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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Raffiniert komponiert, mit hoher psychologischer Dichte
Eingestellt am 22. 11. 2017 13:23


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:
Judith W. Taschler, David, Droemer 2017, ISBN 978-3-426-28133-8

Nach dem wunderbaren und hochgelobten Roman „bleiben“, der auch mich im vergangenen Jahr begeisterte, legt die bekannte und preisgekrönte Innsbrucker Schriftstellerin Judith W. Taschler schon ein Jahr spĂ€ter einen faszinierenden Roman vor, der nicht weniger als „bleiben“ das Potential zum Bestseller besitzt.

Raffiniert komponiert, mit hoher psychologischer Dichte und auf allerhöchstem literarischem Niveau erzĂ€hlt Judith W. Taschler von Familienbeziehungen, von den lebenslangen Folgen einer Adoption (mit Reminiszenzen an Bert Hellingers „Ordnungen der Liebe“), von IdentitĂ€t und wie sie sich gerade an den großen Wendepunkten des Lebens bewĂ€hrt und erneuert.

Als Magdalena Millet nach dreißig Jahren in den kleinen österreichischen Ort Kirchberg zurĂŒckkehrt, um das verlassene Haus ihrer Großmutter Clara wieder herzurichten, wird das im Dorf mit großer Skepsis beobachtet. Zu viel ist geschehen seit der Zeit vor Jahrzehnten, als sie als kleines MĂ€dchen ihre Eltern verlor.

Schon bald nach ihrer RĂŒckkehr begegnet sie Jan, der wie jedes Jahr am Todestag seiner Adoptivmutter dem Baum einen Besuch abstattet, gegen den sie vor langer Zeit betrunken mit dem Auto gefahren war und dabei den Tod gefunden hatte. Dieser ersten Begegnung der beiden Hauptpersonen des Romans, die relativ konfliktreich verlĂ€uft, werden im Zuge der Handlung noch weitere folgen.

Mit vielen RĂŒckblicken, in denen Jans Onkel Viktor immer wieder eine zunĂ€chst dem Leser noch dunkel bleibende Rolle spielt, geht die Autorin immer wieder in verschiedene Stadien der Vergangenheit zurĂŒck, kommt wieder in die Gegenwart zurĂŒck, um im nĂ€chsten Kapitel ohne Zeitangabe in eine andere Vergangenheit zu springen. Das nötigt dem Leser höchste Konzentration ab, zwingt ihn aber auch, selbst ĂŒber ZusammenhĂ€nge nachzudenken, bevor sie im zweiten Teil des Buches langsam offenbar werden.

Es ist ein Roman ĂŒber Menschen, die auf der Suche sind nach ihren Wurzeln, Menschen, die lernen, in der eigenen Vergangenheit und der ihrer Vorfahren Kraft zu finden fĂŒr die Gestaltung und die positive BewĂ€ltigung ihres eigenen Lebens.

Spannend und virtuos komponiert, bereitet der neue Roman von Judith W. Taschler erneut allerhöchsten Lesegenuss und gute Unterhaltung auf hohem Niveau.





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