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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Raupenfahrt
Eingestellt am 11. 09. 2008 09:41


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Dancingdet
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2008

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Langsam schiebt sich sein Arm hinter ihren RĂŒcken. Jetzt nur locker bleiben ! Cool bleiben und sich mit der Hand vorsichtig an ihre Schulter tasten. Die Chicks stehen auf coole Jungs. Er kann ihr Gesicht aus dem Winkel nicht sehen, weil ihm der Schirm seiner Kappe und die ĂŒber die Kappe gezogene Kapuze die Sicht versperren. Hoffentlich spĂŒrt sie sein innerliches Zittern nicht. Wenn die Wahrsagerin Recht hat, dann wird es gleich passieren !
Er hat sich schon in der Schule verabredet...; also er und Niklas. Niklas, den alle bewundern und als Vorbild nehmen. Niklas, der die Zigaretten seines Vaters raucht und es als Einziger wagt, Bier zu trinken. Nicht dieses gepanschte Zeug mit Cola oder Limo, nein, richtiges Bier, das nach Malz und bitterem Hopfen schmeckt. Niklas ist auch der Einzige, der schon eine Freundin hat, die Vanessa. Die Vanessa zieht auf dem Schulhof immer mit einer Horde kichernder und tuschelnder MĂ€dchen ihre Kreise. Alle immer geschminkt und unheimlich cool. „Ey, gehsse Kirmes ?“ hatte Niklas gefragt. Unter dem Schirm seiner Baseballkappe ĂŒber die er die Kapuze seines Sweats gezogen hat blitzt ein Blechpickel in seiner Oberlippe. Niklas fragt IHN ! Er spĂŒrt förmlich, wie seine Klassenspezis zusammenzucken. Er wĂ€chst ein kleines StĂŒck. „Klar, Mann kommsse mit ?“ „Klar, trifft sich gut datte hingehss. Ich bin mitte Vanessa da und die nimmt ihre Freundin Nina mit.“ Niklas grient ihm verschwörerisch zu: „Zwei Tussis sind selbst mir zu viel.“ „Sechs Uhr anne Raupe, okay ?“ „Klaro, sechs Uhr anne Raupe.“ Niklas schlendert zur Bushaltestelle. Dabei sieht es so aus, als stĂŒtze er sich mit dem linken Bein immer etwas stĂ€rker ab, als mit dem rechten. Cooler Rappergang.
Es hupt, seine Mutter fĂ€hrt mit dem Passat vor. Er wehrt einen BegrĂŒĂŸungskuss gerade noch so ab und sagt dann: „Ich gehe heute abend um sechs Uhr mal kurz auf die Kirmes. Bin aber um Neun wieder zu Hause.“ Ha, mit Niklas auf die Kirmes ! Er wird um Einiges auf der Beliebtheitsskala steigen.
Zu Hause kann er seine Ungeduld kaum im Zaum halten. Er macht zunĂ€chst seine Hausaufgaben und isst dann eine Kleinigkeit. Schließlich geht er um halb fĂŒnf ins Bad. Er duscht und reinigt sein bestes StĂŒck ausgiebig, schließlich ist die Nina heute mit dabei. Wie sieht die noch mal aus ? Er versucht, sich zu erinnern. Ist das die dunkelhaarige ? Ach, die sind ja alle dunkelhaarig. Na, egal. Er verlĂ€sst die Dusche und greift zum Rasierer seines Vaters. Zuerst einseifen, dann in langsamen ZĂŒgen die Dreifach-Klinge ĂŒber die Stoppeln gleiten lassen. Ein Knistern wie bei seinem Vater ist nicht zu hören, aber er fĂŒhlt sich nach der Rasur richtig glatt an. Jetzt noch ein Rasierwasser. Er wĂ€hlt „Hugo Boss- separates the men from the boys“ und stöhnt qualvoll auf. Daher der Werbeslogan ! Aber es riecht erotisch. Dann schlĂŒpft er in seine Calvin Klein Unterhose, zieht sich seine Levis-Jeans an, ein T-Shirt und darĂŒber seinen Sweat mit Kapuze. Barfuß in die Reebock Turnschuhe und schließlich die Baseballkappe; Kapuze drĂŒber und los geht’s.
