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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Rausch
Eingestellt am 10. 07. 2016 17:47


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guadalajara
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jun 2014

Werke: 3
Kommentare: 1
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Dani steht mitten in der Menschenmenge, die sie Freunde nennt.
Laute Musik dr├Âhnt von der B├╝hne zu Ihnen her├╝ber, Zigaretten und Alkohol machen es ertr├Ąglich.
W├Ąhrend bei all den anderen die Stimmung stetig steigt, sei es durch den sozialen Kontakt oder schlichtweg durch ihr allm├Ąhliches betrunken werden, vergeht Dani die Feierlust immer mehr.
Gerade hier, gerade heute, ist sie so einsam, wie in keiner Sekunde in ihrer leeren Wohnung, ganz mit sich allein, ohne tagelang auch nur einen anderen Menschen zu sehen oder zu h├Âren.
Je gl├╝cklicher die Menschen um sie herum, desto ungl├╝cklicher sie. Dieser Zwang, auch lachen zu m├╝ssen, auch Spa├č zu haben, bewirkt genau das Gegenteil.
Sie gr├╝belt. Sehnt sich nach den positiven Gef├╝hlen, die die anderen mitrei├čen und fr├╝her auch sie mitrissen.
Alles, was sie selbst f├╝hlt, ist negativ. Da sind nur Leere, Angst, Sinnlosigkeit, manchmal auch Verzweiflung oder sogar Wut, Wut auf sich selbst und Wut auf die Menschheit, weil sie sich alleine gelassen f├╝hlt mit allem, was sie f├╝hlt.
Und dann ist da noch dieses Unverst├Ąndnis gegen├╝ber allen anderen, die ihr Leben oberfl├Ąchlichst gestalten, nur um nicht eine einzige Minute mit sich selbst, mit der Suche nach sich selbst und dem Sinn des Lebens, wenn man so will, zu verbringen, nur um ihre Gedanken nie den selben Weg gehen zu lassen, den Danis Gedanken t├Ąglich wandern, der immer Tiefer f├╝hrt und immer aussichtsloser ins nichts, in d├╝stere Regionen ohne Umkehrm├Âglichkeit, ohne den Willen, umkehren zu wollen.
Wer lange in diesen Gegenden verweilt fragt sich nicht mehr, wie er hier wieder entwischen kann, sondern nur mehr, warum er dass gar nicht mehr will.
Dani nimmt noch einen Schluck, und dann noch einen, und dann gleich ein ganzes Glas auf ex, immerhin bet├Ąubt der Alkohol.
Mit Ihren rohen Gedanken und Gef├╝hlen umgehen kann sie nicht, mit ihrem betrunkenen ich kommt sie aber bestens klar. Dieses betrunkene, manchmal sogar sturzbetrunkene ich hervortreten zu lassen verlangt auch die Gesellschaft, die sich am Samstagabend vor der B├╝hne versammelt. Wer hier n├╝chtern bleibt, wird gerade noch akzeptiert, dazu geh├Ârt er aber nicht.
Dazugeh├Ârig f├╝hlt Dani sich aber sowieso schon lange nicht mehr. Wie oft merkt sie, absch├Ątzige Gedanken ├╝ber ihre engsten Freunde zu denken, merkt, wie sie das Gl├╝ck der anderen regelrecht anwidert, ob aus Eifersucht oder Missgunst.
Doch wie soll sie jemals wieder Gl├╝cklich sein, wenn sie sich schon beim kleinsten hauch positiver Energie in ihrer Negativit├Ąt versteckt? Wie soll die aus diesen finsteren Regionen herausfinden, wenn die einzige Stra├če nur noch tiefer hinein f├╝hrt?
Dani nimmt noch ein paar gro├če Schlucke, ein Schnapserl geht auch noch.
Wenn sie etwas kontrollieren gelernt hat, dann ihren Alkoholpegel. Auf den Schluck genau kann sie bestimmen, wann genug ist, was meistens sehr sp├Ąt eintritt. Nicht der erste peinliche Moment, nicht das erste Mal ├╝bergeben bestimmen, wann genug ist. Genug ist dann, wenn noch mehr Alkohol zu absoluter gesellschaftlicher Unf├Ąhigkeit f├╝hren w├╝rde, wenn sie also einschlafen oder einfach umfallen w├╝rde. Dann wird lieber eine Stunde gewartet, etwas fettiges gegessen, vorzugsweise der Magen nochmals entleert, bis es wieder weiter gehen kann.
Meist trinkt sie zu anfang deutlich schneller als die anderen, um diesem unsinnigen zustand zwischen n├╝chtern und etwas angetrunken sein zu entkommen, der reine zeit- und Geldverschwendung ist.
Halbherzige Dinge mochte Dani noch nie. Wenn schon Alkohol, dann so viel wie irgend m├Âglich.
Extreme haben sie schon immer angezogen. Ganz oder gar nicht, dazwischen verbringen nur langweilige Menschen ihr Leben, bis sie abkratzen, ohne jemals gelebt zu haben, was den Gl├╝cklichen nat├╝rlich nie bewusst sein wird.
Der Alkohol baut eine immer h├Âhere Mauer um sie herum, die die anderen nicht durchdringen k├Ânnen. Es geht nur mehr um sie, die anderen sind maximal zu ihrer Belustigung da. Im nachhinein tut ihr das oft leid, ist sie n├╝chtern doch eigentlich ein sehr sozialer Mensch, der gerne unter Freunden ist, w├Ąren da nicht die ganzen Steine, die sie sich ├╝ber die Jahre selbst in den Weg gelegt hat.
Man kann nicht sagen, sie h├Ątte sich damals nicht bewusst dem Alkohol versprochen. Bis sie das verstand, dauerte es allerdings eine Weile.
Wie viele Menschen versuchten ihr immer wieder zu helfen, wie oft hatte sie selbst Hilfe gesucht. Doch war Hilfe nie das, was sie wirklich wollte. Insgeheim versucht sie jeden, der sie aus ihrem Sumpf herausziehen m├Âchte dazu zu bringen, ein bisschen zeit mit Ihr zu verbringen, in ihrer eigenen d├╝steren Welt, um nicht mehr die einzige sein zu m├╝ssen, die hier lebt. jeder Hilferuf war so eigentlich eine Einladung zu ihr nach Hause, die Suche nach jemandem der sie nicht versuchte gl├╝cklich z machen, sondern ihr Leid mit ihr teilte, oder sein eigenes leid mitbrachte, um dann gemeinsam ein neues zu kreieren.
Dani sch├╝ttete noch ein paar Drinks hinunter. je mehr sich alles um sich zu drehen begann, desto ruhiger wurde es in ihrem Inneren. Sie konnte sich jetzt mehr auf die Leute um sich herum konzentrieren, weil in ihr drin nicht mehr so viel los war. Erst jetzt war sie zu dem f├Ąhig, mit dem alle anderen schon seit Stunden besch├Ąftigt waren: im Augenblick zu leben. Hier auf dieser Party, die Musik wahrzunehmen, sich zu unterhalten, nicht an gestern oder morgen zu denken sondern einfach hier zu sein.
All zu lange wird dieser Zustand leider nicht anhalten, denn sie wird weitertrinken m├╝ssen, dann wird sie kotzen und danach wieder trinken, und dann wird bald genug sein und sie wird am n├Ąchsten morgen, oder eher Mittag, aufwachen und nichts mehr von all dem wissen, was sie am Vortag getan und nicht getan hat.

