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Leselupe.de > Kurzprosa
Rapfunzel
Eingestellt am 09. 02. 2002 14:21


Autor
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Charima
???
Registriert: Sep 2001

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Dieser Text, von dem ich nicht wei√ü, wo ich ihn sonst einordnen sollte, entstand nach einer Bemerkung von Stefanie "Steffi" B. auf der vorletzten Schreibwerkstatt im Haus Felsenkeller. Ich danke Dir hiermit f√ľr Deine Inspiration, liebe Steffi - auch wenn ich wei√ü, da√ü ich noch viel an diesem Text arbeiten mu√ü!

Der Text pa√üt im √ľbrigen nicht unter meinen Nick "Charima" -wenn ich mehrere Nicks er√∂ffnet h√§tte, st√§nde er vermutlich unter dem Teilnamen von mir, der sich "Lolla" nennt. Das nur am Rand und falls DU es lesen solltest, lieber Volkmar (in Bezug auf unsere ausgiebige Diskussion).



Rapfunzel


Vor langer, langer Zeit, als der Fernseher und das Internet modern waren und die Menschen noch keine neuen Medialtechniken kannten, lebte in einer r√ľckst√§ndig patriarchalischen Gesellschaft ein M√§dchen. Dieses M√§dchen war nicht so wie die anderen. Es erschien ihren m√§nnlichen Zeitgenossen als zu "frech", weil es stets nur seine eigene Meinung √§u√üerte. Darum wurde es auf einen ausrangierten Sendeturm ohne Mikrophon verbannt, bis es sich bereiterkl√§ren w√ľrde, Gemahlin und somit "M√§dchen f√ľr alles" eines gesellschaftlich anerkannten Mannes zu werden.

Dort vegetierte es vor sich hin, jedoch nicht, ohne seine eigenen Gedanken weiterzuspinnen. Weil die Verbanner an vieles gedacht, aber die Notwendigkeit eines Friseurs au√üer Acht gelassen hatten, wurden die blonden Haare des M√§dchens l√§nger und l√§nger. Das D√ľngemittel in den genmanipulierten Fr√ľchten der t√§glichen Mahlzeiten trug einen weiteren Teil dazu bei, das Wachstum zu beschleunigen, so da√ü schlie√ülich eine lange, dichte Matte entstand, welche die gesamte Plattform des Sendeturms bedeckte und wie eine helle Funzel leuchtete.

Tag f√ľr Tag kamen nun stahlro√übewehrte Fr√∂sche vorbei, die das M√§dchen glauben machen wollten, sie seien Prinzen. Das n√ľtzte ihnen jedoch herzlich wenig, da das M√§dchen von einer Monarchie ebensowenig hielt wie von einem Wachstiegel zum Enthaaren seiner Beine.

Frech grinste es die Bewerber an und lachte lauthals √ľber ihre vergeblichen Bem√ľhungen, die Plattform zu erreichen. Die meisten hingen sich dazu wie besessen in ihre Haarpracht und versuchten, Tarzan in der Stadt zu spielen. Nur mit dem Unterschied, da√ü Tarzan selbst in der Stadt eine wesentlich bessere Figur gemacht h√§tte.

Allerdings erschienen dem M√§dchen die Befreiungsversuche ohnehin st√ľmperhaft. Denn es hatte beschlossen, sich nicht zur Puppe eines M√∂chtegernprinzen degradieren zu lassen. Das M√§dchen versp√ľrte keine Lust darauf, sich von einem solchen Versager flachlegen zu lassen und dann lebensl√§nglich per Trauschein an ihn gekettet zu sein, blo√ü um den zugewiesenen Sendeturm verlassen zu k√∂nnen.

Dies ahnte jedoch keiner ihrer Verehrer, da ihre blauen Augen, die auf dem Steckbrief per Retuschierung sehr vorteilhaft betont waren, auf den ersten Blick an K√§the Kruses Anna erinnerten und jedes m√§nnliche Wesen ins Tr√§umen bringen konnten. Daher erschienen die Froschprinzen in Scharen, um ihr Gl√ľck zu versuchen.

Trotzdem bestand f√ľr das M√§dchen keine Gefahr, sein Singledasein zu verlieren. Zuviel Bier und Fernsehkonsum hatte die Gehirne der Probanden aufgeweicht und s√§mtliche Muskeln erschlaffen lassen, so da√ü es niemandem gelang, auch nur die H√§lfte ihres Zopfes zu erklimmen.

Da das M√§dchen au√üerdem jedem vorbeikommenden Frosch erz√§hlte, es liebe Dinosaurier und halte sich Raptoren - was sich durch das eigene, markersch√ľtternde Gebr√ľll glaubhaft belegen lie√ü -, schlug es selbst die hartn√§ckigeren Froschprinzen in die Flucht und erlangte bald eine gewisse Ber√ľhmtheit als "Rapfunzel".

Als eines Tages wieder ein Frosch in seinem Kadett bei einer √ľbereilten Flucht au√üer einem Totalschaden eine noch weniger funktionale Hirnmasse heimw√§rts trug, entdeckte Rapfunzel ein altes Auspuffrohr. Dieses war aufgrund einer Detonation bei einem √ľbereilten Fluchtversuch den Turm hinauf geschleudert worden, unter ihren Locken bisher jedoch unentdeckt geblieben.

