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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Rache für Bruno
Eingestellt am 17. 02. 2008 20:59


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gueko
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„Ich werde dich töten!“ sagte der Bär zu mir, als ich ihm bei meinem Waldspaziergang begegnete. Ich starrte ihn eine Ewigkeit an. Er sah mich eine Ewigkeit an. Ich dachte, ich hätte eine Stimme gehört - aber da waren nur der Bär und ich.

„Du hast meine Stimme gehört!“

Der Bär sah mich an. Ich sah den Bären an. Ich ging ganz langsam zurück und stand plötzlich an einem gefallenen Baumriesen an. Ich setzte mich. Ich dachte, ich bleibe jetzt ganz ruhig und werde zum Baum unter mir, will dem Bären ja nichts Böses, also will er mir auch nichts Böses. Und die Stimme, die ich hörte, wäre der Irrsinn, der mich überkam.

„Du kannst mich hören, du bist nicht verrückt. Aber du kannst kein Baum werden und es würde dir nichts nützen. Hat auch dem Baum nichts genützt, auf dem du sitzt. Weißt du, Bären kommunizieren über Gedanken.“

„Wieso willst du mich töten?“



„Du bist böse!“

„Warum“

„Jemand, der tötet ist böse. Du willst mich töten, also bist du böse!“ Reflexartig erschlug ich eine Mücke, die sich auf meinen schweißnassen Arm gesetzt hatte.

„Welche Auswirkungen hat es böse zu sein?“

„Na zum Beispiel wenn du mich tötest und sie finden dich, dann werden sie dich töten.“

„Wer wird mich töten?“

„Menschen, andere Menschen, Jäger, Soldaten oder Polizisten – ich weiß es nicht.“

„Wie werden sie mich töten?“

„Mit Gewehren. Sie werden dich erschießen!“

„So wie die Rehe, Hirsche und Wildschweine werden sie mich töten?“

„Genau! Du kennst es ja. Genau so werden sie dich töten, wenn du böse bist.“ Ich wurde immer panischer, atmete tief durch, er sollte meinen Angstschweiß nicht riechen. Ich saß starr auf dem Ast. Der Bär schien verunsichert, dachte nichts mehr – doch dann.

„Was ist böse?“

„Böse ist wer bewusst Gutes unterlässt. Wer also bewusst Handlungen setzt, bei denen er weiß, dass sie nicht gut sind.“

„Was ist bewusst?“

„Bewusst. Bewusst ist, wenn du bei klarem Verstand bist, wenn du dir dem, was du bist und wie du handelst im Klaren bist. Klarer Verstand, wahrscheinlich.“

„Wahrscheinlich?“

„Gott, ja! Wenn du sagst du wirst mich töten, dann sagst du das bei vollem Bewusstsein, also du drohst mir bewusst. Du weißt du bist stärker und schneller als ich. Wenn du mich töten willst habe ich keine Chance mehr. Das ist bewusst. Das ist bewusst töten. Das ist bewusst Böses tun.“

„Hast du ein Bewusstsein?“

„Ja natürlich. Ich bin ein Mensch!“

„Dann sind Menschen also böse!“

„Ja, die gibt es auch. Ich aber nicht. Du musst da differenzieren, unterscheiden, es gibt gute Menschen – mich – und es gibt böse Menschen – andere. Alles über einen Kamm zu scheren ist unmenschlich – und es geziemt sich auch nicht für einen Bären. Ganz sicher nicht. Bären sind doch gute Wesen. Ich mag Bären. Ich würde dir nie Böses tun.“

„Und wenn ich in der Nähe deines Hauses Schafe töten würde, weil ich hungrig wäre und im Wald nichts Essbares mehr gefunden hätte, was würdest du da sagen?“

„Nichts, nichts würde ich sagen. Waren ja bloß Schafe, was soll’s. Bären und Menschen töten Tiere, wenn Sie hungrig sind. Wir sind eigentlich verwandt. Ich hätte da absolutes Verständnis. Ganz ehrlich. Besser Schafe als Menschen, äh - oder Bären.“

