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Leselupe.de > Horror und Psycho
Patrics Aufsatz
Eingestellt am 19. 12. 2002 17:07


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Rub.
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2002

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„ Ach du heilige Scheiße.....“
Er machte eine Pause, sah noch einmal in das Heft und schĂŒttelte wieder den Kopf.
„ Ach du, oh...Scheiße!“, sagte er abermals und blickte sich auf Grund seiner Ausdrucksweise entschuldigend in den leeren Raum.
Er klappte das Heft zu und betrachtete das Namensschild.
Vielleicht hatte er einfach das falsche Heft erwischt, bei seinem Durcheinander wÀre es nicht verwunderlich gewesen.
Klasse 4C.
Nein, es war schon richtig.
Er legte das Heft beiseite und lehnte sich mit den Ellenbogen auf seinen kleinen Kiefernholzschreibtisch.
Verdrossen stĂŒtze er sein Kinn auf seine HĂ€nde und versuchte das Gesicht des Kindes, dessen Aufsatz er hier vor sich liegen hatte, in sein GedĂ€chtnis zu rufen.
Patric war ein ganz normales Kind.
Mit seinen zehn Jahren war er erstaunlich redegewandt und seine natĂŒrliche Neugier befriedigte er durch reges Interesse an dem Unterricht. Er war von normaler Statur, hatte ein ganz gewöhnliches Elternhaus, zwei Geschwister, die beide etwas jĂŒnger waren als er.
Soweit sich Miller auch zurĂŒck zu erinnern versuchte, hatte er doch nie einen solchen Aufsatz von einem zehnjĂ€hrigen Jungen bekommen.
Miller stand auf und öffnete das Fenster. Die Nachmittagssonne wĂ€rme sein Gesicht und der Gesang der Amseln in seinem Vorgarten drang durch das Fenster in sein BĂŒro.
Es war kurz vor den Sommerferien. Die Noten der SchĂŒler standen soweit fest und die letzten GesprĂ€che mit den Eltern waren lĂ€ngst gelaufen.
Die Worte des Aufsatzes kamen ihn wieder in den Sinn.

***
.....der Schmerz war schier unglaublich. Erschrocken hielt er sich den Bauch und kÀmpfte gegen einen neuerlichen Schwindel........

***

„ Mein Gott“, sagte er wieder und versuchte seine Gedanken zu ordnen. Der Duft von frischem Kaffee zog aus der KĂŒche zu ihm und ihm lief das Wasser im Mund zusammen.



Miriam stellte gerade zwei Becher auf den Tisch und lĂ€chelte ihm zu, als er die KĂŒche betrat.
Sie sah sein Gesicht und sofort erstarrte das LĂ€cheln auf ihrem Gesicht.
„ Was ist denn mit dir los, du siehst aus, als hĂ€ttest du einen Geist gesehen.“
Sie kam auf ihn zu und legte besorgt einen Arm um seine Taille. Er liebte das. Ihre NĂ€he, ihre warme Haut, einfach alles an ihr.
Ihr kurzes, frech geschnittenes Haar stand nach allen Seiten von ihrem Kopf ab.
Ihr schönen, grĂŒnen Augen, die ihn so verwirrten, als er sie das erste mal traf, blickten offen und erwartungsvoll in seine Augen.
Miller schĂŒttelte den Kopf.
„ Du glaubt es mir so oder so nicht. Ich gehe grade die AufsĂ€tze durch.“
Miriam zuckte die Schultern.
„ Und?“, fragte sie und goß herrlich duftenden Kaffee in die Becher.
Millers Gedanken wanderten wieder zu dem Aufsatz und ohne es zu wollen, schlichen sich die grausamen Worte in sein Hirn.

***

....... eines der Messer drang in sein weiches Fleisch. Die Klinge drehte sich in ihm, er spĂŒrte es. SpĂŒrte die Zerstörung seines Körpers...........

