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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Quellcode Samenspende
Eingestellt am 08. 02. 2013 23:26


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Herbert Schmelz
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Quellcode Samenspende

Prinzip Verantwortung im Kontext von Freiheit, Gleichheit, Warenproduktion
Unerbittlich macht uns das Prinzip Verantwortung klar, dass keine Trickserei oder Einseitigkeit die Folgekosten einfach verschwinden lassen kann, die gesellschaftliche Individuen, durch Vertrag sich als Gleiche verstehend, verursachen. Der Samenspender, der mit der Frau zusammen ein k√ľnftiges Lebewesen mit unver√§u√üerlichen Menschenrechten erzeugt, kann nur durch selbstgerechte Finessen oder durch Gewalt davon abgebracht werden, die Pflicht des Respekts vor der Gleichheit und vor der nat√ľrlichen Neugier der Nachkommen(auf die eigene Herkunft) im √ľblichen Ma√üe zu erf√ľllen. Dieser Zug und diese Explosivit√§t wohnt unserem Handeln von vornherein als reale M√∂glichkeit inne. Heute wissen wir, dass eine zunehmende Zahl scheinbar individueller Entscheidungen √ľber ihren kommunikativen Zusammenhang in die Gesellschaft eingebunden und damit rechenschaftspflichtig ist.

Beim Erbrecht k√∂nnen nur solche Regelungen als angemessen, gerecht gelten, die die k√ľnstlich erzeugte Ungleichheit ‚Äďz.B. zwischen ehelichen und unehelichen Kindern- aufl√∂sen oder zumindest mildern. Und umgekehrt ermahnt der Gleichheitsgrundsatz die erwachsen werdenden Nachkommen zu Respekt und, wo die Bedingungen daf√ľr zutreffen, zu f√ľrsorglicher Hilfe, wenn die Selbstbestimmungsf√§higkeit der Elterngeneration physisch und psychisch nachl√§sst. Hier existiert eine gesellschaftliche Situation, in der die Zwei- bis Dreigenerationen Familie noch nicht vollst√§ndig aufgel√∂st und Auffangeinrichtungen vorhanden sind. Gegen Verhaltensmaximen von der Art der sozialen Verantwortung grob und regelm√§√üig zu versto√üen, so scheint es, macht die willk√ľrliche und selbstzerst√∂rerische Gewalt allt√§glich und zum periodisch wiederkehrenden Crash.

Denn in unserem Verhalten bringen wir nicht selten die unbedachte Verachtung alter, noch lebendiger Tabus zum Ausdruck. Das ist sicher notwendig und richtig, wenn es etwa um die Zur√ľckweisung irgendwelcher Varianten des >Rechts der ersten Nacht< geht, verh√§rtet sich aber schnell zur Gewaltproblematik, wenn die √úberheblichkeit des b√ľrgerlichen Tuns meint, sich undifferenziert √ľber alle tabuisierte Grenzen hinwegsetzen zu k√∂nnen. Das Thema Altern, Pflege, Heime u.√§.m. ber√ľhrt uns t√§glich, einschlie√ülich der j√ľngeren, in deren Handeln andere Themen favorisiert sein m√∂gen.

Die verinnerlichten √§u√üeren Zw√§nge sind inzwischen zu einer neuen Qualit√§t herangereift, die jeder Ausrede oder Verdr√§ngung sozialer Verpflichtungen misstraut. Wenn also der erw√§hnte Samenspender nicht mehr am Zeugungsakt neuen Lebens beteiligt ist, weil dies von der Samenbank aus durch sachkundige Akteure der Medizin geleistet wird, kann jederzeit gegen die bornierten Strukturen des b√ľrgerlichen Rechts eine relativ neuartige Verantwortungsrechnung aufgemacht werden.

Die Tatsache, dass die Formen der Warenproduktion in ausnahmslos alle menschlichen Verh√§ltnisse vordringen, kann keinen Grund daf√ľr liefern, den Grundzug der Verantwortung in unserem Handeln mit seinen unvermeidlichen Wirkungen aus der menschlichen Gesellschaft zu verbannen. Denn die negative Ankn√ľpfung an die verallgemeinerte und anonyme Warenproduktion er√∂ffnet eher Gelegenheiten und Raum, ein informationelles, wechselseitige Wirkungen entfaltendes Menschenrecht zu entwickeln. Das setzt sich durch. Diese √úberzeugung l√§sst sich begr√ľnden, ohne dass wir allerdings genau wissen, wie die negativen Wirkungen des Arbeissystems aufgehoben werden.

