Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92241
Momentan online:
143 Gäste und 3 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kindergeschichten
Pianders treibende Kraft
Eingestellt am 12. 07. 2006 22:57


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
agonius
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2006

Werke: 73
Kommentare: 153
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um agonius eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Pianders treibende Kraft

Plötzlich kam ein starker Windstoß, und der trennte Pianders von seiner Mutter, der Eiche, und er flog und flog, segelte im Wind hin und her, langsam herunter wie ein Schneeflöckchen.
Es war sehr schön und angenehm, Pianders kam sich so frei und ungebunden vor und malte sich zuversichtlich die herrlichsten LandeplĂ€tze aus. Irgendwo auf einer Wiese, umrandet von vielerlei blĂŒhenden Blumen und StrĂ€uchern, wollte er sich niederlassen und gen Himmel wachsen.
Da weckte Pianders erneut eine starke Böe aus seinen TrĂ€umen und trug ihn ĂŒber all seine Ziele hinweg auf einen Fußballhartplatz, den sie gerade neu asphaltieren wollten, weil einige seiner BrĂŒder und Schwestern ihn durchbrochen hatten.
Pianders sauste direkt in die großen Greifarme eines Baggers, und niemand war da, der ihn beachtet und herausgezogen hĂ€tte, alle waren nur auf ihre Arbeit programmiert, und so ging er dem sicheren Grab entgegen. Pianders wurde abgeladen, mit Kies ĂŒberschĂŒttet und zugeteert.
Nun war alles fahl und finster, Pianders hörte nur noch das Dröhnen und Stampfen der Maschinen, aber auch das wurde immer leiser, bis es ĂŒber kurz oder lang ganz verstummte.
Pianders war ganz und gar abgesackt und isoliert.- Es war etwas feucht hier unten, so suchte er sich zunÀchst einmal das Wasser und die Nahrung, die er brauchte und keimte, denn er wollte leben und sich entwickeln, nach oben streben und voll im Saft stehen, heraus aus seinem einsamen Kerker zum warmen Sonnenlicht.
Es erschien unmöglich, aber Pianders war jung und voller Kraft und Tatendrang, deshalb ĂŒberlegte er nicht lange, sondern spreizte seine Wurzeln aus und schob sie in den Erdboden, gut verteilt. Pianders war ja ganz allein, er konnte die Nahrung, die der Boden ihm hergab, fĂŒr sich voll verwerten, und so wuchs er langsam aber stetig durch die Erde nach oben, bis der Kies kam. Wie sollte Pianders sich durch diese schwere Kiesschicht einen Weg formen?
Pianders fragte erst gar nicht lange, sondern sagte sich immer wieder: "Ich mußt es wagen, ich hab ja nichts zu verlieren, wer wagt gewinnt," und kĂ€mpfte und kĂ€mpfte weiter. Es war Ă€ußerst mĂŒhselig, und oft kam Pianders tagelang ĂŒberhaupt nicht voran, aber dann redete er sich immer wieder zu: "Tu es, tu es!" Und er tat es einfach, ob es etwas brachte oder nicht, Pianders mußte es auf jeden Fall stĂ€ndig probieren, etwas weiter zu kommen, denn er wollte hier unbedingt heraus. Ist die Lage auch noch so aussichtslos und verzweifelt, Du darfst Dich niemals aufgeben, da hilft kein Jammern , da hilft kein Klagen, Du darfst Dich nie und nimmer aufgeben, weitermachen, durchhalten heißt die Devise. Kraft dessen stieß Pianders sein zartes Köpfchen an den ersten harten Stein. Er drĂŒckte und drĂ€ngte, stupste und schubste fleißig gegen die schweren Steine und so drĂ€ngelte er sich an dem ersten vorbei, biß auf die ZĂ€hne und drĂ€ngelte sich an dem zweiten vorbei und an dem dritten und durch diese Erfolgserlebnisse ermuntert und bestĂ€rkt bohrte Pianders sich allmĂ€hlich Stein um Stein einen Weg.

