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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Punktabzug
Eingestellt am 09. 09. 2013 01:00


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Martin von Wolf
Hobbydichter
Registriert: Jun 2013

Werke: 1
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Nick arbeitete in einem IngenieursbĂŒro und war dort eine sehr angesehene Person, welche als clever, tĂŒchtig und anstĂ€ndig galt. Er mochte seinen Beruf, dass sah man ihm an, wenn er arbeitete. Nick ging es immer darum das Maximum aus etwas herauszuholen und er wagte auch fĂŒr neue Innovationen Grenzen zu ĂŒberschreiten. Wie LeistungsfĂ€hig kann er die Maschinen, die sie herstellen, entwickeln? Wie kann er einen Kunden davon ĂŒberzeugen den Höchstpreis zu zahlen? Seine Methoden waren riskant, aber nicht unĂŒberlegt und die Resultate 1A. Zwischen Montag und Freitag gab er sein Bestes fĂŒr die Firma. Aber zwischen Freitag und Montag beherrschte ihn ein anderer Drang, fĂŒr den er genauso viel Herzblut opferte wie fĂŒr seinen Job. Niemals wĂ€ren seine Kollegen auf die Idee gekommen, dass Nick sich jedes Wochenende hindurch in Bars und Clubs herumtreibt, zumindest nicht in dem Ausmaß wie er das tat. Und es war ihm sehr wichtig das das so blieb. Privat- und Berufsleben hatten sich nicht die HĂ€nde zu reichen. Das eine war ein sicheres, strukturiertes, gut behĂŒtetes Leben, das andere bizarr, chaotisch und voller Überraschungen.

„Was hast du fĂŒr mich?“, fragte Nick.
„Ein paar MarienkĂ€fer. Sind ganz neu und sind ultragut. Also besser nur die HĂ€lfte nehmen!“
„Logo!“, sagte er, „Gib mir eine!“, dann verschwand er damit auf die Toilette. Der Verschlussriegel war beschĂ€digt und funktionierte nicht, deshalb lehnte er sich mit dem RĂŒcken gegen die TĂŒr und betrachtete so den Kauf in seiner Hand. Es war eine kleine Pille die auf der einen Seite schwarz und auf der anderen rot war, dunkle Punkte und in der Mitte eine Bruchstelle hatte. Sie kam dem Aussehen eines MarienkĂ€fers tatsĂ€chlich sehr nahe. Er hielt sie auf Augenhöhe zwischen Zeigefinger und Daumen, kaute auf seinen Lippen herum, schnaubte gerĂ€uschvoll durch die Nase und ĂŒberlegte, dann brach er die Pille in Zwei und schluckte davon einen Teil mit Bier hinunter.
Eine Stunde spĂ€ter und zurĂŒck auf der TanzflĂ€che verfluchte er den Typen, der ihn diesen Dreck verkauft hatte, denn von einer Wirkung war immer noch nichts zu spĂŒren, deshalb legte er nach und nahm die andere HĂ€lfte auch noch.
Zwei, drei Lieder spĂ€ter passierte endlich etwas. GĂ€nsehaut am ganzen Körper, der Vorbote auf eine fantastische und turbulente Nacht mit unvorhersehbaren Ausgang. Kurz darauf wurde das Kribbeln stĂ€rker, es fĂŒhlte sich an als wĂŒrde jedes Haar leichte StromstĂ¶ĂŸe an die Haut abgeben. Es fĂŒhlte sich gut an. Er war inmitten der Menge und die Musik gefiel ihm so sehr, dass seine Arme fast mechanisch nach oben gingen und zur Decke zeigten, seine Beine wippten taktvoll zum Rhythmus. Er war alleine hergekommen, trotzdem gab es momentan keinen Unbekannten im Raum. Alle waren, wie er es nannte, auf seiner WellenlĂ€nge.
Die Freunde die er hatte waren fĂŒr solche Veranstaltungen nicht mehr zu haben, sie hatten Familie und Kinder und widmeten denen ihre kostbare Zeit. Nick hatte keine Freundin, sein Leben bestand aus Arbeit und Party und wenn er nicht feierte, dann arbeitete er. Seiner Meinung nach befand man sich in den Zwanzigern in seinen besten Schaffensjahren, aber leider auch in der potentesten Phase fĂŒr das bunte Nachtleben. Eben das bedeutete viel feiern und viel arbeiten, und deshalb lebte er beides so exzessiv und so akkurat aus. Oder war es vielleicht doch zu viel? Er verdrĂ€ngte den Gedanken wieder.
Der MarienkĂ€fer hatte bereits einen anderen Gang eingelegt und war jetzt der neue Herr ĂŒber seine Wahrnehmung. Die Welt um ihn herum verwandelte sich in ein Zauberland, in dem sich Fabelwesen wie BlĂŒtenstaub emporhoben und statt durch die Luft in den Wogen der Musik auf und abstiegen. In ihm selber gab es nur die Liebe, und dieses GefĂŒhl, diese Liebe zum Dasein, sie gipfelte so wahrhaftig und klar, wie nie zuvor im Zenit aller Empfindungen und erfĂŒllte ihn so sehr, dass er irgendjemanden umarmen musste, damit diese Liebe ihren Zweck, sie zu teilen, erfĂŒllen konnte. Er legte seine Hand an die HĂŒften der nĂ€chstgelegenen Person. Im nĂ€chsten Moment standen sie so nah beieinander, dass sie ihre Köpfe auf den jeweils anderen legten. Sie drĂŒckten und kĂŒssten sich, blendeten ihre Umgebung aus und reduzierten ihre Aufmerksamkeit auf nicht weniger als genau diese BerĂŒhrungen. Sie begannen eins zu werden. Er war sehr glĂŒcklich.