Schon sechs Uhr durch und noch keiner zu sehen. Um ihn herum herrscht ein Chaos von moderner Musik, Kinderliedern, Karusselgeschepper und ein Meer von Bratwurst-, Fisch- und MandeldĂŒften. Sein Handy bemerkt er nur, weil es auf Vibrationsalarm steht. Eine dĂŒnne Stimme meldet sich: „He Mann, hier iss Niklas. Wir waren grad noch \'n bissken vorglĂŒhen. Sind inne Viertelstunde da, Alter!“ Aus den Boxen der Raupe dröhnt es. Da fĂ€llt sein Blick auf eine unscheinbare Bude „Madame Mantika“ Wahrsagerin. Unbewusst macht er ein paar Schritte auf den kitschig wirkenden Wagen zu. In diesem Moment öffnet sich die TĂŒr und eine bunt gekleidete dicke Frau erscheint. „Na, mein Junge. Möchtest du dir die Zukunft voraussagen lassen ?“ Er schĂŒttelt heftig den Kopf, aber sein energisches „Nein“ geht im Gedröhne der Raupe unter. Die Frau im orientalischen BauchtanzkostĂŒm packt in bei den Schultern und schiebt ihn in den Wagen. „Es tut nicht weh. Und weil du so jung bist, ist es auch kostenlos.“ Er hat eine Viertelstunde Zeit, was hat er zu verlieren. Die Dicke zieht ein dĂŒnnes Tuch von einer Kristallkugel. Sie sieht in an und macht ein wichtiges Gesicht. Dann rollt sie mit den Augen und – er zuckt vor Überraschung zurĂŒck – es bildet sich ein farbiger Nebel innerhalb der Kugel. Die Frau hĂ€lt ihre geöffneten HĂ€nde darĂŒber und murmelt etwas in einer fremden Sprache. Unvermittelt reißt sie die Augen auf und starrt ihn an. „Mein lieber Junge, du bist 15 Jahre alt und du gehst auf die örtliche Gesamtschule. Du liebst deine Eltern und deine Schwester. Deine Noten sind ĂŒberall sehr gut, aber dein Sehnen ist es, Bewunderung und Liebe zu erheischen! Ich sehe, dass du dem einen Teil nĂ€her kommst und dass der heutige Abend fĂŒr dich unvergesslich wird !“ Er bekommt bei dem Gedanken eine Erektion und sein Gesicht wird fiebrig. HĂ€tte er doch nur Kondome mitgenommen ! „Doch hĂŒte dich, wenn die Liebe ihre Kreise zieht !“
So, so, ein unvergesslicher Abend. Vielleicht hat Niklas ja ein paar VerhĂŒterlis dabei, schließlich geht er schon drei Monate mit Vanessa. Wenn er sich nur daran erinnern könnte wie Nina aussieht. Madame Mantika schiebt ihn nach draußen, wo schon ein junges Liebespaar wartet. Er begibt sich wieder in den Wirbel von Musik und Geruch. Endlich entdeckt er Niklas mit den zwei MĂ€dels. „He Alter, komm lass uns ma schnell watt essen.“ Und damit schiebt er ihn zu Nina. Also doch dunkelhaarig. Über der schwarzen Leggins trĂ€gt sie ein Jeansröckchen, ein rosa T-Shirt und darĂŒber eine zu kurze Jeansweste. Sie ist stark geschminkt und trĂ€gt Kreolen in den OhrlĂ€ppchen. „Hi du,“ haucht sie und schnappt sich seinen Arm. „LĂ€dst du mich ein ?“ Ein verfĂŒhrerisches LĂ€cheln lĂ€sst ihn dahinschmelzen. Die Geruchslawine der Kirmes weicht ihrem herrlichen Parfumduft und dem leicht verruchten Geruch von einigen Alkopos. Sie begeben sich an die nĂ€chste Bratwurstbude. „Mach ma vier Phosphatstangen,“ ruft Niklas der Bedienung zu. Nina beugt sich vor, um ihre Wurst in Empfang zu nehmen und er kann den Hauch eines Blickes auf ihren BH werfen. Kaum hat er alles bezahlt, macht sich die Gruppe auf zum nĂ€chsten Bierstand. Niklas ist auch hier ganz im Bilde. „Ein Pils, zwei Krefelder und...watt nimms du ? Eine Cola.“ Die MĂ€dchen stehen zusammen und tuscheln, wĂ€hrend er die Runde bezahlt.
