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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Patiencen
Eingestellt am 10. 08. 2002 20:34


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majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

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Kommentare: 399
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Patiencen

Es gibt da noch etwas zu klĂ€ren. Schon lange sitze ich hier unten am Meer. Rot steigt der Oktobermond aus dem Wasser. Ich lasse unsere Dialoge wie vor einem Fenster passieren. Lasse sie wie die Akteure antiker Tragödien vorbeiziehen. Auf der Suche nach Worten, die du mir nicht verdrehen kannst, verschluckt mich die Zeit. Ein paar Leute ziehen lachend an mir vorĂŒber. Ihre Sorglosigkeit bekĂŒmmert mich. Es ist spĂ€t geworden in diesem windigen Ort. Wenn ich jetzt nicht zu dir gehe, wirst du wieder fĂŒr einen langen Tag verschwunden sein. Kies knirscht unter meinen Sandalen, als ich aufstehe und den Strand verlasse. Auf der Straße ĂŒberlege ich kurz, es aufzugeben und mich nach links zu wenden, fort von dir. UnschlĂŒssig stehe ich unter dem Mond. Ein heißer Windstoß zerrt an meinem Kleid. Es ist lang und leicht. Einst hast du es angehoben, um meine Wade zu berĂŒhren. Kann Leinentuch sich erinnern? Etwas zieht mich nach rechts. Dunstschwaden hĂ€ngen ĂŒber dem Meer und in der Luft vor mir. Das geschieht nur im Oktober, hast du mir erklĂ€rt. Wenn Luft- und Wassertemperaturen sich angleichen. Jetzt, wo ich mich deinem LĂ€dchen nĂ€here, habe ich den Eindruck, den Dunst durchschneiden zu mĂŒssen, um hindurchzugehen. Ich könnte mir ein StĂŒck Dunst in die Tasche stecken und es spĂ€ter in Ruhe auf seine Beschaffenheit hin untersuchen. GeigenklĂ€nge dringen an mein Ohr. Du bist also noch da und hörst Musik. Meine Schritte werden langsamer, als ich den schwachen Lichtschein wahrnehme, der aus der geöffneten LadentĂŒr dringt. Nun kann ich dein Gesicht sehen. Ich weiß, daß du meine Schritte hörst. Du blickst nicht auf. Du sitzt da hinter deinem Ladentisch und legst Patiencen. PingpongbĂ€lle hĂŒpfen in meinem Bauch auf und ab, als ich die Schwelle zu deinem Reich ĂŒbertrete und dir einen guten Abend wĂŒnsche. Du nickst, bist höflich und bietest mir einen Platz neben dir an. Kaffee oder Wein, fragst du lĂ€chelnd. Kaffee denke ich, sage aber Wein, weil ich nicht will, daß du das Zittern meiner Hand bemerkst, wenn sie die winzige Moccatasse zum Mund fĂŒhrt. In deiner NĂ€he lassen sich WeinglĂ€ser besser steuern. Doch ich bin mir da nicht sicher. Du greifst zum Telefon und bestellst Weißwein. Dabei betrachte ich dich wie ein GemĂ€lde. Ich wĂŒrde gerne in deine weichen, braunen Locken greifen. Mein Blick streift scheu deine sinnlichen Lippen, die leise Töne in den Hörer murmeln. Dicht an meinem Ohr haben sie sich weich angefĂŒhlt. Als ich seufze, schaust du mich kurz an. MĂŒde siehst du aus. Worin nur hat sich dein bernsteinfarbener Blick gestern Nacht verfangen? Hast du eine andere so angesehen wie mich? Ich muß das klĂ€ren. Auch deshalb bin ich hier. Du legst auf und siehst mich an. Dein LĂ€cheln legt sich wie eine Wolldecke um mich. Verlegen schaue ich aus dem Fenster. Die Scheiben sind weiß gestrichen, sage ich zu dir. Nein, das ist nur der Dunst, antwortest du und drehst die Musik lauter. Ich öffne meinen Mund und will dich endlich fragen. Aber du hebst mahnend den Zeigefinger und lauschst. Schritte nĂ€hern sich. Ein Mann mit öligem Haar und einem Tablett in der Hand betritt das GeschĂ€ft. Er stellt Wein und GlĂ€ser vor uns ab, ohne auf die ausgelegten Spielkarten zu achten. Sie geraten etwas durcheinander. So wie ich. Du verwickelst den WeintrĂ€ger in ein GesprĂ€ch. Ich schaue durch den TĂŒrspalt nach draußen und sehe eine alte Frau mit geflochtenen Zöpfen, die zwei Ziegen hinter sich herfĂŒhrt. Sie sind schwarz. Mich rĂŒhrt das. Es ist warm hier. Meine Haare kleben am Nacken fest. Ein zarter Schweißfilm hat sich auf meinen Oberarmen gebildet. Im Spiegel