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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Paul Hick
Eingestellt am 24. 10. 2014 23:52


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pseudodelic
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jun 2012

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Paul Hick, Anfang drei├čig, sa├č auf seiner bequemen Ledercouch die er schon in seiner ersten Stadtwohnung besa├č. Er hatte die Couch g├╝nstig auf einem Flohmarkt erstanden und liebte sie vom ersten Augenblick an. Die Couch stand mitten im Wohnzimmer, halb auf einem viereckigen Teppich der den halben Wohnzimmerboden bedeckte, vor einem Fernseher. Das Wohnzimmer war sein Lieblingszimmer, seitdem er sich dieses Haus von dem Geld kaufte, welches er als Gesch├Ąftsf├╝hrer eines Supermarkts verdiente. Er war ledig, aber er hatte nie ein Problem mit dem Alleinsein. Es war sogar eine Notwendigkeit f├╝r ihn um einen klaren Kopf zu bewahren. Einen klaren Kopf brauchte er in seinem Beruf, ansonsten w├╝rde er seinen Job verlieren und somit das Haus, welches er liebte und brauchte um gl├╝cklich zu sein.
Seine Angestellten mochten ihn und Paul war durchaus bewusst, dass man als Chef niemals ├╝ber alles geliebt werden kann, aber gesch├Ątzt und gemocht durchaus, wenn man seinen Job gut machte. Er hatte als Angestellter schnell begriffen, dass Missmut der Belegschaft gegen├╝ber dem Chef schlecht f├╝r das Betriebsklima ist und somit ein absehbares Ende f├╝r das Gesch├Ąft prophezeit.
Paul sa├č mit einer Zigarette und einem k├╝hlen Bier auf seiner Couch und schaute sich einen Italo-Western aus den Siebzigern an, die liebte er schon seit seiner Jugend, und entspannte sich- er schaffte sich einen klaren Kopf. Zwar war er kein Filmexperte und er achtete nicht auf jede Feinheit im Film, aber er liebte die erzeugte Stimmung- sie gab ihm schon immer das Gef├╝hl von Geborgenheit.
Dann klingelte sein Telefon, er schaute skeptisch auf den Apparat, denn er bekam so gut wie nie Anrufe und erst recht nicht so sp├Ąt. Die gro├če Wanduhr zeigte schon nach zehn an.
┬źPaul Hick, was gibt's?┬╗ er klang genervt, das wusste Paul, aber es war ihm egal. So sp├Ąt empfand er einen Anruf als unh├Âflich.
┬źHi Paulie, wie gehtÔÇÖs 'n?┬╗
┬źDanke gut, wer ist da?┬╗
┬źNa deine fette Mutter, du Spasti.┬╗
Paul war entsetzt, als das laute Lachen von gut vier bis f├╝nf Jugendlichen aus dem Telefon drang, bevor sie auflegten. Er sa├č mit offenem Mund da, das tutende Telefon noch am Ohr, und wusste nicht wie er reagieren sollte. Seine Mutter war eine ver├Ąchtliche Person gewesen, die er schon lange vergessen hatte. Sie hatte Paul immer wieder massakriert, Paul war Bettn├Ąsser bis er sechzehn Jahre alt war und seine Mutter war der Grund f├╝r das Bettn├Ąssen. Sie war die schlimmste Person, die sich Paul damals und auch heute noch vorstellen kann. Im Alter von dreizehn- nach dreizehn Jahren heftigste Diskriminierung von ihr, acht Jahre ganz bewusst wahrgenommen- reichte es ihm und er stach sie mit einem K├╝chenmesser ab. Pauls Vater war zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause und die Polizei hielt es f├╝r Einbruch mit Mord, denn Paul hatte das Schloss der Hintert├╝r aufgebrochen. Er wusste, dass er von sich ablenken musste um nicht weggesperrt zu werden. Das sah Paul in einem Film, den er einige Tage vorher sah. Au├čerdem war er noch ein Kind, und Kindern, dem war er sich ebenfalls bewusst, wird in solchen Angelegenheit viel Glauben geschenkt.
Mit ungef├Ąhr zwanzig hatte Pauls Hirn seine Mutter g├Ąnzlich verdr├Ąngt, er dachte keinen Moment mehr an sie und er war gerettet- er war genesen. Wenn Paul auf sie angesprochen wurde, sagte er immer mit der Maske, die er damals auch bei der Polizei auflegte, ┬źSie ist tot.┬╗ und vergas gleich wieder, dass diese Teufelin jemals in seinem Leben gelebt hatte. Aber hier, bei diesem Anruf, konnte er seine Mutter nicht f├╝r tot erkl├Ąren.
Sie schwirrt ihm im Kopf herum, alle Gedanken und Gef├╝hle die in Pauls Unterbewusstsein immer da waren kamen hoch und befanden sich ohne wenn und aber wieder in seinem Bewusst. Er fiel wieder in ein Loch, noch tiefer als in seinen Bettn├Ąsser-Zeiten. Sie, die Teufelin, war wieder da.