Kirmes, Rummel, Jahrmarkt: das verspricht VergnĂŒgen ! Der Teddy vom Schießstand wandert in Ninas Arm, weiter an das Bierkarussel, dann Zuckerwatte naschen und wieder vorbei an einen GetrĂ€nkestand. Niklas und Vanessa bleiben immer wieder stehen, um zu knutschen. Irgendwann muss er sich Nina schnappen. Seine Gedanken rotieren. Noch eine Wurst fĂŒr alle mit etwas Pils und Krefelder herunter gespĂŒlt. Dann hat er die Idee. Die Raupe! Eigentlich ein langweiliges GerĂ€t, aber die Mucke hier ist immer auf dem neuesten Stand und wenn sich die Stoffplane ĂŒber die SitzplĂ€tze legt die beste Gelegenheit, um ihr die Zunge in den Mund zu stecken.
Er bekommt seine nĂ€chste Erektion. Er zahlt, drĂŒckt Vanessa den Teddy in den Arm und zieht Nina zur Raupe. Niklas grinst schmierig. Er bugsiert sie in einen freien Sitz und dann geht es auch schon los.
Seine Hand liegt jetzt auf ihrer Schulter und sie neigt den Kopf auf seine Brust. Seine Unruhe wird stĂ€rker als er bemerkt, dass er ihr in den Ausschnitt sehen kann. Schwarze Spitze ! Ihr Kopf rollt zur Seite, rosige Lippen locken. Nun hat die Raupe ihre grĂ¶ĂŸte Geschwindigkeit erreicht, die Sirene heult und kĂŒndigt an, dass nun die grĂŒne Plane ĂŒber den SitzplĂ€tzen schließt. Es wir dunkler und dunkler, er nĂ€hert sich ihrem Mund. Die Lippen treffen sich und er beginnt langsam, seine Zunge in Ihren Mund zu schieben. Sie schiebt ihre Zunge ein StĂŒck vor; der Genuss, die Erregung, die ihn erfasst ist unbeschreiblich. In seinem Kopf wird ein Feuerwerk gezĂŒndet, das keinen klaren Gedanken mehr zulĂ€sst, ein unglaubliches Verlangen in ihm erzeugt und in einer weiteren Erektion mĂŒndet. Er spĂŒrt, dass es in Nina ebenso aussehen muss, spĂŒrt ihr Unruhe, fĂŒhlt, wie ein Zittern durch ihren Körper geht, wie sie heiß und fiebrig wird und unruhig auf ihrem Sitz hin und her rutscht.
Dann bricht es aus ihr heraus: Alkopos, Bratwurst, Zuckerwatte, Krefelder, Bratwurst, Krefelder, kleiner Feigling !
Er kann sich vor dem schier unendlichen Schwall an Erbrochenem nicht ganz in Sicherheit bringen und beginnt nun selbst, sich zu ĂŒbergeben. Die Plane öffnet sich und er springt aus dem FahrgerĂ€t. Er rennt nach Hause, wĂ€hrend in seinem Kopf die Worte von Madame Mantika nachklingen:
„Der heutige Abend wir fĂŒr dich unvergesslich werden. Doch hĂŒte dich, wenn die Liebe ihre Kreise zieht !“
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Tanzen ist Bewegung zur Musik; aber nicht jede Bewegung zur Musik ist Tanz.

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