĂŒttelte ihr langes blondes Haar. Sie sah immer noch umwerfend aus, hatte tiefblaue Augen und eine Figur wie ein Modell.
„Ich wollte dir eigentlich nur deinen SchlĂŒssel wiedergeben“, sagte sie.
„Danke. Du ich backe mir gerade eine Pizza auf“: sagte Lukas „Möchtest Du ein StĂŒck?“
„Nein danke“, antwortete Christine, „Ich bin heute Abend schon zum Essen eingeladen“.
„Peter?“, fragte er gereizt.
„Ich weiß gar nicht, was Du hast“, sagte sie. „Er ist ein guter Freund meiner Familie“
„Und schwimmt im Geld“ „War es letzte Woche schön in der Schweiz?“
„Woher weißt Du das?“, fragte sie irritiert.
Das erzĂ€hlte er ihr lieber nicht. NatĂŒrlich wusste er, wie man Handynutzerdaten auslesen kann. FrĂŒher hĂ€tte er sie nicht ausspioniert und es tat ihm eben weh sie mit diesem Hohlkopf im Armani-Anzug zusammen zu sehen, weil er sie, wenn er ehrlich war, immer noch liebte.
„Außerdem geht es dich ĂŒberhaupt nichts an, es ist schließlich mein Leben“, sagte Christine. „Ich dachte unser Leben“.
„Du weißt genau, warum es nicht mehr unser Leben ist“. „Du hast dich in letzter Zeit sehr verĂ€ndert“.
„Du meinst, vor allem meine finanzielle Lage hat sich sehr verĂ€ndert“, erwiderte er. Er konnte es nicht leiden, wenn sie um den heißen Brei herum redete.
NatĂŒrlich war das auch nicht die ganze Wahrheit. Nach seiner Entlassung hatte er, (wie frĂŒher sein Vater), heftig zu trinken begonnen und war dabei nicht immer nett zu ihr gewesen. Mittlerweile hatte er sich jedoch wieder gefangen, seinen Alkoholkonsum reduziert und trank jetzt nur noch nach Einbruch der Dunkelheit. FĂŒr das, was er vorhatte, brauchte er schließlich einen klaren Kopf.
„Wir streiten uns schon wieder, ich glaube ich geh jetzt lieber“, sagte sie.
Irgendwie klangen ihre Worte fĂŒr ihn nach Abschied.
FĂŒr einen Augenblick war er versucht ihr zu erklĂ€ren, was er vor hatte. Aber er sah schließlich ein, dass es sinnlos war. „Ich wĂŒnsche dir alles Gute.“ „TschĂŒss“, sagte sie.
Sie, lĂ€chelte ihn an, gab ihm einen langen Abschiedskuss und verschwand leise durch die WohnungstĂŒr ins Treppenhaus.
Lukas seufzte, wĂ€hrend er mit seinen TrĂ€nen kĂ€mpfte. Er dachte an sein frĂŒheres luxuriöses Leben als Programmierer und an die schönen Zeiten, die sie miteinander genossen hatten. Aber mit dem Beginn seines sozialen Abstiegs, verflĂŒchtigte sich auch ihr Interesse an ihrer gemeinsamen Beziehung. „Ein Liebender allein reicht eben nicht aus fĂŒr eine Beziehung“, dachte er. Er beschloss sich zu betrinken.