Die Samenbank - Selbstrecherche als Menschenrecht
Es handelt sich um das Recht aller Menschen, die eigene biologische Herkunft zur Herausarbeitung der eigent√ľmlichen, besonderen Identit√§t recherchieren zu k√∂nnen. Unsre Rechtsprechung hat das jetzt wieder an einem konkreten Fall best√§tigt, was nicht unbedingt hei√üen muss, dass dieses Urteil frei w√§re von √ľblen ideologischen Beimengungen. Jedenfalls h√§lt unsre Gesellschaft inzwischen die notwendigen organisatorischen, technischen und bildungsm√§√üigen Bedingungen bereit, um menschenrechtliche Impulse der Neugier und des Wissenwollens befriedigen zu k√∂nnen.

Damit aber die Selbstrecherche nicht in einen gesellschaftssch√§digenden Aktionismus f√ľhrt, muss freilich das an der Zeugung neuen Lebens beteiligte medizinische Personal, mehr noch als der Samenspender und der Identit√§t suchende Mensch, an humanit√§ren Handlungskriterien geschult sein, die dem relativ neuen Menschenrecht Rechnung tragen. Dabei ist mir das ungel√∂ste politische Problem bewusst, dass die den Fortschritt reklamierende Vernunftherrschaft und ihre F√ľrsprecher der schlimmsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit f√§hig waren und sind - im Namen der Menschlichkeit. Umgekehrt kann antimodern erscheinende Religiosit√§t unter totalit√§rer Herrschaft effektiven Widerstand leisten, wie dies hervorragende Pers√∂nlichkeiten der katholischen Kirche gegen die Maschinerie der Euthanasie-Morde getan haben.

Nun ist die Samenbank kein Naturereignis. In der von Menschen geschaffenen Institution wird ein ziemlich weit tragender Umgang mit Material der Natur gepflegt, in welchem auch das geistige, psychische, soziale Potenzial der Menschheit eingeschlossen ist. Wir registrieren an der Oberfl√§che unsrer Lebenswelten und Erfahrungen, dass die Samenbanken in Deutschland gut organisiert sind, die Auswahl der Samenspender fachlich und sachlich gew√§hrleistet ist, vom Samen eines Spenders nicht mehr als 15 Kinder gezeugt werden k√∂nnen, damit die legitimen Kontaktw√ľnsche √ľbersichtlich bleiben oder das Risiko unwissentlicher sexueller Beziehungen zwischen Halbgeschwistern beherrschbar ist. Indem ich das so sage, ist mir bewusst, dass auf diesem Gebiet Kritik das gleiche Recht hat wie √ľberall.

Einkommen und Motive der Samenspender
Was die Verdienstm√∂glichkeiten der Samenspender betrifft, so sind pro Spende um die 100 EURO √ľblich. 100 eingefrorene Samenproben, >gesunde Spermien< und eine >attraktive Herkunft< k√∂nnen dem Spender in 12 bis 18 Monaten 10000 EURO einbringen. Bei 100000 Kindern, die in Deutschland auf dem Weg √ľber Samenbanken gezeugt worden sein sollen, scheinen mir diese Geldeinnahmen nicht unbedingt ein Anreiz zur Bildung betr√§chtlicher Verm√∂gen zu sein, mit denen man andere irgendwie ausn√ľtzen k√∂nnte.

Die Motive der Samenspender orientieren sich daher an den langwierigen gesundheitlichen Untersuchungen, die der Realisierung ihres Vorhabens vorausgehen. Auch altruistische Neigungen spielen eine Rolle und immerhin noch 42 % sind an finanziellen Gesichtspunkten interessiert. Ebenfalls 42% sind offen f√ľr Kontaktw√ľnsche >ihrer< Kinder. Diese Verh√§ltnisse, die sich um den Samenspender ranken, sind unkomplizierter als die >Leihmutterschaft<, die >Baby-Klappe< u.√§.m., die unter verfestigten, skandal√∂sen Herrschaftsstrukturen leiden, deren N√§hrboden regelm√§√üig das Elend ist. Diese Umst√§nde weisen darauf hin, dass in der als lebensfern empfundenen politischen Arena selbst die Gelegenheiten zur Trickserei viel ausgepr√§gter und vor allem bedeutsamer erscheinen, als das an der Basis der Gesesellschaft beobachtet werden kann.

