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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Patricio
Eingestellt am 24. 09. 2009 17:13


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Retep
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Patricio
(nach einer Idee von Edgardo Matus)

Alejandro sah am Stand der Sonne, dass es schon nach 12.00 Uhr war. Er hatte Hunger und vor allem Durst. Nur einmal war er nachts hinunter zum Fluss gegangen, als Patricio noch bei ihm gewesen war.
Danach hatte er sich im Gestr├╝pp versteckt. Er hatte sich kaum bewegt aus Angst, dass ihn jemand sehen k├Ânnte.
Viele Autos fuhren auf der Hauptstra├če vorbei.
Er rechnete damit, dass Patricio jeden Moment kommen w├╝rde.
Patricio........, hie├č er wirklich Patricio? Oder Carlos?
Schlie├člich war es egal, wie er hie├č. Er war nach L. gefl├╝chtet, hatte vorher vergeblich versucht, Kontakte aufzunehmen. Ihm war nichts anderes ├╝brig geblieben, als eine alte Freundin, die mit ihm die Universit├Ąt besucht hatte, aufzusuchen, fast hatte die Sperrstunde begonnen.
Aber sie war nicht zu Hause gewesen, man hatte sie vor zwei Tagen festgenommen.
Aber Patricio, ihr Bruder, war da. Er konnte bei ihm schlafen, er gab ihm trockene Kleidung und etwas zu essen.
Vor allem interessierte er sich f├╝r seinen Plan, ├╝ber die H├╝gel in die Gro├čstadt zu gehen und zu versuchen, Bekannte zu finden. Er war sicher, dass das gelingen w├╝rde, er kannte mehrere Adressen.
Patricio schlug zun├Ąchst vor, dass er ihn begleiten k├Ânne. Besser sei noch, sagte er, er w├╝rde alleine gehen, um zu vermeiden, dass Alejandro erkannt w├╝rde.

Und jetzt war Alejandro hier am Rand der Stadt, wartete auf ihn schon zwei Tage.
Er hoffte, dass Patricio einige Probleme gel├Âst hatte, ihm warme Kleidung f├╝r die kalten N├Ąchte und etwas Essen mitbringen w├╝rde.
Patricio w├╝rde auch einen sicheren Weg ausgekundschaftet haben und eine Adresse, wo er sich einige Zeit verstecken konnte. Einen neuen Ausweis brauchte er auch.

Sein Durst wurde immer unertr├Ąglicher. Er entschloss sich zum Fluss hinunter zu gehen, zu trinken und sich abzuk├╝hlen. Danach w├╝rde er ein Versteck im Schatten von B├Ąumen suchen.
Er humpelte langsam den H├╝gel hinunter, alle Knochen und Gelenke taten ihm weh. Er dachte, dass er in seiner Jugend besser weniger gelesen und mehr Sport getrieben h├Ątte.
Er kam an den Fluss, glaubte etwas zu h├Âren, drehte sich um und bemerkte Patricio, der auf ihn zeigte. Vier Soldaten begleiteten ihn. Sie zielten mit ihren Gewehren auf ihn.
Rauch stieg aus den Gewehrl├Ąufen auf, er sp├╝rte einen Schlag gegen seine Brust, der ihn zur├╝cktaumeln lie├č.
Er sah das freundliche Gesicht seiner Mutter, die ihm einen Pudding brachte. Das machte sie immer, wenn er krank war, sah Luc├şa, seine Schulfreundin, wie sie beide in einer Ecke des Schulhofes standen und sich unterhielten, sah sich, wie er sein Universit├Ąts-Diplom ├╝berreicht bekam.
Patricio zeigte noch immer auf ihn, und er merkte, dass er seiner Schwester ├╝berhaupt nicht ├Ąhnelte.
Er fiel ins Wasser und sah nichts mehr.




__________________
>Die Kritiker nehmen eine Kartoffel, schneiden sie zurecht, bis sie die Form einer Birne haben, dann bei├čen sie hinein und sagen: ÔÇ×Schmeckt gar nicht wie Birne.ÔÇť< (Max Frisch)

Version vom 24. 09. 2009 17:13

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Gernot Jennerwein
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hallo Retep

eine kurzgehaltene, pr├Ągnante Geschichte, einzig irritierend f├╝r mich: " fast hatte die Sperrstunde begonnen"

ein Satz der mir nicht gef├Ąllt:
"Die Sonne stach jetzt direkt auf ihn ein, sein Durst wurde immer unertr├Ąglicher"
Hier ist doch ein Zeitsprung und am Anfang schreibst du, es war gerade kurz nach Mittag, und hier "jetzt stach sie direkt" obwohl es bereits Nachmittag sein musste.

Vorschlag: Die Sonne brannte erb├Ąrmlich herab (und), sein Durst wurde unertr├Ąglich.

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Retep
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Hallo Gernot,

quote:
einzig irritierend f├╝r mich: " fast hatte die Sperrstunde begonnen"

- ich vergesse ├Âfter, dass hier manches nicht so klar ist wie in S├╝damerika. In Diktaturen gibt es eine "Sperrstunde". Wenn "Unruhen" zu bef├╝rchten sind, darf ab einer bestimmten Uhrzeit niemand mehr auf die Stra├če gehen.

quote:
Die Sonne stach jetzt direkt auf ihn ein, sein Durst wurde immer unertr├Ąglicher
- habe ich ge├Ąndert.

Danke f├╝r deinen Kommentar und f├╝r das genaue Lesen.

Gru├č

Retep
__________________
>Die Kritiker nehmen eine Kartoffel, schneiden sie zurecht, bis sie die Form einer Birne haben, dann bei├čen sie hinein und sagen: ÔÇ×Schmeckt gar nicht wie Birne.ÔÇť< (Max Frisch)

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