II
Lukas wachte auf, als ihm bereits die Sonne ins Gesicht schien. Langsam kam ihm die Erinnerung an den Vorabend und an sein unangenehmes GesprĂ€ch mit Christine wieder ins GedĂ€chtnis zurĂŒck. Außerdem hatte er starke Kopfschmerzen und einen Kater vom Alkohol. WĂ€hrend er sich duschte und ein kurzes FrĂŒhstĂŒck einnahm, dachte er an seinen Plan. Nun brauchte er nur noch ein schnelles Auto und das möglichst rasch.
Er stĂŒrmte die Treppe herunter, schwang sich auf sein Motorrad und machte sich mit Vollgas auf zu Chico.
Chico wohnte in der Nachbarstadt auf einem Schrottplatz, auf dem er Autos ausschlachtete und eine kleine Werkstatt betrieb. Sie kannten sich noch aus der Schulzeit.
Die beiden Außenseiter freundeten sich schnell an. Lukas half Chico bei den AufsĂ€tzen und formulierte die Lösungswege fĂŒr seine Matheaufgaben wĂ€hrend Chico seinen Freund mit den FĂ€usten gegenĂŒber seinen Klassenkameraden verteidigte. Aus dieser Zeit entwickelte sich eine tiefe Freundschaft.
SpĂ€ter gingen sie getrennte Wege, Lukas machte Abitur, studierte, wurde Programmierer und baute sich eine neue schicke Welt auf. Mit Chico ging es zunĂ€chst abwĂ€rts. Er schmiss seine Ausbildung als Kfz-Mechaniker hin, ließ sich mit zweifelhaften Typen ein und kam schließlich wegen Hehlerei mit gestohlenen Autoteilen fĂŒr einige Jahre ins GefĂ€ngnis. Eine kleine Erbschaft seiner Tante rettete ihn schließlich, als er wieder in Freiheit war. Er kaufte sich davon den kleinen Schrottplatz und baute sich sein eigenes, kleines Reich auf.
Lukas fuhr die enge Einfahrt zum Schrottplatz hoch.
Er stieg vom Motorrad und polterte laut gegen das geschlossene Wellblech-Rolltor, denn eine Klingel gab es hier nicht. Nach einer Weile begann es laut zu scheppern. Langsam öffnete sich das Rolltor nach oben und da stand Chico.
Chico heißt auf Spanisch eigentlich so viel wie kleiner Junge, aber die Erscheinung, die hinter dem Rolltor langsam aus dem Halbdunkel der Werkstatt auftauchte, wurde dem Spitznamen in keiner Weise gerecht.
Chico war gut und gerne 2 m groß, hatte einen gewaltigen Bauch und wog bestimmt ĂŒber 200 kg. Er hatte Oberarme so dick wie die Schenkel von Christine, seine Arme waren ĂŒberaus reich verziert mit Bildergeschichten bestehend aus vielen TĂ€towierungen.
Chico schob das schwere Rolltor mit einer Hand nach oben, in der anderen Hand hielt er, einen riesigen Döner, in den er von Zeit zu Zeit hineinbiss. Chico hatte immer Hunger oder Durst, meistens jedoch beides gleichzeitig.
„Hallo Alter was fĂŒhrt dich zu mir?“, fragte er mit halb vollem Mund.
„Ich brauche einen schnellen Wagen“, antwortete Lukas, „Schnell und unauffĂ€llig“. „Es ist nur fĂŒr ein paar Tage, dann bringe ich ihn dir wieder zurĂŒck, versprochen.“
„Warte, bis ich aufgegessen habe“, entgegnete Chico.
Lukas war in Eile aber er wusste, dass sich Chico durch nichts in der Welt von seiner Mahlzeit abbringen ließ. Also schaute er in Ruhe zu, wie sein Freund den gewaltigen Döner in sich hineinschob.
Nachdem Chico seinen Döner verzehrt hatte, gingen sie auf der Suche nach einem geeigneten Wagen gemeinsam ĂŒber den Schrottplatz. Lukas wanderte mehrmals langsam ĂŒber den Schrottplatz, fand aber nur Kleinwagen und ausgeschlachtete Autowracks. Gerade als er sich schon mit einem Kleinwagen abfinden wollte, fand er unter einem halb verfallenen Carport ein Auto, das mit einer moosbedeckten Segeltuchplane abgedeckt war.
Er hob die Plane hoch und sah sofort, dass er etwas Besonderes gefunden hatte. Lukas riss aufgeregt, mit zitternden HĂ€nden die Plane vom Auto. Ein Ford Mustang Baujahr 1969, Mach 1 wie der Schriftzug an der Seite zeigte.
Der Wagen war in einem schlechten Zustand. Die einst feuerrote Lackierung war stumpf. Die RadlĂ€ufe und die TĂŒrunterseiten stark vom Rost zerfressen, ebenso die mattschwarz lackierte Motorhaube mit dem riesigen aufgesetzten Lufteinlass.