Ideologische Blut- und Bodengefechte - >Intelligenz< und unterschwelliger Rassismus
Doch solides Wissen zum Erbmaterial, das in uns schlummert, ist wenig verbreitet. Daf√ľr ist die vulg√§re Spekulation zur Zauberwelt der Gene √∂fters anzutreffen. Sarrazin z.B., der ausgewiesene politische Profi, n√§hrte den Verdacht, er greife in seinen auflagenstarken B√ľchern immer wieder in die rassistische Trickkiste. Der islamische Einwanderer, die >bildungsferne< Unterschicht generell, sind nach seiner Auffassung wegen ihrer minderen >Intelligenz< f√ľr Deutschland als hochentwickeltem Land eine Gefahr. Er sichert seinen rationalistischen Bruch eines historisch bei uns besonders ausgepr√§gten politischen Tabus (als Rassist aufzutreten, ist negativ sanktioniert) vorsichtig ab, indem er den allgemein verbreiteten Irrglauben von der direkt aus den >Genen< erwachsenden Intelligenz unangetastet voraussetzt. Das entspricht etwa der bis heute in uns allen stillschweigend wirkenden Annahme, die Nazi-Partei habe ohne weiteres Interessen der deutschen Nation verfolgt.

Meine These zum Prinzip Verantwortung und zu den g√§ngigen, aber unbearbeiteten Tabus versteht sich als Aufforderung an die Politik, endlich z.B. das Staatsb√ľrgerrecht, die Zuwanderung u.s.w. gr√ľndlich von allen Zus√§tzen der verheerenden Blut- und Boden-Ideologien und der damit verkn√ľpften unw√ľrdigen Repression zu befreien.

Der griffigen Formel bei Sarrazin sieht man die alarmistische Intention direkt an: >Mehr Kinder von den Klugen, bevor es zu sp√§t ist<. Gerade rief der Hessische Justizminister Hahn, dummdreist und scheinbar neutral ebenfalls an jenem Tabu r√ľttelnd, die Geister einer liberalen Eugenik auf den Plan: >Bei Philipp R√∂sler w√ľrde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch l√§nger zu akzeptieren<. In Bayern sprach einst Ministerpr√§sident Stoiber selbstsicher von einer >durchrassten Gesellschaft<, die nicht hinzunehmen sei, auch wenn sie sich >multikulturell< verkleide. Die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, zeigte sich sichtlich erleichtert, als sie ihre erzkonservativen Parteifreunde nachbetete, die zufrieden vom >Tod< einer (f√ľr Deutschland w√ľnschenswerten) multikulturellen Gesellschaftsentwicklung gesprochen hatten. Sie alle sind √ľberzeugt von der Zugkraft rassistischer Ideologeme, die fest in der Bev√∂lkerung verankert seien ‚Äď wie ein naturreligi√∂ser Glaube. So kann der schon oft beschworene >unterschwellige Rassismus< in unserem Lande wirksam werden.

Der Fall Shakespeare, Quell und Gegenstand kulturpolitischer Verstehensarbeit ?
Ein aktueller Fall in England, der bei uns Zeitungsspalten f√ľllt: Das Scheusal Richard III., K√∂nig von England im 15. Jahrhundert, holte Shakespeare f√ľr uns auf die B√ľhne, w√§hrend die Gebeine des Herrschers √ľber die Jahrhunderte als verschollen galten. Dass das Propagandast√ľck f√ľr den Dramatiker karrieref√∂rdernd war, kann als sicher gelten. Erstaunlich ist, mit welch gro√üem Aufwand die Arch√§ologen und Genetiker das Skelett unter einem Parkplatz in Leicester als den im >Rosenkrieg< niedergemetzelten K√∂nig identifizierten.

Eine komplizierte Genanalyse erbrachte seit dem Fund im vergangenen Jahr den Beweis der schon vermuteten Identit√§t. Die inzwischen verstorbene Kanadierin Joy Ibsen stammte in 17. Generation von der Schwester Richards III. ab, von Anne von York. Die Tochter und der in London lebende Sohn der Ibsen, ein Tischler, stellten sich dem Gen-Test zur Verf√ľgung. Michael Ibsen stand nach Analyse seiner DNA-Probe allein mit der Genetikerin vor dem >buckligen< Knochenger√ľst seines Ahnen: >Es war bewegend, neben Richard III. zu stehen - nicht nur, weil er eine historisch bemerkenswerte Pers√∂nlichkeit ist, sondern, weil diese genetische Beziehung zu ihm besteht<.

