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Leselupe.de > Humor und Satire
Polenfeldzug (eine Realsatire)
Eingestellt am 06. 11. 2003 13:50


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Oliver
Schriftsteller-Lehrling
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Real- Satire, angeregt durch einen Beitrag in „my-Tagebuch.de":

├ťberschrift: „Soll ich nach Polen gehen?"



„bitte gebt mir ratschl├Ąge!

soll ich f├╝r ein freiwilliges soziales jahr nach polen gehen? (andere
l├Ąnderm├Âglichkeiten gibt es nicht mehr, die stelle, die voraussichtlich
irgendwo in den masuren liegen w├╝rde, ist mir sicher)"

Die Masuren sind wirklich sehr, sehr sch├Ân. Touristen zahlen dort ebensoviel wie f├╝r einen Urlaub in Spanien. Nur deutsche Soldaten (im 2. Weltkrieg)und f├Ârderungsberechtigte Teenies (heute, im Weltkrieg der Globalisierung) kriegen alles umsonst. Also nix wie hin!

„vorteile:
> ich lerne eine geheimsprache, die niemand sonst kann"

Genau! Diese Geheimsprache ist so geheim, dass sie nur der Papst und eine kleine R├Ąuberbande spricht. Letztere nennen wir „die Polen".
Wer polnisch kann, bekommt garantiert einen Job als Verh├Ârleiter beim BKA.

„> ich komme raus hier"

Das wird dir gut tun. Du hast noch keine existenziell wichtigen Erfahrungen gemacht: Hunger, Obdach- und Arbeitslosigkeit, Verfolgung, Alkoholprobleme- all das guckst du dir am besten mal live an, vielleicht merkst du ja den Unterschied zur Hollywood- Version.

„> ich muss nicht gleich studieren (vorteilhaft f├╝r jemanden, der ohnehin
noch nicht so genau wei├č, was)"

Eben. Studieren ist so ziemlich das Letzte, was sich ein deutscher Jugendlicher w├╝nscht. Wie viele Studenten w├╝rden ihr schweres Los allzu gern gegen eine Hilfsarbeiter- Stelle in Polen tauschen. Da br├Ąuchten sie nichts lernen, k├Ânnten den ganzen Tag besoffen in Baugruben liegen oder, falls sie M├Ądchen sind, sich gegen geringe Zulagen von Mafiabossen in der Mittagspause so richtig verbimsen lassen.

„> ich tue der menschheit was gutes und der v├Âlkerverst├Ąndigung und so"

Richtig! Nur solltest du dich entscheiden: entweder du tust etwas f├╝r die Menschheit oder f├╝r die V├Âlkerverst├Ąndigung oder f├╝r „und so".
Wobei du f├╝r die Menschheit auch in Deutschland etwas machen kannst.
Stoiber erschiessen zum Beispiel oder deine Lehrer, die dich zum allseits verh├Âhnten Opfer der Pisa- Studie gemacht haben.
Mit der V├Âlkerverst├Ąndigung wird┬┤s dagegen schwieriger. Du wirst doch nicht polnisch lernen! Doch bleibt dir immerhin noch die wortlose Verst├Ąndigung, der stumme Austausch von gewissen K├Ârpers├Ąften. Was im Sinne von „V├Âlker- Verst├Ąndigung" freilich einen enormen logistischen Aufwand erfordert.
Am besten, du tust etwas f├╝r „und so", das kannst du am besten.

„> ich w├╝rde vielleicht lernen zu arbeiten"

Wie bitte? In Polen? Kennst du denn nicht all die deutschen Vorurteile gegen dieses faule Volk? Hier ein Beispiel. Wie verh├Ąlt sich der Pole in einem unserer Superm├Ąrkte? So:

Gucken, gucken, nix verstehn.
Zappzerapp- auf Wiedersehen.

Meinst du wirklich, dass Polen etwas anderes k├Ânnen als Klauen?
Und bei denen willst du arbeiten lernen?

„> meine blickwinkel werden sich erweitern"

Aber nur mit Kontaktlinsen von Bausch & Lomb, die in Polen etwa das Dreifache von dem kosten, was bei uns daf├╝r abgezockt wird.

Soviel zu den von dir erhofften Vorteilen eines Polen- Aufenthalts.

Deine bef├╝rchteten Nachteile sch├Ątzt du schon sehr real ein.

„nachteile:
> ich werde mich mit niemandem vern├╝nftig unterhalten k├Ânnen"

Da du ein wenig deutsch sprichst, weisst du auch, wie schwer es ist, sich ├╝berhaupt mit irgendjemanden „vern├╝nftig" zu unterhalten, selbst, wenn beide die gleiche Sprache verstehen.