Trotzdem war sich Lukas sicher hier eine echte Königin entdeckt zu haben.
„Was ist mit dem hier?“, fragte er Chico, „Warum hast du mir nie davon erzĂ€hlt?“
„Ach den habe ich schon lange und ihn völlig vergessen“, rief Chico, „Ich habe ihn Mal einem amerikanischen Soldaten beim Pokern abgenommen“.
„Hat der einen Big-Block?“, fragte Lukas aufgeregt.
„Einen V 8 Motor, mit 6,4 l Hubraum“ nickte Chico.
„Hast du den ZĂŒndschlĂŒssel fĂŒr mich?“, fragte Lukas. Chico stapfte in seine Werkstatt und brachte ihm den SchlĂŒssel. Lukas war ganz aufgeregt und seine HĂ€nde zitterten, als er den ZĂŒndschlĂŒssel ins Schloss einfĂŒhrte.
Der Anlasser drehte unwillig, bis der Motor schließlich ansprang und ein mechanisches Gewitter auslöste. Der Innenspiegel, das Armaturenbrett, der WĂ€hlhebel, alles im Innenraum vibrierte. Lukas schloss die Augen und hörte dem tiefen Blubbern des V8 Motors zu. Ganz zaghaft trat er das Gaspedal weiter durch. Aus dem Blubbern wurde zuerst ein Fauchen und schließlich ein BrĂŒllen.
Lukas schaltete den Motor wieder aus und stieg aus. Er hatte genug gehört.
„Den muss ich haben“, rief er Chico zu. „Kannst Du ihn mir fertigmachen?“, fragte er unsicher.
„Ich dachte Du wolltest ein unauffĂ€lliges Auto“, sagte Chico. „Viel AuffĂ€lliger als mit dem da kann man wohl kaum unterwegs sein“
„Ich möchte ihn aber trotzdem“, entgegnete Lukas, „Schaffst du das?“.
Chico dachte einen Moment nach wĂ€hrend er sich, mit einem verölten, großen SchraubenschlĂŒssel am RĂŒcken kratzte.
„Weißt du“, sagte er schließlich, „Ersatzteile fĂŒr einen solchen Oldtimer zu beschaffen ist Ă€ußerst schwierig und verdammt teuer sind sie noch dazu“.
„Die Bremsen sind glaube ich hin und die Kupplung muss ich auch austauschen“.
„An den Motor wage ich mich ohnehin nicht heran, davon verstehe ich zu wenig und ich brauche dafĂŒr mindestens 14 Tage“, sagte Chico.
Lukas hatte eigentlich nicht mehr so viel Zeit, schluckte aber seine EnttĂ€uschung herunter. Schließlich wollte er das Auto unbedingt fahren.
„Ist in Ordnung“, sagte Lukas, „Mach ihn mir bitte, bitte fertig“, bettelte er.
„Und streck mir das Geld fĂŒr die Ersatzteile vor, ich gebe es dir bestimmt spĂ€ter wieder, Ehrenwort.“
Chico nickte mit dem Kopf und Lukas trottete glĂŒcklich zu seinem Motorrad.
Dann stieg er wieder auf sein Motorrad, setzte seinen Helm auf und fuhr nach Hause. Mit Schwung lief er die Treppe hinauf und nahm dabei jedes Mal mehrere Stufen auf einmal. Plötzlich stoppten seine Schritte. Schon von weitem sah er, dass seine WohnungstĂŒre offen stand.
Vorsichtig schob Lukas seinen Körper durch den TĂŒrspalt. Langsam und leise untersuchte er alle RĂ€ume, aber in seiner Wohnung war niemand mehr. DafĂŒr war alles durchwĂŒhlt seine Kleidung und der Inhalt seiner Schrankschubladen lag verstreut auf dem Boden. Auf dem Bett im Schlafzimmer lag ein handgeschriebener Zettel. Darauf stand mit krakeliger Handschrift: „Zahle endlich deine Schulden!“.
Nun wusste Lukas, wem er den ungebetenen Besuch zu verdanken hatte. Erschrocken rannte er ins Wohnzimmer. Seine Stereoanlage hatte er mitgenommen, aber das war ihm egal. Lukas schaute unter seinem Bett im Staukasten nach. Unter seinem Bettzeug lag noch immer, sein Laptop. Gott sei Dank! Lukas setzte sich erschöpft und aufgeregt auf die Bettkante.
Wenigstens hatte er seinen Rechner retten können, sein ganzer ausgeklĂŒgelter Plan hing jetzt an diesem GerĂ€t. Fiel er in falsche HĂ€nde, konnte er die ganze Aktion abblasen. Lukas dachte einen Moment nach. Dann holte er seine restlichen Ersparnisse aus seinem Versteck und beschloss fĂŒr einige Tage in ein Motel zu ziehen. Hier war es nicht mehr sicher genug fĂŒr ihn, er brauchte jetzt Zeit und Ruhe, um seine Planungen abzuschließen.
Er nahm seinen Computer und ging langsam die Treppe herunter. Er machte sich nicht einmal mehr die MĂŒhe, seine TĂŒr zu schließen. Hier gab es nichts mehr, dass sie ihm jetzt noch nehmen könnten.
Fast zwei Wochen verbrachte Lukas unauffĂ€llig und zurĂŒckgezogen in seinem Zimmer im Motel. Einen Tag vor seinem persönlichen D-Day holte er sein Traumauto von Chico ab und schloss es sofort in die Garage ein. Chico hatte Recht gehabt, viel auffĂ€lliger konnte er sich wirklich nicht fortbewegen. Lukas war in der Zwischenzeit fleißig gewesen, hatte alle notwendigen Programme auf seinem Rechner installiert und die entscheidenden Routinen selbst programmiert. Außerdem war er im Baumarkt gewesen und hatte sich einen großen Koffer mit Werkzeugen, wie Sie von IT-ServicekrĂ€ften benutzt werden besorgt. Es konnte endlich losgehen. Unruhig schlief er ein.