Die Stimmen in England mehren sich nun, die eine gewisse Korrektur der Geschichtsschreibung auch gegen die Position Shakespeares erhoffen. Der Wert einer solchen Wendung in der geschriebenen und vielleicht auch öffentlich diskutierten Geschichte kann aus unsrer Sicht schwer eingeschätzt werden. Vor allem aber bleibt nach meiner Beobachtung die Rolle Englands im europäischen Integrationsprozess noch relativ unbearbeitet und wenig verstanden. Der nationalistische Kitt bröckelt zwar, wird aber von vulgären Gen-Ideologien immer wieder aufgefrischt, die als unterschwellige, kulturelle Apartheid politische Legitimation anstreben.


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Ernst H.Stiebeling,EHS

Version vom 08. 02. 2013 23:26
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Version vom 14. 02. 2013 14:55
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jon
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Gedankengänge:

Die Verbindungen zwischen erster Hälfte und den den andere Themen sind ja wiedermal weit hergeholt. Ich beziehe mich im Folgenden mal nur auf den ersten Teil:

Als Kommentar mag es gehen (der Kommentator ist f√ľr die Offenlegung und findet, die betroffenen M√§nner haben es nicht anders verdient). Die Infos (mit den Prozenten) sind nett, es wird aber nicht klar, was die Zahlen zur Meinungsbildung beitrugen. Als reine Infos (sozusagen als Argumente f√ľr eine sinnvolle Diskussion) sind sie unbrauchbar, weil im Text eine ganze Reihe anderer Argumente fehlen. Was ich sagen will: Soll es ein Kommentar sein? Dann diesen Infoblock "verwerten" und nicht nur hinstellen. Oder ihn weglassen. Soll es Grundinfos/Argumente f√ľr eine Diskussion bereitstellen? Dann diese bitte nicht so einseitig ausw√§hlen!
Es gibt ja noch die Kolumne, die als "in Stil und Struktur nicht festgelegt" begriffen wird. Auch daf√ľr ist mir die Nachvollziehbarkeit des Zusammenhanges zwischen Meinung und Infoblock deutlich zu gering.

Ja, wahrscheinlich ist das √ľberhaupt mein Hauptproblem mit dem Text: Ich sehe nicht, wie du warum aus dem einen zu dem anderen kommst.
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Herbert Schmelz
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Quellcode Samenspende

Intentionen
Wie komme ich warum von dem einen zu dem anderen ?
Meine politischen Essays kn√ľpfen regelm√§√üig an journalistische Produkte an, sind aber leider immer noch schwer verdaulich. Selber w√ľnsche ich mir, dass es √∂fters gelingen m√∂ge, bessere Allgemeinverst√§ndlichkeit, sprachliche Klarheit und deutlich erkennbare Linie zu erreichen. Aber dann wieder, wo mir die auf der flachen Hand liegenden Dinge in der Betrachtung durch‚Äôs Mikroskop komplexer vorkommen, sto√üe ich an Grenzen (vermeintliche?). Mir ist klar, dass dieser Mechanismus einer rationalisierend vorgehenden Schreibpraxis auch als Ausrede erscheinen kann.

Quellcode Samenspende sollte das aktuelle Gerichtsurteil zugunsten einer >Samenbank- Tochter< in einem nach meiner Auffassung v√∂llig anderen (n√∂tigen?) Interpretations- Zusammenhang bewahren (als diejenigen journalistischen Versuche es tun, die ich gelesen hatte und dem Druck des Tagesgesch√§fts geschuldet sind). Wir hatten diesen Punkt in vergleichbarer Problematik bei Schreibensdochauf. Kurzum: Das Gericht stellte das Menschenrecht der Tochter ins Zentrum, ihren biologischen Vater, Samenspender und v√∂llig unbekanntes Wesen, kennen lernen zu d√ľrfen. Im Hintergrund schwingt da die √úberzeugung mit, dass der Wille f√ľr die Identit√§t (W√ľrde) entscheidend ist und m√∂gliche St√∂rungen vermieden werden k√∂nnen.

