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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Rastaman
Eingestellt am 04. 05. 2012 23:06


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Sami Omar
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2012

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Ich war siebzehn, als Stefanie mir meine Harre abschnitt. Sie sollte nur die Seiten meines Kopfes rasieren wo unterhalb des Ansatzes meiner Rastalocken aufhören. Ich liebte meine Rastalocken. Sie waren gepflegt und hatten endlich eine stattliche Länge erreicht.
Ich bin mir sicher, irgendwas von Sicherheitsabstand gesagt zu haben. Als es zu spät war und sie eine Schneise in meine Locken geschlagen hatte, hielt sie kurz inne. Sie schaltete den Rasierer aus. Alles war still.
Wie schlimm ist es? , fragte ich ernst. Ich sah sie an und dachte daran, wie schade es ist, sie ab sofort fĂĽr immer hassen zu mĂĽssen. Sie war verliebt in mich und ich in sie und ihre Vespa PX 200. Schlimm, sagte sie und fĂĽhrte mich in den Flur vor den Garderobenspiegel.
In den neunziger Jahren des 20 Jahrhunderts wurde mit Frisuren allerlei Grausames angestellt. Einige Jahre lang besonders von Menschen, die entweder Kurt Cobain oder Mc Hammer stilistisch missverstanden hatten. Als ich mich ansah war klar, dass es keine andere Lösung gab: Du musst es zu Ende bringen, sagte ich ihr und ging zurück ins Bad.
Mein Vater gab mir zwanzig Mark dafür, dass ich endlich zur Vernunft gekommen sei und mit der Glatze nun zumindest –Zitat: „Aussicht auf das Entstehen eine Frisur geschaffen“ hatte. Ich trage immer noch Glatze. Selten, aber manchmal, wenn ich mir den Kopf rasiere, denke ich an Stefanie und ihre PX 200. Manchmal ließ sie mich fahren, obwohl ich keinen Führerschein hatte. Dann setzte sie sich auf den Sozi, hielt sich an mir fest und tat, als vertraute sie mir. Das war gelogen, aber sehr wichtig für mich.

Ab und an muss mal eine neue Haarschneidemaschine her. Europäische Maschinen sind für das Schneiden dicken, krausen Haares nicht ausreichend motorisiert. Einige Monate geht es gut, dann macht das Ding schlapp und man kann wieder los und ein Neues besorgen. Kürzlich war es wieder so weit. Diesmal hatte ich mir vorgenommen, eine unkaputtbare Haarschneidemaschine zu kaufen. Koste es, was es wolle. Ich schilderte dem Fachverkäufer für Haarschneidemaschinen und Rasierapparate mein Anliegen, er nickte, ging, kam wieder und hielt zwei Packungen in Händen. Das eine Gerät habe schon einen überdurchschnittlich starken Motor, sagte er. Doch es gebe immer wieder Menschen wie mich – er meinte dunkelhäutige, traute sich aber nicht es auszusprechen – die gezielt nach dem anderen Rasierer fragten. Er sei noch stärker und offenbar sehr beliebt bei uns – er meinte dunkelhäutige Menschen, traute sich aber nicht es auszusprechen. Er sagte noch etwas über die Verpackung und Missverständnisse, aber ich grub in meinem Geldbeutel bereits nach meiner EC-Karte und hörte nicht zu. Mehr Power! Ich konnte die nächste Rasur kaum abwarten. Wir verabschiedeten uns per Handschlag. Netter Kerl eigentlich. Schrecklich unbeholfen im Umgang mit Menschen wie dir, aber nett, dachte ich. In der Bahn holte ich die Packung nochmal aus der Tüte. Die Bedienungsanleitung beginnt so: vor der Schur sollten Sie das Fell in jedem Fall von groben Verschmutzungen befreien. Sandpartikel o.Ä. können dazu führen, dass der Schneidsatz beim Scheren sehr schnell stumpf wird. Deshalb bürsten Sie das Fell vor der Schur, entfernen Sie Filz, oder baden Sie Ihren vierbeinigen Freund mit einem milden Shampoo. Bitte beachten Sie, dass alle Verfilzungen vor dem Bad entfernt werden müssen!

Sami Omar
__________________
Sami Omar - Ich bin kein Luftballon
Autor und Kurzgeschichten aus Köln

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