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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Pure Präsenz. Sehen lernen wie die Mystiker
Eingestellt am 03. 10. 2011 15:38


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Richard Rohr, Pure Präsenz. Sehen lernen wie die Mystiker, Claudius 2010, 224 Seiten, ISBN 978-3-532-62413-5

Der amerikanische Franziskanerpater Richard Rohr ist seit vielen Jahren einer der wichtigsten geistlichen Lehrer eines Christentums, das die biblischen Texte gelernt hat zu lesen und zu sehen wie die Mystiker der unterschiedlichen Zeitalter. In Deutschland ist er einem größeren Leserkreis hauptsächlich bekannt geworden durch sein mit Andreas Ebert geschriebenes Buch über das Enneagramm. Ebert hat, wie alle anderen Bücher von Rohr, auch das neue Buch sehr einfühlsam und klar übersetzt.

In diesem neuen Buch „Pure Präsenz“, das von Kritikern aus Amerika wie etwa Jim Wallis als sein bisher wichtigstes bezeichnet wird, will er eine „Generalbotschaft“ vermitteln:

„Alles Reden muss durch Schweigen ausbalanciert werden. Alles Wissen muss durch Nichtwissen relativiert werden. Ohne diesen Ausgleich wird Religion unweigerlich arrogant, ausgrenzend und sogar gewalttätig. Alles Licht muss austariert werden durch Finsternis und jeder Erfolg durch Leiden. Der Heilige Johannes von Kreuz nannte dies die ‚leuchtenden Dunkelheit’, der Heilige Augustinus das ‚österliche Geheimnis’ oder das ‚notwendige Pessach’ und Katholiken proklamieren es bei jeder Eucharistiefeier ausdrücklich als das Geheimnis des Glaubens: Tod und Auferstehung gehören zusammen. Aber dieses Axiom ist nur selten der reale Kern unserer Existenz“.

Das liegt nach Richard Rohr auch daran, dass selbst gläubige Menschen die Welt in Dualismen sehen. Richtig oder falsch, weiß oder schwarz etc. Für ihn ist Kontemplation, zu der er seine Leser anleiten und einladen möchte, eine „nichtdualistische Weise, den gegenwärtigen Augenblick zu sehen“.

Selbst bibelfeste Christen werden aus dem Staunen nicht herauskommen, wenn sie offen und innerlich für neue Erkenntnisse bereit lesen, wie Richard Rohr die biblische Botschaft interpretiert. Das ist allerdings eine notwendige Voraussetzung für das Verstehen des Buches.

Am Ende eines Buches, das seinen aufnahmebereiten Leser nicht unverändert zurücklassen wird, führt Rohr insgesamt neun Übungen auf, denen man sich unterziehen kann, wenn man weiter auf dem Weg zu mehr Präsenz im eigenen Leben gehen möchte. In der ersten Übung benennt er neun ( Rohr liebt die Zahl neun, vgl. das Enneagramm) „Stadien der Reife“. Es ist sinnvoll, sich die einmal genau anzuschauen und nachzuspüren, in welchen Stadien ich mich jeweils selbst befinde. Es sind Stadien, die ein ganzes Leben lang wichtig sind, und nur ganz selten erreicht ein Mensch die letzte, in der es heißt: „Ich bin der ich bin‚ einfach ich“.

Was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann, ist Rohrs Hinweis, dass ein Mensch eine schwere Niederlage oder Krise durchlitten haben muss, wenn er auf dem Weg in die pure Präsenz weiter kommen möchte als die Stufe drei, wo es heißt: „Ich bin meine Gedanken und Gefühle“. Rohr sagt, diese Art von „Erziehung als Ersatz für Transformation“ sei besonders unter gebildeten und Progressiven sehr verbreitet.

Wie auch immer: wenn Sie so bleiben wollen, wie Sie sind, wenn Sie genau wissen, was richtig und was falsch ist, und auch dabei bleiben wollen, kaufen Sie dieses wunderbare Buch nicht. Allen anderen sei gesagt: bleiben Sie geduldig. Bücher wie das vorliegende wollen immer wieder gelesen, erarbeitet, erlitten und mit dem Herzen begriffen werden.


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