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Leselupe.de > Kurzprosa
Radetzkymarsch
Eingestellt am 22. 11. 2009 10:45


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Gernot Jennerwein
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Ich bin ein Soldat, aber es ist kein Krieg f├╝r mich da. Jeden Tag wichse ich mein Gewehr und warte auf den Krieg. Der Gro├čvater in Uniform h├Ąngt an der Wand und mein Vater betet zu Sonnabend vor ihm, wie es die Kameraden tun. Aber wiewohl der Vater ohne allzu viel Unterscheidungen der W├╝rde unter uns lebt, ist er doch etwas ganz anderes, als es der Gro├čvater war. Der Vater war geflohen vor der Fahne. Die Mutter hatte es heimlich erz├Ąhlt. Im letzten Krieg, als der Kaiser rief, grub er ein Loch unterm H├╝hnerstall. Zwei auf zwei Meter sollÔÇÖs gewesen sein. Acht Wochen w├Ąr er in dem Loch gelegen, der feige Hund. Als Kind war ich dabei, als eine Abteilung des Kaisers kam und nach ihm zu suchen begann. Tot sei er, hatte die Mutter zu ihnen gesagt, und ich habÔÇÖs geglaubt und die Soldaten gingen davon, nur einer blieb eine Zeit lang und hat mit der Mutter geschrien, oben im Zimmer. Und dann war der Krieg vorbei und der Vater auferstanden. Er hat gesagt, er w├Ąr an der Front gewesen, aber ich habÔÇÖs nicht geglaubt, weil ich das Loch sah und den Haufen Knochen von den H├╝hnern.
Der Kaiser ist dann gestorben und ich bin gr├Â├čer geworden. Ich bin der Partei beigetreten; wir treffen uns jeden Abend und warten auf den Befehl, die Grenze zu ├╝berschreiten. Ich bin bereit, und wenn wir marschieren, dann werd ich den Vater zuvor noch erschie├čen, denn der ist wohl nichts wert, und ich brauch mich nicht mehr zu sch├Ąmen.


Version vom 22. 11. 2009 10:45

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Ralf Langer
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hallo gernot,

davon w├╝rde ich gerne mehr lesen.

es liest sich wie ein treatment f├╝r eine
gr├Â├črere geschichte.

das bild der drei m├Ąnnerfiguren
gro├čvater, vater, sohn hat potential.

der erz├Ąhlzeitpunkt vor beginn von weltkieg 2
ist gut gew├Ąhlt.

AUCH TOLL:

das bild des soldaten ohne krieg, der sein gewehr
wichst!

der versteckte vater in der "h├╝hnergube"
mit verbindungen zu saddam( f├╝r mich)



wie gesagt, w├╝rde gerne eine erz├Ąhlung dar├╝ber lesen
DAS POTENTIAL IST LESBAR!

LG
ralf
__________________
RL

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Gernot Jennerwein
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hallo Ralf

danke f├╝r deinen Kommentar. Ich wollt mal aus der Sicht eines jungen Mannes schreiben, der ├╝berzeugt von dem war, was die Regierenden dem Volk eintrichterten - Vaterlandsliebe.
Ich wollte eigentlich einen provokanten Text schreiben.

liebe gr├╝├če gernot

PS. ich kenne tats├Ąchlich einen fall, wo sich ein mann l├Ąngere zeit unter einem h├╝hnerstall verborgen hatte (um 1940), sie haben ihn auch gesucht, aber nicht gefunden. er war ein herzensguter mensch.

liebe gr├╝├če
gernot

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Odilo Plank
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Radetzkymarsch

Spirit
In der Schule nennen sie mich Keenich, weil ich zu dick bin, die Bl├Âden. Sie wissen nicht, was ich wei├č. Ich wei├č jetzt schon, dass in f├╝nf Jahren unser B├╝rgermeister ├ťllig├╝ll hei├čt und nachts mit dem Lautsprecher vom Kirchturm pl├Ąrrt und sich dann alle mit dem Bauch nach Mekka legen m├╝ssen.
Ich bin bereit, wenn wir marschieren.
Wenn alles hier deutsch w├Ąre, g├Ąbe es keine Kopft├╝cher, und die M├Ądchen gingen auch mit mir ins Spirit. Dort gehen sie hin. Ich nicht. Ich hab ja nix zum Anziehen.
Ich ginge so gern ins Spirit. Dort k├Ânnte ich mit einem M├Ądchen knutschen.
Wenn alles deutsch w├Ąre, k├Ânnte ich saufen wie die anderen, weil ich Knete h├Ątte. Die kriegen hier die da oben und die Neger. Nur nicht die Deutschen.
Wenn ich heut Abend im Spirit w├Ąre, w├╝sste ich vielleicht auch, wie das hei├čt.

__________________
Odilo P.
"Wer ├╝ber sein Leid spricht, tr├Âstet sich bereits." A. Camus

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