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Leselupe.de > Humor und Satire
Professor Feinsilber
Eingestellt am 24. 03. 2004 16:14


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gareth
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Ein reiches Leben
Prof. Dr mult. Fritz Feinsilber

Eine Kurzbiographie

Der SĂŒderholzener Fischerbote
Sonntagsausgabe 21.03.04

g.
Am vergangenen Sonntag ist der Psychiater, Theologe, Philosoph und Romancier Prof. Fritz Feinsilber, einer der letzten Universalgelehrten, mit seiner Gattin Maria nach Massachusetts ĂŒbergesiedelt. Er ĂŒbernimmt dort einen Lehrstuhl fĂŒr angewandte Theologie. Um den stillen Gelehrten war es In den letzten Jahren sehr ruhig geworden. Daher mag es wohl kommen, dass sein Name den jĂŒngeren MitbĂŒrgern nicht mehr gelĂ€ufig ist. Wir wollen aus Anlass seiner ehrenvollen Berufung einen dankbaren Blick auf sein Werk und sein bewegtes Leben werfen. Dabei soll auch sein Vater Franz gewĂŒrdigt werden, ein anderer großer Sohn unserer kleinen Gemeinde, sowie die Familie seiner Gattin Maria.

Die Eltern
Fritz Feinsilber kam im Jahre 1948 als Sohn des damals sehr bekannten, Ă€ußerst erfolgreichen Seglers und vielfachen Gewinners der SĂŒderholzener Regatta, Franz Feinsilber und seiner Frau Elisabeth, geb. Lindenberger, zur Welt. Die Feinsilbers lebten als Heimatdichter und Lyriker bereits seit vielen Generationen in SĂŒderholzen. Neben den bekannten Gedichten "O SĂŒderholz, O SĂŒderholz" , und "Wenn die SĂŒderholzner Sonne", verdanken wir diesem Dichtergeschlecht mit dem berĂŒhmten, uns allen gelĂ€ufigen Lied "Oh, Star, lass' mich dein Anwalt sein", von Hubert Lindenberger, eines der ersten Tierschutzlieder, die einer nicht bedrohten Vogelart gewidmet sind. Franz war nun seit Menschengedenken der erste Spross dieser Familie, der sich eines kraftvollen Körperbau's erfreute und hatte sich deshalb entschlossen, ein erfolgreicher Sportler zu werden. Die Familie Elisabeths war erst eine Generation zuvor aus den waldreichen Gebieten SĂŒddeutschlands eingewandert, wo der Vater, ein Holzkaufmann, sich beim Einbringen und Vermarkten sturmgeschĂ€digter WeichholzbĂ€ume einen Namen und auch ein Vermögen gemacht hatte.

Der Vater
Die ersten Lebensjahre des kleinen Fritz verliefen glĂŒcklich, ohne materielle Sorgen und unbeschwert. Erste dunkle Wolken sollten dann am Horizont des blauen Kinderhimmels aufziehen, als seinem berĂŒhmten Vater, anlĂ€sslich einer der großen SĂŒderholzener Regatten, bei einem elementar einfachen Segelmanöver ein schwerwiegender Fehler unterlief. Bereits beim Ablegen rammte deshalb sein Boot die Kaimauer so schwer, dass es unterging. Wochenlang wurde damals in den Wochenschauen und an den Stammtischen ĂŒber diese Begebenheit berichtet und das vormalige Idol Franz Feinsilber als "Mauersegler" verspottet. Da ihm bei seinen nĂ€chsten Wettbewerben der gewohnte Erfolg ebenfalls versagt blieb, beendete er ein Jahr nach dem schicksalhaften Geschehen seine Seglerkarriere und versuchte, in anderen sportlichen Disziplinen seinen beschĂ€digten Ruf als Sportler wieder herzustellen. Er begann als Radrennfahrer, musste aber trotz einiger erster Achtungserfolge erkennen, dass er sich nicht in das Feld der Besten vorzuarbeiten vermochte. Von der Presse auch hier bald "Raddampfer" genannt, gab er diese Disziplin nach zwei Jahren wieder auf. In den folgenden Monaten versuchte er sich dann noch als LangstreckenlĂ€ufer, beendete aber seine sportliche Karriere endgĂŒltig, als er von den Sportjournalisten auch hier wieder mit Begriffen wie FlurlĂ€ufer und AuslĂ€ufer bedacht wurde. Ein einziges Mal nur hat sich der zurĂŒckhaltende, herzensgute Mann gegen seine Peiniger zur Wehr gesetzt. Es war Monate nach seinem Karriereende als Sportler, als ihn ein Journalist zu Hause aufsuchte. Er traf ihn beim tĂ€glichen Training auf seinem Heimfahrrad im Wohnzimmer an. Dem Polizeibericht zu Folge, hat dieser wenig taktvolle Zunftkollege, noch auf dem Krankenlager und auch spĂ€ter vor Gericht, in unglaubwĂŒrdiger Weise ausgesagt, er habe das Wort "Raumfahrer" nicht abwertend gemeint, sondern vielmehr den gedanklichen Bezug zu außergewöhnlichen Leistungen herstellen wollen. Er griff in seiner Aussage seinerseits Franz Feinsilber an und bezeichnete ihn als "Fußabtreter". Das Gericht folgte dem glĂŒcklicher Weise nicht und Franz Feinsilber wurde ehrenvoll freigesprochen. Die Anekdote will wissen, dass Franz Feinsilber dem verletzt flĂŒchtenden Journalisten, böse lachend: "TĂŒrmer!" nachgerufen haben soll. Von da an hatte er jedenfalls die Sportpresse mehrheitlich gegen sich und am Ende war er gezwungen, seine kleine Familie mit Gelegenheitsarbeiten ĂŒber Wasser zu halten. Sein erster Versuch, wieder in seinem erlernten Beruf als Großer Abendsegler Fuß zu fassen, scheiterte an der billigen Konkurrenz, der er nur wenige Nachtfahrten abgewinnen konnte. Auf Grund seiner ungewöhnlichen KörperkrĂ€fte wurde er aber bereits nach kurzer Zeit in den umliegenden WerkstĂ€tten zu einem vielbeschĂ€ftigten AuspuffkrĂŒmmer und Motorroller. Auf den Reiterhöfen seiner lĂ€ndlichen Heimat sah man ihn oft bereits im Morgengrauen als Sattelschlepper arbeiten. In schneereichen Wintermonaten wanderte der UnermĂŒdliche bis ins ferne Bayern und erwarb sich dort an den Skipisten und ihren Zufahrten einen legendĂ€ren Ruf als Schneewalzer. Ohne RĂŒcksicht auf seine Gesundheit verdingte sich der treusorgende Familienvater auch in den nahe unserer Gemeinde gelegenen Lehmgruben als TontrĂ€ger. Bis heute wird dort mit grĂ¶ĂŸter Hochachtung von seinen Leistungen gesprochen. Niemals, so sagt man dort, habe jemand den Weg von den TonbĂ€ndern zu den Tonabnehmern in so kurzer Zeit zurĂŒckgelegt, wie Franz Feinsilber. Doch die ZeitlĂ€ufte Ă€ndern sich. Mit zunehmender Mechanisierung der Arbeitswelt wurden fĂŒr alle diese Arbeiten mehr und mehr Maschinen eingesetzt und es kehrte Armut ein im Hause der Feinsilbers.