Der Wille zur Verwirklichung seines Lebens ward die treibende Kraft, deshalb regte und bewegte Pianders sich unaufhaltsam voran, bis er an der Asphaltdecke ankam. War das die Endstation?
Nein, das durfte einfach nicht sein, denn nun spĂŒrte Pianders schon die WĂ€rme der Sonne und das steigerte seine AntriebskrĂ€fte nochmals ungeheuerlich, nun war es nicht mehr weit zum Licht, und so viel hatte er schon hinter sich gebracht, da wird er jetzt auch das letzte StĂŒck noch meistern.
Und Pianders ballte seine gesamten KrĂ€fte abermals zusammen und drĂŒckte und drĂŒckte mit brennendem Eifer unaufhörlich, Sekunde um Sekunde, Stunde um Stunde, Tag um Tag ein winzig kleines bißchen, aber stetig und unaufhaltsam, denn sein Ziel war es, in der Sonne zu blĂŒhen!
Pianders hörte und spĂŒrte am Tage immer das Getrampel der Fußballspieler, aber er ließ sich durch nichts mehr einschĂŒchtern, er wollte unbedingt nach oben, da gab es kein wenn und aber, da war sein imposanter instinktiver Trieb, sein gewaltiger in den Wurzeln vorgegebener Drang einer jeden Zelle zur optimalen Lebensentfaltung zu gelangen. So hĂ€mmerte Pianders mit seinem zarten Köpfchen immer und immer wieder so lange gegen den harten Asphalt, bis dieser aufsplitterte und zerbrach.
Jetzt konnte Pianders durch ihn hindurchwachsen, um seine BlĂ€tter und BlĂŒten zu entfalten, so streckte er allmĂ€hlich seine Knospe aus dem Asphalt heraus. Das war der schönste GlĂŒcksmoment seines bisherigen Existenzkampfes, das war nach so viel Anstrengung nun ein großartiger Lohn. Als Pianders zum ersten Mal die warmen, wonniglichen Sonnenstrahlen auf seinem Haupt und seiner BlĂ€tterhaut spĂŒrte, fĂŒhlte er sich wie neu geboren, alle MĂŒhen und Entbehrungen waren vergessen, es war eine unsagbare Freude, er konnte sich so richtig entspannen und trĂ€umte vor sich hin....

Doch der Standort ist Ă€ußerst schlecht, Pianders ist inmitten eines Fußballhartplatzes, folglich rollt der Ball und trippeln die Spieler immer wieder ĂŒber ihn hinweg. Pianders leidet kolossal, es ist nicht mit Worten zu beschreiben, es ist die Hölle. Immer wieder tappen sie ĂŒber Pianders hinweg oder kicken ihre lederne Kugel ĂŒber ihn hinĂŒber, sie nehmen keinerlei RĂŒcksicht, sie machen mit ihm, was sie wollen. Sie knicken Pianders so hĂ€ufig um, dass er nur noch des Nachts, wenn die Sterne freundlich blinzeln, seine Ruhe und Freiheit hat. Dann trĂ€umt er von der Fee, die ihn hier herausholt und wegtrĂ€gt zu seinesgleichen in einen von der Natur fĂŒr ihn vorgesehenen Lebensbereich, in dem die vollkommene Harmonie durch das verstĂ€ndnisvolle ZartgefĂŒhl in der Einigkeit und Sympathie unter der uneingeschrĂ€nkten MachtfĂŒlle unsterblicher Liebe regiert. Dort will er sein, wo man ihn liebt und braucht um aufzublĂŒhen und gen Himmel zu sprießen, als Augenschmaus und Seelenoase fĂŒr Generationen von Menschen, den Eichhörnchen, EichelhĂ€hern und Schmetterlingen als ideales Wirtshaus untervermietet, und seinen BlĂŒtenstaub verstreuen ĂŒber das ganze Land.
Sie wird kommen, sie wird kommen, die Vögel zwitschern es Pianders eifrig zu, sein Glaube macht ihn stark, er lĂ€ĂŸt ihn hoffen, und dadurch bekommt er die Kraft, die UnertrĂ€glichkeiten des harten Alltags auf dem fĂŒr alle Pflanzen unangebrachten Terrain, wo sie ihn rĂŒcksichtslos zertrampeln und umknicken, zu ĂŒberleben.

Die Spieler kommen seltener, Einsamkeit umkreist Pianders, HerbststĂŒrme ziehen auf, nur die Regentropfen leisten ihm noch Gesellschaft. Es wird kĂ€lter, Schneeflocken bedecken Pianders bis es ganz dunkel wird um ihn herum, "Ist da noch jemand," denkt Pianders und schwebt hinĂŒber in Morpheus Regenbogentraumgefilde.