***

Miller schloß die Augen und schluckte.
„ So schlecht können die doch gar nicht sein.“, lachte Miriam und holte ihn in die Wirklichkeit zurĂŒck.
Miller schaute sie verstÀndnislos an.
„ Was?“
Seine Frau setzte sich und grinste.
„ Deine SchĂŒler, so schlecht sind sie doch gar nicht, Schatz.“
Miller hatte wirklich das BedĂŒrfnis ihr von dem Aufsatz zu erzĂ€hlen, aber noch nicht jetzt.
Er wollte ihn noch einmal durchgehen, wollte ihn noch einmal lesen.
Aber er wußte, so sehr er auch den Rotstift schwenken, so oft er auch Randbemerkungen schreiben wĂŒrde, es wĂŒrde nichts an dem Inhalt Ă€ndern.

***


........stand ĂŒber ihn und lĂ€chelte kalt. Das Messer, das sie in der Hand hielt, reflektierte das Sonnenlicht, das durch das Fenster fiel.......


***


Miriam sah ihn mit ihren grĂŒnen, intelligenten Augen an und es schien ihm, als könne sie in ihm lesen.
Besorgt beugte sie sich ĂŒber den Tisch zu ihm und berĂŒhrte seine Hand.
„ Was immer auch sein mag, mein Schatz, ich bin sicher, du bekommst das hin.“
Miller war sich da nicht so sicher.
Der warme Kaffe in seinem Magen sollte ihn beruhigen, doch er fĂŒhlte sich nicht besser.
Ganz im Gegenteil.
Er war aufgewĂŒhlt, in seinem Magen rumorte es und seine Gedanken wurden trĂ€ge.
BruchstĂŒcke des skurrilen Aufsatzes kamen in wieder in den Sinn.

***

......blickte fassungslos in das Gesicht, das seinem so nah war. Warmes, klebriges Blut trÀnkte sein Hemd und bedeckte langsam den kalten Boden, auf dem er lag..........

***

Seine Augenlider wurden schwer. Ein kribbliges und unruhiges GefĂŒhl umfaßte seine Eingeweide.
Miriam sah ihn an und legte den Kopf ein wenig schief.
„ Ist alles ok mit dir, Liebling?“, fragte sie besorgt und erhob sich von ihrem Stuhl.
Ihre Stimme klang weit, sehr weit fort.
In seinen Ohren vibrierte es. AllmĂ€hlich beschlich ihn der Gedanke, das etwas einfach nicht stimmte. Er wußte nicht was es war. Aber ohne einen Zweifel. Irgend etwas war einfach nicht ok. Nein, Er war ganz und gar nicht ok.
„ Schatz? Schatzi?“, hallte Miriams Stimme aus scheinbar unendlicher Ferne zu ihm.
Die WĂ€nde der KĂŒche verschwammen und dehnten sich.
Miller hob die HĂ€nde vor sein Gesicht.
Der Aufsatz. Wieder ĂŒberfielen ihn die Worte mit wackliger, unsicherer und kindlicher Schrift geschrieben.



***

.......versuchte sich aufzurichten, doch wieder durchjagte seinen Körper der Schmerz. Blut lag ihn auf der Zunge, tropfte ihn von den Lippen. Er versuchte zu Schlucken, damit er seinen Mund frei bekam, wollte schreien, schreien, doch seine Lungen, blutgefĂŒllt ließen es nicht zu................

