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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Pitti´s story
Eingestellt am 21. 10. 2002 15:10


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Suavitas
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2002

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Pitti´s story

Es war ein wunderschöner Samstagmorgen im Oktober und ich träumte gerade von ersten Schnee, als mich meine kleine Schwester mit den Worten weckte: „Duuuuu, Lena, ich glaub das wird doch nichts heute, glaub ich, aber ich weiß es noch nicht.“
„Hääää?, war zunächst das Einzigste, was ich auf diesen verwirrten Satz antworten konnte. Doch da fiel mir schon wieder ein, dass wir heute auf die Vogelbörse nach Erfurt wollten. Leider schniefte Katrin, meine kleine Schwester, schon seit geraumer Zeit rum und jetzt näherte sich ihre Erkältung scheinbar dem Höhepunkt. Und ich hatte mich schon so gefreut. Ich mag nämlich Vögel, habe selber einen textmarkerleuchtgelben Wellensittich namens Hansi. Dabei ist Hansi eigentlich eine „die“. Damals sagte uns nämlich die Frau vom Zoohandel, dass Hansi ein Männchen sei, was aber, wie wir nach einem halben Jahr merkten, gar nicht stimmte, denn ihre Nasenhaut färbte sich braun. Ein Anzeichen dafür, dass „er“ in Wirklichkeit eine „sie“ ist. Ganz spontan tauften wir „ihn“ um in Hansiline, doch bis heute ist das „der“ Hansi geblieben.
Aber noch war nicht entschieden, ob der Ausflug tatsächlich ins Wasser fallen würde oder nicht.
„Nur wenn’s mir nachher besser geht, fahren wir“, warf Katrin ein und glücklicher Weise ging es ihr später tatsächlich besser. So fuhren wir gegen 9.00 Uhr los.
Die Messehalle war rappelvoll.
Tausende von Menschen, Tausende von Vögeln und wir mitten drin.
Zunächst schlängelten wir uns nur wahllos durch die Reihen, bestaunten kleine Minipapageien, die aussahen, als hätte sie jemand mit Wasserfarbe bunt angemalt, auch große Papageien, Wachteln, Zuchttauben, Kanarienvögel und natürlich Wellensittiche waren zu sehen.
Ganz am Rand der Halle wurden wir auf zwei übereinandergestapelte Käfige aufmerksam. Im oberen saßen zwei Papageien und im unteren flatterte ein Haufen grüner Wellis durch die Gegend. Wir traten näher und bückten uns, um sie besser sehen zu können.
Mutti war gleich fasziniert von einem Kleinen, der ganz ruhig auf der Stange saß und den das Geflatter um ihn herum überhaupt nicht zu stören schien. Probeweise steckte sie auch noch den Zeigefinger durch die Gitterstäbe um zu gucken, ob ihn das genauso kalt lässt oder ob der doch Angst kriegt und wegfliegt. Aber er drehte lediglich den Kopf weg. „Den nehmen wir mit!“, sagte Mutti. Ich ging davon aus, dass sie das nicht ernst meinte und stimmte zu: „Echt niedlich das Kerlchen und so gar nicht ängstlich.“
„Papa gibt sein Einverständnis,“ erwiderte sie.
„Was? Du meinst das ernst? Du willst doch nicht wirklich noch einen Vogel kaufen?“
„Warum nicht?“
„Na wie soll denn das gehen, dann müssen wir doch einen neuen Käfig kaufen, weil zwei Vögel nie in unseren vorhanden Käfig passen.“
Voller Optimismus bekam ich zur Antwort: “Werden wir wohl müssen.“
„Aber was ist, wenn die sich nicht vertragen? Hansi wird sich das nicht gefallen lassen. Und dann brauchen wir aber auch noch ein Weibchen, sonst gibt’s am Ende noch Vogelbabys. Und was ist, wenn Hansi dann eifersüchtig wird?“
Fragen über Fragen.
„Dann eben nicht,“ sagte Mutti beleidigt.
„Ich meine, mach was du willst“, sagte ich versöhnlich, “niedlich wär’s ja.“
Wir schlenderten weiter. Schauten uns diesen und jenen Vogel an, doch schließlich wurde es meiner Schwester zu bunt. Sie war müde und nieste ständig. Papa schlug vor erst mal einen Kaffee zu holen. Katrin nahm er mit. Mutti und ich gingen noch mal zu dem Käfig mit dem kleinen unerschrockenen Welli. Eigentlich war es da schon klar, dass sie nichts mehr umstimmen konnte. Schon nach kurzer Zeit konnten wir den Kleinen auf einer Stange ausfindig machen. Nach der Meinung des Züchters war es definitiv ein Weibchen.
„Den nehmen wir, oder?“, fragte mich Mutti und warf mir einen Blick durch die Gitterstäbe zu und nun konnte auch ich nicht mehr an mich halten: “Na los, nehmen wir ihn“. Und ein paar Minuten später stand ich mit einer grünen Schachtel in der Hand und Mutti um 8 Euro ärmer in der Messehalle und fragten uns, was wir da eigentlich grade getan haben.
„Keine Ahnung!“, wir grinsten uns an.
„Und wie soll sie heißen?“, fragte ich. Mit ratlosen aber glücklichem Gesicht sagte sie wieder: „Keine Ahnung!“
Nachdem wir auch Papa und Katrin von unserem Schicksal erzählten hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem neuen, großen Käfig.
Sehr bald fanden wir auch einen mettalicgrünen für allerdings 35 Euro.
„Ne Menge Geld“, wand Mutti ein. Doch was soll man tun? „Nun gib schon hin.“ Sagte Papa. Ich war überrascht!