Ohne mich mit plakativen Werturteilen oder vordergr√ľndigen Schuldfragen zu besch√§ftigen, steige ich also mit einer These ein: Der unerbittlichen Wirkungsmacht des Prinzips Verantwortung, das aus meiner Sicht mit der Freiheit Balance zu halten und der Gleichheit Rechnung zu tragen hat. Diese Weitung des Ansatzes hinsichtlich m√∂glicher Konsequenzen ignoriere ich ebenso, wie die berechtigte Frage eines Lesers, warum es denn so viel Einseitigkeit, Trickserei, Ausreden gibt, wenn sie vom Prinzip Verantwortung nicht geduldet sind. Stattdessen komme ich im 2. Satz sogleich auf die reale Figur des Samenspenders, der in meiner Geschichte eine Metamorphose durch macht (vom Co Erzeuger neuen, selbstbestimmten Lebens zum Lieferanten eines Erbgutpartikels, wor√ľber er selbst keine freie Verf√ľgung mehr hat). Ich skizziere ihn als nat√ľrlichen Tr√§ger sozialer Verantwortung, der der Gleichheit menschlicher W√ľrde normal Gen√ľge tut, wenn ihm nicht verletzende, bedr√§ngende, unterschwellige Gewalt dazwischen funkt.

In den 4 folgenden Textbl√∂cken verfahre ich gem√§√ü meiner genannten Absicht so: Alle Ph√§nomene und Begriffe sind wirklichkeitsnah, zwiesp√§ltig und trotzdem zu einem >roten Faden< verkn√ľpfbar, sodass Kontroversen dialogischer oder nicht-dialogischer Art in meinen Ausf√ľhrungen angelegt sind, ohne sie sofort ausf√ľhren zu m√ľssen. Eine sparsame Skizze reicht hier. Beispiel: Erbe und Gleichheit ‚Äď das biologische und das politologisch-sozialwissenschaftliche Verst√§ndnis ziehen Natur und >k√ľnstliche Regelungen< zu Verhaltens Maximen zusammen, die gebieterisch auf Wechselseitigkeit beruhen. Unweigerlich m√ľssen grobe Verst√∂√üe, lang anhaltende Ungerechtigkeit u.√§.m. zur Gewaltexplosion f√ľhren (these), worunter Mord und Totschlag, L√ľge und Betrug u.s.w zu z√§hlen sind

Wie schon angedeutet, ist der Samenspender ein von seiner Potenz abgeschnittener Warenbesitzer, weil er zun√§chst einmal nichts anderes zu tun scheint, als sein Spermien Material zu Markte zu tragen (Samenbank). √úber Verdienstm√∂glichkeiten, Motive u.s.w. daher wenigstens ein paar Angaben und eine vorsichtige Einsch√§tzung zu machen, halte ich f√ľr logisch und selbstverst√§ndlich. Auch das Auseinanderfallen und der Unterschied zwischen biologischer und sozialer, juristischer Vaterschaft auf der einen Seite und der viel weiter verbreiteten Leihmutter, die ihre Geb√§rmutter zur Verf√ľgung stellt, haben meiner Vorstellung nach auf den zwiesp√§ltigen und kontrovers diskutierbaren Gebieten der Warenproduktion und des entsprechenden Verkehrs ihren richtigen Platz.

In meinem einseitigen Essay verfahre ich bis hierher, so hoffe ich jedenfalls, ohne polemischen Unterton, obwohl sich Polemik an zwei Punkten durchaus angeboten h√§tte: 1.wird aus dem Zwiespalt der Warenproduktion (menschliches Bed√ľrfnis und Marktbed√ľrfnis zugleich zu bedienen) oft gewisserma√üen im Sinne eines politischen Programms geschlussfolgert, erst m√ľsse man die Warenproduktion >abschaffen< oder entscheidend modifizieren, bevor man ernsthaft von Freiheit und Verantwortung, von Menschenrechten reden kann. Ich teile eine solche Einsch√§tzung nicht. 2. Berichterstattung und Kommentierung des erw√§hnten Urteils beinhaltete unkritische Gleichsetzung von Samenspender und Erzeuger; gefiel sich in juristischen Finessen (>rechtsung√ľltige Nebenabsprachen< zwischen Spender und Samenbank) als untauglicher Rettungsversuch der Menschenrechte; Aufbau einer Drohkulisse aus Erbrecht und Unterhaltszahlung, welche sich gegen nichts anderes richten kann als gegen die bisher unbescholtenen Samenbanken.