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m├╝der Dichter
Hobbydichter
Registriert: May 2016

Werke: 5
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Hallo guadalajara

Einen tragischen Charakter beschreibst du in deiner Geschichte. Ich hoffe die autobiografischen Elemente halten sich in Grenzen.

Nachdem ich deine Beschreibungen von Dani ein erstes Mal gelesen hatte, habe ich mich gefragt, was mir eigentlich von dieser jungen Frau im Ged├Ąchtnis geblieben ist. Alkoholprobleme - und sonst? Ich musste den Text ein zweites Mal lesen. Und auch jetzt w├╝rde es mir schwer fallen, wenn ich diese Dani jemandem beschreiben m├╝sste.

Weniger ist manchmal mehr ÔÇô f├Ąllt mir spontan zu deiner Geschichte ein. Du versuchst in deinem Text sehr viele psychische Facetten von Dani wiederzugeben. Drang sich zu bet├Ąuben, Einsamkeit, Negativit├Ąt, Angst, Verzweiflung, Eifersucht etc. Zu jedem dieser starken Gef├╝hle lie├če sich ein ganzes Buch schreiben. Du gehst aber nicht weiter darauf ein. Wenn du 20 Leute zu ihrer Einsamkeit befragst, wirst du 20 unterschiedliche Geschichten erfahren und du wirst feststellen, dass Einsamkeit zwanzigmal unterschiedlich gef├╝hlt wird. Einsamkeit ist nicht gleich Einsamkeit. Diese Umschreibung, was Leere, was Angst, was Negativit├Ąt f├╝r Dani genau bedeuten, was hat dazu gef├╝hrt, wie leidet sie darunter, fehlt mir in deinem Text. Erz├Ąhl doch die spannende Geschichte ├╝ber ÔÇ×die ganzen SteineÔÇť die Dani in den Weg der Freundschaft gelegt hat. Ich glaube sie w├╝rde mir dann besser im Ged├Ąchtnis haften bleiben.

M├╝de Gr├╝├če
Vom Dichter

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