Erster Broterwerb
Nun musste der kleine Fritz, der bereits das Gynasium besuchte, im Alter von 12 Jahren bereits fĂŒr seine Existenz arbeiten. Ein freundlicher Nachbar, der es in einem Lotterieunternehmen als Prinzipienloser und Arbeitsloser bereits zu einigem Wohlstand gebracht hatte, ĂŒberließ ihm seine Stelle als LosverkĂ€ufer, da er selbst bei der stĂ€dtischen Wettervorhersage als Regen-, Hagel- und Schneeschauer eine leichtere Arbeit gefunden hatte. Und so stand Fritz nun bald tĂ€glich, nachdem er seine Hausaufgaben erledigt hatte, in der belebten Bahnhofshalle der nahegelegenen Kreisstadt und pries mit heller Stimme den vorĂŒber eilenden Reisenden seine Lose an. Diese Zeit hat er rĂŒckblickend als wahre Schule des Lebens bezeichnet und in völliger Übereinstimmung mit seinen Biographen, immer als prĂ€gend und als Wendepunkt in seinem Dasein beschrieben. Hier wurde sein Interesse fĂŒr die menschliche Natur erstmals und nachhaltig geweckt. Es war dies die Zeit des Wirtschaftswunders und er wurde oft nachdenklich und etwas wehmĂŒtig, wenn er das LĂ€cheln der ankommenden Gastarbeiter beschrieb, mit dem sie, eben aus den FernzĂŒgen gestiegen, auf Monate und Jahre getrennt von ihren Familien, das billig von ihm erworbene Heimatlos, Schutzlos oder Rechtlos betrachteten. Auch erinnerte er sich liebevoll der jungen MĂ€dchen, die sich, meist in Gruppen, oft vor seinem kleinen Stand drĂ€ngten und nervös und unter Kichern manchmal rasch ein TrĂ€gerlos bei ihm kauften, oder gar ein Schamlos. Oft hat er mit leisem Bedauern gesehen, wie der Mut sie im letzten Moment verließ und sie sich doch nur ein Harmlos und ein Anspruchslos, vielleicht auch noch ein Ruhelos nahmen und das RĂŒcksichtslos, das sie schon so fest in der Hand gehalten hatten, wieder in seinen Kasten zurĂŒck legten. Aber er berichtete auch von einem sehr attraktiven MĂ€dchen, das eines Tages lange bei ihm gestanden, und nach sorgfĂ€ltiger Überlegung sein Los gewĂ€hlt hatte, nur um am Ende in einem plötzlichen Sinneswandel ihre zunĂ€chst gewĂ€hlten drei Lose, ein Widerstandslos, ein Leblos und ein Freudlos, wieder zurĂŒck zu geben, und stattdessen, unter entzĂŒckendem Erröten, ein Klaglos, ein Schlaflos und dreimal ein Kinderlos zu ziehen, mit denen es dann strahlend davon eilte. Er lernte bei diesem GeschĂ€ft in kĂŒrzester Zeit unglaublich viel ĂŒber die Menschen und ihr Leben, auch wenn er vieles davon natĂŒrlich erst viel spĂ€ter, als Erwachsener, völlig verstehen konnte. Manch abgebrĂŒhter Manager kam auf Dienstreise vorbei, griff sich wahl- und wortlos ein Gedankenlos, ein Stil- oder Taktlos, ein Witzlos, ein Gewissenlos oder ein Fristlos und gab es, nach einem kurzen Blick darauf, hĂ€ufig gleich an einen jungen Nachfolger weiter. Oft genug zusammen mit einem alten, schon arg zerfledderten Geistlos, das er schon jahrelang mit sich herumtrug, einem Farblos und einem Erfolglos; nicht selten auch gemeinsam mit einem Talentlos, am hĂ€ufigsten aber mit einem Bedeutungslos.
"Manchmal", so hat er einem Freund einmal augenzwinkernd erzĂ€hlt, "habe ich auch ein wenig Schicksal gespielt". Er erzĂ€hlte dann mit Verschwörermiene von der bekannten Sopranistin, die stolz ein Kunstlos verlangt hatte und die er gewitzt ĂŒberredete, zusĂ€tzlich ein Fehlerlos zu kaufen. "Mein Vater", erzĂ€hlte er, "hat gegrinst, als ich es ihm berichtete und gesagt, ich hĂ€tte ihr ein Tonlos dazu schenken sollen". Ein anderes Mal versetzte er einen bekannten Chirugen in Erstaunen als er ihm empfahl, zusĂ€tzlich zu dem gewĂ€hlten GlĂŒcklos, noch ein Schmerzlos zu kaufen. Oft beendete er seine Geschichten aus dieser Zeit mit der Erinnerung an die sieben Herbstzeitlose, die der BĂŒrgermeister einmal in letzter Sekunde an seinem Hochzeitstag bei ihm kaufte und an den Pastor, der sich je ein Sinnlos und ein Trostlos einsteckte.
Alle diese und noch viele andere interessante, nicht immer nur heitere, Begebenheiten hat er in seinem ersten, selbst verlegten Heft "Aussichtslos in der Bahnhofshalle " spannend erzĂ€hlt, das mit den rĂŒhrenden Worten des Jungen endet: "...und deshalb will ich einmal Philosoph werden".