Meine kurze √úberleitung am Ende des 5. Textblocks soll auf den Anspruch eines politischen Essays hinweisen, jederzeit Zusammenh√§nge zwischen dem genetischen und dem herrschaftlichen Erbmaterial auch an aktuellen Beispielen kritisch und, je nach Lage der Dinge, zur√ľckhaltend oder forsch zu thematisieren. Und weil mir scheint, dass in der >politischen Arena< alle nur denkbaren Varianten von Trickserei doch weiter verbreitet sind als beim braven Samenspender, f√§rbe ich den thematischen Faden in den Bl√∂cken 6 und 7 st√§rker ein und lasse auch etwas die polemische Sau raus. Der seit langem bei uns existierende >unterschwellige Rassismus< geh√∂rt in die Geschichte vom Quellcode Samenspende. Die zitierten Herren wissen, wof√ľr sie stehen und warum sie ihre Ziele nicht offen vertreten, indem sie immer wieder ihre Wortwahl auf eine neutralistische Verst√§ndnisebene herunterschrauben.

Und schlie√ülich muss ich gestehen, dass mir der L‚ÄôArt pour L‚ÄôArt Fimmel schon immer weniger eingeleuchtet hat als die machiavellistisch geschulten Propaganda Tiraden Shakespeares, die in England schon l√§nger entschl√ľsselt worden sind. Aber ich muss auch gestehen, dass mir aus Unkenntnis der konkreten politischen Kontroversen in England die m√∂glichen geschichtsrevisionistischen Konsequenzen aus der arch√§ologischen Bergung Richards III. ein Buch mit sieben Siegeln ist.

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Ich glaube, ich verstehe jetzt das Problem.

Es besteht zum einen Teil daraus, dass du gemessen an der Textmenge zu viel willst und deshalb so sehr "verdichtest", dass nur noch die Fakten bleiben und die Zusammenhänge, die du eigentlich ans Licht holen möchtest, wieder im Hintergrund verschwinden. Es klingt (sogar in deiner Erklärung) sogar so, als hättest du gar keinen roten Faden, sondern nur einen roten Punkt, um den herum du alles mögliche aufhäufst.

Zudem f√ľhrt diese Menge an Einzelthemen dazu, dass - weil du so sehr auf die Fakten reduzierst - der rote Faden nicht sichtbar wird. Gerade bei nicht gewohnten roten F√§den ist es au√üerordentlich wichtig, diese zu zeigen, das hei√üt, zu SAGEN, warum du jetzt diesen Fakt abf√ľhrst oder jenes Argument. (Gewohnte rote F√§den fallen dem Leser automatisch bei bestimmten Faktenkonstellationen ein.)

Es d√ľrfte helfen, dir vorab tats√§chlich eine These zu formulieren. "Der unerbittlichen Wirkungsmacht des Prinzips Verantwortung, das aus meiner Sicht mit der Freiheit Balance zu halten und der Gleichheit Rechnung zu tragen hat." ist keine These. Ein These w√§re "Jeder tr√§gt Verantwortung" und dann der beispeilhafte Nachweis, dass das durch die Vererbung von Eigenschaften bzw. pure ‚ÄěM√∂glichmachung vom Menschenleben‚Äú auch auf Samenspenden/spender zutrifft. Eine andere These w√§re ‚ÄěVerantwortlichmachen muss Freiheitsanspr√ľche und Gleicheitsgrunds√§tze ber√ľcksichtigen" ‚Äď das Essay kann dann die einzelnen Begriffe kl√§ren und zeigen, was bei Verletzung des postulierten Zusammenhanges passiert. Kurz gesagt: Eine Anh√§ufung von Aussagen ergibt noch kein Essay, das ist nur eine (wenn auch aus deiner Sicht sortierte) Stoffsammlung.

Vor allem aber: Trau dich, Formulierungen zu verwenden, die dir jetzt noch als F√ľllmaterial oder Polemik vorkommen. Ich meine damit sowas wie eine kurze Einleitung, in der unmissverst√§ndlich klar wird, dass es nicht um die gewohnte "ist das Urteil ok?"-Diskussion geht. Schreibe ab und zu Sachen wie ‚ÄěUnd weil das so ist, dann sollte es auch so sein", ‚Äěeinerseits nehmen wir dies an, anderseits das" oder eben auch ausdr√ľcklich, was du mit der Feststellung, dass finanzielle Interessen der Samenspender kaum eine Rolle zu spielen scheinen, eigentlich zeigen willst. Dass sie, wenn sie bei der Spende "nett" sind, gef√§lligst auch so nett sein sollen, eventuell f√ľr den Rest ihres Lebens f√ľr ihre Kinder aufzukommen?

Erz√§hle! Da von Hause aus sehr "faktisch" schreibst, d√ľrfte kaum die Gefahr bestehen, dass du dabei ins Schwafeln kommst.

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