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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Rabenschwarz
Eingestellt am 20. 08. 2014 20:44


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LilyaLou
???
Registriert: Aug 2014

Werke: 5
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Und wieder einmal war sie gefallen. Tief, und ohne sich fangen zu können. Wie ein Stein ins dunkle Wasser, wie das Blatt eines alten Baumes, welches vom stĂŒrmenden Wind weit davon getragen wurde. Die Dunkelheit schien sie zu verfolgen, die schwarzen Krallen gierig nach ihr ausgestreckt. Und sie rannte um ihr Leben, versuchte, die qualvollen Erinnerungen aus ihrem Kopf zu verbannen, die sie jeden Tag, zu jeder Stunde in das tiefe, voll Trauer und Angst gefĂŒllte Loch zurĂŒckziehen konnten. Viel zu lange hatte sie gewartet. Und schließlich war es zu spĂ€t. So gut wie jede TrĂ€ne hatte sie geweint; keine war Narbe verblasst. Es war ihr egal. Nichts berĂŒhrte sie mehr. Sie war taub. Und verlassen von Hoffnung, Liebe und Geborgenheit.
Damals.
Es war alles besser gewesen. Sie war klein, unschuldig. Niemand hatte ihr erklĂ€rt, dass ihr erbĂ€rmliches Leben es nicht verdient hatte, noch hier zu sein. Kein Mensch sollte je den Grund fĂŒr ihre Abgrenzung erfahren, warum sie keine Hilfe annahm. Weshalb sie sich verstecken musste. Mit seinem warmen Licht hĂŒllte der Vollmond sie ein. Es schien, als versuchte er, das MĂ€dchen in eine Umarmung zu ziehen, ihr zu sagen, dass alles gut werden wĂŒrde. Eines Tages. Doch sie wusste zu genau, dass LĂŒgen nicht halfen. Nicht ihr. Niemals wĂŒrde es den Hauch einer Chance geben, dass sich ein noch so schwaches LĂ€dcheln auf ihre aufgesprungenen und kalten Lippen stahl. Stattdessen lebte sie fĂŒr den Tod, auf irgendeine Art und Weise. Sollte er sie doch empfangen, mit ihrem Leben war so oder so nichts mehr anzufangen. Und bald wĂŒrde es soweit sein. Endlich. Ein paar Schritte war sie nur noch entfernt von der Nacht, dem Tod, den Klauen des Raben, welche sie jede Minute mit sich reißen konnten. Aber vielleicht sah er sie nicht. Sie breitete die Arme aus, als ihre FĂŒĂŸe die Spitze des Berges erreichten. Ein Versuch. Nicht mehr. Weit, sehr weit unter ihr plĂ€tscherte das Wasser und Felsen verzierten die Brandung. Jetzt schien der Mond sie nicht mehr trösten zu wollen. „Nein“, schien er zu sagen. „Du hast es nicht verdient.“ Sein Glitzern umgab sie, wie, als ob er ihr beibringen wollte, dass es tatsĂ€chlich Zeit war, zu gehen.
FĂŒr immer.
Ein Hauch Zufriedenheit ĂŒberkam sie. NatĂŒrlich stimmte das. Was sonst war richtig?
Ihr letzter Versuch, dem Tod in die Arme zu laufen, war klĂ€glich gescheitert. Wie jedes Mal. Und immer wieder hatte sie sich in den Kopf gerufen, dass der nĂ€chste Vollmond ihr die Wahrheit sagen wĂŒrde. All‘ das waren Vermutungen gewesen. Doch dieses Mal war sie sich sicher. Ein besseres Leben wĂŒrde auf sie warten, wenn sie nicht mehr hier war. Die Hoffnung stimmte sie fröhlich, auf eine Art, die den Moment unbeschreiblich und weit entfernt erscheinen ließ. Das GlĂŒck, oder wie man es nennen mochte, hatte stets an ihrer Seite gestanden, auch, wenn es fĂŒr sie nichts Positives an sich hatte. Kein Tod, unertrĂ€gliches Leiden.
„Spring!“, schien eine Stimme hinter ihr sie aufzufordern. „Los!“
Und dann Stille. Grauenhafte Stille.
„Tu‘ es nicht
“, flĂŒsterte die Hoffnung tief, ganz tief verborgen in ihr, die sie verloren geschĂ€tzt hatte. Und plötzlich war sie da. Die Angst, welche sie davon abhielt, ihr Leben zu verlassen. Und ohne Vorwarnung kullerte eine TrĂ€ne ihre blasse Wange hinunter und fiel auf den rauen Boden. Sie sollte die letzte sein. Und das MĂ€dchen schien sich in ihr widerzuspiegeln, sah eine zerbrochene Vase, dessen Rose verdorrt und schwach herunterhing, alles Leben ausgelöscht. Ihre Augen sagten vieles. Beschrieben die Mischung der GefĂŒhle, die sich in ihr breit machten. TatsĂ€chlich war sie glĂŒcklich, zufrieden damit, bald nicht mehr die Last des Lebens auf ihren Schultern spĂŒren zu mĂŒssen, andererseits enttĂ€uscht, sich aufgegeben zu haben. Und doch fĂŒhlte es sich an, als hĂ€tten ganz alleine ihre Erinnerungen entschieden. Sie sprang. Und fiel, schloss die Augen und lĂ€chelte. Das war das Ende. Ihr Ende.
Und es fĂŒhlte sich gut an.
__________________
"Ich wusste nicht, warum es geschah, aber den Grund kannte ich trotzdem."