III
Am Sonntagmorgen wachte Lukas gerĂ€dert auf. Er war nervös und hatte wenig geschlafen. Er frĂŒhstĂŒckte wenig und trank umso mehr Kaffee, wĂ€hrend er im Geiste noch einmal alle Einzelheiten seines Planes durchspielte.
Dann setzte er sich in den Mustang und legte seinen Laptop auf den Beifahrersitz. Als er den ZĂŒndschlĂŒssel herumdrehte, wusste er, dass es fĂŒr ihn keinen RĂŒckweg mehr gab.
Die Straßen waren leer und so fuhr er langsam aber vorschriftsmĂ€ĂŸig bis zur Tiefgarage. Dort nahm er seinen Rechner und das Werkzeug und verschwand hinter einer SeitentĂŒr im Treppenhaus des GebĂ€udes.
Lukas zapfte die Datenleitung des Hauptrechners der Bank an, die durch die Tiefgarage in das Rechenzentrum fĂŒhrten, und verband sie mit seinem Laptop. Durch diesen Trick simulierte er einen weiteren Arbeitsplatzrechner ohne in das System von außen einbrechen zu mĂŒssen. Er transferierte eine grĂ¶ĂŸere Geldsumme auf ein Konto in der Schweiz. Er war stolz auf seine selbstentwickelten Programme, obwohl ihn diese Aktion auf das Niveau eines gewöhnlichen Kriminellen herunterstufte. Danach speiste er noch einen Virus in den Hauptrechner ein, der das ganze System in spĂ€testens einer halben Stunde lahmlegen wĂŒrde. Bevor er sich wieder ordnungsgemĂ€ĂŸ abmelden konnte, brach der Zugang ab. Das System hatte ihn herausgeworfen. Lukas erschrak. Irgendetwas war schief gelaufen, möglicherweise hatte er bereits „stillen Alarm“ ausgelöst. Es war höchste Zeit das er hier wegkam. In aller Eile packte er seinen Rechner ein, ließ das Werkzeug liegen und rannte zu seinem Auto.
Er startete den Wagen, dann schaltete er seinen Laptop ein, verband ihn mittels mobilem Internet mit der Datenautobahn und startete ein Programm, dass sein Geld auf eine virtuelle Weltreise schickte.
Jetzt war es höchste Zeit, das auch er auf die Autobahn kam. Mit Vollgas und quietschenden Reifen verließ er die Garage. In der Ferne hörte er bereits die Martinshörner. Sie waren also schon hinter ihm her. Sein Herz klopfte heftig.
Zielsicher fuhr Lukas mit hoher Geschwindigkeit durch die kleinen Seitenstraßen Richtung
A42. Jetzt zahlte sich seine Vorbereitung vom Dach des Gasometers aus.
Hundertmal hatte er die Fotos studiert, kannte jede Straße und jedes Hindernis im Umkreis der Zufahrt.
Endlich hatte er die Autobahnauffahrt erreicht. Er drĂŒckte das Gaspedal bis zum Bodenblech durch, 100,
110 Meilen/h. Der Motor zog mĂ€chtig nach vorne, Lukas spĂŒrte, dass noch mehr ging. Zwischen ihm und dem Flughafen lagen jetzt noch höchstens 50 km Distanz.
Plötzlich und ohne VorankĂŒndigung kam der Super-GAU. Der schwere Motor geriet ins Stottern und der Ford wurde immer langsamer. Lukas wechselte auf den Standstreifen, wo der Motor schließlich abstarb. Verzweifelt drehte er den ZĂŒndschlĂŒssel hin und her und betĂ€tigte den Anlasser ununterbrochen aber sein Wagen sprang nicht mehr an.
„Verdammter Mist“, schimpfte er.
Warum musste er auch unbedingt einen 45 Jahre alten Oldtimer als Fluchtauto wÀhlen. Seine Liebe zu alten Autos wurde ihm jetzt zum VerhÀngnis.
Die Martinshörner wurden immer lauter. Lukas musste sich beeilen. Er trennte seinen Rechner wieder vom Internet und startete ein Programm, welches seine Daten von der eingebauten Festplatte löschte. Er stieg aus und warf den Laptop in hohem Bogen einen kleinen Abhang hinunter. Keine Sekunde zu frĂŒh. Die Polizisten nĂ€herten sich ihm bereits mit gezogener Waffe, untersuchten ihn und legten ihm danach Handschellen an. Aus die Maus das warÂŽs.