Drei Tage spĂ€ter hatte Nick einen wichtigen Termin in seiner Firma. Er musste eine PrĂ€sentation vor einem neuen Kunden halten. Obwohl er schon lange darauf vorbereitet war ging er an jenem Morgen extra frĂŒh zur Arbeit. In seinem Kopf kreisten Maschinen, Rohrleitungen und Spezifikationen. Er konnte an nichts anderes denken als an das bevorstehende Projekt, er war voll und ganz bei der Sache, die er so liebte.
Im Vortragsraum saß bereits der Kunde. Die SekretĂ€rin versorgte die fĂŒnf Chefs und Außendienstler gerade mit Kaffee, als Nick hereinkam. Er schloss die TĂŒr hinter sich, ging den Mittelgang entlang zum Rednerpult und schĂŒttelte indessen zur BegrĂŒĂŸung jedem die Hand. Das tat er krĂ€ftig und mit Augenkontakt. Dann legte er sofort los. Der Beamer projizieren Bilder und KonstruktionsvorschlĂ€ge an die Wand, und Nick gab zu alledem ErklĂ€rungen und Hinweise ab. Dabei nickten die Köpfe der Zuhörer unentwegt, so als hĂ€tte man ihnen im Leben keine andere Bewegung beigebracht. Manche kauten sogar auf ihren FingernĂ€geln herum, weil sie derart verblĂŒfft von seiner Show waren. Er hatte sie! Und es fĂŒhlte sich wunderbar an. Jetzt konnte nichts mehr schief gehen, dachte er, als von irgendwoher ein kleiner MarienkĂ€fer auf ihn zugeflogen kam und sich vor ihm auf dem Tisch niederließ. Er betrachtete ihn kurz, wandte aber seinen Blick schnell wieder nach vorne in die zehn Augen, die ihn erwartungsvoll anstarrten. Er wollte weitersprechen, doch es funktionierte nicht. Schlagartig begann sein Herz schneller zu pochen. Was passierte mit ihm? Er wusste es nicht, aber es musste sofort eine Lösung gefunden werden. Jetzt! Und hier! Vielleicht half ein Schluck Wasser. Als er das Glas anhob rutschte es auf halben Weg durch seine verschwitzte Hand, fiel zurĂŒck auf den Tisch und zerbrach wenige Zentimeter neben dem MarienkĂ€fer. Dieser flog davon. Mit offenen Mund stand Nick da wie angewurzelt. Jemand sprach mit ihm, vielleicht sogar mehrere. Es hörte sich an, als befĂ€nde er sich unter Wasser. Und genauso verschwommen sah er plötzlich seine Umgebung, wie durch eine Taucherbrille die leckte. Seine Körpertemperatur stieg und fiel im Sekundentakt. Etwas war definitiv nicht in Ordnung mit ihm. Er ĂŒberlegte um Hilfe zu rufen, ließ jedoch davon ab und versuchte sich zusammenzureißen. Seine HĂ€nde verkrampften sich zu FĂ€uste. Wasser lief ĂŒber die Tischkante und tropfte auf den Boden. Er hörte ein schrilles Pfeifen, dass nicht mehr nachließ. Angst kam hoch. Er weinte. Menschen waren da. Viele. Sehr viele. Dann wieder keine. Seine Kraft verschwand. Seine Beine hielten ihn nicht mehr. Dann brach er zusammen. Ihm drĂ€ngte sich ein Gedanke auf, eine Frage, es war alles was er in diesem Moment erfahren mochte. Er fragte sich wer darĂŒber entscheidet wie viele Punkte ein MarienkĂ€fer auf seinen RĂŒcken bekommt.
Seine Antwort war, der KĂ€fer selber.
Das Licht erlosch. Alles verstummte.
Jetzt wÀre er gerne so ein MarienkÀfer.

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georg
Möchtegern-Schreiber
Registriert: Dec 2017

Werke: 3
Kommentare: 8
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show dont tell

Na dann bin ich mal der erste, der hier was schreibt.

Geschichte habe ich nur ĂŒberflogen, gebe es gleich vorweg ehrlich zu.

Mir ist aufgefallen, dass die Du die Geschichte eines anderen erzÀhlst und nicht zeigst!
Es liesst sich wie ein Zeitungsbericht, trocken und flach.

Tipp: Zeigen nicht erzĂ€hlen, Handlungen in hier und jetzt darstellen, nicht ĂŒber Vergangenheit schreiben! Die Story ist immer Hier und Jetzt!

Hoffe ich konnte dir helfen, etwas!

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