„> ich kenne niemanden dort und werde einsam sein"

Ja, denn wir Deutschen haben seit unserem verlorenen letzten Polen- Feldzug merkw├╝rdige Hemmungen, auf Nachfahren der von uns Abgeschlachteten zuzugehen.

„> ich verschenke ein jahr meines lebens irgendwohin, wo ich nichts f├╝r
meine zukunft unglaublich unverzichtbar sinnvolles dazulernen werde"

Das ist des ├ťbels Kern! Ein Deutscher braucht nirgendwohin zu gehen, da er bekanntlich zur Spezies der ├ťbermenschen geh├Ârt und nur zu Hause, bei den klugen eigenen Verwandten, nennenswerte neue Erfahrungen machen kann. Deshalb kommen ja auch so viele Ausl├Ąnder zu uns, um sich ein Scheibchen deutschen Verstandes, deutscher Bildung und vor allem deutschen Humors nebst des dazugeh├Ârigen unverwechselbaren deutschen Charms abzuschneiden.

„> ich werde sklave"

Sicher. Polen hat nach vergeblichen Versuchen, westliche Demokratie einzuf├╝hren, wieder zur guten alten Sklavenhaltergesellschaft zur├╝ckgefunden. Da aber in Polen alle die gleiche Hautfarbe haben, ist es schwer, richtige Sklaven von falschen zu unterscheiden. Man hat mit verschiedensten Mitteln versucht, die Unterschiede deutlich zu machen: mit Schuhcreme, Teer, T├Ątowierungen und sogar Piercing. Nichts half. Und so gibt es in Polen immer mehr scheinbare Sklaven. Dazu geh├Âren auch verschleppte deutsche Touristen, die sich allerdings wesentlich von versklavten Polen unterscheiden. Sie sind so stolz, dass sie ├╝berhaupt nicht arbeiten wollen.

„> ich wei├č nicht, ob ich dort auch mal ein auto nutzen darf"

Nat├╝rlich nicht! Ersteinmal m├╝sstest du ein Auto klauen. Aber wie? Schraubenzieher sind heissbegehrt und nur f├╝r den Gegenwert eines Atomsprengkopfes auf dem Schwarzmarkt zu haben. Selbst wer doch einen Schraubenzieher besitzt, braucht eine enorme Schnelligkeit, um mit professionellen polnischen Autoknackern mithalten zu k├Ânnen.
Denn kaum steht irgendwo in Polen ein herrenloses Auto- klick! ist es aufgebrochen und saust zum n├Ąchsten Mafia- Verladebahnhof. So schnell kannst du gar nicht gucken, nicht mal mit deinen „erweiterten Blickwinkeln" !

„> ich wei├č nicht, ob mein heiligtum computer in diesem leben einen platz
haben d├╝rfte"

Der Computer allein w├Ąre ja nicht das Problem, sofern du ein Dutzend Bodyguards dabeihast, die ihn rund um die Uhr bewachen. Aber der Strom! Wo willst du den in Polen hernehmen?
Ausserdem ist in Polen alles streng religi├Âs geregelt. Und da dein PC „heilig" ist, wie du sagst, m├╝sstest du erst einmal eine Kirche, oder wenigstens eine kleine Kapelle um ihn bauen lassen. ├ťberhaupt wird nur das als „Heiligtum" anerkannt, was der Papst gesegnet hat. Der wird aber kaum nur deines PC┬┤s wegen nach Polen reisen. Also auf nach Rom, sonst wirds nix mit Polen und deinem Computer.

„oh jeh! bitte helft mir! ich bin mir so unschl├╝ssig! einerseits hab ich
gro├čes fernweh - andererseits gro├če angst. zudem finde ich polnisch
irgendwie schwachsinnig..."