„Ich bin hier um mich an Menschen zu rächen. Du bist ein Mensch. Ich werde mich rächen.“

„Du wirst dich nicht rächen, du wirst mich töten. Aber das ist nicht in Ordnung. Ich habe dir nichts Böses getan, warum also willst du dich an mir rächen. Nur weil ich da bin und nur weil du wahre Schuldige nicht findest. Warum willst du überhaupt Rache? Hat dir wer etwas Böses getan? Kein Mensch tut Bären Böses bei uns. Wir schaffen neue Lebensräume, das ist lange aus, dass Menschen Bären vertrieben haben, das war zu einer Zeit, in der ich noch gar nicht geboren war. Ich bin der Falsche. Such die wahren Schuldigen, wenn die noch leben, aber das ist so lange aus, die sind alle tot. Es gibt eigene Reservate für Bären, damit euch die Menschen nicht mehr zu Nahe kommen – ich habe das gelesen. Aber wenn du anfängst Menschen zu töten, dann fangen Menschen an Bären zu töten.“

„Bist du so dumm oder bist du so uninteressiert am Geschehen in der Welt?“

„Komme mir nicht so. Ich bin nicht dumm. Aber ich interessiere mich halt mehr für die Menschen. Was hast du vorzubringen, dass es Wert ist diesen Mensch-gegen-Bär-Kampf wieder zu beginnen – hier, bei uns, wo ihr hoch angesehen seid, ihr Bären, hier wo wir uns freuen, dass es wieder Bären gibt. Deine Rache ist falsch.“

„Ihr nanntet ihn Bruno!“

„Du weißt von Bruno? Scheiße! Hast du ihn gekannt? Das war eine Schweinerei. Ich war dagegen, immer. Ich habe gesagt, das müssen wir mit Bedacht angehen. Betäuben wir ihn, bringen wir ihn zurück in sein Reservat, vielleicht findet er ja den Weg nicht mehr, helfen wir ihm. Töten ist ein falsches Zeichen. Aber er hat Schafe gerissen und sie nicht gefressen, er hatte Lust am töten, offensichtlich. Solche Bären sind gefährlich. Das musst du selber sehen. Was wenn da ein Kind alleine durch den Wald läuft. Das war zum Schutz, verstehst du. Er hätte fliehen sollen. Was kann ich dafür, dass dieser Bruno so unbekümmert sein Reservat verlässt und hier tötet. Da bin ich nicht schuld. Räche dich an der gesamten bajuwarischen Jägerschaft, von denen hat ihn einer getötet. Das würde den Demonstranten gefallen, wenn die den Jäger finden würden – aber doch nicht an mir. Ich habe immer gespendet, ich habe gearbeitet und Geld verdient und gespendet, damit ihr Bären ein Reservat bekommt.“

„Du erkennst meine Nase nicht? Du bist ein Mensch der blind ist für die Leiden anderer Wesen. Du maßt dir an mich Bruder zu nennen und behauptest mich zu schützen. Nur weil du nach Jahren der angstvollen Ausgrenzung unserer Art ein Reservat vorsiehst, in dem du dich wieder breit machst und uns verstörst und du vergisst, dass wir nicht so leben können wie ihr lebt. Wir können keine Höhlen über Höhlen bauen und übereinander leben. Wir sperren keine Tiere ein, um sie dann zu töten. Wir essen dann wenn wir hungrig sind und nur wenige Bären haben Platz in dem Reservat – und ihr wollt immer mehr hineinzwängen. Ihr befreit uns von unseren Quälern und pfercht uns in unbärig kleine Flächen und glaubt Gutes zu tun und doch ist es wieder eine Qual so zu leben. Kein Mensch tut Gutes im Interesse eines anderen Wesens – außer er stirbt. Und das beschleunige ich!“

