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Leselupe.de > Kurzprosa
Prolog
Eingestellt am 08. 07. 2004 18:16


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Ramir vom Fels
Hobbydichter
Registriert: May 2004

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Prolog

Meine Stimme ist verschollen, so lange habe ich nicht gesprochen. Ich habe ├╝berlegt, sie zu suchen. Ich bin ├╝berzeugt, dass ich sie finden k├Ânnte, aber ich glaube nicht, dass ich froh werden k├Ânnte, wenn ich sie habe. Ich k├Ânnte sie zu nichts gebrauchen und w├╝rde es trotzdem tun, aber ich f├╝rchte mich vor dem, was ich sagen k├Ânnte. Es gibt niemanden, der sie h├Âren wollte.
Meine Ohren h├Âren nichts, als das immer Wiederkehrende, das Zeitlose; das, was auch erklingen mag, nachdem ich lange vergangen bin; aber auch das, was in mir ewig ist, und was mich nie verlassen wird. Das Schweigen dr├Âhnt laut in meinen Ohren, aber es gibt auch noch andere Dinge: Stimmen. Stimmen, die nicht mehr erklingen sollten, die es aber noch immer verm├Âgen; eine Erinnerung an die Stimmen, die sie einst waren.
Meine Augen habe ich lange schon verschlossen, aber sie sehen noch immer. Gesegnet sei jener Augenblick, indem sie mir nur noch Schw├Ąrze zeigen. Die Schw├Ąrze ist verlockender als alle Bilder, den alle Bilder f├╝hren nur r├╝ckw├Ąrts.
Meine Finger f├╝hlen noch immer die Unendlichkeit, wenn sie sich in den hei├čen Sand graben. Vielleicht liegt auch sie hier begraben, tief unter dem Sand. Vielleicht ist auch sie vergangen und gestorben, vielleicht ist auch sie wahnsinnig geworden, bis sie sich Sand in den Mund stopfte um nicht mehr schreien zu m├╝ssen. Aber vielleicht ist sie dar├╝ber erhaben, vielleicht ist sie alles, was am Ende geblieben ist. Vielleicht hat sie sich nur begraben lassen und wartet jetzt, wartet tief unter dem Sand in sich selbst versunken, wartet auf ein neues Opfer, das dumm genug ist, sie herauszufordern. So wartet sie also tausend und abertausend Jahre, sie hat schlie├člich viel Zeit. Die Unendlichkeit kennt keine Langeweile.
In diesem Punkt ist sie der Ewigkeit nicht un├Ąhnlich. Und doch ziehe ich sie der Ewigkeit vor, denn in ihrer Endlosigkeit ist sie unbest├Ąndig und ziellos, w├Ąhrend ihre Schwester selbst das best├Ąndige Ziel ist, das Ende unz├Ąhliger Pfade, der sinnliche Klang einer unerh├Ârten Symphony.
Die Unendlichkeit ist nichts als eine Stra├če, eine Stra├če ohne Anfang und Ende. Steht man darauf, so kann man sie am Horizont verschwinden sehen, und unvermeidlich erwacht die Vorstellung, dass hinter dem Horizont ein Ziel l├Ąge, ein Schatz, alles, was man zu erreichen w├╝nscht. Aber wie schnell man auch l├Ąuft, die Stra├če ist immer dieselbe, wo sie den Horizont ber├╝hrt, und obwohl man vorw├Ąrts dr├Ąngt ist es nichts als Stillstand, nur das man sich weigert, es anzuerkennen. Die Unendlichkeit ist nur eine Stra├če, sie ist nicht mehr und sie t├Ąuscht nicht vor, mehr zu sein. Sie ist von Grund auf ehrlich, sie betr├╝gt dich nicht, sie beeinflusst dich nicht, sie l├Ąsst dich nur auf ihr laufen und letztlich liegt es bei dir, zu erkennen, dass auch du sie nicht t├Ąuschen kannst, dass du auf ihr das Opfer deiner eigenen L├╝gen bist.

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AD MMIV

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