Die polnische Sprache ist wirklich schwachsinnig. Mal ehrlich, wir verstehen doch kein Wort davon. Deshalb haben wir die schwachsinnigen Polen seinerzeit auch in Umerziehungslager gesteckt, doch selbst dort weigerten sich noch viele, endlich etwas Vern├╝nftiges zu lernen, weshalb sie schliesslich als Brennmaterial Verwendung fanden.
Das mit deiner Angst kann ich gut verstehen. Mein Opa hatte auch Angst, selbst als Herrenmensch, als ihn in den Vierzigern des letzten Jahrhunderts polnische Kinder um Brot anschrieen. Die haben so laut und unverst├Ąndlich gebl├Ąkt, dass er ihnen die Zungen herausschneiden musste. Sp├Ąter legte er diese Kinderzungen einem Kameraden von der SS vor die F├╝sse und sagte: „Ess, ess!", was dieser aber falsch verstand und meinte, mein Opa h├Ątte die eigenen SS- Leute ihrer Zunge beraubt, weshalb der Kamerad meinem Opa die Zunge abschnitt. Dadurch konnte mein Opa nur noch lallen, und seine Freunde dachten, er h├Ątte jetzt polnisch gelernt. Denn f├╝r uns ist doch alles, was wir nicht verstehen, nur dummes Gelalle, oder?


„..aber die vorstellung, sich damit grandios
verst├Ąndigen zu k├Ânnen ist dann doch irgendwie cool. alles ist irgendwie -
alle zwei minuten bin ich voller euphorie und aller zwei minuten voller
Zweifel---"

Vielleicht solltest du den Zwei- Minutentakt deiner Wechselstimmung verk├╝rzen. Je k├╝rzer, desto besser.
Stell dir vor, du w├Ąrest aller zwei Sekunden euphorisch und dann sofort wieder deprimiert. Wenn du das etwa eine Stunde durchh├Ąltst, bekommst du einen richtigen Kick, wie er sonst nur durch teure Designer- Drogen verursacht wird. Damit k├Ânntest du viel Geld sparen.
Wenn du aber richtig super drauf bist und dieses Gl├╝cks- Depri- Gehickse eine Woche lang treibst, wird dich jeder Arzt sofort in die geschlossene psychiatrische Anstalt ├╝berweisen, wo du dann wirklich alles h├Ąttest, was du du dir w├╝nschst:
- kostenlose Unterkunft und Versorgung
- kein Lern- und Arbeitsstress
- viele Computer
- genug Drogen
- hunderte ├Ąhnlich orientierungsloser Menschen, die alles hatten und aus reiner Langeweile verr├╝ckt geworden sind.

├ťberleg dir mal diese Variante! Dein Oliver
__________________
Oliver

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flammarion
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aua!

das ist eine so bitterb├Âse satire, dass ich mit dem gedanken spiele, sie zu l├Âschen.
__________________
Old Icke

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Oliver
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Frau "Flammarion" als Imperaratorin?

Sehr geehrte Frau „Flammarion",

Ihre Bemerkung zu meinem „Polenfeldzug" veranlasst mich zu dieser Nachricht und einem k├╝hl distanzierten Ton. Mich fr├Âstelt einfach bei dem Gedanken, dass Sie hier Moderatorin sind. Denn als solche m├╝ssten Sie eigentlich mit allgemeinen Netiquetten vertraut sein. Dazu geh├Ârt eine Anrede, wenigstens also ein „Hallo", nebst einer sachlichen Kritik. Sie aber halten nur den Daumen nach unten und drohen mit der Liquidierung meines Beitrages.
Darf ich Sie nun mit „Frau Imperatorin" ansprechen?
Doch genug der Kasperei. Ich bin mir sicher, Sie bedauern bereits ihre mithin l├Ąssliche S├╝nde und werden in K├╝rze entweder Ihr Urteil oder Ihren Fehler oder Ihren literarischen Geschmack, wenn nicht gar Ihren Humor durch eine geeignete Antwort erkl├Ąren, entschuldigen oder beweisen.

Allet klar? Oder jibt det Frajen, old Icke? Dein Olli.
__________________
Oliver

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Miriam
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Registriert: Not Yet

Hallo Oliver,

meiner Meinung hast Du die Gedanken in Deiner Satire sehr gut wiedergegeben. Ich meine damit all jene Vorurteile, welche die Gesellschaft oftmals in ihrem Hinterkopf traegt.

Gruss

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lapismont
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Hallo Oliver,

ich finde die Satire misslungen. Zu weitschweifig, wenig pointiert. An vielen Stellen schreibst Du solange um den Witz drumherum, das nur das Vorurteil ├╝brigbleibt.

Wer ├╝ber ein derart leicht miszuverstehendes Thema schreibt, sollte es deutlich besser machen.

cu
lap
__________________
Kunst passiert.

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flammarion
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na,

lieber oliver, da kannste mal sehen, wie gefrustet ich durch dein werk war und bin, dass ich nicht mal die h├Âflichkeit wahren konnte!
vielleicht ziehst du ja selber deine schwache leistung zur├╝ck?
lg
__________________
Old Icke

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