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Leselupe.de > Kurzprosa
Pilse sammeln
Eingestellt am 29. 05. 2007 15:02


Autor
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Penelopeia
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2002

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Am Sonntag war echt gailes Herbstwetter. Gehste, talkte ich mir eins, gehste Pilse sammeln. Ich griff K├Ârbchen und Messerchen, Flachmann und Sehhilfe, zog mir die Fu├čfrommse ├╝ber, die Gummistiefel meine ich, schloss die Haust├╝r und trollte mich in die Jagdgr├╝nde, die gar nicht mehr ewigen.
Really: ich verlie├č das Haus und schlug das Brett in den Rahmen; schloss jedoch nicht ab, stand nur eine ganze Weile leicht uneasy auf einem point rum. In meinem Kopp gabs ne kostenlose Filmvorschau. Das ewig gleiche Horrorvideo der letzten N├Ąchte. Ein Schei├čst├╝ck, sage ich euch. Echt!
Ich schaltete mein Denken ab, latschte ganz depri los. Rinne inn Wald. Denn ihr m├╝sst wissen: meine H├╝tte steht direkt am Waldrand. Beinahe ├Âko und so. Der Fluss ist auch nich weit. Das Kl├Ąrwerk leider auch nich. Na ja, wo haste schon mal ne echte Idylle.
Dazu kommt: die Stra├če is near by: Autos, Busse, Elkawees. Und jede Menge von diesen verfotzten Fahrradfahrern mit ihren Picknickcontainern. Dann noch die Kerosinkanononen ├╝ber mir. Alle drei├čig Minuten. Schei├č civilization. Aber so ist das Leben: haste mal ein ruhiges Fleckchen entdeckt...
Ich rotzte flach, hustete schwach, fluchte auf Wald und Bach; hing mir ne Kippe inn Winkel von meim mouth, konzentrierte mich auf die Pilse. Ilse-Bilse, liebe Leute, ich sage euch: so viel Schwamm gabs noch nirgends. Echt gail, vor allem die giftigen. Und in welcher Gr├Â├če und Festigkeit! Wie ausm Genlabor! Ich dachte an meine geschiedene Frau. An ihren Lover. Doch ich lie├č mein Messerchen im K├Ârbchen. Das Scheissvideo hatte sich von selber wieder eingeschaltet. Der kostenlose Trailer f├╝r Armageddon verdarb mir die ganze Sammelwut. Peace und Pilse!, schrie ich in den Wald, der null feedback gab. Wahrscheinlich hatten die Forstpiggies heimlich ne neue Schneise gehaun, gleich hinter the next three trees.

Eine ganze Zeit lief ich ziellos durchs gesch├Ąndete Geh├Âlz. Z├Ąhlte die Billigbomber ├╝ber mir. Die Fahrradfahrer auf den ramponierten Moosflecken. Die Liebesp├Ąrchen zwischen den M├╝llhaufen.
Zwei oder dreimal n├Ąherte ich mich dem Fluss, h├Ârte Stimmen, Geschrei, Gel├Ąrm. War da Fr├Âhlichkeit? Verfotzt und zugen├Ąht: Sowas Unzeitgem├Ą├čes konnte es gar nicht geben!

Ich tauchte wieder im Wald unter. Hielt die Luft an. Man m├╝sse, dachte ich, schon mal ├╝ben f├╝r den Fall zunehmender CO2-Anteile.
Als mir H├Âren und Sehen verging und ich, sauerstoffarm und gut high, ins Taumeln kam, machte ich mich auf den Heimweg. Als Trailer vom Trailer.

Bei the end of my poor wood blieb ich stehen. Warf einen Blick auf mein H├Ąuschen. In nicht mal hundert Metern Entfernung lag es vor mir. Auf die Wiese am Wald geklatscht von der gedankenlosigsten Lieblosigkeit, dieser steten Begleiterin neuzeitlicher Bebauungspl├Ąne. Ach was: der Zeitgeist hatte diese H├╝tte ausgeschissen! (Ich halte ihm zugute: er wusste vor zehn Jahren noch nichts vom Massenwahnsinn der Fahrradfahrw├╝tigen, die mit ihren cars gegen die B├╝sche am Waldrand knallen, mit ihren bikes in ihn einfallen, und die letzten Moosreste beim Picknick und Freiv├Âgeln zerubbeln. Ich ahnte nat├╝rlich auch nix davon, ich gebs ja zu: My own error.)

In meinen Ohren rauschte noch das Blut ÔÇô Folgen meiner Klima├╝bung. Und gefror. Vor meinem Haus standen, lagen, sa├čen ÔÇô peoples. In den Fenstern meines Hauses lehnten ÔÇô other peoples. Many, many peoples. To much for me.
Ich sah genauer hin. Es waren jene, die mir der Trailer gezeigt. Kr├Ąftige, braungebrannte, durchaus sch├Âne Menschen. (Ich gebe zu: ich sehe ziemlich ungail aus im mirror. Echt Horror.)
Sie lachten erleichtert, winkten sich zu, plapperten durcheinander. Sie klappten meine Liegest├╝hle aus, ├Âffneten Kartons, zogen Flaschen heraus. Weinflaschen aus meinem Keller. Mein Grill rauchte auch schon und schickte die leckersten Bratend├╝fte zu mir her├╝ber. Sie schienen gl├╝cklich. Sie hatten die utilities for her good own utilize ziemlich schnell gefunden.

Langsam zog ich mich in den Wald zur├╝ck. F├╝r einen Moment dachte ich daran, die Polizei zu rufen. Ich verwarf den Gedanken. Vielleicht w├╝rde ich am Flussufer eines der Boote, mit denen sie gekommen sein mussten, erwischen. Vielleicht k├Ânnte ich mich aber auch unter die n├Ąchste Gruppe mischen. Denn mir war klar: da sind noch mehr aufm Trip. W├Ąre es nicht easy und obergail, mal bei einem von diesen bl├Âden H├Ąuslebauern einzufallen und das Areal zu besetzen? Zum ersten Mal seit langer Zeit verga├č ich all die gailen Giftpilse, meine Geschiedene, ihren Lover, und genoss die gute Laune. Scheiss was aufs Haus, dachte ich. Frohen Mutes schlug ich mich Richtung Fluss durchs Kackholz.

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