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Leselupe.de > Kurzprosa
Pharao
Eingestellt am 22. 04. 2004 00:16


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Markus Veith
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

Werke: 115
Kommentare: 81
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Ich ...

lahme ...

Ich bin fett.

Hör kaum zu.

Ich sitze krumm.

Ich schlafe schlecht.

Mein Haar wird grau.

Die Augen tun mir weh.

Ich zucke, wenn’s klingelt.

Werde oft und schnell gereizt.

Nahrung zwinge ich mir hinein.

Das Zeitempfinden ist zum Teufel.

Rumgehaspel bei einfachsten Sätzen.

Ich brauche meine acht Stunden Schlaf.

Meine Stirn wird meinen Kopf einnehmen.

Ich glaube an GlĂĽcksmĂĽnzen auf Gehsteigen.

Und keuche schon, wenn ich ans Laufen denke.

Negatives bringt mich fĂĽr Tage aus dem Konzept.

Ich flenne los, wenn’s im Fernsehen sentimental wird.

Meine Mundwinkel sind Kummerhaken der Schwerkraft.

Sex ist nur noch Vokabular. Die Praxis ein Klick ins Internet.

Mein Fundament besteht einzig aus sortierten Buchstaben.

Meine Summe beträgt Qual. Die Wände meiner Wohnung scheinen schräg. Überall spitze Winkel. Es riecht nach Verwesung und kein Licht kommt herein. Mein Hirn liegt in einem der Tonkrüge. Meine Eier in einem anderen. (Keine beruhigende Erkenntnis, zu wissen, sich keinem Alpha-Mädchen mehr zumuten zu können.) Die restlichen Organe vermisse ich nicht. Meine Haut liegt daneben, wie ein Smoking zusammengefaltet. Meine Körperöffnungen sind zugetackert. Nichts kommt rein, nichts kommt raus.
Diese Arschlöcher haben an Öl gespart und mir Honig um den Bart geschmiert. Aber ich bin nicht tot. Nicht einmal alt. Ich bin nur müde. So unendlich müde, dass ich jenseits sämtlicher Grenzen von Tot und Leben wache. Selbst wenn ich wollte, könnte ich nicht ruhen. Mein Herz schlägt. Meine Lunge bläht. Mein Hirn sprüht Funken, dass ich selbst im Dunkeln sehen kann.
Ich bin nicht tot! Ich bin Pharao! Ich bin ein Sohn der Sonne, mit Verlaub! Ich verlange nicht, dass ihr mich preist. Ich bin preiswert zu halten. Aber ein bisschen mehr Achtung hätte ich schon verdient. Mein Leben kann die Fluten rufen, Eure Felder schwemmen, fruchtbaren Schlamm in Eure Gehirnwindungen drücken, Euch düngen! Ich habe Welten geformt! Universen gezeugt! Meine Geschichte atmet aus diesen mit groben Stolz verputzten Mauern!
Doch was macht Ihr Narren, statt Eure Äcker zu bestellen? Ihr leidet unter eigenartigen Zwängen, vergeudet Papier, Zeit und Talent. Ihr lechzt nach Skandalen, – hinter Aufschneidern und Tabubrechern her.
Ihr bleibt Sklaven. Ihr baut neue Gräber, die größer sind als meines.


April 2004

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"Ich wollte der Welt nur ein einziges Wort sagen. Da ich es nicht konnte, wurde ich Schriftsteller." - Stanislaw J. Lec

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