„Du schweifst ab – und kommst dann doch wieder auf den Punkt. Ich gebe zu, ich wusste nicht und glaubte nicht, dass es außer uns Menschen noch Intelligenz gibt auf diesem Planeten. Ich kann dir nicht folgen. Was soll der Spruch – du erkennst meine Nase nicht, sie sieht verwundet und geheilt aus. Ich kann sie nicht kennen, deine Nase. Alle Bären haben doch gleiche Nasen – deine scheint durch eine Verletzung erkennbarer, weil anders. Aber woher soll ich Sie kennen.“

„Ich habe dich schon einmal gesehen – vor vielen Sonnenaufgängen, in meiner Heimat, in der ich gefangen war. Ich hatte einen Eisenring durch meine Nase und musste in den Menschenreservaten an der Kette meines Quälers gehen und weil ich bei den Lauten, die mein Quäler auf diesem Ding erzeugte, meine Beine nacheinander hob, aus Angst mir wieder meine Füße zu verbrennen, haben die Leute die Hände zusammengeschlagen und lachten und zahlten dem Mann das, was du Geld nennst. Mit dem du meine Reservate bezahlst. Und du warst in dieser Menge und du hast mir nicht geholfen. Mich, den du gerne Bruder nennst im Angesicht deines Todes.“

„Du kommst aus Bulgarien? Aber da wurden die Bären doch befreit – auch mit dem Geld, das ich gespendet habe. Ärzte haben das betreut. Die konnten nur wegen meiner und vieler anderer Geldspenden befreit werden. Die Reservate konnten nur mit diesem Geld angekauft werden. Ich weiß, sie sind klein, aber sie sind größer als alles was du bis dahin gekannt hast. Deine Freiheit ist eine größere geworden, sieh wie weit du gekommen bist – und jetzt tötest du mich, weil ich dich befreit habe oder dazu beigetragen habe?“

„Du warst in dieser Menge, die die Hände zusammengeschlagen hat!“

„Gruppenzwang. Das war Gruppenzwang. Ich hatte Angst, dass mir die anderen Menschen was antun, wenn ich nicht mit ihnen bin. Solche Menschen gibt es, die sagen, wer nicht mit uns ist, ist gegen uns. Und dann verstoßen sie einen und man kann nicht helfen. Das solltest du wissen, bei deinen Überlegungen.“

„Es ist alles gesagt!“


Die zerfetzte Leiche des Peter B., der ausgezogen war um den in die Region eingewanderten Bären wegen der gerissenen Tier der vergangenen Wochen zu erlegen, wurde in einem Waldstück nicht unweit des Ortsteiles Zur Hölle gefunden. Die tödlichen Wunden sind offensichtlich vom selben Bären, wie bei den gerissenen Schafen der näheren Umgebung. Vom Bären Claudio fehlt nach wie vor jede Spur.

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heute ist das morgen von gestern und das gestern von morgen - sonst habe ich keine sorgen.

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Limba
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Registriert: Nov 2007

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Hi, gueko
Ein bischen lang, für eine Kurzgeschichte, lasse sie doch in die Rubrik Erzählungen stellen?
Hat mir trotzdem Spaß gemacht, auch wenn Du reichlich Klischees reitest.
Einiges ist ein wenig unklar formuliert:
Ist der vom Bär Getötete ein Jäger oder ein Spaziergänger, wie Du ihn am Anfang beschreibst? Oder ist er gar der Mann, welcher Bruno erschoss?
Den letzten Absatz solltest Du vielleicht ein wenig umbauen,
"...der ausgezogen war um den in die Region eingewanderten Bären wegen der gerissenen Tier der vergangenen Woche zu erlegen...", das kannst Du besser.
Ein paar Kommas fehlen, Beispiel: "Böse ist, wer..." oder: "Wenn du sagst, du wirst mich töten..."
Nicht brummen über meine Kritik, ist gut gemeint. Die Idee ist niedlich und auch flüssig abgearbeitet.
MfG Limba
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Reden ist Silber! Ist Schweigen Gold?

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