Hochzeit mit Maria Blender
Im Jahr 1972 im Alter von 24 Jahren, heiratete er seine Freundin aus Kindertagen, seine geliebte Marie, geb. Blender. Sie war die Tochter eines sehr bekannten sĂŒderholzener Beamten, der, vĂ€terlicherseits aus einer Juristenfamilie stammend, seit Jahrzehnten erfolgreich zum Wohle unserer Gemeinde tĂ€tig war. Begonnen hatte er seine Karriere, der Familientradition folgend, ebenfalls als Jurist und zwar als Rechtsausleger, zusĂ€tzlich mit den Aufgaben des Sportlenkers betraut. Nach einigen Jahren als Standesbeamter, in welcher Funktion er sich rasch durch sein verbindliches Wesen einen Namen gemacht hatte, wurde er zum Staatstrauer ernannt und traute die beiden Verlobten auch in dieser Eigenschaft selbst. Auch hier erzĂ€hlt die Anekdote, dass Dr. jur. Alfons Blender bei dieser Gelegenheit das Brautpaar scherzhaft darauf hin wies, dass von seiner TĂ€tigkeit doch erheblich weniger Schrecken ausginge, als noch von der seines Vaters und Großvaters. Dann erfuhren die erstaunten Versammelten aus seinem Munde, dass insbesondere der Großvater als gefĂŒrchteter Gleichrichter gewirkt hatte und selbst von seinen Kollegen hinter vorgehaltener Hand als "Richtmeister" und seine Verhandlungen als "Richtfeste" bezeichnet wurden. "Ja, was glauben sie denn", schloss er lĂ€chelnd seine launige Ansprache, "wo unser Familienname her kommt?"

Sinnsuche und Trennung
FĂŒnf Jahre lang sah man von da an das junge Ehepaar niemals auf getrennten Wegen. Nicht der kleinste Hinweis auf etwa vorhandene Probleme wurde je beobachtet. Und dennoch kam es zur Trennung. Es sollten die schwersten Tage in Fritz Feinsilbers Lebens werden, als ihn seine geliebte Frau Marie plötzlich und unerwartet verließ. Der wahre Grund fĂŒr diese Entscheidung ist nie bekannt geworden. Man kann nur Vermutungen anstellen. Bis zu dieser ZĂ€sur hatte Fritz Feinsilber weder einen Beruf erlernt, noch ein Studium aufgenommen. Er hatte zwar sein Patent als Kleiner Abendsegler erworben, um ggf. eines Tages in die Fußstapfen seines Vaters treten zu können, Marie hielt ihn allerdings mit allerlei Methoden davon ab, diesen Beruf auszuĂŒben. Sie wollte ihren Mann verstĂ€ndlicher Weise um diese Tageszeit lieber bei sich zu hause haben. Aber mit etwas GlĂŒck fand Fritz dennoch bald seine erste feste Anstellung. Als Vertreter eines KehrgerĂ€te - Herstellers wurde er Besenreiser. Nun hĂ€tte wohl eine ruhige Zeit mit geregeltem Einkommen fĂŒr ihn beginnen können. Bald aber traf er auf einer seiner Reisen einen alten Freund wieder, der einige Zeit als StahltrĂ€ger tĂ€tig gewesen war und es nun zum DatentrĂ€ger in einer Konservenfabrik gebracht hatte. Auf Grund seiner Beziehungen konnte ihm dieser Mann dort eine erheblich besser bezahlte TĂ€tigkeit vermitteln und so begann Fritz als Fischmesser zu arbeiten. Nach einer Weile konnte er sich mit den so erworbenen Kenntnissen und Fertigkeiten zusĂ€tzliches Geld als freier Teppich- Taschen- und Federmesser verdienen. Bald wurde allerdings deutlich, dass damit auch eine lange Phase der Unstetigkeit in sein Leben eingekehrt war. In seinen spĂ€ter veröffentlichten TagebĂŒchern und vielen erhalten gebliebenen Briefen hat er rĂŒckhaltlos ehrlich berichtet und Rechenschaft abgelegt ĂŒber diese Zeit. Bald wechselte er wieder zu einer neuen TĂ€tigkeit in einem kleinen Betrieb der RĂŒstungsindustrie als PatronenfĂŒller. Seinem unruhigen Geist und seiner vielseitigen Begabung entsprach es, dass er in seiner ohnehin nur noch geringfĂŒgigen freien Zeit, in einem nahe gelegenen MusikgeschĂ€ft damit begann, die StabilitĂ€t zu schwach ausgelegter elektronischer Bauteile und Saiteninstrumente zu verbessern. In Fachkreisen erwarb er sich mit dieser Arbeit rasch einen ausgezeichneten Ruf als Röhren- Transistor- und GitarrenverstĂ€rker. Dessen ungeachtet zog es ihn immer wieder und wieder zu neuen Ufern, und viele seiner Freunde haben die Überzeugung geĂ€ußert, dass Marie die gemeinsame Wohnung an dem Tag verließ, als Fritz ihr erzĂ€hlte, man habe ihm eine Stelle als Maustreiber angeboten und er gedĂ€chte sie anzunehmen.

