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Leselupe.de > Kurzprosa
Poesie eines Amoklaufs
Eingestellt am 11. 07. 2010 18:20


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Dr Time
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Poesie eines Amoklaufs


Ich bin gr├Â├čer geworden.

Ihr habt es sicher noch nicht bemerkt, aber ich bin gr├Â├čer geworden. Vor kurzem noch war ich ein unscheinbarer Schleier am Himmel. Aber jetzt bin ich eine bedrohliche Wolke. Ich bin eure bedrohliche Wolke.

Ich habe stille Tr├Ąnen gestohlen aus den Augen derer, die sich nicht getraut haben zu weinen. Und die Augen sind nun blass und blicken ins Leere.
Ich habe den Boden ausgetrocknet und alle Gef├╝hle aus ihm herausgesaugt. Und der Boden ist nun hart und nichts w├Ąchst jemals mehr dort, wo einst so viele Samen lagen.

Das Wasser aus den Fl├╝ssen ist zu mir herauf geflogen und ihr habt es noch nicht einmal gemerkt. Doch ich habe es gesammelt f├╝r euch.

Selbst jetzt, wo die Luft so gewittrig dr├╝ckt und euch der Schwei├č von der Stirn rinnt, lacht ihr noch so albern, wie ihr es immer getan habt. Und auch der Schwei├č derweil, fliegt zu mir herauf.

Und nun seht her. Ich bin gr├Â├čer geworden. Zu gro├č und die Zeit ist gekommen.

Ich lasse es regnen, betrachte von oben, wie die vertrockneten Samen fort gesp├╝lt werden in die B├Ąche, die ├╝ber ihre Ufer treten, wo sie alles mit sich rei├čen. Aber alles ist mir gleich, denn alles ist so weit weg. Ich ahne, es k├Ânnten Autos, H├Ąuser, Tiere sein. Es k├Ânnten sogar eure Kinder sein. Doch ich sehe keine Gesichter mehr, kenne keine Namen. Ich lasse es regnen, bis eure Tr├Ąnen sich vermischen mit den roten Regentropfen.

Und dann f├╝hle ich mich erleichtert. Schaut mich an. Schaut mich endlich an, denn bald gibt es mich nicht mehr. Ich bin wieder klein und werde immer noch kleiner.
Bis ich ganz verschwunden bin, denn ich will nun nicht mehr sein.

__________________
"der erste Entwurf ist immer schei├če"
Ernest Hemmingway

Version vom 11. 07. 2010 18:20

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