Vor dem Untersuchungsrichter hatte er keine Chance. Man hatte seinen Werkzeugkoffer in der Tiefgarage gefunden, die Kameras hatten Videos von seinem Wagen aufgenommen und auf seinem Laptop waren die Daten nicht vollstĂ€ndig gelöscht worden. Er glaubte, irrtĂŒmlich die Videoanlage ausgeschaltet zu haben. Offensichtlich eine LĂŒcke in seinem beinah perfekten Plan.
Mit gefesselten HĂ€nden fĂŒhrten sie ihn ĂŒber einen Hof ins GefĂ€ngnisgebĂ€ude. An den vergitterten Fenstern grölten laut die Insassen, einige warfen GegenstĂ€nde auf den Hof. Er war noch nie im GefĂ€ngnis gewesen.
Er sah an der roten Ziegelwand mit den vergitterten Fenstern hoch. Wie in einem Parkhaus dachte er. Ein Parkhaus fĂŒr Menschen. Nicht gegen ein Ticket wie bei Autos, nicht fĂŒr Stunden oder Tage, sondern mit einem Urteil: „Im Namen des Volkes“ fĂŒr Monate und Jahre.
UngefĂ€hr einen Monat nach seiner Inhaftierung, betrat ein mĂŒrrischer Justizbeamter seine Zelle, „Sie haben Besuch“.
„Wer ist es denn?“, fragte Lukas neugierig. Sein Herz fing an schneller zu schlagen. Aber der Beamte antwortete nicht. Sollte ihn am Ende Christine besuchen kommen?
Er wurde in einen kleinen Raum gefĂŒhrt, in dem ca. 15 Personen saßen. Alles Gefangene mit ihren Besuchern. Vorn an einem erhöhten Tisch im Raum saß ein Justizbeamter und beobachtete die Situation, bereit jederzeit einzugreifen. Plötzlich erschien eine massige Gestalt im TĂŒrrahmen. NatĂŒrlich, nicht Christine kam, um ihn zu besuchen, es war sein Freund Chico. Es gab ein lautes Hallo an vielen Tischen, offenbar kannte man ihn hier noch. Chico musste erst einige HĂ€nde schĂŒtteln, bevor er sich zu Lukas an den Tisch setzte. Chico hatte seinen blauen Overall an und ausnahmsweise und nur fĂŒr ihn frisch gewaschen. Er hatte ihm eine Riesen-Pizza mitgebracht, XXL-Format, typisch Chico.
„Ich kenne diesen Fraß hier. Er ist fĂŒrchterlich. Ich habe dir mal was Richtiges zu essen mitgebracht. Wie geht es dir?!“, fragte er teilnahmsvoll.
„Nun ja“, antwortete Lukas knapp, „Ich habe schon schönere Orte gesehen.“
„Das geht vorbei“, tröstete Chico ihn.
„Was ich dich fragen wollte“, sagte Lukas leise, „Was ist aus dem Wagen geworden?“.
„Du meinst den Mustang?“, sagte Chico, „Nun ich hab ihn wiederbekommen, den haben sie mir allerdings ganz schön auseinandergenommen. Aber Karosserie und Motor sind noch o.k. Außerdem habe ich einen Austauschmotor besorgt.“
„Wenn ich hier wieder herauskomme, dann restaurieren wir ihn richtig. So mit Motor, Fahrwerk, Lackierung und so“, versprach Lukas, „Ich hab nĂ€mlich noch eine kleine Überraschung.“
