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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Prince Ironheart
Eingestellt am 09. 05. 2009 20:33


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AliasI
???
Registriert: Apr 2005

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Gestern bin ich ihm wieder ĂŒber den Weg gelaufen. Mist, warum habe ich nicht aufgepasst!
Der Typ ist ja völlig durchgeknallt, und alle paar Jahre, wenn wir uns begegnen, lĂ€uft es nach dem gleichen Schema ab. NatĂŒrlich war es auch diesmal so.

Kaum hatte er mich erblickt, da blinkte hinter seinen kugelrunden BrillenglÀsern ein vages Erkennen auf.
„Viola“, stammelte er vor sich hin, wĂ€hrend sein Blick sich auf seine FĂŒĂŸe richtete. „Hast du Viola gesehen?“
„Nein“, sagte ich unwirsch. „Ich hab’ sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen!“
Er glotzte mich an und versuchte wohl, den Sinn meiner Worte zu erfassen. Anscheinend schaffte er es, und sein Blick richtete sich wieder enttĂ€uscht auf seine FĂŒĂŸe. Prompt hatte er mich abgeschrieben, denn ich wusste nichts von Viola.

Himmel, der Typ ist verrĂŒckt, und er war bestimmt schon verrĂŒckt, bevor er sich durch alle möglichen Drogen das Gehirn ausbrannte, bis nur noch ein einziger Gedanke darin ĂŒbrig blieb, nĂ€mlich der Gedanke an Viola.
Viola, ich hatte sie vor dreißig Jahren kennen gelernt, sie gehörte zu einer Clique von jungen Gymnasiasten, die kurz vorm Abitur standen. Sie war ein hĂŒbsches Ding, sehr sĂŒĂŸ, sehr eigenwillig, sehr leidenschaftlich. Ihre dunklen Augen standen asiatisch schrĂ€g, und ihre braunen Haare trug sie wie Prinz Eisenherz. Ich stutzte, imitierte der Typ etwa ihre Frisur? Wollte er ihr damit nĂ€her sein oder sich gar in sie verwandeln? WĂ€re ihm zuzutrauen...
Aber zurĂŒck zu Viola: Sie hatte sich dann verknallt, und zwar in einen gutaussehenden, intelligenten und vor allem arroganten Typen. Aber der ließ sie fallen, und sie rannte ihm vergebens hinterher.

Komisch, das bringt mich jetzt zu meinem eigenen Leben. Ich sehe mich als erfolgreichen Mann, gut situiert, gut aussehend und mit der richtigen Portion Arroganz. Ich kriege alle Frauen, die ich will. Aber dennoch ist da eine Leere in mir, die ich einfach nicht ausfĂŒllen kann. Diese Leere lĂ€sst mich an mir selber zweifeln. Was will ich? Warum bin ich nicht so glĂŒcklich, wie ich eigentlich sein mĂŒsste? Was stimmt nicht mit mir? Nein, das ist Quatsch, mit mir stimmt alles, alles ist bestens. Und dennoch...

Ob ich diesen Irren noch mal wiedersehe? Ich hoffe nicht. Falls aber doch, dann werde ich unauffĂ€llig auf die andere Straßenseite gehen, nicht weil er mir leid tut oder weil er mir lĂ€stig ist, nein, ich beneide diesen Bastard irgendwie, er hat geliebt, und er liebt immer noch, und auch am Ende wird er nur dieses eine Wort sagen: Viola.

Viola, die Frau, die ich einst verschmÀhte...
__________________
Die Lust ist eine Kunst, aber die Kunst ist nicht immer eine Lust (von mir oder von irgendeinem anderen).

Version vom 09. 05. 2009 20:33

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