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Leselupe.de > Kurzprosa
PumpGun
Eingestellt am 26. 03. 2007 16:19


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animus
???
Registriert: Mar 2006

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PumpGun
Kurzprosa zum Thema Einsamkeit


Er hielt das Gewehr mit einer Hand vor sich, den Lauf nach oben gerichtet und ging den langen Flur auf die hinterste TĂŒr zu. Nur gedĂ€mpft hörte er das faszinierende GerĂ€usch des Durchladens seiner Pumpgun.
Das leise GerĂ€usch hat ihm gereicht, denn er wusste, wie es sich in voller StĂ€rke anhörte. Oft hatte er diese Arm-, und Handbewegung geĂŒbt, damit es so aussieht und klingt, wie er es einmal im Kino gesehen hatte. Nicht nur dieses GerĂ€usch war Musik in seinen Ohren.
Plötzlich blieb er stehen, und warf seinen Kopf in den Nacken und verharrte in dieser Stellung
Er schloss die Augen und spannte seine Muskeln an.
In seinem Ohr klang die Passage des MusikstĂŒckes, das er so sehr liebte. Diese Töne, die durch die Kopfhörer in ihn drangen, haben ihn fĂŒr eine Weile der RealitĂ€t entfĂŒhrt. Völlig angespannt und abwesend, sein Kopf im Nacken liegend, hörte er der Musik wie im Rausch zu.

Bei geschlossenen Augen sah er den querlligen Wasserlauf der Moldau, die mit ihren beiden kleinen Quellen, kĂŒhl und warm, durch einen Bach vereinigt, zu einem Strom in ihrem Flussbett durch bewaldete und grĂŒne Landschaften ihren Lauf nahm. Sie floss an den Ufern des Lebens vorbei.
Sie floß an Hochzeiten, Trennungen, Freude und Trauer vorbei. Wassernixen tanzten ihren Reigen im nĂ€chtlichen Mondschein. Alte Ruinen, stolze Burgen und Schlösser ragten an ihrem Ufer empor.
Das schÀumende Wirbeln des blauen Wassers in den Stromschnellen unterbrach nicht ihren krÀftigen Lauf zu Prager Burg Vysehrad. MajestÀtisch und doch traurig lÀsst sie ihre Wassermacht in der Ferne in der Elbe fast gerÀuschlos verschwinden.

Mit geschlossenen Augen ließ er die letzten Töne der „Moldau“ von Smetana auf sich einwirken. Seine PumpGun immer noch im Anschlag haltend, zog er seinen Kopf wieder nach vorne und entspannte seine Muskeln. Langsam kam er zu sich. Ein starrer Blick auf die hintere, im dunkeln liegende TĂŒr brachte ihn innerhalb ein paar Sekunden in die RealitĂ€t zurĂŒck.
Er legte die restlichen dreizig Meter zur TĂŒr im schnellen Tempo zurĂŒck, senkte die PumpGun in die Waagerechte und schoss. Die TĂŒr zersplitterte in der Mitte zu einem großen Loch.
Das Sonnenlicht, das durch die zerschossene TĂŒr in den Flur drang und an den vielen scharfen Kanten des zerstörten Holzes brach, erfasste ihn wie ein Spot einer TheaterbĂŒhne.
Er hob die PumpGun wieder in die Senkrechte und tat es.
Eine kurze, krÀftige Armbewegung. Er hörte es. Das GerÀusch, das ihn so faszinierte.
Ein paar Sekunden blieb er still stehen und ohne, dass ihn die Faszination vollkommen verließ, trat er in den Raum hinein und schoss.
Gekonnt lud er schnell wieder nach und schoss erneut. Ein paar Splitter flogen um ihn herum.
Die nassen Flecken in seinem Gesicht fĂŒhlten sich kalt an und die rot bespritzten HĂ€nde hielten jetzt gemeinsam die PumpGun. Es war still um ihn. Er stand mitten drin in dem Durcheinander und schaute sich teilnahmslos um.
‚Was so drei SchĂŒsse alles anrichten können’, sprach er erregt mit sich.
Das halbe Mobiliar war zerstört. Kaputte GlÀser, zerschossene SchrÀnke, Tellerscherben lagen im ganzen Zimmer verstreut.
Und ihr Zwei’, rief er den zwei StĂŒhlen zu.
Die zwei Gummipuppen, die er gestern in Begleitung von Smetanas „Moldau“ akribisch mit Ketchup vollstopfte waren kaum zu erkennen.
Er nahm einen Stuhl, stellte ihn ans Fenster und setzte sich hin.
WĂ€hrend er sich eine Zigarette drehte, schaute er aus den Augenwinkeln auf die Straße und beobachtete durch die mit Panzerglas verglasten Fenster die hastende Menschenmenge ohne die GerĂ€uschkulisse des Lebens hören zu können.
Mit einem kalten Blick und verÀchtlichen Schmunzeln im Gesicht, umgeben von Stille beobachtete er das lachende PÀrchen an der Ecke.




[©animus]
__________________
Die alten TrÀume waren gute TrÀume.
Sie gingen nicht in ErfĂŒllung, aber
ich bin froh sie gehabt zu haben.

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