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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Portrait
Eingestellt am 28. 09. 2003 01:02


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flammarion
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Portrait

In meiner Wohnstube hĂ€ngt ein Portrait an der Wand, eine Federzeichnung. Sie heißt: „Am Ende der Kindheit“ und stellt meinen Sohn dar. Ein Freund der Familie hatte sie zu seinem fĂŒnfzehnten Geburtstag angefertigt und zeigt meinen Sohn im Profil.
Der Bengel war damals heftigst in der PubertĂ€t und ließ uns nur einen sehr kurzen Blick auf das Geschenk werfen, dann verschwand es in seinem Schrank.
Ich ging nur dann an diesen Schrank, wenn ich frische WÀsche hinein zu legen hatte. Aber diesmal zog ich das geschmÀhte Werk hervor, besorgte einen passenden Rahmen und hing es im Wohnzimmer auf.
Als Söhnlein aus der Schule kam, staunte er. Noch bevor er etwas sagen konnte, herrschte ich ihn an: „Das ist ein Unikat! Kein Mensch auf der Welt hat so eine Zeichnung, wo du drauf bist! Der Burkhart hat bestimmt einige Stunden daran gemalt, das gehört nicht in den Schrank geknautscht, das gehört an die Wand!“
Die Wahrheit aber behielt ich fĂŒr mich: der Grafiker hatte meinen Sohn so gezeichnet, wie ich ihn gern gesehen hĂ€tte. Mit erhobenem Kopf forschend und aufmerksam in die Welt blickend, ernst und besonnen. Ich kannte ihn nur aufbrausend, widerspenstig und störrisch. Darum hatten wir oft Streit miteinander. Und noch etwas trat auf diesem Bild zu Tage: ich hatte immer nur gesehen, wie Ă€hnlich mein Sohn seinem Vater war, der uns damals so schmĂ€hlich verlassen hatte. Nun aber musste ich erkennen, dass der Junge ebenso große Ähnlichkeit mit mir hatte, namentlich um die Mundpartie.
Von Stund an verringerten sich unsere Streitereien. Ich ging völlig neue Wege in der Erziehung, weil ich immer erst ĂŒberlegte, ob ich vielleicht den selben Fehler, fĂŒr den ich den Bengel gerade rĂŒgen wollte, nicht auch gemacht hĂ€tte. es war, als wĂ€re mir mit dieser Zeichnung mein Sohn aufs neue geboren worden.
So ist mir dieses Portrait ĂŒberaus wertvoll und mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.

__________________
Old Icke

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ergusu
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PortrÀt

Ich bin sehr nachdenklich ĂŒber diese Geschichte, weil sie nicht zu Ende ist. Wie geht es in Zukunft weiter?
ergusu
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ergusu

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flammarion
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nun,

es ging so weiter, dass ich jetzt mit meinem sohn ein ausgesprochen gute verhÀltnis habe. das bild hÀngt immer noch bei mir an der wand.
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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Yoanna
???
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Du brauchtest eine neue Art, Deinen Sohn zu sehen, um anders mit ihm umgehen zu können. Immerhin hat er viele Seiten, und die waren dir vorher nicht bewusst. Schön fĂŒr Euch! Kann ich hundertprozentig nachvollziehen.
Gruß,
Yoanna

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flammarion
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danke,

yoana, fĂŒrs lesen und kommentieren.
ja, das bild war damals ein reiner segen fĂŒr uns beide.
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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Nicky_H
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Hallo flammarion,

ich streiche seit einiger Zeit um das Werk herum und weiß nicht, wie ich es ausdrĂŒcken soll, was mir daran nicht so ganz gefĂ€llt. Es ist fĂŒr mich zu wenig Kurzgeschichte, schwebt zwischen Tagebucheintrag und Lebenserinnerung. Dabei braucht es vielleicht nicht viel, um es zur Geschichte werden zu lassen. Vielleicht nur etwas mehr konkrete Beschreibung, mehr Liebe zum Detail. Irgendwas fehlt mir, obwohl es mir insgesamt gefallen hat.

Viele GrĂŒĂŸe
Nicky

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flammarion
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hm,

nicky, ich denke, dass du recht hast. um genau zu sein, habe ich mit dieser geschichte nur eine schreibaufgabe erledigt, die "Portrait" als thema hatte.
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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