Sofort nahm das freche Mädchen sich einen Hammer, plättete damit ein Ende des Rohres und benutzte die Turmwand als Schleifstein. Anschließend betätigte sich Rapfunzel als Friseuse. Das Haareschneiden entpuppte sich zwar nicht als ihre größte Stärke, half aber immerhin, zu einem kräftigen Seil zu gelangen. Die Flucht aus dem Turm war nun ein Kinderspiel.

Endlich wieder frei, entwirrte Rapfunzel die langen Haare vom Turm und verkaufte diese auf dem chinesischen Markt, wo blondes Echthaar sehr begehrt war. Mit dem verdienten Geld zog sie in ein Kasino und zockte mit ihren Pokertricks alle Anwesenden ab, bis diese weder Geld, noch Unterwäsche oder Haare besaßen.

Der enorme Gewinn erm√∂glichte Rapfunzel ein Leben ohne die Bel√§stigung durch Fr√∂sche oder genmanipulierte Tomaten, die beim Kochen in sich zusammenfielen und nach abgestandenem Mineralwasser schmeckten. Sie schaffte es sogar, alle Fr√∂sche in die hintersten Ecken s√§mtlicher K√ľchen zu verbannen. So wurden sowohl das Patriarchat, als auch das veraltete Modell des vorgeblichen Prinzen abgeschafft, und das neue Zeitalter trat seinen Siegeszug an.



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Antaris
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Rapfunzel

Hallo Lolla,

ich wusste garnicht, dass Du einen Hang zur Satire hast! Das ist ja eine ziemlich schr√§ge Story, die Du fertig gekriegt hat. Stilistisch f√§llt mir auf, dass Deine Sprache immer st√§rker verdichtet wird. Das w√§r's f√ľr den Anfang, vielleicht fallen mir bei widerholtem Lesen noch ein paar Details auf.

Mit feurigen Gr√ľ√üen

Antaris

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Charima
???
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Liebe Antaris!

Wuuuuuh! Mit einem solchen Lob ausgerechnet von Dir f√ľhle ich mich nat√ľrlich sauwohl! Aber falls Dir auff√§llige Schnitzer bei mir ins Auge springen, scheu Dich nicht, sie mir an den Kopf zu schmei√üen - Du hast schlie√ülich einen geschulten Blick f√ľr solche Dinge.

Danke - reich die Pranke,

"Lolla"



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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Rapfunzel

Allein dieser Name ist k√∂stlich genug, mit Spannung den Text von A - Z zu verfolgen. Antaris hat recht: Der gelungene Text w√ľrde prima ins Satire/Ironie Forum passen. Aber der Sinn ist deutlich und die Protagonistin lehnt sich nicht nur tapfer auf, sie gewinnt auch noch. Ein kleines mutmachendes Lehrst√ľck!!!

Aber verzeih wennn ich ein wenig bei dem Thema bleibe: Was √§ndert es am Text, wenn er nicht von Charima sondern von XY gepostet worden w√§re? F√ľr Dich mag es von Bedeutung sein, aber zumindest den regelm√§√üigen Lupenleser w√ľrde es verwirren. Nun gut, anderseits w√§re es auch kein Beinbruch. Du siehst, ich komme mit diesem Thema Mehrfachuser nicht so klar. Verzeih!

LG
Volkmar

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Willi Corsten
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Liebe Charima,
deine Variante von Rapunzel gefällt mir gut. Allein die Idee ist schon spitze.
Da du ausdr√ľcklich nach m√∂glichen Verbesserungen fragst, wage ich hier ein paar Vorschl√§ge. Ok?
Im 2. Absatz w√ľrde ich das Wort ‚ÄěM√§dchen‚Äú noch einmal benutzen.
... wurden die blonden Haare des Mädchens länger und länger.

Am Schluss des 4. Absatzes w√ľrde ich Turmspitze (statt Turm) schreiben, denn an den Turm selbst kommen die Freier ja heran.

Der 4. Absatz ist m.E. eh ein wenig ungl√ľcklich formuliert. Wenn du m√∂chtest, mache ich mir einmal Gedanken dar√ľber. Sage mir aber bitte Bescheid, denn aufdr√§ngen will ich mich ja keinesfalls.

Beste Gr√ľ√üe
Willi

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Charima
???
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Lieber Volkmar!

Vielen Dank f√ľr Deine aufbauenden Worte! Etwas tief in mir f√§ngt an zu kribbeln bei dem Wort "Satire" - sollte mein Text tats√§chlich in diese Richtung gehen? Wenn Du und Antaris diese Ansicht vertretet... Es w√ľrde mich wahnsinnig freuen, denn ich war immer der Ansicht, etwas Derartiges nie zustandebringen zu k√∂nnen.

Nochmal zum Thema "Mehrfachuser". Deine Ansicht ist vollkommen in Ordnung, und ich kann sie gut nachempfinden. Ich möchte schließlich auch gerne Bescheid wissen, wenn jemand, dessen Texte mir oft gefallen, einen neuen Text in die Lupe setzt.
Ich vermute, da√ü ich selbst in der Lupe aus oben genanntem Grund immer "Charima" bleiben werde, aber mit vielen verschiedenen "Unterkategorien". Eine davon ist eben "Lolla", denn sie ist eine vollkommen andere, eigene Identit√§t in mir. Texte von "Lolla" w√ľrde ich auch vollkommen anders vortragen als die von "Charima", was insbesondere bei unserer Fr√ľhlingslesung der Schreibwerkstatt Bedeutung erlangen k√∂nnte.

Ich hoffe, da√ü Du mich verstehst und w√ľnsche Dir ein sch√∂nes Wochenende!

Liebe Gr√ľ√üe,

Charima bzw. Lolla




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