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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Plätzchen
Eingestellt am 03. 08. 2007 18:21


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Valentine
Wird mal Schriftsteller
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Eines Tages kommt mein Mann aus dem Keller zu mir in die Küche, wo ich gerade Plätzchen backe. Er richtet eine Pistole auf meinen Kopf und sagt mir, dass ich mich an den Tisch setzen soll. Also mache ich das auch. Dann erzählt er mir, dass alles einfach Scheiße ist und wir beide genauso gut tot sein könnten.

„Wie jetzt? Einfach oder Scheiße?“ frage ich und gucke dabei direkt in den grauen Pistolenlauf. Er runzelt die Stirn, pfeffert die Pistole auf den Küchentisch und donnert: „Na, einfach Scheiße eben, beschissen, zum Kotzen, aus-sichts-los!“ Er spuckt jede einzelne Silbe aus wie Regenwasser, das ihm über die Oberlippe läuft.

Ich klapper mit den Augen, gucke ihn an und warte ab, was diesmal kommt. Ich starre die Pistole an, die kenne ich noch nicht. Ein Schweizer Messer, ein Fläschchen Rattengift, ein Seil, ja, sogar eine Axt, alles schon mal da gewesen, aber eine ordinäre Pistole, so eine stinknormale, wie sie heutzutage selbst Otto Normalverbraucher besitzt, die hatten wir noch nie. Dabei heißt es doch immer: „Je oller, je doller!“ Aber anscheinend wird mein Göttergatte auf seine alten Tage eher einfallslos als –reich. Dabei verfügt er eigentlich über eine blühende Fantasie, er bildet sich alles mögliche ein. Mal will er nur mich umbringen, weil er mir ein Verhältnis mit dem – Klischee lässt grüßen – Postboten andichtet, beim nächsten Anfall will er sich in der Dusche erhängen, weil er sich einredet, unheilbar krank zu sein und ja sowieso krepieren zu müssen oder aber er beschließt, wir beide könnten genauso gut tot sein wie eben heute.

Gründe dafür gibt es viele: Es hat ja eh alles keinen Sinn, die Kinder sind aus dem Haus, die Schulden wachsen uns über den Kopf, er wird bestimmt bald arbeitslos, und, und, und. Wenn ihm dann gar nichts mehr einfällt, kommt er mit schlechtem Wetter und dem Hund, der nicht mehr auf ihn hört.
Fast muss ich lachen, als ich daran denke, wie er letzte Woche wutentbrannt von der Arbeit nach Hause kam und sich direkt zwischen den Geranien vom Balkon stürzen wollte – nur, weil ihm jemand die Vorfahrt genommen hatte!

„Siehst du, und genau deshalb wird das alles jetzt ein Ende haben!“ schreit er, reißt die Pistole vom Tisch und drückt sie mir wieder an den Kopf, diesmal an die rechte Schläfe. Ich seufze innerlich, versuche aber, nicht allzu gelangweilt auszusehen. Schließlich will ich nicht diejenige sein, die nachher als Spielverderberin dasteht.

Plötzlich zieht er die Pistole weg, wirbelt mich auf meinem Stuhl herum und presst seine Nase genau auf meine. Er ist mir so nah, dass ich ihn nur anschielen kann, trotzdem sehe ich ein aufgeregtes Glänzen in seinen Augen.

„Manchmal“, er flüstert fast, „manchmal habe ich das Gefühl, dass du mir überhaupt nicht zuhörst.“ Treffer versenkt, was soll ich dazu noch sagen? Ich rücke ein Stück von ihm ab. Die Ader auf seiner Stirn glüht und sieht aus, als ob sie gleich zerspringen will. „Wahrscheinlich bist du mit deinen Gedanken ganz woanders, was?“ giftet er.

„Ja, natürlich!“ denke ich, „bei einem meiner unzähligen Liebhaber, wo auch sonst?“ „Was? Wie bitte? Was hast du gesagt?“ stottert er und schnappt nach Luft wie ein Fisch am Strand. Mist, ich beiße mir auf die Zunge, aber es ist schon zu spät, um die ausgesprochenen Gedanken zurückzunehmen. Ich versuche ein verlegenes Grinsen. Da macht er einen Schritt auf mich zu und drückt ab.

Ob wohl jemand die Plätzchen aus dem Ofen holt, frage ich mich noch, dann wird alles schwarz.

__________________
"War das nicht typisch? Kaum ging es um Frauen oder etwas Weibliches, schon war das Lexikon so nichts sagend wie ein Mondkrater. Ob irgendein Männerverein die Lexika zensierte?" (Jostein Gaarder, Sophies Welt)

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Valentine
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Hallo nobody,

was genau stört dich denn an den von dir zitierten Sätzen/Ausdrücken?

fragt Valentine.
__________________
"War das nicht typisch? Kaum ging es um Frauen oder etwas Weibliches, schon war das Lexikon so nichts sagend wie ein Mondkrater. Ob irgendein Männerverein die Lexika zensierte?" (Jostein Gaarder, Sophies Welt)

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nobody
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Was mir an dem Text so gefällt, ist die lakonische Erzählsprache, wie sie ganz besonders im ersten Absatz zum Ausdruck kommt. An den drei Beispielen störte mich hauptsächlich das "Zuviel".

"Er spuckt jede einzelne Silbe aus wie Regenwasser, das ihm über die Oberlippe läuft." = das Bild erscheint mir etwas weit hergeholt und nicht zur Sprechweise der Prot. passend

"aber eine ordinäre Pistole, so eine stinknormale, wie sie heutzutage selbst Otto Normalverbraucher besitzt" = der Satz erscheint mir zu lang; "ordinär" oder "stinknormal" wäre völlig ausreichend

"– Klischee lässt grüßen –" = dieser Einschub beeinträchtigt m.E. die starke Wirkung des Satzes

Gruß Franz

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Valentine
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... für deine Anmerkungen!

sagt Valentine.
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"War das nicht typisch? Kaum ging es um Frauen oder etwas Weibliches, schon war das Lexikon so nichts sagend wie ein Mondkrater. Ob irgendein Männerverein die Lexika zensierte?" (Jostein Gaarder, Sophies Welt)

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