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Leselupe.de > Humor und Satire
Rabatt
Eingestellt am 21. 05. 2006 19:07


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Raniero
Textablader
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„Lay back in the arms of someone“ , klang es aus den Lautsprechern des großen Kaufhauses.
Bruno, ein Mann im besten Alter, stand in einer langen Kundenschlange vor einer Kasse; gern wĂ€re er der Aufforderung des Hits aus den Siebzigern nachgekommen und hĂ€tte sich in die Arme von irgendjemandem zurĂŒckgelehnt. Seine FĂŒĂŸe schmerzten, und bepackt mit zahlreichen Waren schob er sich langsam vor.
„Haben Sie eine Payback-Karte?“ fragte die Dame an der Kasse.
Bruno wusste nicht, was eine solche Karte war und bat um AufklÀrung.
„Eine Payback-Karte“, erklĂ€rte ihm die Kassiererin, „ist ein besonderer Service unseres Hauses. Mit dieser Karte sammeln Sie Punkte, sogenannte Guthabenpunkte, bei jedem Kauf. Diese Punkte werden auf Ihrer Karte elektronisch gespeichert und wenn Sie eine grĂ¶ĂŸere Summe angespart haben, können Sie dieses Guthaben bei uns einlösen, verstehen Sie?“
Bruno hatte noch nicht so ganz verstanden, doch seine Frage zielte schon in die ungefĂ€hre Richtung: „Also ungefĂ€hr so eine Art Rabattmarkenheft, wie frĂŒher beim KrĂ€mer um die Ecke, beim Margarinekauf, wo man die Hefte gegen schöne Fotos eintauschen konnte, nicht wahr?“
Damit konnte wiederum die Kassiererin nichts anfangen, denn sie war zu einer Zeit geboren, als es diese Margarinehefte schon lange nicht mehr gab.
„Ich nehme die mal mit, diese Karte“, murmelte Bruno und steckte sie ein; schwer beladen stapfte er in Richtung Rolltreppe.

Zu Hause ĂŒberraschte er seine Frau mit der Neuigkeit: „Schatz, du wirst es nicht glauben, es gibt wieder Rabattmarken! Sie heißen jetzt zwar anders, aber es ist das gleiche Prinzip“.
Stolz zeigte er seiner Frau die neue Wunderkarte.
Brunos Ehefrau war kaum jĂŒnger als er und kannte folglich auch noch das alte Rabattmarkensystem.
Schon fielen beide in nostalgische SchwĂ€rmereien: „Ich habe immer bebilderte BuchbĂ€nde bekommen“ blickte die Frau zurĂŒck, „von meinen Eltern. DafĂŒr haben sie die Marken eingetauscht.“
„Bei uns war es anders“, erinnerte sich Bruno mit Wehmut, „bei uns war das Geld immer knapp, unsere Markenhefte gingen immer fĂŒr Lebensmittel drauf.
Doch halt, einmal habe ich ein Buch bekommen, mit Fotos von Fußballspielern.
„Das waren noch Zeiten!“ stimmten beide vergnĂŒgt an.

Als gegen Abend die erwachsene Tochter heimkehrte, fand sie die Eltern in aufgerĂ€umter Stimmung vor. Bruno war zwischenzeitlich in den Keller gegangen, um eine Flasche Wein zu holen und dabei nach kurzer Suche auf das alte vergilbte Fotobuch mit den Fußballspielern aus den fĂŒnfziger Jahren gestoßen: „Schau mal Schatz, da ist sogar der Fritz Walter drauf, auf dem Foto, und guck mal da, die gesamte Weltmeisterelf von damals!“
Die Eltern waren glĂŒcklich, und die Tochter sah es ihnen an, doch sie konnte sich noch keinen rechten Reim darauf machen.
Kichernd hielt der Vater seiner Tochter die neue Payback-Karte unter die Nase:
„Das hier, mein liebes Kind, ist eine Layback-Karte, kennst du so etwas?“
„Payback-Karte, Papa, nicht Layback-Karte. Das ist doch ein alter Hut! So eine Karte habe ich auch.“
Zur VerblĂŒffung der Eltern griff die Tochter in ihre Handtasche und zauberte eine gleiche Karte hervor.
„Du hast eine solche Karte, und wir wissen das noch nicht einmal!“ entrĂŒstete sich der Vater.
„NatĂŒrlich, und ich habe auch schon damit etwas bestellt.“
„Du hast mit der Karte schon etwas bestellt? Geht das denn so ohne weiteres?“ geriet das Rabattmarkenbild des Vaters aus den Fugen.
Geduldig setzte die Tochter ihren Eltern das System einer Payback-Karte auseinander. WĂ€hrend der Vater immer verstĂ€ndnisloser dreinschaute und sich mehr dem Wein und seinen alten Fußballern widmete, geriet die Mutter direkt in VerzĂŒckung, und bald schon saßen die beiden Frauen ĂŒber einen Katalog gebeugt, den die Tochter inzwischen herbeigeholt hatte.

Einige Wochen spĂ€ter trafen bei Bruno eine große Anzahl von Paketen ein, von dem Kaufhaus, bei dem er seinerzeit die Payback-Karte erhalten hatte.
Erfreut nahmen Frau und Tochter die Pakete in Empfang, rissen sie los und starteten eine Modeshow vor Brunos Augen.
WĂ€hrend er noch ganz entgeistert dem Treiben seiner beiden Damen zuschaute, fiel sein Blick auf einen Brief, der aus einem der Kartons herausgefallen war.
Bruno öffnete den Brief und war einer Ohnmacht nah.
‚Rechnung‘, las er, ‚nach Abzug der Guthabenpunkte Ihrer Payback-Karte sind von Ihnen noch zu zahlen:‘
Es folgte ein stattlicher dreistelliger Eurobetrag.
Im Anschluss daran waren alle KleidungsstĂŒcke aufgelistet, die ihm Frau und Tochter soeben vorfĂŒhrten.
Im Hintergrund erklang der wohlbekannte Song der Band aus den Siebzigern.
Bruno lehnte sich zurĂŒck, in seinem Sessel, schweren Herzens, und zwischen den ZĂ€hnen knirschte er den Text des Liedes mit, in leicht abgeĂ€nderter Form:
“Pay back, in the arms of someone!“
Er wusste genau, wer dieser ‚someone‘ war; es stand ja auf der Rechnung.

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