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Nosie
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Registriert: Jul 2014

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Servus LilyaLou,

Ein Suizidthema zu kommentieren, ist eine heikle Sache, weil der Rezensent nicht weiß, wie autobiographisch der Text ist, ich versuch's aber trotzdem, schließlich ist das der Sinn der LL.

GrundsĂ€tzlich muß man deiner Geschichte ankreiden, dass zwar die Neugier geweckt wird, was dem MĂ€dchen zugestoßen ist, aber die Andeutungen so zahlreich, unterschiedlich und schwammig sind, dass man am Ende nicht weiß und auch nicht ahnen kann, was das MĂ€dchen so weit gebracht hat.

Am ehesten kann ich mir noch eine vom MĂ€dchen begangene Straftat vorstellen, aber dazu dauert der Zustand offensichtlich schon zu lange. Sie war ja schon (NUR!) aus ihrer Sicht wertlos, als sie klein war, nur hatte es ihr niemand gesagt. Auch Missbrauch kĂ€me in Frage, aber dann passt das Verstecken mĂŒssen nicht so recht.
Dass der nĂ€chste Vollmond ihr die Wahrheit sagen wĂŒrde, ließ mich denken, es handelt sich um eine Fantasy-Geschichte Ă  la Twilight, oder dass die Niedergeschlagenheit nur bei Vollmond auftaucht, ein ĂŒbrigens hĂ€ufiges PhĂ€nomen, das ich von mir selber kenne.

Sicher ist nur, dass das MĂ€dchen unter einer tiefen Depression leidet und das schon lĂ€nger. Das weckt das MitgefĂŒhl beim Leser, aber ohne nĂ€here Details bleibt alles zu diffus. Um das MĂ€dchen im Kopf des Lesers auch real werden zu lassen, mĂŒsste er mehr ĂŒber die HintergrĂŒnde erfahren.

Nun zum handwerklichen:

Du kannst gut formulieren und mit Sprache umgehen, allerdings bedienst du Klischees und Standardformulierungen allzu reichlich, z.B.

Stein ins Wasser
Blatt im stĂŒrmenden Wind
Dunkelheit mit gierigen, schwarzen Krallen
jede TrÀne geweint
erbÀrmliches Leben
.....

Besser als Adjektive zu verwenden, ist es eine Szene so zu beschreiben, dass der Leser empfindet, was du ausdrĂŒcken möchtest, ohne dass du ihn mit der Nase drauf stĂ¶ĂŸt.
Ich wĂŒrde zum Beispiel den ersten Absatz drastisch kĂŒrzen, weniger ist mehr:

    <Und wieder einmal war sie gefallen und fiel immer noch, ohne sich fangen zu können. Viel zu lange hatte sie gewartet. Nichts berĂŒhrte sie mehr. >

Das genĂŒgt völlig, um die Phantasie und Neugier des Lesers zu wecken, jede nĂ€here Beschreibung bremst das Kopfkino beim Leser.

Dasselbe auch hier:
<Und dann Stille. Grauenhafte Stille. "Tu's nicht">
AusschmĂŒckungen dieser Art sind Kitsch.

Stille.
"Tu's nicht" wÀre wirkungsvoller.

Den Schluss "Ihr Ende. Und es fĂŒhlte sich gut an." finde ich sehr gelungen.

Alles in allem sehe ich durchaus Potential bei dir. Bleibe dran am Schreiben, lies auch die BeitrĂ€ge anderer Mitglieder und gib deine EindrĂŒcke wieder. Es ist fĂŒr uns alle hier in der LL interessant, wie unsere Geschichten bei anderen ankommen, nur das bringt uns weiter.