Und so zogen wir zurück zum Auto, samt Schachtel und Käfig und alle freuten wir uns.
Unterwegs kamen wir noch mal auf das Thema „Name für das kleine grüne Federknäuel“ zurück. Meine Schwester war sofort für Bubi oder Lara, alle Vögel heißen so, meinte sie. Doch ich hatte schon längst eine andere Idee im Kopf. Nämlich Pitti, wie Pittiplatsch, das war so das Erste was mir in den Sinn kam, beim Anblick von diesem niedlichen Kerlchen.
„Das kann sowohl die Pitti, als auch der Pitti heißen, wir wissen ja nun nicht 100%ig was es ist.“ Alle waren einverstanden. Der Vorschlag wurde angenommen.
Zu Hause angekommen stellten wir den neuen Käfig erst mal auf den Tisch meiner Schwester und schütteten das kleine ein halbes Jahr alte Knäuel in den Käfig. Ganz fertig war es von der einstündigen Autofahrt.
Neugierig standen wir um den Käfig und beobachtete aufgeregt unseren neuen Mitbewohner. Und dann gab sie auch ihren ersten Ton von sich. Er war so ganz anders, als die Geräusche, die wir von Hansi her kannten. So ein Vibrieren im Zwitschern, etwa doch ein Männchen?
Hansi pflanzten wir auf seine Stange am Fenster, sodass sie sich sehen und aneinander gewöhnen konnten.
Als es dann auf den Abend zuging, beschloss Mutti kurzer Hand, die beiden einfach zusammenzustecken. Eigentlich liest man ja, dass sich die Tiere länger aneinander gewöhnen müssen und man sie zunächst am besten in getrennt Käfigen hält. „Ach Quatsch, die werden sich schon vertragen.“, hörten wir von Mutti und sie steckte Hansi einfach mit in den Käfig.
Und ab ging die Post! Wie aufgescheuchte Hühner flatterten sie durch den Käfig, dass die Federn nur so flogen. Und dann ganz plötzlich war alles wieder ruhig. Mit klopfenden Herzen saßen sie nebeneinander auf einer Stange. Gebannt standen wir drum herum und beobachteten das Geschehen. Pitti zwitscherte kurz, Hansi antwortete, echt lustig.
Wir beschlossen Pitti erst mal etwas Futter anzubieten, sie war bestimmt hungrig und so hängten wir eine Knapperstange hinein.
Hansi kletterte auch sofort hin und knusperte los. Pitti machte es nach, doch das schien Hansi gar nicht in den Kram zu passen. Wild plusterte sie sich auf und machte sich groß. Erschrocken zog Pitti den Kopf ein, wich aber nicht von der Stelle. Trotzdem traute sich Pitti erst mal nicht mehr zu fressen. Müde riss sie den Schnabel auf und gähnte, na dann, gute Nacht.
Am nächsten Tag war Sonntag. Neugierig, ob sie wohl noch auf ihrer Stange sitzen würde, öffnete ich ein Auge. Aber nichts da, jeder saß auf seiner eigenen Stange. Hansi guckte wie üblich interessiert in der Gegend rum und putzte sich, während Pitti leicht noch oben guckte, als ob sie die Sterne anhimmeln würde, dabei gähnte sie herzhaft und schloss wieder die Augen und so ging das fast den ganzen Tag lang.
Irgendwann aber begannen wir uns ein ganz kleines bisschen Sorgen zu machen, da sie nicht versuchte zu fressen. Also hielten wir ihr die Hirse schließlich direkt vor die Nase, aber sie wollte kaum. Dabei entdeckten wir, dass sich Pitti streicheln lässt und zwar überall, am Bauch, am Flügel nur an den Füßen stellten wir fest, schient sie kitzlig zu sein. Aber wir waren ganz begeistert, denn Hanis lässt sich so gar nicht streicheln. Wenn man ihn versucht anzufassen, schreit er, als würden wir ihm jede Feder einzeln ausrupfen. Doch das liegt daran, dass er schon, als er noch ganz jung war, bevor wir ihn gekauft haben, immer von den anderen Wellis gepiesackt wurde. Ihn haben wir praktisch aus Mitleid gekauft. Aber er hat wohl bis heute nicht vergessen, wie schlimm das für ihn war.
Nachdem wir es mit dem Fütterversuch aufgegeben haben, schlief Pitti sofort wieder ein. Und so ging das noch eine geraume Zeit weiter und ich dachte schon, Pitti wäre langweilig.
Doch das änderte sich, als wir ihm eine Vogelzwitscher-CD vorspielten. Fröhlich zwitscherte sie zusammen mit Hansi mit und als Hansi dann auch noch den Weg aus dem Käfig heraus fand und frei im Zimmer flatterte, war auch Pitti nicht mehr zu halten. Freudig hüpfte und flatterte sie von einer Käfigecke zu anderen und wollte unbedingt mit fliegen.
Doch mit dem Fressen machte sie noch weiter eine Weile Probleme, auch trinken wollte sie nicht. Deshalb machte Mutti ihren Finger nass und hielt ihn ihr vor die Nase. Und tatsächlich trank sie auf diese Weise ein paar Tropfen.
Als dann Pitti am nächsten Tag auch den Weg nach draußen fand, bekam sie auch wieder Appetit, den das viele Rumgeflattere macht natürlich hungrig.
Jetzt sitzt Pitti auch nicht mehr eingeschüchtert in der Ecke. Wenn Hansi nun mit erhobenem Schnabel auf sie los geht, reckt sie sich mutig entgegen. Aber manchmal erwischen wir sie jetzt auch schon beim Schnäbeln, also vertragen sie sich doch noch, es dauert bloß alles seine Zeit. Trotzdem ist mit den Beiden immer was los und sie halten einen ganz schön auf Trapp und Hanis ist es jetzt auf alle Fälle nie mehr langweilig.

