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Leselupe.de > Humor und Satire
Peinlichkeit
Eingestellt am 19. 09. 2002 01:27


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Nordstrahl
Hobbydichter
Registriert: Sep 2002

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Peinlichkeit

Wie so viele andere, musste Frau Heller gleich nach der Wende auch die Schulbank drĂŒcken, eine vom Arbeitsamt angeordnete Umschulung machen. FĂŒr sie war es aber ein willkommener Neubeginn und eine Abwechslung im Arbeitsleben. Endlich sich mal wieder wie ein Kind sich berieseln lassen. Von ihren Sternbild her war sie eine Zwillingsnatur. Der zeichnet sich durch seine Neu- und Wissbegier aus. Dazu gehörte das erlernen eines neune Berufes dazu. Die zurĂŒckliegenden Jahre vor der Wende hatten ja bewiesen, dass es da noch große WissenslĂŒcken gab, was die Wirtschaft betraf. Der Unterricht sollte ihr jetzt einen Einblick in die neue Wirtschaft geben.

Mit großen Schulkinderaugen saß sie voller Erwartung und großem Wissensdurst auf der Schulbank. Die Lehrer waren alle nett, gaben sich große MĂŒhe. Einige , so schien ihr, waren den UmschĂŒlern mal grade eine Unterrichtsstunde im Wissen voraus . So etwas gab es schon mal in der deutschen Geschichte, man nannte sie damals Neulehrer. Sie kamen aus anderen Wirtschaftsbereichen. Ähnlich ging es jetzt den Lehrern des Ostens. Alle musste umlernen, umschulen. Andere Lehrer standen besser im Stoff, sie waren „importiert“. Sie kamen aus dem Westen Deutschlands und hatten Erfahrungen auf dem Gebiet der Wirtschaft.

FĂŒr das Fach BWL stellte sich ein „importierter“ Lehrer vor. Als Mann war er eine krĂ€ftige und stattliche Erscheinung und was seinen körperlichen Umfang betraf., konnte man sagen, er war dick, oder besser noch, er war sehr dick. Das Outfit war von der mĂŒtterlichen Hand und die Mode der fĂŒnfziger Jahre geprĂ€gt. Er trug immer gestrickte Pullover, bunt meliert und mit Zöpfen als Muster. Diese Pullover war auch sehr praktisch, denn sie passten sich immer seiner KörperfĂŒlle an. Die lĂ€ngstgezogene Zopfmuster hatten eine streckende Wirkung auf seine KörperfĂŒlle.

Als Lehrer brillierte er, sein Unterricht war von sehr guter QualitĂ€t. Mit viel EinfĂŒhlungsvermögen und praktischen Übungen verstand er es, Frau Heller die Angst vor der neuen Wirtschaft zu nehmen, die sie ja nur aus der Polemik der vergangenen Jahre kannte. Damit wurde er so nach und nach zu ihrem Lieblingslehrer und sie himmelte ihn heimlich an. Ihre Leistungen, was die Klausuren betraf, waren solala, aber das machte ja nichts, keiner ist vollkommen. Ihre Begeisterung fĂŒr den Lehrer blieb ungebrochen.

Dann aber kam doch ein trauriger Moment fĂŒr Frau Heller und ihren Lieblingslehrer. Noch wĂ€hrend der Umschulzeit verabschiedet er sich. Er musste wieder zurĂŒck in seine Heimatstadt. FĂŒr den Fall, dass jemand das BedĂŒrfnis hĂ€tte, mit ihm zu telefonieren, schrieb er noch seine Telefonnummer an die Tafel und gleich danach stand sie im Hefter von Frau Heller. Mit der festen Absicht, ihn irgendwann mal anzurufen, ging sie dann nach Hause. So ganz reichte ihr Mut fĂŒr ein Telefonat dann doch nicht aus, noch nicht. So versickerte diese Absicht so nach und nach ins Unterbewusstsein.

Die restlichen Schultage plÀtscherten sich mehr recht als schlecht so dahin. WÀhrend des Tages der Unterricht ohne Lieblingslehrer. Abends in der Freizeit gab es auch wenig Abwechslung. Um ein bisschen Zerstreuung zu haben, lud sie sich ab und zu GÀste ein. Dann wurde viel diskutiert und manchmal auch ein Schluck getrunken, oder auch mehrere.

Nach so einem schluckreichen Abend, die GĂ€ste waren grade fort, arbeitet es noch eine Weile in ihrem Kopf und dabei kam sie auch in den Bereich ihres Unterbewusstseins.

Und da fand sie auch was, eine unerledigte Absicht, sie wollte doch schon lange mal ihren Lieblingslehrer anrufen. Und nun war es soweit. Jetzt oder nie, sagte sie sich. Suchte sofort nach dem Hefter und der Notiz mit der Telefonnummer. Zu Ihrem UnglĂŒck, fand sie diesen auch gleich und die Zahlen der Telefonnummer konnte sie auch noch lesen. Mutig, wie sie jetzt war, wĂ€hlte sie auch gleich die Nummer und es dauerte lange, bis jemand abnahm. Eine Frauenstimme war dran. Sie sagte, das der Herr „sowieso“ ihr Untermieter sei, sie ihn aber nicht wecken könne, weil es schon 3 Uhr war. Oh, so spĂ€t schon? Frau Heller war ja nicht aufdringlich und verabschiedet sich . Nun war sie auch mĂŒde geworden und legte sich ins Bett.

Als sie am Morgen aufwachte, schien der Kopf etwas schwerer zu sein als sonst, ein starkes Brummen war auch nicht zu ĂŒberhören. Aber da war noch etwas anderes, ein Klingeln. Das kam aber nicht aus ihren Kopf, sondern vom Telefon. An anderen Ende meldete sich das Sekretariat ihrer Schule, die wissen wollte, wie es Frau Heller geht. Die Vermieterin des Herrn Sowieso hĂ€tte sich gemeldet, sie machte sich Sorgen. Sie hatte die Nacht von einer Frau einen Anruf bekommen und dabei das GefĂŒhl gehabt, diese Frau sei suizidgefĂ€hrdet.

Nun war Frau Heller mit einen Schlag wach, denn „diese Frau“ konnte nur sie gewesen sein, da war sie sich sicher. Gefasst beruhigte sie die Damen im Sekretariat und gestand ihnen, das sie die Nacht nur einen ĂŒber den Durst getrunken hĂ€tte und dann noch vor dem Schlafengehen das Telefonat erledigen wollte.

Oh, war das peinlich und wenn jetzt ein Loch in der Erde gewesen wÀre...... Aber es gab keins.

Der nĂ€chste Schultag war ein schwerer Gang. Unter dem Motto „Augen zu und durch“ betrat sie das SchulgebĂ€ude. Am liebsten hĂ€tte sich Frau Heller eine EinkaufstĂŒte ĂŒber den Kopf gestĂŒlpt am Sekretariat vorbei gekrochen, um nicht erkannt zu werden. Aber damit wĂ€re sie bestimmt noch mehr aufgefallen.

Ihren damaligen MitschĂŒler hat von diesem nĂ€chtlichen Telefonat erst 10 Jahre spĂ€ter erzĂ€hlt............





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Jeder, der sich die FÀhigkeit erhÀlt, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden. Franz Kafka

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