Liebe GrĂŒĂŸe
Gertraud






__________________
Ein anstÀndiger Mensch tut keinen Schritt, ohne Feinde zu kriegen. (Hermann Hesse)

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LilyaLou
???
Registriert: Aug 2014

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Hallo Vagant!
Danke, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast, aber leider muss ich dazu sagen, dass ich nicht wusste, wie man antwortet, sodass der Beitrag persönlich an denjenigen gerichtet ist, der meinen Text kommentiert hat. Es tut mir leid, dass ich bis jetzt kein Wort gesagt habe, was jedoch nicht daran liegt, dass ich keine Lust dazu hatte. Ganz im Gegenteil. Ich wollte, konnte oder traute mich nicht. Siehe oberen Grund. Vielleicht hört es sich an wie eine Ausrede, aber genau das ist es nicht. Es ist die Tatsache, dass ich Angst habe, etwas falsch zu machen, jemanden zu krĂ€nken oder Ă€hnliches. Genau das habe ich aber schon auf meinem Profil geschrieben. Vielleicht bin ich dann hier nicht richtig. Und fĂŒnfzehn Jahre bin ich seit genau sechs Tagen.Ich möchte daraus jetzt keine große Sache machen und hoffe, dass ich das mit dem Antworten hier richtig gemacht habe. Doch wie schon gesagt: Mein ZurĂŒckhalten hat nichts mit den RĂŒckmeldungen anderer zu tun, sondern damit, dass ich kaum die Überwindung finde, meine Meinung offen zu vertreten. Und noch: Diesen Text habe ich mit vierzehn Jahren verfasst und gebe auch zu, dass er nicht besonders gut ist, doch wenn man mir ehrliche Antworten gibt, werde ich daraus lernen und das ist mein Ziel. Dinge anzunehmen und nicht persönlich auf mich zu beziehen. Aber wieso rechtfertige ich mich? Ich weiß schließlich, was ich tue. Und nebenbei bemerkt: Die Texte, die weit nach hinten geschoben wurden, lese ich sehr wohl.Es gibt keinen Grund, das nicht zu tun!
Und noch einmal: Falls ich hier falsch geantwortet habe, mache mich doch bitte darauf aufmerksam.
Liebe GrĂŒĂŸe
LilyaLou
__________________
"Ich wusste nicht, warum es geschah, aber den Grund kannte ich trotzdem."

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LilyaLou
???
Registriert: Aug 2014

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Hallo Nosie!
Vielen Dank fĂŒr dein Feedback.
UrsprĂŒnglich war der Text fĂŒr einen Wettbewerb auf einer Webseite gedacht, deshalb das Thema. Ich habe diesen Text mit vierzehn Jahren geschrieben, was nicht besonders lang her ist. Deswegen möchte dazu sagen, dass ich natĂŒrlich nicht perfekt schreiben kann und aus diesem Grund deine Hilfe sehr zu schĂ€tzen weiß. In Zukunft werde ich versuchen, meine Texte ein bisschen weniger kitschig zu gestalten, wobei ich zugeben muss, dass mir das nie aufgefallen ist.
Dass man nicht weiß, was mit dem MĂ€dchen passiert ist und was vorher war, ist Absicht.
Nein, ich hatte nicht vor, eine Fantasy-Geschichte zu schreiben, zumal ich "Twilight" absolut nicht leiden kann.Mir war klar, dass man die Geschichte nicht verstehen wird, aber wenn ich sie erlĂ€utern wĂŒrde, wĂŒrde das dazu fĂŒhren, dass eine weitere Diskussion ausbricht.
Ich habe gelernt, anders zu schreiben, seitdem ich auf meine Fehler aufmerksam gemacht wurde. Ich verwende deutlich weniger Klischees. Aber wie schon erwÀhnt: Dieser Text ist Àlter. Er ist nicht perfekt, er ist nicht gut.
Aber nun zu etwas Anderem: Ich lese die BeitrÀge anderer Mitglieder, aber antworte nicht gerne, da ich Angst habe, jemanden zu verletzten, krÀnken oder etwas der Art. Das war schon immer ein Problem, aber darauf möchte ich nicht nÀher eingehen.
Ansonsten danke ich dir nochmals fĂŒr deine RĂŒckmeldung, sie hat und wird mich weiterbringen.
Liebe GrĂŒĂŸe
LilyaLou
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"Ich wusste nicht, warum es geschah, aber den Grund kannte ich trotzdem."

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