Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5510
Themen:   94063
Momentan online:
283 Gäste und 20 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erzählungen
Paul Müller - September 2017
Eingestellt am 11. 02. 2018 19:23


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Krischa
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2017

Werke: 1
Kommentare: 0
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Krischa eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Paul Müller. Logbuch 20.09.2017.
Wir haben Kim bis in das Heimland zurückgetrieben. Amerika hat viel bombardiert im Norden, und auch dort, was von Südkorea noch geblieben ist. Das waren wirklich gute Leute. Bei der Rückeroberung, Hyuna, Seongyon und Jenyo, das waren wirklich gute Jungs. Wirklich gute Menschen. Hyuna, der immer einen Witz auf den Lippen hatte, ist jetzt tot. Do yu amerikans nou about za sitwueshon in korea? It's fubar. Just lika in zat James Ryan movie. Fubar.“ Seongyon, der ununterbrochen von seiner Tochter erzählte. Sumin isa nau sebenteen, she ru mighto be dokuta samu dei. Jenyo, der Student der Biologie. Hat stets von seinen Tricks erzählt, wie man es im Krieg schafft, am Leben zu bleiben.
Jetzt ist er tot.
Alle sind tot.
Ich liege jetzt seit sieben Stunden auf der Lauer. Verfickte sieben Stunden.
„Müller, time for your big appearance!“ hiess es vom Korporal, „Some big deal, ya!“
McCormick ist auch tot. Wischniewski ist tot. Kunert und Zimmermann sind tot. Verdammt, Zimmermann hatte eine zwei Monate alte Tochter, als er nach Korea kam. Heute ist sie auf den Tag genau fünf Monate alt.
Meine Arme sind so erschöpft, dass ich nicht einmal mehr Schmerz empfinde.
„Müller, yer the best Sniper Korea has ever seen!“
Schön. Aber ich wäre lieber ein durchschnittlicher Scharfschütze daheim in Deutschland. Daheim bei Mayu.
Sie haben uns immer gesagt, dass wir an unsere Familie daheim denken sollen. Dass wir für die Lieben daheim kämpfen. Die Oberste Heeresleitung ermutigte uns, stets an unsere Frauen zu denken, sie sind die jenigen, für die wir kämpfen.
Brüder bekämpfen Brüder und Schwestern werden vergewaltigt. Huber war ein echt lieber Kerl, aber als er die Frau auf den Tisch presste und seine Hose aufmachte, bekam er meinen Gewehrkolben in die Fresse.
Mayu. Bevor ich gegangen bin, hat sie mich verlassen. Der Krieg war wohl nicht der Hauptgrund, aber einer. Ich liebe sie. Mehr, als ich alles andere jemals liebte.
Dein Lebensgefährte zieht in den Krieg. Ob nun Expartner oder nicht, wer im Krieg war, ist ein Held, oder nicht? Hab ich dann wieder ein Anrecht auf Mayu? Ich suche nach einem Grund, diesen Krieg zu kämpfen und wieder heimzukehren. Aber Mayu macht es mir so schwer.
Devo mag ich gern. Grade im Moment fährt mir „So fresh“ im Kopf rum. Bei Devo sind ja schon die Hälfte der Mitglieder gestorben. Die sind aus Arizona, glaube ich. Da ist es ja auch sehr heiß. Es ist so heiß und sie können trotzdem solche Musik machen. Mir ist es sehr heiß und ich könnte jetzt keine Musik machen. Ich kenne keine Band aus Afrika. Da ist es jeden Tag unglaublich heiß. Aber die lieben Musik. Oder Indien. Die Leute dort haben ja eine andere Hautfarbe als wir. Macht die wirklich so resistent gegen die Hitze? Also gegen die Sonne wohl schon, ja. Aber gegen die Hitze an sich eher nicht. Ich denke, eine Hautfarbe schützt nicht gegen Hitze.
Es ist so warm hier. Ich schwitze jeden Tag fast mehr als ich trinke. Und sammle meinen Urin in Glasflaschen, damit ich selbst beim Pinkeln das Ziel im Auge habe.
Was Mayu wohl sagen würde? Mayu würde weggucken. Mayu fand ja sogar pupsen unanständig. Mayu fand es unanständig, wenn ich sie geleckt habe, aber genossen hat sie es dennoch. Verdammtnochmal, sie ist nicht mehr meine Mayu. Aber sie sollte meine Mayu sein. Ich will mit niemand anderem zusammen sein als Mayu. Vielleicht sitzt sie gerade da und raucht in Einsamkeit eine Zigarette. Oder sie liegt nackt dort, krallt sich ins Laken und lässt sich von einem anderen nehmen.
Ich habe solche Vorstellungen seit der Trennung und sie lassen mich nicht los. Es ist bescheuert, so etwas zu denken, aber es ist natürlich, denke ich. Der Mensch ist so gestrickt und-
Zwei Schüsse rauschen durch die heisse Luft. Der erste trifft Kim Jeong an der Schulter, der zweite zerfetzt seinen Lungelflügel. Der Blutverlust und der Schock werden für das Übrige sorgen.
Ich packe mein Gewehr, das Dreibein und die zwei mit Urin gefüllten Flaschen.
Ob Mayu an mich denkt? Ihr Mann hat gerade einen General erschossen. Einen ihrer Landsmänner. Und ihr Mann trägt gerade eine volle und eine halbvolle mit Pisse gefüllten Flaschen mit sich.
„Main quarter Pusan, please come“
„Here main quarter Pusan, please come.“
„Main quarter Pusan, it is Müller. I got him.“
„Fine job. Please return.“
„Yes sir. Will return. Over.“

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

Werke: 65
Kommentare: 1404
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralph Ronneberger eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Krischa, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

Ganz besonders wollen wir Dir auch die Seite mit den häufig gestellten Fragen ans Herz legen. Hier klicken


Viele Grüße von Ralph Ronneberger

Redakteur in diesem Forum

Bearbeiten/Löschen    


2 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Erzählungen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Werbung