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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Rache ist süß
Eingestellt am 13. 10. 2014 23:09


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Reka
Hobbydichter
Registriert: Oct 2014

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Das war vielleicht ein Tag. Ich war ziemlich genervt. Morgens hatte ich verschlafen, war dadurch zu spät zur Arbeit gekommen und mein Chef hatte mir eine ziemliche Standpauke deshalb gehalten. Abends war mir das Essen angebrannt, weil, wie so oft, das Telefon im falschen Moment geklingelt hatte und zum krönenden Abschluss hatte ich noch einen wichtigen Arzttermin einfach vergessen.

Als Simon, mein Mann nach der Arbeit nach Hause kam, war ich natürlich entsprechend gereizt und so kam, was kommen musste – wir bekamen einen handfesten Streit. Ich wollte alles, was mir schon längere Zeit auf der Seele brannte, loswerden. „Du kümmerst dich zu Hause um rein gar nichts! Obwohl ich auch berufstätig bin, muss ich alles alleine machen und was bitte bekomme ich als Dankeschön? Zu allen Pflichtanlässen einen Blumenstrauß Marke Tankstelle. Ein liebloses Bündel von halb verwelkten Blumen“, warf ich ihm vor.

„Ich kann doch nichts dafür, dass die Geschäfte schon geschlossen sind, wenn ich von der Arbeit komme“, rechtfertigte sich Simon.

„Wohl noch nie was von Fleurop gehört? Und überhaupt, wie wär’s mal mit helfen im Haushalt? Der Begriff Gleichberechtigung sagt dir wohl auch nichts!“, wütete ich weiter, dabei wusste ich genau, dass meine Vorwürfe eigentlich nicht gerechtfertigt waren, denn ich arbeitete nur Halbtags und für Simon war ein Zehnstundentag nichts ungewöhnliches. Das war mir aber in dem Moment ziemlich egal, denn ich wollte eigentlich nur Frust abladen.

Simon hatte mir ruhig zugehört. Mit ihm zu streiten war sehr schwer, denn meistens sagte er nichts und schaute mich nur schweigend an. Irgendwann geht einem dann die Luft aus und ich beruhigte mich meistens dann schnell wieder. Simon nahm mich in den Arm und bald war dieser lächerliche Streit vergessen – dachte ich.

Am nächsten Tag, es war der 13. Februar, feierten wir unseren dritten Hochzeitstag. Nach langer Überlegung hatte ich für Simon ein wunderschönes silbernes Feuerzeug gekauft und es liebevoll verpackt. Dazu hatte ich ihm auch noch einen schönen Brief geschrieben und sein Lieblingsessen, Lasagne, gekocht. Den Tisch hatte ich besonders liebevoll gedeckt, eine erlesene Flasche Wein stand ebenfalls bereit und das Päckchen hatte ich auf seinen Teller gelegt.

Endlich kam Simon von der Arbeit. Wir aßen zusammen und tranken den Wein. Alles war sehr harmonisch. Liebevoll sah ich meinen Mann an. „Willst du nicht endlich dein Geschenk auspacken?“, fragte ich ungeduldig.

Schweigend griff er danach, öffnete es, schaute es kurz an und legte es dann beiseite.

„Danke, Schatz“, sagte er – und das war alles.

„Was ist los? Gefällt es dir nicht?“ Enttäuscht schaute ich Simon an.

„Doch, natürlich. Es ist sehr schön.“

Ich verstand nicht, was plötzlich in meinen Mann gefahren war. Normalerweise hätte er mir nun mein Geschenk gegeben, doch es hatte ganz den Anschein, als hätte er es diesmal vergessen und er schien nicht einmal ein schlechtes Gewissen zu haben. Wahrscheinlich will er mich noch eine Weile auf die Folter spannen, warum auch immer, redete mir ein. Ich hatte noch jedes Mal etwas von ihm bekommen und warum sollte es diesmal anders sein. Ich beschloss einfach ruhig abzuwarten.