Ausgelassene Kinderschreie, fröhliches Vogelgezwitscher, warme Sonnenstrahlen, ein farbenprĂ€chtig schillerndes Pflanzenmeer, Frieden herrscht ĂŒber dem Land. “TrĂ€ume ich?”, ĂŒberlegt Pianders ĂŒberrascht und voller Freude. Ein alter Mann lĂ€chelt als er zu seiner Frau spricht:"Schau mal Schatz, dieses wunderschöne BĂ€umchen, wer hat uns das hierhergepflanzt?
Pianders hat es geschafft, all seine Visionen, die er nie aufgeben hat, sind nun in ErfĂŒllung gegangen. Er wiegt sich frohgesinnt und zufrieden in den sanften Sommerwinden seiner wahren HeimstĂ€tte hin und her. Das GefĂŒhl der Unendlichkeit des klaren, blauen Himmelmeeres umschließt ihn. “Oh, sie ist so tadellos, diese idylische Welt meiner BlĂŒtengeschwister!” jubelt Pianders, in einen jungen Baum verwandelt, ĂŒberglĂŒcklich. Seine Wurzeln suchen sich ihren Weg durch den frischen Erdboden und seine BlĂ€tter treiben zahllos der goldenen Sonne entgegen, die ihren Lauf ĂŒber ihm vollendet, wĂ€hrend er sich in die Höhe reckt. Seine Äste und Zweige sind voller Leben, KĂ€fer, Schmetterlinge, Vögel fĂŒhlen sich in und auf ihnen gĂ€nzlich zu Hause. Verliebte Paare finden in seinem Schatten einen gönnerhaften Ankerort und nuscheln und kuscheln in GefĂŒhlen voller Hochstimmung und Heiterkeit.

In der AbenddÀmmerung scheint der Mann im Mond,
mit der SphÀrenmusik aller Sterne und sÀmtlicher Lichtgeister der Nacht, uns allen ein liebliches Schlummerlied zu singen:

“Dies ist das WundermĂ€rchen ĂŒber die treibende Kraft,
durch unbeugsamen Willen hat Pianders es geschafft,
und ist Dein Los auch noch so schwer
gib niemals auf, setz' Dich zur Wehr,
ja, glaub an Dich, kÀmpf wie ein Stier,
verzweifle keinesfalls an Dir,
dann bewahrheitet sich der alte Spruch,
den man liest in so manchem MĂ€rchenbuch:
- Immer wenn Du meinst es geht nicht mehr,
kommt von irgendwo ein Lichtlein her! -
Das Licht kommt aus der Dunkelheit
Und wandelt sich zum Zauberkleid,
ja selbst in finstrer, toter Nacht
ist da ein Stern, der Dich anlacht,
so laß den lichten Sternenschein
auch in Dein Menschenherz hinein
und das Geheimnis, das dahinter steckt,
wird mittels eines Traumes Wunsch erweckt.”

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


nachtlichter
Guest
Registriert: Not Yet

Niemals aufgeben

Salve agonius,

das ist eine sehr schöne, mutmachende Geschichte.

"Und trotzdem weiter, nicht resignieren, das Gras sprengt den Beton, wir werden nicht verlieren ..."
Das kam mir gerade in den Sinn, ist ein StĂŒck Lied, bestimmt schon ĂŒber 25 Jahre alt...

nachtlichter
____________


(Solange noch eine kleine Kerze brennt, ein Stern funkelt, ein GlĂŒhwĂŒrmchen leuchtet, der Mond sich nicht ganz hinter Wolken versteckt, ist die Nacht nicht völlig finster ...)

Bearbeiten/Löschen    


agonius
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2006

Werke: 73
Kommentare: 153
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um agonius eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Vielen Dank Regina fĂŒrs Lesen und Lob!
Was fĂŒr einen wunderschönen Namen Du hast mit dem muß man ja geradezu erlesen versen können!
Das Lied kenne ich leider nicht, von wem ist es?

Mit Herzensgruß
agonius

Bearbeiten/Löschen    


nachtlichter
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo JĂŒrgen,

Nomen ist nicht immer Omen, aber manchmal paßt es,
zumal mir das Schmieden von Versen Freude bereitet.

"Und trotzdem weiter..." ist von Ape, Beck und Brinkmann - die Jungs habe ich Anfang der 80er Jahre ein paar Mal live erlebt, sie waren sehr friedensbewegt und setzten sich fĂŒr den Tier- und Umweltschutz ein.

Dir wĂŒnsche ich einen sonnigen Donnerstag - nicht zu viel Hitze von außen, dafĂŒr aber um so mehr Sonne von innen.

Liebe GrĂŒĂŸe

Regina

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Kindergeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!