rechts von mir sehe ich, wie Melancholie meine Augen fĂ€rbt. Blauer als jetzt werden sie nie mehr fĂŒr dich sein. Weißt du das? Endlich sind wir wieder allein. Ich möchte dir nun all das sagen, was ich mir so lange zurechtgelegt dort unten am Wasser. Doch du unterbrichst mich, weil du mir von einem Lied berichten willst. Es handelt von einem Hirten, der einen hungrigen Wolf bezĂ€hmt. Mit seinem Geigenspiel. Du singst es mir vor. Darauf war ich nicht gefaßt. AufgewĂŒhlt stelle ich mein Weinglas ab. Ich werde lange Zeit aus großen KrĂŒgen trinken mĂŒssen. An deiner Stimme kann ich mich nicht satthören. Sie ist mein Instrument, sagst du, als du fertig bist. Sie schneidet Verstand in Streifen, denke ich jetzt. Die Zeit am Meer war umsonst. Eine Frage nur ist geblieben. Ich muß sie dir sofort stellen. Es kostet mich Überwindung, auch nur den Mund zu öffnen. Du, sage ich leise. Einen Augenblick, antwortest du und sammelst bedĂ€chtig die Karten zusammen. Deine HĂ€nde zittern nicht. Wie kannst du nur so ruhig sein? Du schiebst das KartenpĂ€ckchen in die Schublade vor dir. Ich verliebe mich in dein rechtes Handgelenk. Gleich muß ich hier schließen, verkĂŒndest du, ohne mich anzusehen. Eine Zeitungsschlagzeile hĂ€ttest du nicht kĂŒhler verlesen können. Was bleibt mir anderes, als aufzustehen? Wichtige Dinge werden nicht im Stehen geklĂ€rt. Als ich mich zur TĂŒr drehe, steht dort ein MĂ€dchen. Sie trĂ€gt zu ihrem Rock nur ein Bikinioberteil. In der Rechten hĂ€lt sie eine Postkarte. Es ist zu, sage ich. Sie nestelt an ihrem zurĂŒckgesteckten Haar und antwortet etwas auf Französisch. Es hört sich fragend an. Ich weiß, daß du sie nicht verstehst, aber du lĂ€ĂŸt sie trotzdem herein. Danke fĂŒr deine Gesellschaft, sagst du zu mir. Du willst nur eine Postkarte verkaufen, denke ich, als ich wieder in den Dunst trete. Ein Betrunkener nĂ€hert sich von rechts. Etwas lĂ€ĂŸt mir keine Ruhe. So blicke ich zurĂŒck in dein GeschĂ€ft und sehe, wie sie ihr Haar löst. Es fließt an ihrem schönen RĂŒcken herab wie ein dunkler Vorhang aus Samt. Du hĂ€ltst den Atem an. Ich auch. Der Betrunkene lacht. Du schließt die TĂŒr von innen. Es gibt da noch etwas zu klĂ€ren, denke ich spĂ€ter, dort unten am Wasser. Eine TrĂ€ne spĂŒlt Sand von meiner Sandale. Ich wende mich nach links.






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Nina Walker
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2002

Werke: 8
Kommentare: 21
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Patiencen

Whow! So liebevoll und rund geschrieben.

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Nathalee
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

Werke: 43
Kommentare: 19
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Oh mann ...





...angesichts eines solch gefĂŒhlvollen Textes bin ich spachlos...

Gruß, Nathalee
__________________
"Leben ist wie Zeichnen ohne Radiergummi." - Kees Snyder

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Stella
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2002

Werke: 32
Kommentare: 98
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ĂŒberwĂ€ltigend.....

ich schließe mich an....finde keine Worte...

Lg
Stella

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catsoul
AutorenanwÀrter
Registriert: Aug 2001

Werke: 40
Kommentare: 115
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ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen, einfach wundervoll

so etwas sinnliches und erotisches hab ich selten gelesen

lG
cat


__________________
Http://catsoul.de
Http://buchstabeninsel.de

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majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

Werke: 27
Kommentare: 399
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Oh Gott!

Mit allem habe ich gerechnet, nicht jedoch mit soviel Lob. Da bleibt mir nur ein herzliches Dankeschön an alle, denen es die Sprache verschlagen hat.

Liebe GrĂŒĂŸe
Majissa

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