Wir tranken noch ein paar Gläser Wein und kurz vor Mitternacht gingen wir dann ins Bett. Simon zog sich die Decke über den Kopf und kurz darauf hörte ich an seinem gleichmäßigen Atem, dass er schon eingeschlafen war.

Ich lag noch lange wach neben ihm und verstand die Welt nicht mehr. Wütend und traurig zugleich, zerbrach ihr mir die halbe Nacht den Kopf darüber, warum Simon unseren Hochzeitstag geradezu ignoriert hatte. Mein dummer Stolz hielt mich jedoch davon ab Fragen zu stellen.

Am nächsten Morgen redete ich nur das Nötigste mit Simon. Ich war beleidigt und hoffte, er würde es merken. Simon aber tat, als bemerke er nichts und verhielt sich wie immer. Als wäre absolut nichts gewesen. Bevor er aber zur Arbeit ging, nahm er mich in die Arme, drückte mich und gab mir einen innigen Kuss. „Weißt du eigentlich wie sehr ich dich liebe?“, sagte er, grinste mich an und dann war er schon zur Türe hinaus.

Jetzt verstand ich gar nichts mehr. Erst hatte er sich so merkwürdig benommen und nun machte er mir eine Liebeserklärung? Kopfschüttelnd nahm ich meinen Mantel und ging selbst auch ins Geschäft. Die Arbeit ging mir an diesem Tag nicht von der Hand, denn ich grübelte ständig darüber nach, warum Simon auf einmal so komisch war. Zudem kam auch noch meine Kollegin Jessica freudestrahlend mit einem riesigen Strauß Blumen in der Hand auf mich zugestürmt.

„Schau, Marlen“, jubelte sie, „der ist von Peter.“

Peter war ihr neuer Freund. Etwas neidisch schaute ich den wunderschönen, geschmackvoll arrangierten Strauß mit dem großen roten Herz in der Mitte an und sagte etwas lahm: „Der ist wirklich schön.“

Endlich war es zwölf Uhr und für mich war Feierabend. Auf dem Heimweg fuhr ich noch schnell im Supermarkt vorbei, um für das Abendessen einzukaufen. Zuhause angekommen, ich hatte gerade meinen Mantel ausgezogen, klingelte es an der Türe. Ich öffnete und das Erste was ich sah, war ein riesengroßer Blumenstrauß. Der junge Mann, der den Strauß in den Händen hielt, sagte: „Den soll ich hier abgeben.“

Überrascht nahm ich den Strauß. „Sind Sie sicher, dass der für mich ist?“, fragte ich ungläubig.

„Ganz sicher“, bestätigte der junge Mann und verabschiedete sich.

Ich betrachtete den Strauß von allen Seiten. Es war der schönste Strauß, den ich jemals bekommen hatte. Große dunkelrote Rosen wurden umrahmt von exotischen Blättern und Gräsern und mit farblich passenden Bändern zu einem herrlichen Strukturstrauß gebunden. Ein Strauß, den man jemanden nur schenkt, den man liebt. An einer Blüte war ein rotes Herz befestigt, auf dem stand: Zum Valentinstag! Einer bezaubernden Frau – von einem Verehrer.

Mir wurde heiß und kalt zugleich. Ich las die Worte ein zweites Mal. „Von einem Verehrer.“ Fieberhaft überlegte ich, von wem dieser Strauß wohl sein könnte. Sollte vielleicht der nette, alleinstehende Nachbar…, der mich immer so nett anlächelte…? Oder sollte vielleicht…, Robby, mein Arbeitskollege, der mir ständig Komplimente machte und keine Gelegenheit ausließ, mir zu sagen, wie gerne er mich hätte….

Plötzlich bekam ich einen Schreck. Was würde Simon wohl zu dem Strauß sagen? Würde er mir glauben, dass ich gar nicht wusste, wer der Absender war? Würde ich ihm im umgekehrten Fall Glauben schenken? Was sollte ich jetzt bloß mit dem herrlichen Strauß machen? Mir wird nichts anderes übrig bleiben, als diesen wunderschönen Strauß in die Mülltonne zu werden, überlegte ich.