Leidenszeit
VerbĂŒrgt ist, dass dieser Schritt Maries zu seinem vollstĂ€ndigen Zusammenbruch fĂŒhrte. Es war ihm tagelang nicht möglich zu essen. Fast alle Nahrungsmittel lösten bereits durch ihren Anblick einen Brechreiz bei ihm aus. In beĂ€ngstigender Geschwindigkeit wurde aus einem gesunden Mann ein WĂŒrger. Er magerte extrem ab. Die Ärzte waren ratlos. Man wies ihn in eine medizinische Spezialklinik ein, wo man viele Versuche mit den unterschiedlichsten Nahrungsmitteln an ihm durchfĂŒhrte. Am Ende kam man zu dem wissenschaftlich gesicherten Ergebnis, er sei in erster Linie ein Eisbrecher. Es stellte sich weiter heraus, dass es höchste Zeit fĂŒr eine wirksame Behandlung war, da er bereits kurz davor stand, ein Wellenbrecher zu werden. Das hieß rasch zu Handeln, vor Eintritt des nicht mehr behandelbaren letzten Stadiums des Knochenbrechers, oder gar des sofort tödlichen Herzensbrechers. Der behandelnde Professor hatte, wie sich Fritz Feinsilber spĂ€ter erinnerte, allerdings auch tröstliche Worte fĂŒr ihn. "Junger Mann", sagte er freundlich, "Sie dĂŒrfen mir glauben, es gibt wirklich schlimmere Formen dieser Erkrankung. Sie sollten sich glĂŒcklich schĂ€tzen, dass Sie ein Ausbrecher sind. Ungleich schwerer zu behandeln und dauernd vom Ersticken bedroht sind die Einbrecher, fĂŒr die es noch kaum Hoffnung auf Heilung gibt. Also Kopf hoch, junger Mann!". FĂŒr diese Patientengruppe der WĂŒrger und der Schweren Brecher hat Fritz Feinsilber in seinem spĂ€teren Leben als Mediziner Erhebliches geleistet. Es muss heute praktisch kein Einbrecher mehr an seiner Erkrankung sterben.
*Die moderne Nomenklatur dieser Krankheitsbilder bezieht sich im ĂŒbrigen heute kaum mehr auf die Art des Erbrechens oder die emittierten Materialien. Man nimmt heute mehr Bezug auf die auslösenden Faktoren, manchmal auch auf bevorzugte Orte der AusfĂŒhrung. So hört man heute mitunter Begriffe wie Mauerbrecher, oder Panzerbrecher, die damals unbekannt waren* (Anm. d. Red.).

Nach seiner Heilung kam Fritz Feinsilber bald wieder zu KrĂ€ften, allerdings begann seine bis dahin immer ungewöhnlich stabile Gesundheit sich in bedenklicher Weise zu verschlechtern. Ursache war die leidvolle Trennung von Marie, darĂŒber war er sich im klaren. Nach wochenlang anhaltender Teilnahmslosigkeit und stetig zunehmenden Depressionen, bemerkte er wĂ€hrend seiner, nun einsamen, regelmĂ€ĂŸigen, abendlichen SpaziergĂ€nge ĂŒber die großen ParkplĂ€tze der Innenstadt, an sich selbst das Auftreten temporĂ€rer, unspezifischer Zwangshandlungen. Sie wurden spĂ€ter zwar als harmlos und heilbar diagnostiziert (in seiner Autobiographie findet sich der nicht nĂ€her erlĂ€uterte Begriff "AntennenfĂŒhler"), aber er entschloss sich dazu, sich zur genaueren Diagnose der Symptomatik freiwillig vorĂŒbergehend in eine Psychiatrische Heilanstalt einweisen zu lassen.

In der Anstalt
Einerseits hĂ€tte man Fritz Feinsilber diese Erfahrung gerne erspart. Andererseits erwies sich aber sein Aufenthalt in dem altehrwĂŒrdigen, quadratischen GebĂ€ude des Psychiatrischen Kreiskrankenhauses in vielerlei Hinsicht als ein Segen. Viele Verbesserungen im medizinischen- und organisatorischen Bereich der Anstalt gehen auf ihn zurĂŒck, und bis heute ist er ihr verbunden als Papier- und Handtuchspender.

RĂŒckblickend hat auch Fritz Feinsilber selbst diese Zeit der Trennung und Krankheit als die schwerste, aber auch als die fruchtbarste und letztlich entscheidende in seinem Leben charakterisiert. Hier reifte und festigte sich im Lauf der nĂ€chsten Monate sein Entschluss, Mediziner zu werden.
Er wurde nach seiner Einweisung zunĂ€chst in jene Abteilung aufgenommen, in der Menschen mit Ă€hnlichen, wenn auch meist ungleich schwereren Zwangs-Symptomen behandelt wurden. Die rĂ€umlichen VerhĂ€ltnisse dort waren beengt und man mag ermessen, was es fĂŒr ihn bedeutet haben muss, das erste Mal in einem kleinen Raum zusammen mit einem Ofensetzer eingeschlossen zu sein. Insbesondere ĂŒber die Wintermonate hat er dies als sehr belastend geschildert. Und doch hat er es letztlich mit Humor getragen. "Immerhin", hat er spĂ€ter seinem Freund, dem Philosophen Scheuer, einmal verschmitzt gestanden, "immerhin ist es kein Herrenreiter gewesen, auf den ich da als erstes gestoßen bin."