***


Miriam hockte neben ihm. Er konnte sie durch seine Finger hindurch sehen. Ihre HĂ€nde lagen auf seinen Schenkeln und mit unverhohlener Neugier beobachtete sie ihn.
„ Schatz? Schatz, vielleicht solltest du dich hinlegen. Ich denke , es wĂ€re besser. Hörst du?“, hörte er Miriams Stimme.
Miller nickte.
Sein Magen machte ihm zu Schaffen. Er ging in Gedanken die Dinge durch, die er heute hatte gegessen.
Es war nichts ungewöhnliches dabei.
Das Brötchen heute Morgen, dann einen kleinen Snack zwischendurch.
Im Lehrerzimmer hatte er von den Weintrauben genascht, die Judit, eine nette Kollegin von ihm, auf ihrem Platz hatte stehen gelassen.
Dann das Mittagessen. Nichts besonderes. Ein paar Nudeln aus der TĂŒte.
Solche von der Art, zu denen man nur etwas heißes Wasser dazu gießen braucht.
Es schmeckt nicht sonderlich, zugegeben.
Aber es geht schnell.
Danach ging er die AufsÀtze durch und nun.
Der Kaffee.


„ Steh auf, Liebling.“
Miriams Stimme.
„ Ich helfe Dir hoch, du wirst wohl etwas Schlechtes gegessen haben.“
Miller wollte den Kopf schĂŒtteln, doch es kostete ihn schon ganze Kraft, ihn hoch zu halten.
Er fĂŒhlte, wie Miriam ihn unter die Arme faßte.
Sie mußte wohl ungeahnte KrĂ€fte mobilisieren, den sie stöhnte.
Wackelig stand er auf seinen Beinen, die sich wie Gummi anfĂŒhlten.
Er schwanke, hielt sich aber tapfer, wenn auch gebeugt, auf seinen FĂŒĂŸen.
SĂ€tze, hingeschmiert von einem zehnjĂ€hrigen, dessen Namen ihm nicht einmal mehr einfallen wollte, drangen in sein Bewußtsein.


***

....wurde es dunkel. KÀlte breitete sich in ihm aus. Alles klang gedÀmpft. GerÀusche, die er gerade noch deutlich wahrgenommen hatte, klangen aus, so, wie ein Song im Radio langsam leiser wurde.
Der Schmerz, der seine Eingeweide hatte Feuer fangen lassen, erlosch.
Er erlosch.........

***


Langsam richtete er sich auf.
Ein heißer, stechender Schmerz umklammerte seine MagenwĂ€nde und bohrte seine ungnĂ€digen Finger in sein Fleisch.
Er stöhnte.
Der Schmerz war schier unglaublich.
Erschrocken hielt er sich den Bauch und kÀmpfte gegen einen neuerlichen Schwindel.

„ Miriam?“, flĂŒsterte er.
„ Bald wird alles gut mein Schatz.“
Ihre weiche, melodische Stimme. Wie ein leichter Windhauch streite sie sein Ohr.
Sie löste ihren Griff.
Schwankend versuchte er die Balance zu halten.
Angestrengt konzentrierte er sich auf den warmen Schmerz, der durch seinen Körper kroch wie eine Schlange durch ein Rattenloch.
„ Miriam.“, keuchte er und suchte mit seinen HĂ€nden nach Halt.
Verzweifelt versuchte er den Tisch zu erreichen. Er war nur einige Zentimeter von ihm entfernt, doch auf Peter Miller machte es den Eindruck, als trennten ihn Kilometer von dem MöbelstĂŒck.

Miriam stand irgendwo hinter ihm, er konnte sie hören. Ihre hohen Schuhe klackten auf den weißen Fliesen.
„ Es war der Kaffee, Liebling. Er ist dir nicht bekommen.“
Sie klang wie ein LĂ€cheln.
Ohne Hast ging sie an die schöne bunte KĂŒchenanrichte, die sie zum zweiunddreißigsten Geburtstag von Peter geschenkt bekommen hatte.
Dort, wo in einem schrill-gelben Holzblock die Messer ordentlich und sauber mit der Klinge in dem Block steckten.

Millers Augen wurden groß, drohten aus den Höhlen zu springen.
Eines der Messer drang in sein weiches Fleisch. Die Klinge drehte sich in ihm, er spĂŒrte es. SpĂŒrte die Zerstörung seines Körpers.