┬źKrass, Tim, du hast wirklich Mumm.┬╗ sagte John lachend.
Alle lachten, johlten, alle f├╝nf Jugendlichen zwischen dreizehn und vierzehn, auch Tim.
┬źDem hast du es wirklich gegeben.┬╗ sagte Richard.
Sie klopften Tim auf die Schulter und er f├╝hlte sich als der Gr├Â├čte.
Zehn Minuten sp├Ąter klingelte klingelte Tims Handy.
┬źHi, hier ist Tim.┬╗
┬źHi Tim, hier ist Paul. Der, den du eben angerufen hast, du kannst dich bestimmt erinnern.┬╗
Tim wurde hei├č und kalt, er hatte Angst. Seine Kumpels glotzten wieder auf den Fernseher, wo ein Softporno flimmerte, und bekamen es nicht mit. Ihm wurde schlagartig bewusst, dass er vergessen hatte seine Nummer zu unterdr├╝cken.
┬źOh, entschuldigen Sie bitte. Es war nur ein Scherz.┬╗ Tims Stimme zitterte, was er mitbekam und seine Unsicherheit verst├Ąrkte, aber die anderen waren vollends auf die Br├╝ste, die auf der Mattscheibe tanzten, fixiert.
┬źAch, ein Scherz. Ist ja wirklich lustig, Tim. Du bist doch Tim Metz richtig? Es war wirklich, wie soll ich sagen, witzig, Tim. Aber dir ist doch bewusst, dass man so etwas nicht macht?┬╗
┬źJa, nat├╝rlich. Es tut mir wirklich leid.┬╗
┬źGuuut.┬╗ Paul legte auf.
Das ÔÇ×gutÔÇť hatte Paul in die L├Ąnge gezogen, was Tim nerv├Âs machte. Warum hatte er auch seinen Nachbarn angerufen? Was ist, wenn Paul es seinen Eltern erz├Ąhlen w├╝rde, die sehr auf ihren Ruf bedacht waren und Tim wahrscheinlich Strafarbeiten oder Hausarrest aufbrummen w├╝rden?
Dann klopfte jemand an die T├╝r. Die anderen Jugendlichen bekamen etwas Angst, weil es schon so sp├Ąt war, und beschlossen, dass Tim, der Mutigste, nachsehen sollte. Aber Tim hatte eine schlimme Bef├╝rchtung. Trotzdem ging er, um seinen Rang in der Gruppe nicht zu gef├Ąhrden, nachsehen, wer geklopft hat. Was soll schon passieren, dachte er.
Auf der T├╝rmatte lag ein Zettel. Tim hob ihn auf und faltete ihn auseinander. Der Zettel war liniert, und es stand in winzigen Buchstaben etwas geschrieben. Tim musste sich stark darauf konzentrieren und genau hinsehen um es lesen zu k├Ânnen, dann murmelte er ┬źEin..witziger..Bursche.. bist..du.. aber..noch.. witziger.. ist.. mein..nein, meine.. Axt.┬╗
Tim hatte den gr├Â├čten Schock seines Leben, er war erstarrt vor Angst und schaute erschrocken nach oben. Das einzige was er noch erkennen konnte, war Pauls vom Lachen verzogenes Gesicht und seine witzige Axt, die Tim nicht zum Grinsen brachte, welche mit einem leisen Zischen direkt auf Tims Gesicht raste.

Paul sa├č auf seiner Couch, rauchte eine Zigarette, trank ein k├╝hles Bier und schaute sich einen Italo-Western an. Er liebte diese Filme schon immer, sie beruhigten ihn. Es war nicht die Handlung die ihn begeisterte, sondern die erzeugte Stimmung. Paul schaffte sich einen klaren Kopf mit diesen Filmen. Er brauchte einen klaren Kopf f├╝r seinen Job, mit dem er sein Haus abbezahlte in welchem er gl├╝cklich war.
Paul wollte nur gl├╝cklich sein, nicht mehr und nicht weniger.
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Seitdem ich selbstbewusst bin und genau das mache und sage, was ich wirklich will, komme ich mir verr├╝ckt vor.

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