Seinem spĂ€teren beharrlichen Einsatz in der Folge dieser ersten Erfahrung ist es im Übrigen zu danken, dass die Anstalt heute an das Fernheizungsnetz angeschlossen ist. UnverstĂ€ndnis hat er in seinen spĂ€teren Berichten ĂŒber diese Zeit mehrfach ĂŒber schwer nachvollziehbare NachlĂ€ssigkeiten des Personals geĂ€ußert. So fand er hĂ€ufig die TĂŒr zur Bibliothek unverschlossen vor, obwohl sich mehrere, bereits rĂŒckfĂ€llig gewordene Schriftsetzer zur Behandlung in der Anstalt aufhielten. Zum GlĂŒck wurden die schwersten FĂ€lle, wie zum Beispiel Babysitter und Kranke, die auch fĂŒr Erwachsene gefĂ€hrlich werden konnten, wie z.B. notorische Damen- und Herrenschneider, ausschließlich in Sicherheitsbereichen behandelt. Einmal wurde auch, so erinnerte er sich spĂ€ter, ein Prominentenschneider unerkannt eingeliefert. GlĂŒcklicher Weise war zu dieser Zeit keiner der Patienten und auch niemand vom Personal in der Öffentlichkeit besonders bekannt. Nicht gut organisiert war auch die Unterbringung der Parkettleger und Teppichleger. Durch Ausweisung teppich- und parkettfreier RĂ€ume, wird den entsprechenden Patientengruppen heute zwar ein aufrechtes Leben ermöglicht, bei den unspezifischen Bodenlegern und auch bei Fließenlegern sind die Möglichkeiten allerdings nach wie vor beschrĂ€nkt. Durch Fußbodenheizungen wird heute zumindest ErkĂ€ltungen besser vorgebeugt, als dies frĂŒher möglich war. Über die tĂ€glichen Sorgen dieser Menschen im Allgemeinen hat ihm ein netter Ă€lterer Herr umfassend berichtet, der als Weichensteller in diesen Tagen zu seiner eigenen Sicherheit in der Anstalt untergebracht war. Oft hat Fritz Feinsilber in spĂ€teren Jahren seinen engsten Freunden davon erzĂ€hlt, wie beklemmend die EindrĂŒcke waren, die er bei manchen RundgĂ€ngen durch die Anstalt gewann. Er erwĂ€hnte nur andeutungsweise seine Beobachtungen an den Schuhspannern im GebĂ€udeinneren und den gemeinen Birkenspannern im angrenzenden ParkgelĂ€nde. Er berichtete von ungewollten und vermeidbaren BeschĂ€digungen wertvoller WandgemĂ€lde, verursacht durch einen, fehlerhaft zunĂ€chst als harmlosen Gassenhauer, danach in einem neuen Gutachten wiederum fĂ€lschlich als GolfschlĂ€ger diagnostizierten Bildhauer. Seine spĂ€teren wissenschaftlichen Beschreibungen vermitteln ein eindringliches Bild von all den verzweifelten Objektsuchern und hilflos umher irrenden Buchverlegern. Seine Beobachtung, dass Fachbuchverleger bei ihrer Suche signifikant weniger hilflos wirkten, als Roman- und Lyrikverleger, hat viel zur Verbesserung bei der Behandlung dieser Patientengruppen beigetragen.

Entschluss zum Studium
Oft wollte er verzagen, wenn er das Leid um sich herum sah und die geringen Möglichkeiten der Hilfe. Aber dann kam der Tag, der letztlich entscheidend fĂŒr sein ganzes Leben war. Es gab in der Anstalt einen Sperrbereich, in den man nur mit einer sehr schwer zu erhaltenden Sondergenehmigung und dann auch nur in spezieller Schutzkleidung gelangen konnte. Man hatte Fritz Feinsilber hinter vorgehaltener Hand davon erzĂ€hlt und was er da hörte, hatte ihn so beschĂ€ftigt, dass er es in zĂ€hem Ringen mit der Anstaltsleitung durchsetzte, diesen Bereich aufsuchen zu dĂŒrfen.
Am Tag seines ersten Kontaktes mit den dort lebenden Patienten fasste er dann den unwiderruflichen Enschluss, sein unstetes Leben zu beenden und es ganz der Wissenschaft und Medizin zu weihen. Man schrieb den 24.12.1978. Es war dies auch der Tag an dem Maria erstmals erfuhr, was ihrem Fritz zugestoßen war.

Die Zucker
Es stellte sich heraus, dass in diesen Bereichen die sogenannten Zucker lebten von denen Fritz Feinsilber vorher niemals gehört hatte. Es waren dies hochsensible Menschen, die bei Hautkontakt mit bestimmten Substanzen oder Materialien, extreme nervliche Reaktionen erlitten. Die unter diesen Patienten hĂ€ufigste Gruppe war die der sogenannten Staubzucker. Ihre Lebensbereiche wurden entsprechend staubfrei gehalten und sie lebten dort zusammen mit den Puderzuckern. Aber es gab auch RĂ€ume, in denen die völlige Abwesenheit jeglicher Art von FeldfrĂŒchten und Obst sichergestellt werden musste, um den sog. Fruchtzuckern eine ertrĂ€gliche Lebensumgebung zu schaffen. Fritz Feinsilber hat hier viele interessante, liebenswerte Menschen kennengelernt, ĂŒber die er dann, als er schon ein berĂŒhmter Arzt war, in seinem 1988 erschienenen Buch "Unter Zuckern" berichtet hat, das mit dem sprichwörtlich gewordenen Satz beginnt: "Es gibt viele verschiedene Zucker". Durch die ErwĂ€hnung brauner Zucker in diesem Werk, ist es erstmals ĂŒberhaupt einer grĂ¶ĂŸeren Öffentlichkeit bewusst geworden, dass das Zuckerproblem nicht nur auf den hellhĂ€utigen Typus des mitteleuropĂ€ischen weißen Zuckers begrenzt ist. Es finden sich sensible Beschreibungen grober, feiner und durchaus auch raffinierter Zucker, darunter Traubenzucker, RĂŒbenzucker und sogar Milchzucker, die alle gleichermaßen unserer Hilfe bedĂŒrfen. Die medizinische Wissenschaft verdankt Fritz Feinsilbers spĂ€terer, unermĂŒdlicher Arbeit auf diesem Gebiet, Erkenntnisse von unschĂ€tzbarem Wert. Man erinnere sich nur an die sensationelle Entdeckung der optisch aktiven Zucker, deren Leiden bereits ohne Hautkontakt, nur durch Wahrnehmung bestimmter optischer Reize ausgelöst wird. Es hat sich fĂŒr diese Ärmsten der Armen die kalte wissenschaftliche Bezeichnung FĂŒnferzucker und Sechserzucker eingebĂŒrgert. Diese extremen Krankheitsbilder findet man, wenn auch mit rĂŒcklĂ€ufiger Tendenz, oft auch bei Kindern im schulfĂ€higen Alter und sie verlieren sich glĂŒcklicher Weise meist mit dem Übergang ins Erwachsenendasein.
Fritz Feinsilber war es, der die AusĂŒbung von Fleiß hier als Therapiemöglichkeit erkannt und propagiert hat. Es wĂ€re diesen Arbeiten eine noch grĂ¶ĂŸere Verbreitung zu wĂŒnschen.