„Verstehe“, sagte Chico.
„Und danach drehen wir eine Runde um den Block.“
„Vollgas?“, fragte Chico und grinste ĂŒber beide Backen.
„Darauf kannst du dich verlassen“, antwortete Lukas.
Eine Weile schwĂ€rmten beide noch ĂŒber alte Zeiten, dann musste Chico gehen und Lukas wurde wieder in seine Zelle gebracht.
In der Folgezeit besuchte ihn Chico regelmĂ€ĂŸig und versorgte ihn wie eine Mutter mit gutem Essen. Drei Jahre und fĂŒnf Monate spĂ€ter wurde Lukas endlich aus der Haft entlassen.
Sein Freund Chico wartete vor der Haftanstalt, mit einem komplett restaurierten, bildschön lackiertem Ford Mustang auf ihn. NatĂŒrlich drehte Lukas mit seinem Freund die versprochene Runde um den Block und fuhr den Wagen auf der Autobahn aus. Er war zufrieden.
Zwei Wochen spĂ€ter buchte er fĂŒr sich und seinen Freund eine lange Reise in die Karibik.
Er und sein Freund gingen tĂ€glich an den Strand. Sie setzten sich in den Schatten, schlĂŒrften exotische Cocktails und sahen braun gebrannten Frauen in String-Tangas nach.
Lukas besorgte sich einen Laptop, eröffnete fĂŒr Chico ein Konto und ĂŒberwies ihm die HĂ€lfte seiner 53,8 Mio. €. So viel Geld hatte er mit seiner Aktion erbeutet und auf ein Konto in einer kleinen Bank auf den Cayman-Inseln nach einigen virtuellen Erdumrundungen ĂŒberwiesen.
Lukas hatte erkannt, dass das Geld fĂŒr ihn jetzt nicht mehr so wichtig war wie frĂŒher als er noch mit Christine zusammen war. Seine Freundschaft zu Chico bedeutete ihm heute viel mehr. Nun waren sie beide gleich reich und hatten ausgesorgt.
Chico war zunÀchst unglÀubig und dann völlig aus dem HÀuschen als Lukas ihm davon erzÀhlte. Er hatte aber auch Gewissensbisse das Geld von ihm anzunehmen.
„Das geht schon in Ordnung“, beruhigte ihn Lukas. „Wozu hat man schließlich so viel Geld, wenn man es nicht mit seinem besten Freund teilen kann“. „Ohne dich und deine UnterstĂŒtzung hĂ€tte ich die Zeit im GefĂ€ngnis niemals ĂŒberstanden. Das Geld reicht locker fĂŒr uns beide“.
Sie kauften sich ein kleines Haus direkt am Strand und beschlossen gemeinsam ihrer alten Heimat fĂŒr immer den RĂŒcken zu kehren. Am Ende hatte Lukas viel mehr erreicht, als nur seine finanzielle UnabhĂ€ngigkeit zu sichern.
Man konnte sie beide abends oft zusammen auf der Veranda sitzen sehen. Sie plauderten ĂŒber alte Zeiten und sahen gemeinsam mit einem Glas Rotwein in der Hand zu, wie die untergehende Sonne langsam das Meer kĂŒsste.