Den Tränen nahe drückte ich mein Gesicht in den Strauß. Die Rosen verströmten einen unglaublich süßen Duft. Fast zärtlich nahm ich jede Rose in die Hand und strich zart über die Blütenblätter. Warum hatte mir Simon nicht so schöne Blumen geschenkt…..?

Plötzlich stutzte ich. Was war denn das? Ich griff zwischen die Stiele und zog einen kleinen Zettel heraus. Ich drehte ihn um und las:

Alles Liebe zu unserem Hochzeitstag – dein dich liebender Mann.

Mir fiel ein Stein, nein ein ganzer Fels, vom Herzen und meine Erleichterung war grenzenlos. Ich lachte und weinte zusammen. Der Strauß bekam eine besonders hübsche Vase und natürlich einen Ehrenplatz auf dem Wohnzimmertisch.

Abends, als Simon nach Hause kam, fiel ich ihm um den Hals und gab ihm einen dicken Kuss. „Danke für den wunderschönen Strauß. Ist dir eigentlich klar, in was für einen Zwiespalt du ich damit gebracht hast?“

Simon lachte nur und drückte mich an sich. „Rache ist süß“, sagte er leise.

Jetzt hatte ich es endlich auch begriffen. Dieser dumme Streit vor ein paar Tagen und meine dummen Vorwürfe. Ich schämte mich, denn mein Mann arbeitet ja wirklich viele Stunden am Tag und kommt fast keinen Abend vor acht Uhr nach Hause.

Das Ganze hatte aber auch noch eine gute Seite. Ich habe seither nie wieder einen Strauß Marke ‚Tankstelle’ bekommen.

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DocSchneider
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Die im Text gezeigte Entwicklung der Dinge ist leider etwas vorhersebar. Außerdem könnten m.E. die Probleme der Frau bezüglich der Aufgabenteilung im Haushalt etwas mehr in den Vordergrund rücken - so unwichtig war ihr das gar nicht. Mal sehen, ob Du die Geschichte noch ein bisschen weiterentwickelst.


Viele Grüße von DocSchneider

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Charybdis
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Hallo Reka,

es liest sich nett und flüssig herunter. Ich denke, jeder Leser wird Teile des Szenarios, das Du da schilderst, in irgendeiner Weise kennen. Ein Streit um Nichtigkeiten, Spannung, Gezicke und Schweigen, und keiner löst das eigentliche Problem.

Andererseits, dieser ganze Plot ist irgendwie unglaublich vorhersagbar. Eigentlich weiß man immer schon, was gleich in den nächsten Sätzen geschieht. Und es gibt nicht eine einzige ungeahnte Wendung in der Geschichte. Streit, Gezicke, Unverständnis, Schweigen, ja, sogar die glückliche Kollegin fehlt nicht, als ob man es geahnt hätte. Nicht dass es deswegen langweilig wäre, aber so ein kleines Überraschungsmoment wäre doch ganz hübsch.

Darüber hinaus stört mich irgendwie, dass die Frau und der Mann unglaublich altbacken wirken. Ich kann es nicht richtig beschreiben, was mein Kritikpunkt ist, denn vermutlich gibt es tausende und abertausende von derartigen Paaren, und das ist auch vollkommen in Ordnung. Und dennoch... die beiden wirken auf mich wie in einer Zeitschleife gefangen. Zufällig arbeitet die Frau halbtags, aber sie erscheint wie ein Hausmuttchen, das treu und liebend zu Hause wartet, dass Papi nach Hause kommt. Und was bringt Papi mit? Blumen. (Ich hab's gewusst...)

Wohlgemerkt, Blumen sind schön, und ich mag sie auch sehr, es ist auch nichts wirklich gegen das Paar zu sagen, und doch wollte ich Dir nur meine Empfindung beim Lesen mitteilen. Es muss ja kein unerträgliches Power-Super-DINK-Paar sein, aber die beiden sind so piefig. Wenn es allerdings beabsichtigt ist, dass sie so wirken, dann hast Du es geschafft.

Alles in allem ist es eine schöne und positive Geschichte, doch ihr fehlt so ein klein bisschen der Pfeffer und die Überraschung.

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