Nach seinem Medizinstudium, dem in den frĂŒhen 90er Jahren seine Spezialisierung auf die Psychiatrie folgte, sowie das Parallelstudium der Philosophie und Theologie, hat Fritz Feinsilber eine viel beachtete Untersuchung zu unauffĂ€lligen, aber weit verbreiteten psychischen Defekten veröffentlich, mit dem Titel "Sterndeuter und Supertanker. Über Baggergreifer, Uhrenzeiger, Deoroller und Aktenordner". Er hat damals die Fachwelt ĂŒberrascht mit einer FĂŒlle neuer Tatsachen und unbekannter Verhaltensweisen, auch bei Patienten mit an sich bekannten Krankheitsbildern. Darunter die oft beschriebenen Zitronenfalter, GeigerzĂ€hler und Gabelstapler, die in den BildhauerwerkstĂ€tten gefĂŒrchteten BĂŒstenhalter, sowie Kranke mit seltener auftretenden Leiden, wie z. B. TropfenfĂ€nger und Scheinwerfer.

Auch ĂŒber die gewöhnlich unzugĂ€nglichen weil hermetisch abgeschotteten, forensisch-psychiatrischen Abteilungen der Anstalt hat er detaillierte Aufzeichnungen angefertigt. So berichtet er u.a. ĂŒber die Einlieferung eines Notenstechers, eines SchĂŒlers, der auf Grund schlechter Zensuren seinen Lehrer mit dem Messer angegriffen hatte. Gerade auch diese Berichte, in denen der krankheitsbedingte Hintergrund mancher vermeintlichen Straftat aufgezeigt werden konnte, verhilft heute manchem hilfebedĂŒrftigen, psychisch gestörten Menschen zu einer Therapie, der frĂŒher unweigerlich in ein GefĂ€ngnis eingewiesen worden wĂ€re, um dort dann, je nach Schwere seiner Tat, die nĂ€chsten Monate und Jahre als Mehrzeller oder gar als Einzeller zu verbringen.

Als Marie, die zu ihren Eltern gezogen war, nach einem Jahr, an jenem 24. Dezember von Fritzens Schicksal erfuhr, konnte sie nicht anders handeln und besuchte ihn sofort in der Anstalt, was seiner endgĂŒltigen Heilung sehr förderlich war. Als er ihr dann, am Tag seiner Entlassung, sehr ernst und entschlossen mitteilte, dass er baldmöglichst das Studium der Medizin aufzunehmen gedĂ€chte, fiel sie ihm um den Hals und kehrte zu ihm zurĂŒck. FĂŒr immer.

Die GefÀhrten
Professor Feinsilber hat stets Anteil genommen am Schicksal seiner GefĂ€hrten aus den ersten Tagen in der Psychiatrischen Anstalt. Und man muss sagen, viele davon haben nach ihrer Entlassung erheblich grĂ¶ĂŸere Schwierigkeiten zu erdulden gehabt, als er selbst. Oft wurden sie von ihren Partnern verlassen und mussten ihr Schicksal alleine meistern. In ihre Berufe konnten sie meist nicht zurĂŒck. Man misstraut eben der ZuverlĂ€ssigkeit von Leuten, die zwanghaft vor schwerem KampfgerĂ€t ĂŒber die Straße rennen, um nur das Beispiel der hochgefĂ€hrdeten Panzerkreuzer zu nehmen.
So fielen sie in ihrer Not oft unseriösen GeschĂ€ftemachern in die HĂ€nde, die in Zeitungsanzeigen allerlei obskure TĂ€tigkeiten anboten, wie z.B. angeblich gut bezahlte, stundenweise Jobs als Caroline Reiber, Max Strecker, oder auch als Professor Falter. Man verkaufte ihnen riesige Mengen minderwertige Farben zu ĂŒberhöhten Preisen und stellte sie in Scheinfirmen als Landstreicher an u.v.a.m.
Und leider sind auch manche dieser leidgeprĂŒften Menschen mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Manch einer versuchte es in der Not mit illegalen TĂ€tigkeiten, die allerdings meist unprofessionell ausgefĂŒhrt und von den HĂŒtern des Gesetzes so leicht zu durchschauen waren, dass sie in der Regel rasch aufgedeckt wurden. Es ist dem Außenstehenden klar, dass man in den öffentlichen Anlagen einer Stadt als Strauchdieb nicht lange unentdeckt bleiben kann. Ebenso lĂ€sst die begrenzte Zahl öffentlicher Wege und Fahrbahnen offensichtlich auch keine lĂ€nger wĂ€hrende erfolgreiche BetĂ€tigung als StraßenverkĂ€ufer oder gar als StraßenrĂ€uber zu. Auch geschicktere Gesetzlose werden in der Regel frĂŒher oder spĂ€ter gefasst. So wurde im letzten Winter nach langjĂ€hrigem Treiben mehreren Schneeschiebern das Handwerk gelegt. Aber zu was der hungernde Mensch fĂ€hig ist, mag man ermessen am Beispiel von Leuten, die als RosstĂ€uscher selbst die hilflose, gutglĂ€ubige Kreatur um ihre letzte Karotte betrogen haben.