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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
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Hallo Eisfuchs, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

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ThomasQu
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Hallo Eisfuchs,

die gute Nachricht, mit viel Arbeit könnte man die Geschichte vielleicht retten.

Zuerst fielen mir die vielen Wortwiederholungen auf, der Text wirkt auf mich, als wÀre er ohne Korrektur eingestellt worden, die Erstversion, sozusagen.
Du mĂŒsstest ihn um ein Drittel kĂŒrzen, damit er griffiger wird und die Handlung plausibler darstellen.
Der Protagonist geht zwar in den Knast, aber das viele Geld behÀlt er, das nehme ich dir nicht ab und ein (angeblich) so cleveres Kerlchen vergisst nicht seinen Werkzeugkoffer.
Eigentlich ist der ganze Aufbau von A bis Z unlogisch. WÀre ich Schlechtbewerter, bekÀmst du von mir bestenfalls eine zwei.

Trotzdem, die Geschichte hat etwas, daher habe ich mit der guten Nachricht begonnen.

Sei nicht traurig,

Th.

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Eisfuchs
Hobbydichter
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Hallo ThomasQu,

um mit dem Ende deines Kommentars zu beginnen: Nein ich bin nicht traurig!

ZunĂ€chst einmal bin ich ja froh, dass sich ĂŒberhaupt jemand mit meinem Text beschĂ€ftigt hat.

Vielleicht noch eine Bemerkung zu mir vorweg.
Ich bin nicht nur neu in diesem Forum, sondern beschÀftige mich auch zum ersten Mal mit dem Schreiben von Geschichten in dieser Form.
Meine Geschichte entstand als Übung anlĂ€sslich eines Autorenworkshops. Diesem ging ein Seminar ĂŒber Storytelling voraus.
Das darin, trotz aller MĂŒhe, immer noch handwerkliche Fehler enthalten sind, ist mir klar. Das versteht auch jeder, der zu irgendeinem Zeitpunkt einmal etwas Neues in seinem Leben angefangen hat.
Darum bin ich ja hier um mich zu verbessern und weiter zu entwickeln.
Auf Wortwiederholungen habe ich in der Tat ĂŒberhaupt nicht geachtet, werde dies aber bei zukĂŒnftigen Geschichten tun.