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damaskus
Guest
Registriert: Not Yet

Hmmm ... niedliche Geschichte, hat mir echt gefallen, sie zu lesen. Hatte irgendwas Beruhigendes, muss an deinem Erzählstil liegen. Völlig ungezwungen und frei geschrieben, nichts für Schnellleser, aber für Leute, die genügend Zeit haben, sich auf die Geschichte einzulassen ... glaube ich.
Irgendwie ist es richtig gut geschrieben, weit besser als der Rest, den ich in der letzten Zeit hier gelesen habe.

Liebe Grüße
Damaskus

P.S. Ist das deine einzige Geschichte? Hätte gern noch mehr gelesen ...

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Suavitas
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2002

Werke: 2
Kommentare: 15
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Hallo Damaskus!
Danke für deine Antwort!
Es ist echt schön zu hören, dass jemanden die Geschichte gefallen hat :-)
So viel gibt es bis jetzt noch nicht von mir, da ich noch relativ neu bin. Aber keine Sorge, das war´s noch nicht gewesen von mir. Hab bereits wieder eine neue Geschichte im Kopf, diesmal passts zu Weihnachten und ist was lustiges. Anfang Dezember stell ich´s rein.
Im Moment schreibe ich in den "Fingerübungen" noch mit, mach doch auch mit wenn du lust hast!

CU Suavitas
__________________
In jedem Vorteil steckt ein Nachteil, aber jedem Nachteil steckt auch irgendwo ein Vorteil.

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