Der Arbeiter, Student und Romancier
Fritz Feinsilber selbst traf die, nach dem Aufenthalt in der Anstalt, fĂŒr seine Gesundheit unzweifelhaft beste Entscheidung und suchte sich Arbeit an frischer Luft, um sein Studium zu finanzieren. Auf einem nahegelegenen Landgut ging er tĂ€glich fĂŒr einige Stunden dem dortigen Knecht zur Hand. Der setzte ihn anfĂ€nglich in den Stallungen als Mister ein, bald danach aber schon im Freien auf den gemĂ€hten Wiesen als Rechenschieber. Es blieb bei seiner raschen Auffassungsgabe nicht aus, dass er sich innerhalb kurzer Zeit zu einem geschĂ€tzten RechenkĂŒnstler und beim Einbringen des Heues zu einem herausragenden Hochstapler entwickelte. Seine Leistungen weckten bald das Interesse und Wohlwollen des begĂŒterten Landwirtes. Es war dieser nĂ€mlich selbst ein sehr vielseitig begabter Mann und ein tĂŒchtiger Violinspieler, dessen selbst komponierte, lustige Weisen dem Gesinde auf dem Felde oft das harte Dasein ertrĂ€glich machten. Fritz Feinsilber hat ihm in seinem 1995 erschienenen Roman "Der Geigenbauer" ein wĂŒrdiges Denkmal gesetzt. Die damals, rasch nach dem großen Erfolg dieses Werkes, von einem weniger begabten, frĂŒheren Klassenkameraden Fritz Feinsilbers in rascher Folge 1996 und 1997 veröffentlichen Romane "Der Klavierbauer" und "Der Betonbauer", gefolgt 1999 von dem dritten Teil "Der Vogelbauer", sind als Plagiate anzusehen und haben zu Recht bei Kritik und Lesern wenig Beachtung gefunden.
Seine in den letzten Jahren entstandenen medizinischen Romane sind im SĂŒderholzener Fischerboten bereits mehrfach rezensiert worden. Wir beschrĂ€nken uns deshalb hier auf den Hinweis, dass von ihm in diesem Jahr sein erstes Jugendbuch, sowie zwei neue, dramatische Romane aus der Welt der Transplantationsmedizin erschienen sind. ErzĂ€hlt wird in "Der Magenbitter" die Geschichte eines jungen Geistlichen, der seine Gemeindeglieder durch das Versprechen eines mehrwöchigen Prediktverzichts dazu bewegen kann, sich als Spender fĂŒr Verdauungsorgane registrieren zu lassen. Im Roman "Der Gallenbitter" wird der dramatische Kampf des kĂ€mpferischen Pfarrers mit dem Chefarzt des Chirurgischen Kreiskrankenhauses geschildert, den er am Ende dazu bewegen kann, die Transplantation einer Gallenblase bei einer armen Witwe kostenlos durchzufĂŒhren. Die beiden in sich abgeschlossenen BĂ€nde sind in der Reihe "Wirklich wahr!" erschienen.
Pofessor Fritz Feinsilber war immer ein begeisterter Autofahrer und ĂŒberzeugter PKW - AnhĂ€nger. In seinem gelungenen Debut als Jugendbuchautor hat er sich diesem Thema gewidmet mit einer ErzĂ€hlung, in der ein junger Autofahrer beim sms- Schreiben die Autobahnauffahrt in der falschen Richtung wĂ€hlt und sich danach im Jenseits als "Geisterfahrer", so auch der Titel der ErzĂ€hlung, bewĂ€hren muss, um noch einmal zu seiner Freundin Susi auf die Erde zurĂŒckkehren zu dĂŒrfen, was ihm nach manchem Abenteuer dann auch gelingt.

Der ArchĂ€ologe, Theologe, Dichter, Musiker und TierschĂŒtzer
Es hat, das soll am Ende dieser kurzen Lebensbeschreibung nicht verschwiegen werden, in den letzten Jahren ein wenig an das Schicksal seines Vaters erinnert, dass manche seiner Leistungen wenig gewĂŒrdigt, ja manchmal von leichtfertigen Schreibern durchaus auch mit HĂ€me aufgenommen und kommentiert wurden. Doch Fritz Feinsilbers Leben hat ihn gelehrt, die Höhen und die Tiefen als gleichberechtigte Teile der Lebenslandschaft anzunehmen. So hat er im Rahmen seiner geschichtlichen Studien die Auffassung vertreten, der heute ĂŒberwiegend als LĂ€ngenmaß verwendete Begriff "Meter" sei ursprĂŒnglich das germanische Wort fĂŒr "Alkoholiker" gewesen. Als Fachkollegen diese These bereits kurz nach ihrer Veröffentlichung unter Hinweis auf das in Nordamerika ausgegrabene Urmeter scharf zurĂŒck wiesen, hat er weise und in entwaffnend schlichten Worten erwidert, er mĂŒsse durchaus nicht immer recht haben.
In literarischen Kreisen hat man ihm immer wieder vorgeworfen, dass seine diesbezĂŒglichen Interessen sich im Laufe seines Lebens einige Male gewandelt hĂ€tten. Er habe sich vom ausgesprochenen Heiner leichtfertig erst zum ĂŒberzeugten Kleister gewandelt, um danach, wiederum ohne erkennbaren Grund, zum Böller zu werden.
Diese Kritik hat ihn nicht getroffen, da er selbst seine FÀhigkeiten als Literat und vor allem als Lyriker nie sehr hoch eingeschÀtzt hat. Den von ihm veröffentlichten Gedichtszyklus "Der keimende Kautschukbaum" allerdings unter Hinweis auf einige etwas gedehntere Passagen, pauschal und respektlos als "Gummidichtung" zu bezeichnen, mit der Anmerkung, das im Falle Feinsilber Nomen eben einmal nicht Omen sei, erscheint doch eher ungehörig.
Fritz Feinsilber hat sich auch, was weniger bekannt ist, international einen Namen als Theologe gemacht. Wenige Wochen vor seiner Übersiedlung nach USA war es ihm zu seiner und unserer großen Freude vergönnt, sein letztes, mit Spannung erwartetes, wissenschaftliches Werk abzuschließen, an dem er 9 Jahre seines Lebens gearbeitet hat. Auf mehr als 1000 Seiten beschĂ€ftigt er sich darin erschöpfend mit Gott und dem Leben Jesu. Der prachtvoll ausgestattete Band ist erschienen in der Schriftenreihe: "VĂ€ter und Söhne", unter dem Titel: "Himmelsleiter und Stromwandler".