Patric, kam es ihm plötzlich wieder in den Sinn, wÀhrend Miriam die Klinge wieder aus seinem Fleisch zog und beobachtete, wie ihr Mann hart zu Boden fiel, und Blut sein Hemd trÀnkte.
Er öffnete die Augen und sah den Jungen vor sich.
Blondes, struppiges Haar, ein fröhliches LÀcheln auf den Lippen, die blauen Augen offen und klar.
Miriam stand ĂŒber ihn und lĂ€chelte kalt. Das Messer, das sie in der Hand hielt, reflektierte das Sonnenlicht, das durch das Fenster fiel..........



„ Patric!“, sagte er und blickte fassungslos in das Gesicht, das seinem so nah war. Warmes, klebriges Blut trĂ€nkte sein Hemd und bedeckte langsam den kalten Boden, auf dem er lag.





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Michael Schmidt
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Ich habe es nicht verstanden, also einfach al meine Fragen.

Ist der Aufsatz von Millers Frau?

Irgendwie fehlt mir die Motivation in der Geschichte, warum was passierte.

Aber die AthmosphÀre war klasse. Schön erzÀhlt, fast schon erschreckend.

KlÀr mich bitte auf!
__________________
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Rub.
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Jaaaa, das kann ich dir wohl erklÀren.
Miller ist Lehrer an einer Schule, einer Grundschule.
Einer seiner SchĂŒler, der Junge hieß Patric, schrieb in seimnem Aufsatz genau die Dinge , die passieren wĂŒrden. Quasie als eine Art Hellseherische FĂ€higkeit, nenn es einen Blitzmoment, vermutlich ist dem Kind das nie bewusst gewesen.
Und wĂ€rend Miller den Aufsatz ließt, tritt der Moment ein, den das Kind vorhergesagt hatte.
Der Mörder war alledings Millers Frau.
Und genau so, wie der Junge es vorhergesehen hatte, geschah es auch. ;-)

Soo, und das wars auch schon ;-)

Liebe GrĂŒĂŸe
Rub.

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Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
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Vielleicht solltest du diesen Punkt noch etwas herausarbeiten.
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Sn0wflake
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hi rub

hm...jetzt wollte ich genau die selbe frage stellen wie michael....hehe
na und jetzt schreib ich trotzdem hier rein, damit du siehst, dass es anderen lesern wohl Àhnlich geht.

was ich so richtig klasse fand, war die aufteilung. die geschichte war sicher genausolang wie viele andere, aber durch die ganzen absÀtze und so hat die ganze sache nochmal richtig schwung bekommen
und spannend war es auch...nur eben war ich zum ende hin ein wenig verwirrt (siehe michaels eintrag).
also mit ein paar kleinen abÀnderungen eine richtig schöne story und ebenso gut erzÀhlt/beschrieben

lieben gruß von Snowflake
__________________
wer spÀter bremst ist lÀnger schnell

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

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boh

richtig gruselig! da haste dir was einfallen lassen. mach mal so weiter! ganz lieb grĂŒĂŸt
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Old Icke

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Zefira
???
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Eine tolle Geschichte. Ich fragte mich die ganze Zeit, wie Du wohl Miller am KĂŒchentisch und den Aufsatz des Jungen noch zusammenfĂŒhren wirst... und dann kamen ganz selbstverstĂ€ndlich exakt die gleichen Worte wie in dem Aufsatz. Superidee!
Ganz offen bleiben natĂŒrlich Miriams BeweggrĂŒnde, aber das macht nichts. Im Gegenteil, ihr scheinbar völlig unmotiviertes Verhalten ist ein zusĂ€tzlicher Gruselfaktor. Das alles vor dem Hintergrund der schönen bunten KĂŒchenanrichte... Toll!

Einziger Holperer:
>... und blickte sich auf Grund seiner Ausdrucksweise entschuldigend in den leeren Raum<
Der Satz ist ein ziemliches UngetĂŒm und wohl auch ĂŒberflĂŒssig.

lG, Zefira

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