Mit deiner Bemerkung ĂŒber die Erstversion meiner Geschichte, also ohne jede Korrektur, liegst du leider völlig daneben. Es ist dies die dritte Überarbeitung gewesen und in deren Verlauf ist die Geschichte schon um ein Drittel gegenĂŒber der Urfassung gekĂŒrzt worden. Die letzte Version ĂŒbrigens mit dem Dozenten (einem Buchautor) als Lektor.

Konstruktive Kritik an meinen Geschichten ist mir immer willkommen, denn nur dadurch kann ich besser werden.
Aus diesem Grund wĂ€re es hilfreich fĂŒr mich zu wissen, wo Du den Text weiter kĂŒrzen wĂŒrdest, ohne, dass dabei wesentlicher Inhalt verloren geht.
Auch deine Bemerkung der Aufbau sei unlogisch hilft mir nicht wirklich weiter. Das mĂŒsste ich schon genauer von Dir bekommen.

Eisfuchs

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ThomasQu
???
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Servus Eisfuchs,

das mache ich natĂŒrlich anhand von Beispielen gerne. Vorab, ich habe dir in meinem Kommentar meine persönliche Meinung mitgeteilt, andere Leser denken vielleicht anders ĂŒber deinen Text.


 auf den maroden Außen-Aufzug zu, an dem schon deutlich sichtbar der Anstrich abblĂ€tterte.
Langsam und gerÀuschvoll bewegte sich der Aufzug nach unten.
Als der Aufzug unten angekommen war 


 raste mit hoher Geschwindigkeit Richtung Autobahn. Mit hohem Tempo, jonglierte er mit seiner BMW


Das zum Beispiel meine ich mit den Wortwiederholungen.

GrundsĂ€tzlich hast du das ja ganz gut geschrieben, nur verlierst du dich in ewiglangen, unwichtigen Details, wĂ€hrend du wichtige Dinge, die mich interessieren wĂŒrden, ĂŒberspringst.
Gleich als Beispiel die erste Szene auf dem Gasometer. Was macht denn dein Protagonist stundenlang dort oben? Den Verkehr beobachten? Fotos machen? Wieso muss er denn das? Freilich beschreibst du das schön, mit vielen kleinen Details, aber das ist doch fĂŒr deine Geschichte gar nicht wichtig.
SpÀht man so einen Fluchtweg aus? WÀre es nicht besser, die Strecke vorher mal abzufahren?

Jetzt kommt die Szene mit der Ex, die bringt deinen Plot keinen Zentimeter weiter. Auch hier könntest du deutlich kĂŒrzen.

Als nĂ€chstes geht es auf den Schrottplatz. Du beschreibst diesen Chico so ausfĂŒhrlich, dass es schon langweilig wird und das hat nichts mit dem Fortgang der Geschichte zutun. Das alles sind nur NebensĂ€chlichkeiten.

Nun kommt dieser Ford V8 ins Spiel. Welcher Gangster sucht sich denn fĂŒr den wichtigsten Tag seines Lebens so einen auffĂ€lligen, unzuverlĂ€ssigen Fluchtwagen aus?

Jetzt knackt er mithilfe seines Computers die Bank und der Leser denkt sich: Ein taffes Kerlchen. So einer lÀsst sein Werkzeug liegen?
Und schon ist die Polizei da, wo kommt die auf einmal her? Wieso haben die ihn auf der Autobahn festgenommen? Wurden diese Videoaufnahmen von der Polizei so schnell gesichtet?
Das hĂ€ttest du mir als Leser besser erklĂ€ren sollen. Das wird alles zu schnell abgehandelt. Das sind schließlich die entscheidenden Passagen der Geschichte, nicht die Tatoos von Chico.

Schlussendlich, der Protagonist wird verurteilt, kann aber die 53,8 Millionen behalten?
Davon kannst du mich nicht so leicht ĂŒberzeugen.

Was mir allerdings gefÀllt, du kannst sehr schön Szenen beschreiben, schöne Bilder malen, nur solltest du das in den entscheidenden Passagen machen. Dann wird es spannend.

Nur Mut !!

Thomas

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