Seine tiefe ReligiösitĂ€t, in der auch seine Tierliebe wurzelt, hat ihn zum BeschĂŒtzer der Kröten und Lurche unserer stehenden, heimatlichen GewĂ€sser gemacht. Diese segensreiche TĂ€tigkeit trug ihm bei der Jugend den Namen "Froschweiher" ein. DarĂŒber hat Fritz Feinsilber immer weise gelĂ€chelt. Ebenso zeigte er sich von seiner humorvollen Seite, als ihn ein begabterer Musikerkollege aus dem stĂ€dtischen Posaunenchor nach einem Konzert einmal respektlos, "aber zu Recht", wie der Professor lĂ€chelnd einrĂ€umte, "BlechblĂ€ser" genannt hatte.

GlĂŒck auf!
Der Theologe, Esoteriker, Berufspendler und Philosoph Prof. Scheuer hat seinen Jugendfreund Fritz Feinsilber einmal als FrĂŒhvollendeten gewĂŒrdigt mit den nachdenkenswerten Worten: "FrĂŒh ist aus dem fragenden Wieher und Wasser ein antwortender Weiler geworden; aus dem sich entwickelnden Werder ein reifer Seiher!".

Dem ist praktisch nichts hinzu zu fĂŒgen und in diesem Sinne wĂŒnscht die Redaktion Professor Feinsilber viel Erfolg fĂŒr seine neue Aufgabe und ihm und seiner Gattin alles Gute fĂŒr ihr weiteres Leben.

SĂŒderholzen, den 21. MĂ€rz 2004

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Lotte Werther
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Liebes Mitglied gareth,

Entschuldigen möchte ich mich bei dir, dass ich den Text hier so lange unkommentiert ließ. Das kam nĂ€mlich so:

Den ersten Teil „Die Eltern“ und „Der Vater“ begann ich zu lesen, noch als BlindgĂ€nger wohlgemerkt. In dem Augenblick aber, wo ich dir im „Ersten Broterwerb“ auf die Schliche kam, wurde ich vom Regenschauer unterbrochen und mußte meinen Mitarbeiter, den Schnellhefter bitten, mir den Text auf Wiedervorlage zu setzen.

Vor zwei Tagen dann neuer Anlauf. Ich las weiter im „Ersten Broterwerb“ und fand ihn etwas langatmig mit den vielen Losen. Gott sei Dank störte mich unser Halbleiter, der mich zu sich bat und fragte, ob der Periodenverschieber pĂŒnktlich an ultimo eingeplant sei.
Das macht doch der Grafiker – entgegnete ich. Was, der WeichspĂŒler? – zischte mich der Halbleiter an. Schicken Sie sofort den Lautsprecher los, der soll ihn ausrufen lassen. Und was ist mit den GeigerzĂ€hlern? Sind die schon alle zurĂŒck? Die Statistik eilt.

Ach gareth, so ging das hektisch zu letzte Woche und immer, wenn ich deinen Text weiterlesen wollte, kam was dazwischen. Eben noch war es der Mitesser, der ein Brötchen schnorrte.

Nun möchte ich dir aber endlich sagen, dass du dich in dieser Geschichte erstmals als Textmarker geoutet hast. Eine neue Facette des fĂŒr mich bisher als Fernschreiber bekannten gareth.

Jedenfalls eine ungewöhnliche Idee, die du umgesetzt hast, und die viel Geduld vom Leser erfordert.

Es hat Spass gemacht.

Lotte Werther

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flammarion
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hm,

heiter und vergnĂŒglich. in der richtigen runde vorgetragen, wirst du viele lacher ernten.
lg
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Old Icke

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gareth
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Liebe Lotte Werther und liebe flammarion,

(sehr) nachtrĂ€glich vielen Dank fĂŒrs Lesen und Kommentieren dieses Textes. Ich weiß sehr wohl, dass beides nicht so ganz einfach ist. Der Professor geht auf meine langjĂ€hrige Sammlung an "Berufsbezeichnungen" zurĂŒck, die ich von Anfang an in einem einzigen Text unterzubringen gewillt war. Kurz vor Schreibbeginn ist mir noch die Idee mit den Losen gekommen und so ist es halt, einzig durch meinen Hang zur VollstĂ€ndigkeit, zu dieser Lebensbeschreibung und zum Kapitel "Erster Broterwerb", liebe Lotte Werther, gekommen.
Dir, Lotte, danke ich fĂŒr die Antwort, die zeigt, dass du alles gelesen hast, sonst wĂ€re Dir sicher eine Dublette bei deinen gewĂ€hlten Antwort - "Berufen" unterlaufen.
Und eines Tages, flammarion, ergibt sich vielleicht auch noch mal die Gelegenheit, die kleine Geschichte in einer gutwilligen Runde vorzutragen :o)

Liebe GrĂŒĂŸe
gareth

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