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Leselupe.de > Humor und Satire
Rasurtortur
Eingestellt am 11. 01. 2001 22:12


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albi
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Oct 2000

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Die 'braven' M├Ąnner in unserer Gesellschaft - also die linken, sozialen, p├Ądagogischen, theologischen - haben fast immer einen Bart. Bisher schwieg sich die soziologische Forschung ├╝ber dieses Ph├Ąnomen aus. Ich aber nenne nach einem jahrelangen Selbstversuch den Grund: Rasieren und das Streben nach Gerechtigkeit vertr├Ągt sich nicht!
Jeden zweiten Morgen geh├Ârt zu meiner Morgentoilette die Gesichtsrasur, sonst protestiert meine Freundin. Wenn die w├╝├čte, mit welchen Belastungen das verbunden ist! Darum schleppe ich mich an diesen zweiten Tagen immer besonders unmotiviert ins Bad. Ich wei├č schon im Voraus, da├č es wieder ein ern├╝chternder Proze├č sein wird, aus dessen festgelegten Riten ich allerdings nicht f├Ąhig bin auszubrechen.
Erster Schritt: Gesicht na├čmachen. Gew├Âhnlich eine Wonne. Hingegen nicht, wenn man schon wei├č, was als n├Ąchstes kommt.
Zweiter Schritt: Rasiercreme auftragen. Ich nehme - wie es die Verpackung empfiehlt - ein nu├čgro├čes St├╝ck und dr├╝cke es auf die linke Backe. Und wie jeden zweiten Morgen habe ich damit den ersten Fehler begangen. Denn sofort beginnen wieder die qu├Ąlenden Fragen an die Oberfl├Ąche zu dringen: Warum eigentlich immer die linke Backe zuerst? frage ich mich und finde keine Antwort. Warum kann ich nicht auch mal an einer anderen Stelle beginnen? Die Macht der Gewohnheit beginnt sich mit dem Sinn nach Gerechtigkeit zu zanken. Und dieser Streit wird meine weitere Rasur begleiten.
Dritter Schritt: Rasiercreme mit Pinsel zu Schaum schlagen. W├Ąhrend dieser T├Ątigkeit ahne ich schon, da├č es mir wieder nicht gelingen wird, allen Partien meines Gesichts gerecht zu werden. Wieder hatte ich zu wenig Rasiercreme genommen, wieder an der selben Stelle begonnen, wieder wird der Rasierschaum nicht in gleichen Teilen f├╝r alle meine Gesichtsz├╝ge ausreichen. Aber ich war wieder zu geizig und zu bequem, um einfach mit mehr Rasiercreme zu beginnen.
Vierter Schritt: Mit dem Finger die Schaummenge ausgleichen. Auch wenn ich wie jeden zweiten Morgen versuche, das Unheil noch einmal abzuwenden, indem ich mit dem Finger auch die chronisch benachteiligten Partien mit etwas Schaum versorge, bin ich zu diesem Zeitpunkt einmal mehr ├Ąu├čerst unzufrieden mit mir, zweifle an meiner sozialen Ader, meinen gesellschaftlichen Ansichten und meiner integrativen St├Ąrke. Denn: Schon wieder haben die oben (an den Wangen) alles und die unten (am Hals) nichts. Wieder dieses Dilemma. Ich wei├č bereits, da├č die Klinge wieder aalglatt ├╝ber die Wange gleiten wird, w├Ąhrend ich im Halsbereich ein unangenehmes Kratzen aushalten werden mu├č.
Dabei h├Ątte es doch in meiner Macht gestanden, den Schaum anders zu verteilen. Ich alleine habe diese schreiende Ungerechtigkeit zu verantworten. Doch ich bin zu schwach, zu unflexibel und habe Angst vor jeder Art von Ver├Ąnderung. Dabei predige ich doch f├╝r die Politik immer das genaue Gegenteil! Das, liebe Lesende, sind die Momente, in denen das Selbstvertrauen auf ein Minimum zusammensackt.
F├╝nfter Schritt: Rasieren. Doch diesmal will ich mich aus dem Teufelskreis befreien! Diesmal werde ich mich nicht wieder meinem eigenen Diktat beugen. Diesmal werde ich die Klinge wenigstens an einer benachteiligten Stelle ansetzen, damit der Schaum dort noch nicht angetrocknet ist und dadurch noch eine gewisse, wenn auch nicht gro├če Gleitwirkung besteht. Ich fuchtle wild mit dem Rasierer hin und her, stehe vor einer inneren Zerrei├čprobe, k├Ąmpfe mit mir und dem Ger├Ąt - und setze es wie immer rechts oben an.
Ein wohliges Gef├╝hl der Zufriedenheit ├╝berstr├Âmt mich. Es ist einfach sch├Ân, nach festen Vorgaben leben zu k├Ânnen.
Leider schl├Ągt dieses Wohlgef├╝hl im Laufe des Tages wieder um, verwandelt sich in zerm├╝rbende Selbstvorw├╝rfe und tiefe Verzagtheit. Die Schrammen am Hals werden mich noch ein paar Tage begleiten, und ich werde die n├Ąchste Rasur wieder genau so f├╝rchten wie all die Rasuren zuvor.
Die Rasur dr├╝ckt auf die Grundstimmung. Das Leben ist ein Hundeleben. Und ich wei├č nicht, wie ich's meiner Freundin sagen soll.
Ein winziger, klitzekleiner Trost bleibt indes: Ich wei├č endlich, kann mir endlich erkl├Ąren, warum die 'braven' M├Ąnner lange B├Ąrte haben.

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MJK
Guest
Registriert: Not Yet

blablablablablablalaberblablablablalaber...

noch ein wenig langweiliger und meine Festplatte schl├Ąft ein.
Mein Gott, sollte das Desaster echt unterhaltsam werden? Welche Schule hast Du besucht? Hast Du ├╝berhaupt eine von innen gesehen?

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albi
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Oct 2000

Werke: 6
Kommentare: 6
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Du rasierst Dich wohl elektrisch...

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